Schluss mit lustig, das Sommerloch ist endgültig vorbei, die Ereignisse überschlagen sich mal wieder, weil jeder mitkriegt, weil gerade los ist und nicht im Urlaub vor sich hinbrutzelt (und diejenigen, die es trotzdem tun, sind wahrscheinlich mehr als zu bedauern, immerhin gibt es nichts schöneres, als mitzukriegen, was in dieser verrückten Welt geschieht!).
Die Sommerlochserie ist zugegebenermaßen eher offen geendet, aus Zeitmangel bestand keine Zeit mehr, den Sommer(loch)spielen 2012 eine würdige Abschlussfeier zu bescheren. Sie mögen es mir verzeihen, die Goldmedaillengewinner sind auch so Stolz wie Oskar über ihren "Gewinn". Deswegen wende ich mich in meinem Blog direkt dem heißen, feurigen "Indian Summer" oder dem "nasskalten Hundswetter" zu (was eher auf den deutschen Herbst zutrifft als ersteres!). In dieser Woche gab es denn auch endlich mal wieder für mich einen Grund, überhaupt einen Blogeintrag zu verfassen.
Gestern Mittag war ich verdutzt, fast geschockt und reagierte anschließend nur mit Ungläubigkeit und Kopfschütteln, als ich in den Nachrichten hörte, wer nun in diesem Jahr den "Friedensnobelpreis 2012" gewonnen hat, den wichtigsten der vom schwedischen Chemiker Alfred Nobel gegründeten und gestifteten Preises. Besonders interessant: Nobel legte in seinem Testament fest, dass der Preis "denen zugeteilt werden (soll), die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ (Quelle: wikipedia). Laut Jury ist dies also in diesem Jahr die EU, die Institution, die vor allem durch die Krisen"bewältigung" um den Euro vorrangig in den Schlagzeilen stand.
Die EU gewinnt also den "Friedens"nobelpreis und das mit der Begründung, dass "die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe" (Quelle: Spiegel-online). Diese Begründung kann verlangsamtes und zustimmendes Kopfnicken verursachen... muss aber nicht zwangsläufig! Einleuchtend ist die Begründung schon, die EU und das Bündnis der Mitgliedstaaten steht symbolisch für eine friedliche Einheit, vor allem aber auch für eine wirtschaftliche. Sicher, es soll immer der Frieden und die Demokratie im Vordergrund stehen bei der Symbolfigur Europäische Union, aber seien wir einen kurzen Augenblick mal wieder ehrlich: es geht in erster Linie um wirtschaftliche Interessen beim Bündnis der EU. Und nichts spricht wirklich dagegen, immerhin lebt jedes Individuum in heutigen Zeiten auch in erster Linie für den wirtschaftlichen Aspekt. Überleben heißt das Schlagwort, welches mit Geld und Wirtschaft untrennbar verknüpft ist.
Das Problem an diesem Friedensnobelpreis ist indes auch nicht, dass die EU mehr ein wirtschaftliches denn ein Friedensbündnis ist. Es ist klar, dass wir in der EU friedlich miteinander leben, da die EU aus demokratischen Mitgliedsstaaten besteht. Man bedenke auch, dass die EU einen weiten Weg hatte, um in solch einem starken, demokratischen Bündnis zu stehen, es bedurfte viel Einsichtigkeit und große Schritte musste von Staatsmännern aufeinander zu gemacht werden. Allein die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zeigt das: die Verbrüderung von Adenauer und de Gaulle galt damals wie heute als ein großer Schritt in Richtung einer friedlichen Gemeinschaft. Auch hier hat das Komitee des Nobelpreises Recht, wenn sie sagen, dass "heute ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland undenkbar wäre". Wahrscheinlich sind alle EU-Bürger auch sehr dankbar darum, dass ein Krieg wie der 2. Weltkrieg im heutigen Europa nicht denkbar wäre.
Trotzdem habe ich spontan über die Entscheidung, den Preis an die EU zu verleihen, mit Kopfschütteln reagiert. Nach allem, was in den vergangenen zwei Jahren war? Ist die EU wirklich noch eine Gallionsfigur des Friedens, die solch eines Preises würdig ist?
Ja, die Euro-Krise hat keinen Krieg innerhalb Europas ausgelöst. Zumindest keinen Krieg, der Tausende von Menschenleben fordert wie der, der zur Zeit in Syrien stattfindet. Man kann der EU auch nicht wirklich Tatenlosigkeit nachsagen in Sachen Eurokrise. Madame "Non" Merkel hat bewiesen, wie führungsstark und überlegt sie in der Krise eine ganze Gemeinschaft leiten kann. Gut, ich gebe zu, der Satz klingt weit sarkastischer, als ich ihn meine. Es ist wichtig, dass in der Krise, die eine ganze Währung zu zerstören droht, gehandelt wird, vor allem, wenn es bei dieser Währung um eine Gemeinschaftswährung geht und der Großteil eines ganzen Kontinentes wirtschaftlich in Gefahr ist. Allerdings kann man der EU zu Recht vorwerfen, dass sie nicht so stark und sozial gerecht handelt, wie es das Komitee des Nobelpreises ihm gerne unterstellen würde.
Die Euro-Krise hat Opfer gefordert, keine in Blut getränkten Kriegsopfer, die offen auf der Straße liegen, doch sie hat Opfer gefordert. Menschen leiden unter diktatorischen Sparmaßnahmen, blicken in eine heute mehr denn je ungewisse Zukunft und die Pläne zur Bewältigung der Eurokrise führt nur zu Demonstrationen Tausender Menschen auf den Straßen der von der Krise gebeutelten Nationen. Es ist kein Krieg möglich in Europa? Blickt man auf die Aggressionen speziell in Griechenland und das speziell gegenüber Deutschland, könnte man den "Krieg" fast schon wie dampfende Hundekacke in der Luft riechen. Erst in dieser Woche war Bundeskanzlerin Merkel dann auch in Griechenland zu weiteren Gesprächen im Hinblick auf die Krise. Dieser Besuch wurde ungewöhnlich unfreundlich von den Griechen in Empfang genommen: menschenleere Straßen, wo Frau Merkel mit Polizeitrupp und Limousine fuhr, es gab nicht einmal rosa Luftballons für sie. Stattdessen in anderen Teilen Athens groß angelegte Proteste mit Demonstranten, die teilweise in Naziuniform aufmarschierten. Ja, wenn kein anderer Vorwurf gegen die Deutschen geht, dann der bezüglich ihrer Nazivergangenheit. Eine Demonstration, die noch billiger ist als jedes "scripted reality format" im deutschen Fernsehen.
Fakt ist: es brodelt an allen Ecken und Enden in Europa seit der Eurokrise. Griechenland hasst Deutschland, Deutschland ist teils verstimmt mit Frankreich, Spanien und Italien schrauben an Lösungen, die sie selbst mehr schlecht als recht finanzieren können, und alle drängen wiederum Griechenland, endlich ihr finanzielles Problem in den Griff zu kriegen. Einigkeit besteht seit der Eurokrise sowieso nur auf halbgaren Papieren und zusammengeschusterten Plänen zur Lösung des Finanzproblems der EU. Die EU als Friedenssymbol?
In einer Zeit, in der die EU mit einer solch gewaltigen Krise wie der Eurokrise zu kämpfen hat, ist es nicht einmal eine "jetzt erst recht!"-Demonstration, den Preis der Europäischen Union zu verleihen. Der Friedensnobelpreis soll doch (wenn man den Worten Alfred Nobels in seinem Testament folgen soll) demjenigen verliehen werden, der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht hat. Im Hinblick auf dieses Zitat ist die EU wohl eher ein halbgarer Preisträger und nicht wirklich der Auszeichnung gewachsen.
Vor allem im Hinblick auf die anderen potenziellen Kandidaten ist diese Preisvergabe eher ein Treppenwitz. Zu den nominierten gehörten nicht nur die üblichen "Staatsmänner-Verdächtigen" wie Helmut Kohl oder Bill Clinton und auch Julija Timoschenko, sondern auch die Vorreiter des "arabischen Frühlings", Blogger und Menschenrechtler waren für den Preis nominiert. Die Spannung war auch bei mir in diesem Jahr groß gewesen und als ich die Entscheidung gehört habe, dachte ich, man hätte auch sonst wem den Preis verleihen können. Eine Auszeichnung an Protestler gegen das russische Regime hätte der Bewegung gegen Putin gut getan, es hätte vor allem ein Statement gegen Putin und seine fast totalitäre Herrschaft gesetzt.
Geht es schlussendlich bei einem Friedensnobelpreis nicht um den Frieden an sich? Wer könnte den Frieden besser vertreten als die, die sich uneigennützig für den Frieden und die Freiheit der Menschen einsetzen? Zugegeben, ein Nominierter wie Bono von U2 ist für mich auch nicht wirklich ein Wunschkandidat für die Auszeichnung. Wenn sich Menschen, die viel Popularität und Geld haben, für Frieden oder Schuldenerlässe von Entwicklungsstaaten einsetzen, ist das zwar lobenswert, aber nicht sonderlich schwer für diese Menschen umzusetzen. Ich schätze Bono's Engagement für Afrika wirklich sehr und finde auch, dass gerade er in der Prominentenwelt eine Bewegung losgetreten hat, sich auch für die Armen der Welt einzusetzen (was in den Jahren davor viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt wurde). Aber ein Friedensnobelpreis? Ich sehe immer noch Menschen für diese Auszeichnung, die ihr gesamtes Leben einer Sache widmen, mit Herz und Hirn sich so stark für etwas einsetzen, dass Glanz und Gloria kein Platz mehr haben. Hingabe und sich einer Sache wirklich zu widmen erfordert viel Kraft, da kann man nicht nebenher noch Karriere machen (auch wenn Kristina Schröder das immer zu verkaufen versucht und immer noch strikt gegen eine Frauenquote ist).
Erst heute las ich von der 14jährigen Schülerin Malala Yousufzai aus Pakistan, die in ihrer Heimat von Al-Qaida Terroristen niedergeschossen wurde und nach einer Notoperation immer noch ums Überleben kämpft. Ein Mädchen, dass sich öffentlich für die Rechte von Mädchen eingesetzt hat, in die Schule gehen zu dürfen in einem Land, in dem der Terror der Al Qaida Mädchen sogar verbietet, das Haus zu verlassen. Nein, nicht ganz Pakistan ist von der Al Qaida Seuche befallen, aber ein erschreckend großer Teil und die Terrororganisation tut alles, um das ganze Land in ihre Gewalt zu bringen. Man muss den Mut dieses Mädchens bewundern, ihre Courage, für das Recht auf Schulbildung einzutreten. Ist das nicht viel mehr Wert als eine Organisation wie die EU, die von hochbezahlten Sesselwarmhaltern lebt, die dank großer Gehaltsschecks den "Frieden in Europa" sichern?
Einige Kritiker bemängeln schon seit mehreren Jahren, dass der Friedensnobelpreis an "Schlagkraft" verloren hat, weil einfach die falschen Menschen damit ausgezeichnet werden. So war die Auszeichnung für Barack Obama im Jahr 2008 bereits ein Witz, über den man sich heute noch lustig machen darf. Einen Staatsmann auszuzeichnen vor seinem Amtsantritt waren wohl doch ein paar Vorschusslorbeeren zuviel und bis auf die große Heldentat, in einer gefährlichen Operation Terrorchef Osama bin Laden zu töten, ist nicht viel passiert in der ersten Amtsperiode Obamas, zumindest nicht außenpolitisch oder zur Herstellung des Weltfriedens. So zeigt sich Obama speziell in dem Konflikt um Syrien erschreckend träge und tatenlos. Ein Mann, der als Symbolfigur für den Frieden ausgezeichnet wird, müsste doch viel mehr tun, um das Blutvergießen in dem Kriegsgebiet zu stoppen, oder? Nun, wie schon des Öfteren vorher betont, Obama ist nicht der Messias, für den ihn viele Menschen vor seinem Amtsantritt gehalten haben.
Aber zurück zum EU Friedensnobelpreis. Der Präsident der EU Kommission, José Manuel Barroso, hat nach der Bekanntgabe gesagt, dass es "große Ehre für die gesamte EU und alle 500 Millionen Bürger (ist), mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden". Hm, also sind nun alle EU Bürger stolz, einen Preis erhalten zu haben, von dem keiner so wirklich was hat. Ja, die Symbolkraft... ist klar! Ich glaube, die EU Bürger sind dieser Tage viel zu sehr mit der Angst um ihre Jobs und ihre Existenz in Zeiten der Euro-Krise beschäftigt, als dass sie Freudensprünge wegen eines gewonnen Friedensnobelpreises machen könnten. Solch ein Preis ist schlussendlich doch mehr für diejenigen, die Zeit haben, diese Ehrung zu genießen und sich im Licht der Lobhuselei zu sonnen. Wie die Politiker in der EU. Vielleicht hatte das Kommitee doch recht, genau diese Organisation auszuzeichnen... immerhin wäre ein Menschenrechtler zu beschäftigt mit der Wahrung des Friedens oder der Umsetzung seiner eigenen Mission, um sich vor Kameras zu aalen oder Statements zu geben, wie sehr er den Preis doch verdient hätte.
Das Einzige, was die Verleihung dieses Jahr bei mir bewirkt hat, ist Enttäuschung. Enttäuschung über das zu weiche Rückgrat des Nobelpreis-Komitees, Enttäuschung über so wenig Mut zu einer erwähnenswerten Entscheidung und Enttäuschung über einen Preisträger, der so furchtbar sinnlos ist, gerade in dieser für die EU so schweren Zeit. Optimisten reden natürlich von dem "Push", den solch ein Preis mit sich bringt, der Motivation, die dieser Preis für die EU in Krisenzeiten haben wird. Bitteschön, ich lasse allen Optimisten und Befürwortern gerne ihr positives Gedankengut und vielleicht führt dieser Preis wirklich zu dem Kick, der die Europäische Gemeinschaft in die richtige Richtung führen wird. Es wäre allen Beteiligten (inklusive 500 Millionen EU Bürger, denn auf die kommt es schlussendlich wirklich an!) zu wünschen!
In diesem Sinne ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Blogeintrag.
LG Gene :-)
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Samstag, 13. Oktober 2012
Love, Peace & Europe? Die EU zum heißen Herbst 2012
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Samstag, 16. Juni 2012
Wo bitte geht's zur Vernunft? - Europäische Wahlen und globale Qualen
Mal nix zur EM, da wird schon genug an allen Ecken und Enden geblubbert - jaaa, die Deutschen fühlen sich wieder wie die ganz Großen. Aber das tun sie allgemein ganz gern - auch in der Politik! Zumindest in der Europapolitik. Innenpolitisch haben sie diese Woche wohl doch einen Riesenbock geschossen - oder ein Riesenhammel? Tja, der sogenannte "Hammelsprung" vom Donnerstag ging ja mal gründlich in die Hose. Die Sache mit dem Betreuungsgeld ist aber auch verflucht, soll eigentlich nur eingeführt werden, weil Herr Seehofer das so gerne hätte. Der Herr Seehofer... wäre er doch nur mal gut bei seiner Facebook-Party im P1 in München hängengeblieben!
Sei's drum, das Betreuungsgeld soll her, egal wie. Warum? Weil der Herr Seehofer meint, das wäre gut für Deutschland, für die Familien. Trotzdem sind inzwischen laut Umfragen fast drei Viertel der Bundesbürger gegen das Betreuungsgeld. Nun, wenn das Betreuungsgeld auch nur eingeführt wird, damit Besserverdiener davon ihr Aupair-Mädchen finanzieren oder die Kindererziehung dann auf Oma und Opa abgeschoben wird und man so ganz billig 150 Euro im Monat mehr bekommt, nun, dann kann man wohl gerne an dem Betreuungsgeld zweifeln. Immerhin, so richtig Sinn macht das Ganze nicht - die Eltern müssen motiviert werden, ihre Kinder selbst zu Hause zu erziehen. Dafür gibt es dann also das Kindergeld. Allerdings: Generationen zuvor haben ebenfalls ihre Kinder selbst erzogen und keinen Cent dafür bekommen. Schlimmer noch: es gab doch mal Zeiten (und die sind noch gar nicht sooo lange her!), da gab es für Eltern nicht einmal Kindergeld. Heute hingegen werden die Eltern, die sich in der konsumdurchtränkten und vom Egoismus aufgegeilten Gesellschaft entschließen, ihre Fruchtbarkeit zu nutzen und ihre Gene weiterzutragen, zu Tode motiviert und subventioniert. In der Lebensmittelindustrie und in der Rohstoffgewinnung geht es ja schon lange ähnlich zu, aber bei Kindern? Sind sie nun doch der neue "nachwachsende Rohstoff", von dem ich bereits vor drei Jahren gesprochen habe?
Nun kann ich verstehen, dass die Kindererziehung finanziell vom Staat unterstützt werden muss - immerhin bezahlen die Steuerzahler so viel Steuern, dass fast kein Geld mehr übrig bleibt, um ein Kind zu erziehen. Es fängt allerdings in diesem Denken schon wieder an, gewaltig zu haken. Immerhin: Steuerzahler jeder Gehaltsklasse sollen von dem Betreuungsgeld profitieren - dabei ist es dann auch egal, ob es sich dabei um Geringverdiener oder ein Managerehepaar mit 100 000 Euro plus Jahresgehalt handelt. Frage: wozu brauchen Zweitere bitte das Betreuungsgeld? Warum müssen diese Leute überhaupt motiviert werden, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn sie sie eh nicht selbst erziehen werden? Es geht in erster Linie doch darum (so hab ich das Betreuungsgeld zumindest verstanden), dass man seine Kinder zu Hause lässt und selbst erzieht. Oder geht es doch im Ende nur darum zu vertuschen, dass die Regierungen von Bund und Kommunen jahrelang gepennt haben und das gesamte Kita-System so brüchig ist, dass es lange nicht mehr genug Kita-Plätze für alle Kinder gibt? Es heißt nun, das Problem wäre nicht wirklich der Raum für die Kinder in Kitas, sondern das Fachpersonal. Aha, wieder einmal Fachkräftemangel in Deutschland! "Fachkräftemangel" sollte wirklich bald als Prädikatsstempel rechts unten neben dem Deutschlandadler stehen. Wir haben "Fachkräftemangel" im Ingenieursbereich, nun bei den Erzieherinnen, bald werden wir wohl in mehr als nur einem Handwerksberuf "Fachkräftemangel" haben. Hauptsache ist doch, wir haben genug Fachkräfte für Bürojobs! Bürojobs, ausgerechnet ... Jobs, die eigentlich nur dazu da sind, aktive Posten zu organisieren und wie auf dem Rechenschieber hin- und herzuschieben, gegebenenfalls zu streichen oder am anderen Ende wieder anzuheuern. Bürojobs - die wahrscheinlich unnötigsten Jobs der Welt. Aber wenigstens in diesem Bereich haben wir längst keinen "Fachkräftemangel".
Zurück zum Betreuungsgeld! Die Deutschen, die jahrelang dazu genötigt wurden "seid fruchtbar und vermehret euch" haben sich wohl nun doch zuviel vermehrt. Nein, das stimmt nicht, die Politik und die gesamte Gesellschaft jammert ja immer noch, weil die Deutschen sich nicht genug vermehren. Wie allerdings mit dem Strom an gewolltem Nachwuchs umgegangen werden soll, weiß keiner. Die Politik wohl am allerwenigsten. Horst Seehofer ist in dieser Hinsicht wohl der Ahnungsloseste, wenn es um die Versorgung und die Zufriedenheit deutscher Eltern geht. "Naja, er hat's zumindest versucht!", könnte man sagen, wenn es um das Thema Betreuungsgeld geht. Es ist ja auch verflucht, wenn nicht einmal Familienministerin Kristina "Danke, ich bin emanzipiert!" Schroeder dahintersteht. Die ist mit ihren "Latte Macchiato Muttis" und dem ewigen Kampf gegen Frauenquote beschäftigt, weil wie gesagt, sie ist ja schon von selbst emanzipiert. Aha! Wer wundert sich da noch, dass der "Hammelsprung", zum "Lemmingsprung" über die Klippen wurde? Plötzlich wollte die gesamte Opposition nicht mehr rein in den Bundestag, ein Drittel der Regierungsparteienmitglieder war schon im Wochenende (oder Sommerurlaub? Die Grenzen sind in der Politik ja fließend!) und damit ist das Betreuungsgeld wohl auch ein Fall für das Sommerloch - Auflösung über die Entscheidung gibt es per Cliffhanger erst im September!
Aber schläft die Politik? In Deutschland vielleicht, im Rest der Welt eher nicht. In Griechenland finden nun schon wieder Wahlen statt und irgendwann blickt da keiner mehr durch. In Ägypten sollen Wahlen stattfinden, während die Parlamentswahlen vor vier Monaten für ungültig erklärt wurden. Okay, man könnte nun sagen "Jetzt wird noch einmal überall gewählt und dann geht's ab in den Sommerurlaub!". So oder so ähnlich soll es wohl funktionieren. Problem an der Sache: die Eurokrise wird dadurch auch nicht gelöst, nicht einmal ansatzweise. Die Radikalparteien in Griechenland wollen den Fiskalpakt am Besten komplett kippen, Hollande will immer noch gravierende Änderungen, die Frau Merkel immer noch nicht will. Dieses ganze Chaos kann man dann wohl nur noch mit "Alles Scheiße - deine Tante Emma!" unterschreiben.
Worauf ich hinaus will? Nun, ich bin ehrlich: ich habe keine Ahnung! Die Politik wurstelt sich nur noch irgendetwas zurecht, ohne Sinn oder Verstand, die Menschen werden dadurch immer unleidlicher, obwohl ich das Gefühl habe, sie wären auch nicht wirklich zufriedener, wenn die Politik kompetent wäre und etwas erreichen würde. Die Zufriedenheit der Menschen bewegt sich auf den Nullpunkt zu - oder auf Gefrierfachtemperaturen. Merkwürdig an der Sache ist doch nur, dass die Menschen, die eigentlich so ziemlich alles haben, ausgerechnet diejenigen sind, die am stärksten meckern und Veränderung wollen.
Erst in dieser Woche wurde ich auf eine erschreckende Tatsache aufmerksam gemacht: weltweit arbeiten mehr als 200 Millionen Kinder in Kinderarbeit. Der vollgefressene Durchschnittsbürger mag sich da nur denken "Was interessiert es mich?". Doch ist es nicht erschreckend, dass wir hier Luxusprobleme wie das Betreuungsgeld hin und herwälzen, wo es beispielsweise in Indien, China oder vielen afrikanischen Ländern Millionen Kinder gibt, die tagtäglich arbeiten müssen statt zur Schule zu gehen, nur um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern? In diesen Ländern bekommen die Menschen keine Kinder, um ihre Gene weiterzutragen oder aus Liebe zum Partner; man bekommt dort Kinder, damit diese ab einem gewissen (meist viel zu jungem Alter!) als Arbeitskräfte den Lebensunterhalt der Familie sichern. So sind dann auch Familien mit acht bis zehn Kindern zu erklären. Recht auf Bildung oder eine Kindheit? Das ist meist Fehlanzeige in diesen Gesellschaften. Die Lebenserhaltungskosten der Menschen betragen dort rund 70% ihres gesamten Einkommens (zum Vergleich: wir geben für Lebensmittel durchschnittlich 30% unseres Gehaltes aus!), deswegen müssen die Kinder dort auch wesentlich früher heranklotzen als hier in Deutschland, wo der Nachwuchs erst durchschnittlich vier bis sechs Jahre nach dem Abitur studieren geht, bevor er überhaupt einmal ernsthaft arbeiten geht...
Versteht mich nicht falsch! Es ist doch toll, in Deutschland zu leben, gerade unter diesen Umständen. Doch diese ganzen Luxusprobleme gehen mir langsam aber sicher auf den Wecker. Wir wissen vor lauter Großkotzigkeit doch gar nicht mehr, in welche Ecke wir noch kacken sollen, damit der letzte saubere Flecken Erde beschmutzt wird. Zugegeben, wir sind nicht die einzigen, das Problem an dieser Welt ist wohl, dass inzwischen alle Gesellschaften, alle Schichten, alle Kulturen meinen, sie bräuchten diesen Luxus, das Gefühl, alles zu haben und dabei immer mehr zu erhalten. Erst kürzlich sah ich einen Bericht über den Fortschritt und darüber, wie tot wir uns alle laufen, indem wir nach immer mehr streben. Wir wollen vermeindlich weiterkommen, dabei entwickeln wir nur immer wieder neue Methoden, um auf der Stelle zu treten.
Den Tatsachen stellt sich hierbei kaum einer: die Weltbevölkerung wächst dramatisch und dadurch gibt es viele Dinge, die geregelt werden müssen, mit denen wir umgehen müssen: ein Mehrbedarf an Rohstoffen, Platzmangel und das Recht aller, ein erträgliches Dasein zu führen. Damit wären wir wohl schon beim Stichwort: das Dasein sollte "erträglich" sein, es redet keiner davon, dass über sieben Milliarden Menschen in Wohlstand und Luxus leben sollen. Das müssen sie auch gar nicht! Es mag für uns unvorstellbar sein, aber viele Menschen auf diesem Planeten sind mit ihren für uns "eingeschränkten" Möglichkeiten weitaus zufriedener als wir mit unserem Luxus! Ist es nicht unfassbar? Es gibt doch tatsächlich Menschen, die nicht nach einem Mercedes, einem Jaguar und einer Traumvilla streben. Es soll sie tatsächlich geben, die Menschen, die auch ohne Prada oder Adidas zufrieden sind. Ich gebe zu: es werden immer weniger Menschen, die so denken. Doch wenn man es genau betrachtet, sind genau diese Menschen diejenigen, die unseren Planeten noch einigermaßen retten. Nicht die großen Wissenschaftler, die an globalen Lösungen zur Energiewende arbeiten und sich den Kopf zerbrechen, wie der Luxus in unserer Gesellschaft weiterhin Standard bleiben kann und was wir tun können, damit wir "umweltfreundlich" wirtschaftlich noch profitabler sein können als vorher.
Das sind die Dinge, die wir allgemein als "Fortschritt" bezeichnen: die Umwelt retten bis zu einem gewissen Grad - Hauptsache, die Kohle stimmt und wir können und danach noch mehr leisten als vorher. Dabei ist die Lösung so erschreckend wie einfach, wie der Planet gerettet werden kann: indem weniger produziert und weniger verbraucht wird als zuvor. Tja, diese Leichtigkeit und Simplizität ist allerdings grotesk für alle, die so gerne so viel mehr hätten als das, was sie bereits haben. Sparen? Den Gürtel enger schnallen? Diese Vorstellungen klingen für die meisten Menschen derart furchtbar, dass sie nicht im Geringsten darüber nachdenken möchten. Wenn diese Menschen doch alle nur die Wahrheit kennen würden: dass der bewusste Umgang mit Rohstoffen und das Einsparen und weniger verbrauchen so viel erfüllender sein kann als aller Luxus und jegliche Verschwendung, die wir so gerne propagieren.
Nun, die Vernunft muss irgendwann Einzug nehmen bei uns allen. Wenn dies nicht geschieht, muss sich die Menschheit zumindest um einen großen Anteil reduzieren. Denn so traurig wie es klingt: die Menschenmenge, die zur Zeit auf diesem Planeten lebt, kann nicht mehr lange weiterexistieren, wenn wir unter den gleichen Bedingungen weitermachen wie bisher. Den meisten Menschen in der westlichen Welt wird das wohl leider egal sein, solange die Menschen, die sterben, aus armen Ländern stammen. Wenn es soweit kommt, hoffe ich doch wenigstens auf die Gerechtigkeit, dass die Gier und der Egoismus auch viele Menschen in diesen Breitengraden dahinraffen möge. Das klingt grausam, aber die Grausamkeiten, vor denen wir tagtäglich die Augen verschließen, sind noch wesentlich schlimmer und herzzerreißender als das, was wir uns in unserem kleinen Kosmos vorstellen können.
In diesem Sinne wünsche ich trotzdem allen Lesern eine schöne neue Woche und auf einen neuen Blogeintrag am nächsten Samstag!
LG Gene :-)
Sei's drum, das Betreuungsgeld soll her, egal wie. Warum? Weil der Herr Seehofer meint, das wäre gut für Deutschland, für die Familien. Trotzdem sind inzwischen laut Umfragen fast drei Viertel der Bundesbürger gegen das Betreuungsgeld. Nun, wenn das Betreuungsgeld auch nur eingeführt wird, damit Besserverdiener davon ihr Aupair-Mädchen finanzieren oder die Kindererziehung dann auf Oma und Opa abgeschoben wird und man so ganz billig 150 Euro im Monat mehr bekommt, nun, dann kann man wohl gerne an dem Betreuungsgeld zweifeln. Immerhin, so richtig Sinn macht das Ganze nicht - die Eltern müssen motiviert werden, ihre Kinder selbst zu Hause zu erziehen. Dafür gibt es dann also das Kindergeld. Allerdings: Generationen zuvor haben ebenfalls ihre Kinder selbst erzogen und keinen Cent dafür bekommen. Schlimmer noch: es gab doch mal Zeiten (und die sind noch gar nicht sooo lange her!), da gab es für Eltern nicht einmal Kindergeld. Heute hingegen werden die Eltern, die sich in der konsumdurchtränkten und vom Egoismus aufgegeilten Gesellschaft entschließen, ihre Fruchtbarkeit zu nutzen und ihre Gene weiterzutragen, zu Tode motiviert und subventioniert. In der Lebensmittelindustrie und in der Rohstoffgewinnung geht es ja schon lange ähnlich zu, aber bei Kindern? Sind sie nun doch der neue "nachwachsende Rohstoff", von dem ich bereits vor drei Jahren gesprochen habe?
Nun kann ich verstehen, dass die Kindererziehung finanziell vom Staat unterstützt werden muss - immerhin bezahlen die Steuerzahler so viel Steuern, dass fast kein Geld mehr übrig bleibt, um ein Kind zu erziehen. Es fängt allerdings in diesem Denken schon wieder an, gewaltig zu haken. Immerhin: Steuerzahler jeder Gehaltsklasse sollen von dem Betreuungsgeld profitieren - dabei ist es dann auch egal, ob es sich dabei um Geringverdiener oder ein Managerehepaar mit 100 000 Euro plus Jahresgehalt handelt. Frage: wozu brauchen Zweitere bitte das Betreuungsgeld? Warum müssen diese Leute überhaupt motiviert werden, ihre Kinder zu Hause zu lassen, wenn sie sie eh nicht selbst erziehen werden? Es geht in erster Linie doch darum (so hab ich das Betreuungsgeld zumindest verstanden), dass man seine Kinder zu Hause lässt und selbst erzieht. Oder geht es doch im Ende nur darum zu vertuschen, dass die Regierungen von Bund und Kommunen jahrelang gepennt haben und das gesamte Kita-System so brüchig ist, dass es lange nicht mehr genug Kita-Plätze für alle Kinder gibt? Es heißt nun, das Problem wäre nicht wirklich der Raum für die Kinder in Kitas, sondern das Fachpersonal. Aha, wieder einmal Fachkräftemangel in Deutschland! "Fachkräftemangel" sollte wirklich bald als Prädikatsstempel rechts unten neben dem Deutschlandadler stehen. Wir haben "Fachkräftemangel" im Ingenieursbereich, nun bei den Erzieherinnen, bald werden wir wohl in mehr als nur einem Handwerksberuf "Fachkräftemangel" haben. Hauptsache ist doch, wir haben genug Fachkräfte für Bürojobs! Bürojobs, ausgerechnet ... Jobs, die eigentlich nur dazu da sind, aktive Posten zu organisieren und wie auf dem Rechenschieber hin- und herzuschieben, gegebenenfalls zu streichen oder am anderen Ende wieder anzuheuern. Bürojobs - die wahrscheinlich unnötigsten Jobs der Welt. Aber wenigstens in diesem Bereich haben wir längst keinen "Fachkräftemangel".
Zurück zum Betreuungsgeld! Die Deutschen, die jahrelang dazu genötigt wurden "seid fruchtbar und vermehret euch" haben sich wohl nun doch zuviel vermehrt. Nein, das stimmt nicht, die Politik und die gesamte Gesellschaft jammert ja immer noch, weil die Deutschen sich nicht genug vermehren. Wie allerdings mit dem Strom an gewolltem Nachwuchs umgegangen werden soll, weiß keiner. Die Politik wohl am allerwenigsten. Horst Seehofer ist in dieser Hinsicht wohl der Ahnungsloseste, wenn es um die Versorgung und die Zufriedenheit deutscher Eltern geht. "Naja, er hat's zumindest versucht!", könnte man sagen, wenn es um das Thema Betreuungsgeld geht. Es ist ja auch verflucht, wenn nicht einmal Familienministerin Kristina "Danke, ich bin emanzipiert!" Schroeder dahintersteht. Die ist mit ihren "Latte Macchiato Muttis" und dem ewigen Kampf gegen Frauenquote beschäftigt, weil wie gesagt, sie ist ja schon von selbst emanzipiert. Aha! Wer wundert sich da noch, dass der "Hammelsprung", zum "Lemmingsprung" über die Klippen wurde? Plötzlich wollte die gesamte Opposition nicht mehr rein in den Bundestag, ein Drittel der Regierungsparteienmitglieder war schon im Wochenende (oder Sommerurlaub? Die Grenzen sind in der Politik ja fließend!) und damit ist das Betreuungsgeld wohl auch ein Fall für das Sommerloch - Auflösung über die Entscheidung gibt es per Cliffhanger erst im September!
Aber schläft die Politik? In Deutschland vielleicht, im Rest der Welt eher nicht. In Griechenland finden nun schon wieder Wahlen statt und irgendwann blickt da keiner mehr durch. In Ägypten sollen Wahlen stattfinden, während die Parlamentswahlen vor vier Monaten für ungültig erklärt wurden. Okay, man könnte nun sagen "Jetzt wird noch einmal überall gewählt und dann geht's ab in den Sommerurlaub!". So oder so ähnlich soll es wohl funktionieren. Problem an der Sache: die Eurokrise wird dadurch auch nicht gelöst, nicht einmal ansatzweise. Die Radikalparteien in Griechenland wollen den Fiskalpakt am Besten komplett kippen, Hollande will immer noch gravierende Änderungen, die Frau Merkel immer noch nicht will. Dieses ganze Chaos kann man dann wohl nur noch mit "Alles Scheiße - deine Tante Emma!" unterschreiben.
Worauf ich hinaus will? Nun, ich bin ehrlich: ich habe keine Ahnung! Die Politik wurstelt sich nur noch irgendetwas zurecht, ohne Sinn oder Verstand, die Menschen werden dadurch immer unleidlicher, obwohl ich das Gefühl habe, sie wären auch nicht wirklich zufriedener, wenn die Politik kompetent wäre und etwas erreichen würde. Die Zufriedenheit der Menschen bewegt sich auf den Nullpunkt zu - oder auf Gefrierfachtemperaturen. Merkwürdig an der Sache ist doch nur, dass die Menschen, die eigentlich so ziemlich alles haben, ausgerechnet diejenigen sind, die am stärksten meckern und Veränderung wollen.
Erst in dieser Woche wurde ich auf eine erschreckende Tatsache aufmerksam gemacht: weltweit arbeiten mehr als 200 Millionen Kinder in Kinderarbeit. Der vollgefressene Durchschnittsbürger mag sich da nur denken "Was interessiert es mich?". Doch ist es nicht erschreckend, dass wir hier Luxusprobleme wie das Betreuungsgeld hin und herwälzen, wo es beispielsweise in Indien, China oder vielen afrikanischen Ländern Millionen Kinder gibt, die tagtäglich arbeiten müssen statt zur Schule zu gehen, nur um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern? In diesen Ländern bekommen die Menschen keine Kinder, um ihre Gene weiterzutragen oder aus Liebe zum Partner; man bekommt dort Kinder, damit diese ab einem gewissen (meist viel zu jungem Alter!) als Arbeitskräfte den Lebensunterhalt der Familie sichern. So sind dann auch Familien mit acht bis zehn Kindern zu erklären. Recht auf Bildung oder eine Kindheit? Das ist meist Fehlanzeige in diesen Gesellschaften. Die Lebenserhaltungskosten der Menschen betragen dort rund 70% ihres gesamten Einkommens (zum Vergleich: wir geben für Lebensmittel durchschnittlich 30% unseres Gehaltes aus!), deswegen müssen die Kinder dort auch wesentlich früher heranklotzen als hier in Deutschland, wo der Nachwuchs erst durchschnittlich vier bis sechs Jahre nach dem Abitur studieren geht, bevor er überhaupt einmal ernsthaft arbeiten geht...
Versteht mich nicht falsch! Es ist doch toll, in Deutschland zu leben, gerade unter diesen Umständen. Doch diese ganzen Luxusprobleme gehen mir langsam aber sicher auf den Wecker. Wir wissen vor lauter Großkotzigkeit doch gar nicht mehr, in welche Ecke wir noch kacken sollen, damit der letzte saubere Flecken Erde beschmutzt wird. Zugegeben, wir sind nicht die einzigen, das Problem an dieser Welt ist wohl, dass inzwischen alle Gesellschaften, alle Schichten, alle Kulturen meinen, sie bräuchten diesen Luxus, das Gefühl, alles zu haben und dabei immer mehr zu erhalten. Erst kürzlich sah ich einen Bericht über den Fortschritt und darüber, wie tot wir uns alle laufen, indem wir nach immer mehr streben. Wir wollen vermeindlich weiterkommen, dabei entwickeln wir nur immer wieder neue Methoden, um auf der Stelle zu treten.
Den Tatsachen stellt sich hierbei kaum einer: die Weltbevölkerung wächst dramatisch und dadurch gibt es viele Dinge, die geregelt werden müssen, mit denen wir umgehen müssen: ein Mehrbedarf an Rohstoffen, Platzmangel und das Recht aller, ein erträgliches Dasein zu führen. Damit wären wir wohl schon beim Stichwort: das Dasein sollte "erträglich" sein, es redet keiner davon, dass über sieben Milliarden Menschen in Wohlstand und Luxus leben sollen. Das müssen sie auch gar nicht! Es mag für uns unvorstellbar sein, aber viele Menschen auf diesem Planeten sind mit ihren für uns "eingeschränkten" Möglichkeiten weitaus zufriedener als wir mit unserem Luxus! Ist es nicht unfassbar? Es gibt doch tatsächlich Menschen, die nicht nach einem Mercedes, einem Jaguar und einer Traumvilla streben. Es soll sie tatsächlich geben, die Menschen, die auch ohne Prada oder Adidas zufrieden sind. Ich gebe zu: es werden immer weniger Menschen, die so denken. Doch wenn man es genau betrachtet, sind genau diese Menschen diejenigen, die unseren Planeten noch einigermaßen retten. Nicht die großen Wissenschaftler, die an globalen Lösungen zur Energiewende arbeiten und sich den Kopf zerbrechen, wie der Luxus in unserer Gesellschaft weiterhin Standard bleiben kann und was wir tun können, damit wir "umweltfreundlich" wirtschaftlich noch profitabler sein können als vorher.
Das sind die Dinge, die wir allgemein als "Fortschritt" bezeichnen: die Umwelt retten bis zu einem gewissen Grad - Hauptsache, die Kohle stimmt und wir können und danach noch mehr leisten als vorher. Dabei ist die Lösung so erschreckend wie einfach, wie der Planet gerettet werden kann: indem weniger produziert und weniger verbraucht wird als zuvor. Tja, diese Leichtigkeit und Simplizität ist allerdings grotesk für alle, die so gerne so viel mehr hätten als das, was sie bereits haben. Sparen? Den Gürtel enger schnallen? Diese Vorstellungen klingen für die meisten Menschen derart furchtbar, dass sie nicht im Geringsten darüber nachdenken möchten. Wenn diese Menschen doch alle nur die Wahrheit kennen würden: dass der bewusste Umgang mit Rohstoffen und das Einsparen und weniger verbrauchen so viel erfüllender sein kann als aller Luxus und jegliche Verschwendung, die wir so gerne propagieren.
Nun, die Vernunft muss irgendwann Einzug nehmen bei uns allen. Wenn dies nicht geschieht, muss sich die Menschheit zumindest um einen großen Anteil reduzieren. Denn so traurig wie es klingt: die Menschenmenge, die zur Zeit auf diesem Planeten lebt, kann nicht mehr lange weiterexistieren, wenn wir unter den gleichen Bedingungen weitermachen wie bisher. Den meisten Menschen in der westlichen Welt wird das wohl leider egal sein, solange die Menschen, die sterben, aus armen Ländern stammen. Wenn es soweit kommt, hoffe ich doch wenigstens auf die Gerechtigkeit, dass die Gier und der Egoismus auch viele Menschen in diesen Breitengraden dahinraffen möge. Das klingt grausam, aber die Grausamkeiten, vor denen wir tagtäglich die Augen verschließen, sind noch wesentlich schlimmer und herzzerreißender als das, was wir uns in unserem kleinen Kosmos vorstellen können.
In diesem Sinne wünsche ich trotzdem allen Lesern eine schöne neue Woche und auf einen neuen Blogeintrag am nächsten Samstag!
LG Gene :-)
Freitag, 11. November 2011
Streufutter fürs Volk: Prolog zur Vorweihnachtsserie 2011
Pünktlich zum Beginn der 5. Jahreszeit, dieses Jahr verbunden mit tausenden Wahnsinniger, die meinen, genau heute heiraten zu müssen, mache ich mir schonmal Gedanken über die "schönste Zeit des Jahres": Weihnachten! Dabei bin ich nicht einmal die Einzige: der Aufbau der Weihnachtsmärkte ist bereits jetzt in vollem Gange, die Schaufensterauslagen werden zumindest winterlich, immer schön mit einem Touch ins weihnachtlich-kitschige. Da wir aber alle erst noch den November überleben müssen und danach die Adventszeit, wird es Zeit für einen kleinen Hinweis zur Vorweihnachtsserie 2011. Nach der Sommerlochserie rund ums Thema "Todsünden" fand ich, es wird mal wieder Zeit für eine längere Serie - auch als Abschluss des Jahres 2011 (aber keine Bange, der Jahresrückblick kommt auch noch, versprochen!).
Passenderweise geht es in diesem Eintrag um das "Fest der Liebe", wie Weihnachten so gerne bezeichnet wird. Wie wir alle aber wissen, geht es eher um das Fest des Konsums. Gebt all euer Geld aus, aus Liebe zu allen und allem: eurer Anverwandten wie der Wirtschaft. Nur deshalb glänzen die Schaufenster in behaglich goldgelben Glanz, deswegen sind die Gerüche so anheimelnd und verführerisch, dass man sich nur noch sein Zuhause und eine Tasse heißen Kakao wünscht. Es ist alles nicht mehr Teil einer weihnachtlichen Harmonie, sondern vielmehr ein Geschäft, das möglichst erfolgreich geführt und abgeschlossen werden will. Nicht umsonst befürchten die Einzelhändler, die Geschäfte könnten nicht so erfolgreich laufen wie im Vorjahr. Kollektives Zähneklappern und Jammern, ob es wohl gelingen wird, die Rekordsumme des Vorjahres zu überbieten - alles Andere wäre eine unverzeihliche Niederlage, bei der sich die Wirtschaft ins Taschentuch heulen müsste. Dass die Leute den Konsum von einem Tag auf den anderen einstellen werden, ist so wahrscheinlich wie der morgige Weltuntergang - aber: es ist immer noch besser, Panik zu schüren, als später mit geringfügigen Verlusten leben zu müssen.
Konsum an sich ist allerdings nie verständlicher als zur Vorweihnachtszeit. Die Menschen brauchen einfach etwas, an das sie sich klammern können - gerade, wenn richtig "bescheidenes" Wetter vorherrscht. Weihnachten ist ja auch nicht das wirkliche Geburtsfest von Jesus Christus (wie es uns all die Jahre verkauft wurde), nein... Jesus war ein Sommerkind und im römisch-katholischen Glauben wurde Weihnachten als Fest mitten im Winter eingeführt, um Farbe und einen guten Drink zum Besaufen und Vielfraß zu liefern. Damit wäre Weihnachten wohl einer der ersten Werbecoups der Geschichte. Ob es wirklich der Erste war, kann ich nicht sagen, fest steht nur, diese Werbeaktion hat die weitreichendsten Folgen auf diesem Planeten, dicht gefolgt von der Erfindung des Weihnachtsmannes von Coca Cola.
Allein der Symbolismus von Weihnachten beweist, dass das "Fest der Liebe" darauf ausgelegt ist, uns im Wohlfühlmodus zur Geldausgabe zu verführen. Der Weihnachtsmann (als modernere Variante von Sankt Nikolaus eingeführt) in den Unternehmensfarben der Prickelbrause Coca Cola ist Zugpferdchen für eine werbeträchtige Weihnachtszeit. Aber was soll's? Das ist doch auch völlig okay so. Weihnachten feiern macht Spaß, man hat das ganze Jahr so hart geackert (wenn wir mal die drei Urlaube im Jahr abziehen), dass wir einen Ausgleich brauchen zum Abschluss des Jahres. Uns allen geht allmählich die Puste aus, dann sollten die Kurzatmigen unter uns doch schön gemütlich unterm Weihnachtsbaum bei Glühwein und Gänsebraten ausspannen können.
Aber mal genug von Weihnachten! Wir können zwar bereits seit zwei Monaten Weihnachtssüßigkeiten kaufen, aber wirklich aktiv vom Weihnachtsfest zu reden ist doch ein wenig verfrüht. Allerdings sind wir von Weihnachten gar nicht so weit weg mit unserem Thema, wenn wir von Weihnachten reden. Weihnachten heißt in erster Linie Geschenke. Wir beschenken uns gerne, noch lieber werden wir jedoch beschenkt. Dabei tun wir immer so, als wären wir im Leben die armen, geprügelten Wesen, denen nur wertvolles Gut jeden Tag des Lebens gestohlen wird, sei es unsere wertvolle Zeit oder unser noch wertvolleres Geld. Und gerade deswegen freuen wir uns, wenn wir uns mal wieder belohnen dürfen. Damit sind wir zwar auf einer Stufe mit einem Hund, aber da der Hund der beste Freund des Menschen ist, liegen die ähnlichen Bedürfnisse gar nicht so weit auseinander.
Wie ich schon einmal erläutert habe, ist die Politik weit weniger vom "gewöhnlichen Volk" artenfremd als wir es alle gerne hätten. Politik (und im Speziellen Politiker) haben die gleichen Bedürfnisse wie der normale Bürger - und damit haben sie auch ein Gespür dafür, was der Bürger "will". Und das meine ich mal (fast) ohne Sarkasmus! Denn Menschen wissen, was andere Menschen wollen. Deswegen haben wir auch keine Affen, die den Staat regieren. Und weil das so ist, muss der Bürger nicht immer nur geben, er bekommt auch etwas zurück! Klingt gut als Parole und stimmt schlussendlich auch nicht so ganz, aber damit macht es sich doch prima als Werbeslogan. Nun, dieser "Slogan" stimmt schon, nur eben (wie so oft im Leben!) nicht für alle. Aber mal der Reihe nach.
In letzter Zeit wird mir immer öfter bewusst, wie sehr die Menschen stöhnen und sich beklagen, weil sie arbeiten müssen. Sei es nun im Studium oder später auch auf der Arbeitstelle, es kommt mir oft vor, als wäre den Menschen alles zuviel. "Meine Güte, müssen wir wirklich schon wieder arbeiten?!" könnte der Satz lauten, der in tausendfacher Ausführung durch die Arbeitsräume sämtlicher Einrichtungen schwirrt. Allzu schnell fühlen sich die Menschen überfordert oder genervt, wenn sie einmal etwas tun müssen. Liegt es daran, dass die Menschen wissen, dass ein großer Teil ihres sauer verdienten Geldes an Steuern draufgeht? Hat es allgemein mit einem "Lass mich in Ruhe, ich will weiterschlafen!"-Syndrom zu tun? Ist es gar (wie bei einem tödlichen Cocktail) die Mischung aus beidem? Man kann es nicht sagen, fest steht nur, die Menschen sind angefressen, weil sie viele Steuern bezahlen müssen. Abgaben für die eigene Vorsorge und Absicherung, aber auch Abgaben für den Staat. Was die Leute dabei nie bedenken: so ein hochtrabender Apparat wie der deutsche Staat ist ein Ackergaul, dessen Gelenke gut geschmiert und massiert werden wollen (zu dem Schmieren kommen übrigens gleich nochmal!). Wenn wir den Komfort eines gut organisierten und gepflegten Staates wollen, müssen wir alle unseren Beitrag dazu leisten. Der Mensch meint aber gerne im eigenen Größenwahn, dass seine hart erarbeiteten Steuern goldene Hühnereier sind, auf die die Welt gierig gewartet hat und verlangen den mindestens dreifachen Wert des eingezahlten Einsatzes zurück. Das glaubt ihr nicht? Leider stimmt es doch und gerade in dieser Woche wurde mir bewusst, wie sehr das stimmt.
Okay, Überraschung: es reden immer noch alle von Griechenland! Hinzu kommt jetzt (wieder einmal) der "Pornopolitiker" Silvio Berlusconi (nein, der Ausdruck stammt nicht von mir, habe ihn aber übernommen, weil ich ihn so umwerfend passend finde!!!), der jetzt doch zurücktreten will, obwohl er laut eigener Aussage der "beste Ministerpräsident Italiens seit 150 Jahren" sei. Großzügigerweise möchte er aber seiner "Amore" Italien nicht mehr länger im Weg stehen, wenn sie sich durch den dunklen Wald der Staatspleite hindurchschlängeln muss.
Jedenfalls wie nun selbst der dümmste Mensch, der absolut nichts mit Politik oder Wirtschaft am Hut hat bemerkt haben dürfte, der ESFS (also der Euro Rettungsschirm) ist beschlossene Sache. Und wieder gehen Milliarden an Steuergeldern für die Solidarität drauf - danke EU! Erstaunlich ist allerdings, dass sich die Menschen derzeit so künstlich über diesen Rettungsschirm aufregen: "Das sind Milliarden, die durch Misswirtschaft verlorengehen!" Und wieder einmal grüßt das Murmeltier, denn (nochmal Überraschung!) es gehen uns STÄNDIG Milliarden an Steuergeldern verloren. Und dazu braucht es nicht einmal die Griechen, was bereits die dritte Überraschung ist (wenns so weitergeht, wird das hier fast wie ein Vorweihnachtsfest).
Wenn wir uns die Welt angucken, sehen wir gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Kontinenten, was den wirtschaftlichen Erfolg betrifft. Afrika ist dabei (und das wissen wir alle) wohl das Kind, das beim Völkerballspielen immer als letztes gewählt wird.... weil es zu schwach ist, weil es nicht so gut Völkerball spielen kann als die anderen Kinder. Die Wirtschaft in Afrika liegt in vielen Ländern am Boden - immer noch! Erstaunlich, denn seit über 50 Jahren werden staatlich geförderte Subventionen nach Afrika geschickt - Spendengelder, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nur der Nutzen bleibt aus, wie es sich für eine sinnlose Übung gehört! Es ist wohl der gute Wille, der hier der ganzen Welt im Weg zu stehen scheint: den Industriestaaten, die ihre Steuergelder (unter anderem) an afrikanische Länder geben, um ihnen "zu helfen" und Afrika selbst, weil es sich dank Diktatoren und Misswirtschaft ein ums andere Mal ein Beinchen stellt. So wird das nix mehr mit dem Völkerballspiel.
In ihrem Buch "Dead Aid", das ich (ich gebe es zu) schon mehrfach erwähnt habe, schildert Dambisa Moyo warum es mit Afrika so weit abwärts ging. Diktatoren, die die Spendengelder in die eigene Tasche stecken und mit niemandem großzügig umgehen außer sich selbst. Aber eine Diktatur (so schrieb sie auch) ist nicht der einzige Grund, warum Staatsspenden keinen Nutzen haben. Der Witz der Subventionen, die die EU nach Afrika schickt ist, dass diese Subventionen durch noch mehr Subventionen nutzlos gemacht werden. Wie das geht? Nun, ganz einfach: indem die EU nicht nur afrikanische Staaten durch Spenden subventioniert, sondern gleichzeitig auch die EU-Landwirte. Zumindest sind sie das einleuchtendste Beispiel in dem Zusammenhang. EU-Landwirte werden zu einem großen Teil subventioniert, damit sie genug produzieren. Also bekommen auch Bauern in der EU finanzielle Hilfe, damit sie noch fleißiger sind und mit Spaß bei der Arbeit bleiben. Dabei ist die Versuchung für einen Bauern selbstverständlich groß, nicht nur viel, sondern sehr viel zu produzieren; es ist schön, etwas finanzielle Zusatzhilfe zu bekommen, doch richtig viel von dieser Hilfe zu bekommen, ist richtig schön. Also wird produziert, bis die Schwarte kracht. Das schönste Beispiel hierfür ist wohl das der Milchbauern: hier werden die Kühe gemolken, bis deren Euter bluten. Egal, es geht ja schließlich ums Überleben... und wenn man ein wenig mehr als überleben kann, ist das auch nicht verkehrt.
Die Frage stellt sich allerdings fünf Minuten nach dem Melken der Kühe: wohin mit der Milch? Wir haben in Deutschland zwar 82 Millionen Einwohner, aber mehr als zuviel Milch braucht niemand. Gott sei Dank hat die Industrie dafür ein cleveres System entwickelt: die Milch wird kurzerhand zu Milchpulver verarbeitet. Und da die der verwöhnte deutsche Bürger nicht braucht, wird sie auf dem schnellsten Weg nach Afrika verschifft. Und genau dort stechen sich Subventionen und noch mehr Subventionen gegenseitig aus. Auf der einen Seite steht die Wirtschaft der afrikanischen Staaten, die am Boden liegen und die dringend mehr Kaufkraft ihrer Landsleute bei im Land hergestellten Produkten braucht. Dann allerdings auf der anderen Seite werden zig Tonnen von subventionierten Produkten auf den afrikanischen Markt geschmissen, die dann zu Dumpingpreisen angeboten werden. Und ab diesem Zeitpunkt entscheidet sich der afrikanische Durchschnittsbürger wie der deutsche, amerikanische oder chinesische: er kauft das, was gerade erschwinglich ist. Ob darunter die Wirtschaft des eigenen Landes leidet, kann ihm völlig schnuppe sein, Hauptsache ein Schnäppchen gemacht.
Klar, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind bei einem armen afrikanischen Bürger komplett anders als bei einem deutschen Bürger (selbst, wenn er Hartz IV empfängt!). Genau das macht den Griff zum "Schnäppchen" fast schon verständlich bei einem afrikanischen Bürger der Unterschicht. Er kann ja auch gar nicht verstehen, dass er sich und seinem eigenen Land damit gleichzeitig tief ins Fleisch schneidet; wenn er importiertes Milchpulver kauft statt Frischmilch von lokalen Bauern, gehen die pleite und damit brechen ganze Wirtschaftszweige im Land zusammen. Und genau damit hat die Großzügigkeit der EU Afrika so richtig schön ans Bein gepinkelt: Hilfe, die durch Hilfe innerhalb der EU zum Wirtschaftszusammenbruch führt.
Gleichzeitig schneiden wir uns damit auch noch ins Fleisch. Es soll ja schließlich richtig lustig sein... und wenn's schon blutet, kann es auch gleich ein wenig mehr sein. Also schaden wir Afrika durch Subventionen und uns selbst, weil wir das Ganze bezahlen dürfen und ein Teil der Steuern aktiv bei jedem Bürger verlorengehen. Allein das macht die Arbeit an sich theoretisch noch quälender für alle: die Gewissheit, dass die Gelder, die bezahlt werden müssen als Steuergelder, in den Mühlen der Staatsapparate unwiderruflich verlorengehen.
Doch damit nicht genug! Allein die folgende Tatsache dürfte jedem Bürger richtig aufstoßen: im Durchschnitt gehen von jedem deutschen Gehalt 7% für die Finanzierung und gleichzeitige Bekämpfung von Korruption drauf. Das macht dann 30 Minuten Arbeitszeit pro Tag, die man sich eigentlich sparen könnte und die man normalerweise früher frei haben könnte. Sicher, eigentlich haben wir alle schon genug frei, aber der Gedanke, dass Steuergelder in dunkle Kanäle fließen (und den immerwährenden Kampf gegen die Korruption) lassen einen schon einmal frustriert sein. Subventionen, die an Hobby-Skipistenbetreiber in Dänemark verschenkt werden. Oder für gepantschtes Billigtierfett, dass zu Butter illegal umdeklariert und dann nach Osteuropa exportiert wird. Zu Recht können Empfänger von Subventionen sagen: "Ist das Leben nicht schön?", gerade wenn sie so leicht an diese Subventionen herankommen.
Es gibt beim Thema "Subventionen" wohl nur zwei Regeln: 1.) hab eine Idee (egal welche! Eine Idee haben reicht schon) und 2.) nehm die Subvention und mach damit, was du willst... denn du wirst von der EU nie kontrolliert werden, ob der Sinn deiner Idee irgendetwas taugt oder ob du wirklich das Richtige mit der Subvention machst.
Mit anderen Worten: Subventionen sind nicht nur finanzielle Hilfen, es sind Finanzgeschenke. Und diese werden das ganze Jahr über geschnürt, nicht nur zur Weihnachtszeit. Vielleicht hat die "Biene Maja"-Regierung auch deswegen beschlossen, dass der deutsche Bürger von seinen hart erarbeiteten Gehältern ein wenig mehr übrig behalten sollte. Zur Weihnachtszeit machen sich auch Steuergeschenke am Besten und wohl deswegen sollen sich jetzt alle besonders gut fühlen, wenn der Steuerfreibetrag steigt. Für alle, versteht sich - also haben im Ende die Mehrverdiener am meisten von diesem Coup.
Subventionen, die im Sande verlaufen, dazu die weltweite Korruption, die ebenfalls einen Anteil bewilligter Subventionen für sich verschlingt. Erschreckend ist der Umfang, den die Korruption erreicht: pro Jahr fließen 1 Billion (!) US-Dollar an die Korruption. Und die Bekämpfung der Korruption kostet zusätzliches Geld. Wer es (wie ich) wirklich sarkastisch sehen möchte könnte behaupten, die Korruption und die Subventionen generell sind ein Solidaritätsprinzip der gehobeneren Klasse - vergesst Hartz IV, wer richtig absahnen will, lässt sich seine Schnapsideen einfach subventionieren.
Damit wäre er also gelegt, der Grundstein für die Vorweihnachtsserie 2011, die nächste Woche startet. Titel: streng geheim! Aber, es wird auch weiterhin um unser aller teures und wertvolles Geld gehen. Passend zum Fest der Liebe reden wir über das, was uns doch sehr (wenn nicht bei manchen sogar am meisten) am Herzen liegt. Vor allem aber geht es um den Irrglauben der Menschen, ihr Geld sei so hart erarbeitet, dass sie unter jedem Umstand jeden Cent, den sie einzahlen, dreifach wieder ausbezahlt bekommen müssen. Der Witz an der Sache ist jedoch, wenn man den Staatsapparat allgemein betrachtet, dass wir nicht nur verdammt viel für Subventionen bezahlen, von denen wir selbst nichts haben, sondern selbst auch an allen Ecken und Enden subventioniert werden. "Streufutter fürs Volk" eben. Wir werden künstlich am Leben erhalten, ständig finanziell unterstützt, damit wir in unserem gehobenen Lebensstandard über die Runden kommen. Dabei ist Hartz IV jedoch nur die Spitze des Eisberges. Wer die Arbeitslosen drischt, nur weil sie Unterstützung für den Lebensunterhalt erhalten, der verkennt, dass Millionen anderer Menschen teilweise oder komplett finanziell unterstützt werden. Der Unterschied ist nur immer die Interpretation der Masse, was die Mehrheit für richtig und falsch erachtet.
Wir haben inzwischen 2 Billionen Euro Staatsschulden und täglich tickt die Schuldenuhr lauter und schneller. Statt an der Beseitigung der Schulden zu arbeiten, werden dann Steuerwohlfühlpakete fürs Volk geschnürt, noch mehr Streufutter für den harten, kalten Europawinter, in dem die Staaten ums finanzielle Überleben kämpfen. Wäre es nicht wichtiger, für die dauerhafte Senkung der Staatsschulden zu sorgen, statt für ein paar Jahre die Steuerfreibeträge zu senken, um sie später wieder erhöhen zu müssen, damit die Staatsschulden nicht bis in die nächste Milchstraße anwachsen? Das ständige Klagen der Menschen, wie wenig Geld sie in dieser teuren Welt zur Verfügung haben ist so dauerhaft geworden, dass wir das Klagen als einen Normalzustand wahrnehmen. Normal dient das Wehklagen ja auch dazu, sich eine Weile besser zu fühlen. Aber selbst diese Droge lässt (bei zu häufigem Gebrauch) nach. Wir sind inzwischen an diesem Punkt angekommen, denn wir jammern so viel, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wie gut es uns eigentlich geht. Mal abgesehen von der finanziellen Unterschicht, die wirklich ums Überleben kämpfen muss, haben wir keinen Grund zur Trauer, denn der Sozialstaat garantiert uns ALLEN (und nicht nur einer gern verhassten Bevölkerungsschicht) Sicherheit, ein Zuhause und genug Rohstoffe zum Überleben. Falls das nicht reicht, wird eben bezuschusst, durch andere Formen der Subvention. Ob Kindergeld, Betreuungsgeld oder auch Steuerfreibeträge - der Deutsche wird dank staatlicher Unterstützung (und damit Umverteilung von Steuergeldern) künstlich wohlständig gehalten. Es ist, wenn man genau darüber nachdenkt, fast ein Wunder, dass dieses System überhaupt noch funktioniert.
Und warum das Ganze ein Wunder ist, erfahren die treuen Leser dieses Blogs ab nächsten Freitag. Bis dahin wünsche ich allen Lesern ein erholsames Wochenende (ob subventioniert oder nicht) und erwarte alle wieder ab nächsten Freitag zur Vorweihnachtsserie 2011.
LG Gene :-)
Passenderweise geht es in diesem Eintrag um das "Fest der Liebe", wie Weihnachten so gerne bezeichnet wird. Wie wir alle aber wissen, geht es eher um das Fest des Konsums. Gebt all euer Geld aus, aus Liebe zu allen und allem: eurer Anverwandten wie der Wirtschaft. Nur deshalb glänzen die Schaufenster in behaglich goldgelben Glanz, deswegen sind die Gerüche so anheimelnd und verführerisch, dass man sich nur noch sein Zuhause und eine Tasse heißen Kakao wünscht. Es ist alles nicht mehr Teil einer weihnachtlichen Harmonie, sondern vielmehr ein Geschäft, das möglichst erfolgreich geführt und abgeschlossen werden will. Nicht umsonst befürchten die Einzelhändler, die Geschäfte könnten nicht so erfolgreich laufen wie im Vorjahr. Kollektives Zähneklappern und Jammern, ob es wohl gelingen wird, die Rekordsumme des Vorjahres zu überbieten - alles Andere wäre eine unverzeihliche Niederlage, bei der sich die Wirtschaft ins Taschentuch heulen müsste. Dass die Leute den Konsum von einem Tag auf den anderen einstellen werden, ist so wahrscheinlich wie der morgige Weltuntergang - aber: es ist immer noch besser, Panik zu schüren, als später mit geringfügigen Verlusten leben zu müssen.
Konsum an sich ist allerdings nie verständlicher als zur Vorweihnachtszeit. Die Menschen brauchen einfach etwas, an das sie sich klammern können - gerade, wenn richtig "bescheidenes" Wetter vorherrscht. Weihnachten ist ja auch nicht das wirkliche Geburtsfest von Jesus Christus (wie es uns all die Jahre verkauft wurde), nein... Jesus war ein Sommerkind und im römisch-katholischen Glauben wurde Weihnachten als Fest mitten im Winter eingeführt, um Farbe und einen guten Drink zum Besaufen und Vielfraß zu liefern. Damit wäre Weihnachten wohl einer der ersten Werbecoups der Geschichte. Ob es wirklich der Erste war, kann ich nicht sagen, fest steht nur, diese Werbeaktion hat die weitreichendsten Folgen auf diesem Planeten, dicht gefolgt von der Erfindung des Weihnachtsmannes von Coca Cola.
Allein der Symbolismus von Weihnachten beweist, dass das "Fest der Liebe" darauf ausgelegt ist, uns im Wohlfühlmodus zur Geldausgabe zu verführen. Der Weihnachtsmann (als modernere Variante von Sankt Nikolaus eingeführt) in den Unternehmensfarben der Prickelbrause Coca Cola ist Zugpferdchen für eine werbeträchtige Weihnachtszeit. Aber was soll's? Das ist doch auch völlig okay so. Weihnachten feiern macht Spaß, man hat das ganze Jahr so hart geackert (wenn wir mal die drei Urlaube im Jahr abziehen), dass wir einen Ausgleich brauchen zum Abschluss des Jahres. Uns allen geht allmählich die Puste aus, dann sollten die Kurzatmigen unter uns doch schön gemütlich unterm Weihnachtsbaum bei Glühwein und Gänsebraten ausspannen können.
Aber mal genug von Weihnachten! Wir können zwar bereits seit zwei Monaten Weihnachtssüßigkeiten kaufen, aber wirklich aktiv vom Weihnachtsfest zu reden ist doch ein wenig verfrüht. Allerdings sind wir von Weihnachten gar nicht so weit weg mit unserem Thema, wenn wir von Weihnachten reden. Weihnachten heißt in erster Linie Geschenke. Wir beschenken uns gerne, noch lieber werden wir jedoch beschenkt. Dabei tun wir immer so, als wären wir im Leben die armen, geprügelten Wesen, denen nur wertvolles Gut jeden Tag des Lebens gestohlen wird, sei es unsere wertvolle Zeit oder unser noch wertvolleres Geld. Und gerade deswegen freuen wir uns, wenn wir uns mal wieder belohnen dürfen. Damit sind wir zwar auf einer Stufe mit einem Hund, aber da der Hund der beste Freund des Menschen ist, liegen die ähnlichen Bedürfnisse gar nicht so weit auseinander.
Wie ich schon einmal erläutert habe, ist die Politik weit weniger vom "gewöhnlichen Volk" artenfremd als wir es alle gerne hätten. Politik (und im Speziellen Politiker) haben die gleichen Bedürfnisse wie der normale Bürger - und damit haben sie auch ein Gespür dafür, was der Bürger "will". Und das meine ich mal (fast) ohne Sarkasmus! Denn Menschen wissen, was andere Menschen wollen. Deswegen haben wir auch keine Affen, die den Staat regieren. Und weil das so ist, muss der Bürger nicht immer nur geben, er bekommt auch etwas zurück! Klingt gut als Parole und stimmt schlussendlich auch nicht so ganz, aber damit macht es sich doch prima als Werbeslogan. Nun, dieser "Slogan" stimmt schon, nur eben (wie so oft im Leben!) nicht für alle. Aber mal der Reihe nach.
In letzter Zeit wird mir immer öfter bewusst, wie sehr die Menschen stöhnen und sich beklagen, weil sie arbeiten müssen. Sei es nun im Studium oder später auch auf der Arbeitstelle, es kommt mir oft vor, als wäre den Menschen alles zuviel. "Meine Güte, müssen wir wirklich schon wieder arbeiten?!" könnte der Satz lauten, der in tausendfacher Ausführung durch die Arbeitsräume sämtlicher Einrichtungen schwirrt. Allzu schnell fühlen sich die Menschen überfordert oder genervt, wenn sie einmal etwas tun müssen. Liegt es daran, dass die Menschen wissen, dass ein großer Teil ihres sauer verdienten Geldes an Steuern draufgeht? Hat es allgemein mit einem "Lass mich in Ruhe, ich will weiterschlafen!"-Syndrom zu tun? Ist es gar (wie bei einem tödlichen Cocktail) die Mischung aus beidem? Man kann es nicht sagen, fest steht nur, die Menschen sind angefressen, weil sie viele Steuern bezahlen müssen. Abgaben für die eigene Vorsorge und Absicherung, aber auch Abgaben für den Staat. Was die Leute dabei nie bedenken: so ein hochtrabender Apparat wie der deutsche Staat ist ein Ackergaul, dessen Gelenke gut geschmiert und massiert werden wollen (zu dem Schmieren kommen übrigens gleich nochmal!). Wenn wir den Komfort eines gut organisierten und gepflegten Staates wollen, müssen wir alle unseren Beitrag dazu leisten. Der Mensch meint aber gerne im eigenen Größenwahn, dass seine hart erarbeiteten Steuern goldene Hühnereier sind, auf die die Welt gierig gewartet hat und verlangen den mindestens dreifachen Wert des eingezahlten Einsatzes zurück. Das glaubt ihr nicht? Leider stimmt es doch und gerade in dieser Woche wurde mir bewusst, wie sehr das stimmt.
Okay, Überraschung: es reden immer noch alle von Griechenland! Hinzu kommt jetzt (wieder einmal) der "Pornopolitiker" Silvio Berlusconi (nein, der Ausdruck stammt nicht von mir, habe ihn aber übernommen, weil ich ihn so umwerfend passend finde!!!), der jetzt doch zurücktreten will, obwohl er laut eigener Aussage der "beste Ministerpräsident Italiens seit 150 Jahren" sei. Großzügigerweise möchte er aber seiner "Amore" Italien nicht mehr länger im Weg stehen, wenn sie sich durch den dunklen Wald der Staatspleite hindurchschlängeln muss.
Jedenfalls wie nun selbst der dümmste Mensch, der absolut nichts mit Politik oder Wirtschaft am Hut hat bemerkt haben dürfte, der ESFS (also der Euro Rettungsschirm) ist beschlossene Sache. Und wieder gehen Milliarden an Steuergeldern für die Solidarität drauf - danke EU! Erstaunlich ist allerdings, dass sich die Menschen derzeit so künstlich über diesen Rettungsschirm aufregen: "Das sind Milliarden, die durch Misswirtschaft verlorengehen!" Und wieder einmal grüßt das Murmeltier, denn (nochmal Überraschung!) es gehen uns STÄNDIG Milliarden an Steuergeldern verloren. Und dazu braucht es nicht einmal die Griechen, was bereits die dritte Überraschung ist (wenns so weitergeht, wird das hier fast wie ein Vorweihnachtsfest).
Wenn wir uns die Welt angucken, sehen wir gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Kontinenten, was den wirtschaftlichen Erfolg betrifft. Afrika ist dabei (und das wissen wir alle) wohl das Kind, das beim Völkerballspielen immer als letztes gewählt wird.... weil es zu schwach ist, weil es nicht so gut Völkerball spielen kann als die anderen Kinder. Die Wirtschaft in Afrika liegt in vielen Ländern am Boden - immer noch! Erstaunlich, denn seit über 50 Jahren werden staatlich geförderte Subventionen nach Afrika geschickt - Spendengelder, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nur der Nutzen bleibt aus, wie es sich für eine sinnlose Übung gehört! Es ist wohl der gute Wille, der hier der ganzen Welt im Weg zu stehen scheint: den Industriestaaten, die ihre Steuergelder (unter anderem) an afrikanische Länder geben, um ihnen "zu helfen" und Afrika selbst, weil es sich dank Diktatoren und Misswirtschaft ein ums andere Mal ein Beinchen stellt. So wird das nix mehr mit dem Völkerballspiel.
In ihrem Buch "Dead Aid", das ich (ich gebe es zu) schon mehrfach erwähnt habe, schildert Dambisa Moyo warum es mit Afrika so weit abwärts ging. Diktatoren, die die Spendengelder in die eigene Tasche stecken und mit niemandem großzügig umgehen außer sich selbst. Aber eine Diktatur (so schrieb sie auch) ist nicht der einzige Grund, warum Staatsspenden keinen Nutzen haben. Der Witz der Subventionen, die die EU nach Afrika schickt ist, dass diese Subventionen durch noch mehr Subventionen nutzlos gemacht werden. Wie das geht? Nun, ganz einfach: indem die EU nicht nur afrikanische Staaten durch Spenden subventioniert, sondern gleichzeitig auch die EU-Landwirte. Zumindest sind sie das einleuchtendste Beispiel in dem Zusammenhang. EU-Landwirte werden zu einem großen Teil subventioniert, damit sie genug produzieren. Also bekommen auch Bauern in der EU finanzielle Hilfe, damit sie noch fleißiger sind und mit Spaß bei der Arbeit bleiben. Dabei ist die Versuchung für einen Bauern selbstverständlich groß, nicht nur viel, sondern sehr viel zu produzieren; es ist schön, etwas finanzielle Zusatzhilfe zu bekommen, doch richtig viel von dieser Hilfe zu bekommen, ist richtig schön. Also wird produziert, bis die Schwarte kracht. Das schönste Beispiel hierfür ist wohl das der Milchbauern: hier werden die Kühe gemolken, bis deren Euter bluten. Egal, es geht ja schließlich ums Überleben... und wenn man ein wenig mehr als überleben kann, ist das auch nicht verkehrt.
Die Frage stellt sich allerdings fünf Minuten nach dem Melken der Kühe: wohin mit der Milch? Wir haben in Deutschland zwar 82 Millionen Einwohner, aber mehr als zuviel Milch braucht niemand. Gott sei Dank hat die Industrie dafür ein cleveres System entwickelt: die Milch wird kurzerhand zu Milchpulver verarbeitet. Und da die der verwöhnte deutsche Bürger nicht braucht, wird sie auf dem schnellsten Weg nach Afrika verschifft. Und genau dort stechen sich Subventionen und noch mehr Subventionen gegenseitig aus. Auf der einen Seite steht die Wirtschaft der afrikanischen Staaten, die am Boden liegen und die dringend mehr Kaufkraft ihrer Landsleute bei im Land hergestellten Produkten braucht. Dann allerdings auf der anderen Seite werden zig Tonnen von subventionierten Produkten auf den afrikanischen Markt geschmissen, die dann zu Dumpingpreisen angeboten werden. Und ab diesem Zeitpunkt entscheidet sich der afrikanische Durchschnittsbürger wie der deutsche, amerikanische oder chinesische: er kauft das, was gerade erschwinglich ist. Ob darunter die Wirtschaft des eigenen Landes leidet, kann ihm völlig schnuppe sein, Hauptsache ein Schnäppchen gemacht.
Klar, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind bei einem armen afrikanischen Bürger komplett anders als bei einem deutschen Bürger (selbst, wenn er Hartz IV empfängt!). Genau das macht den Griff zum "Schnäppchen" fast schon verständlich bei einem afrikanischen Bürger der Unterschicht. Er kann ja auch gar nicht verstehen, dass er sich und seinem eigenen Land damit gleichzeitig tief ins Fleisch schneidet; wenn er importiertes Milchpulver kauft statt Frischmilch von lokalen Bauern, gehen die pleite und damit brechen ganze Wirtschaftszweige im Land zusammen. Und genau damit hat die Großzügigkeit der EU Afrika so richtig schön ans Bein gepinkelt: Hilfe, die durch Hilfe innerhalb der EU zum Wirtschaftszusammenbruch führt.
Gleichzeitig schneiden wir uns damit auch noch ins Fleisch. Es soll ja schließlich richtig lustig sein... und wenn's schon blutet, kann es auch gleich ein wenig mehr sein. Also schaden wir Afrika durch Subventionen und uns selbst, weil wir das Ganze bezahlen dürfen und ein Teil der Steuern aktiv bei jedem Bürger verlorengehen. Allein das macht die Arbeit an sich theoretisch noch quälender für alle: die Gewissheit, dass die Gelder, die bezahlt werden müssen als Steuergelder, in den Mühlen der Staatsapparate unwiderruflich verlorengehen.
Doch damit nicht genug! Allein die folgende Tatsache dürfte jedem Bürger richtig aufstoßen: im Durchschnitt gehen von jedem deutschen Gehalt 7% für die Finanzierung und gleichzeitige Bekämpfung von Korruption drauf. Das macht dann 30 Minuten Arbeitszeit pro Tag, die man sich eigentlich sparen könnte und die man normalerweise früher frei haben könnte. Sicher, eigentlich haben wir alle schon genug frei, aber der Gedanke, dass Steuergelder in dunkle Kanäle fließen (und den immerwährenden Kampf gegen die Korruption) lassen einen schon einmal frustriert sein. Subventionen, die an Hobby-Skipistenbetreiber in Dänemark verschenkt werden. Oder für gepantschtes Billigtierfett, dass zu Butter illegal umdeklariert und dann nach Osteuropa exportiert wird. Zu Recht können Empfänger von Subventionen sagen: "Ist das Leben nicht schön?", gerade wenn sie so leicht an diese Subventionen herankommen.
Es gibt beim Thema "Subventionen" wohl nur zwei Regeln: 1.) hab eine Idee (egal welche! Eine Idee haben reicht schon) und 2.) nehm die Subvention und mach damit, was du willst... denn du wirst von der EU nie kontrolliert werden, ob der Sinn deiner Idee irgendetwas taugt oder ob du wirklich das Richtige mit der Subvention machst.
Mit anderen Worten: Subventionen sind nicht nur finanzielle Hilfen, es sind Finanzgeschenke. Und diese werden das ganze Jahr über geschnürt, nicht nur zur Weihnachtszeit. Vielleicht hat die "Biene Maja"-Regierung auch deswegen beschlossen, dass der deutsche Bürger von seinen hart erarbeiteten Gehältern ein wenig mehr übrig behalten sollte. Zur Weihnachtszeit machen sich auch Steuergeschenke am Besten und wohl deswegen sollen sich jetzt alle besonders gut fühlen, wenn der Steuerfreibetrag steigt. Für alle, versteht sich - also haben im Ende die Mehrverdiener am meisten von diesem Coup.
Subventionen, die im Sande verlaufen, dazu die weltweite Korruption, die ebenfalls einen Anteil bewilligter Subventionen für sich verschlingt. Erschreckend ist der Umfang, den die Korruption erreicht: pro Jahr fließen 1 Billion (!) US-Dollar an die Korruption. Und die Bekämpfung der Korruption kostet zusätzliches Geld. Wer es (wie ich) wirklich sarkastisch sehen möchte könnte behaupten, die Korruption und die Subventionen generell sind ein Solidaritätsprinzip der gehobeneren Klasse - vergesst Hartz IV, wer richtig absahnen will, lässt sich seine Schnapsideen einfach subventionieren.
Damit wäre er also gelegt, der Grundstein für die Vorweihnachtsserie 2011, die nächste Woche startet. Titel: streng geheim! Aber, es wird auch weiterhin um unser aller teures und wertvolles Geld gehen. Passend zum Fest der Liebe reden wir über das, was uns doch sehr (wenn nicht bei manchen sogar am meisten) am Herzen liegt. Vor allem aber geht es um den Irrglauben der Menschen, ihr Geld sei so hart erarbeitet, dass sie unter jedem Umstand jeden Cent, den sie einzahlen, dreifach wieder ausbezahlt bekommen müssen. Der Witz an der Sache ist jedoch, wenn man den Staatsapparat allgemein betrachtet, dass wir nicht nur verdammt viel für Subventionen bezahlen, von denen wir selbst nichts haben, sondern selbst auch an allen Ecken und Enden subventioniert werden. "Streufutter fürs Volk" eben. Wir werden künstlich am Leben erhalten, ständig finanziell unterstützt, damit wir in unserem gehobenen Lebensstandard über die Runden kommen. Dabei ist Hartz IV jedoch nur die Spitze des Eisberges. Wer die Arbeitslosen drischt, nur weil sie Unterstützung für den Lebensunterhalt erhalten, der verkennt, dass Millionen anderer Menschen teilweise oder komplett finanziell unterstützt werden. Der Unterschied ist nur immer die Interpretation der Masse, was die Mehrheit für richtig und falsch erachtet.
Wir haben inzwischen 2 Billionen Euro Staatsschulden und täglich tickt die Schuldenuhr lauter und schneller. Statt an der Beseitigung der Schulden zu arbeiten, werden dann Steuerwohlfühlpakete fürs Volk geschnürt, noch mehr Streufutter für den harten, kalten Europawinter, in dem die Staaten ums finanzielle Überleben kämpfen. Wäre es nicht wichtiger, für die dauerhafte Senkung der Staatsschulden zu sorgen, statt für ein paar Jahre die Steuerfreibeträge zu senken, um sie später wieder erhöhen zu müssen, damit die Staatsschulden nicht bis in die nächste Milchstraße anwachsen? Das ständige Klagen der Menschen, wie wenig Geld sie in dieser teuren Welt zur Verfügung haben ist so dauerhaft geworden, dass wir das Klagen als einen Normalzustand wahrnehmen. Normal dient das Wehklagen ja auch dazu, sich eine Weile besser zu fühlen. Aber selbst diese Droge lässt (bei zu häufigem Gebrauch) nach. Wir sind inzwischen an diesem Punkt angekommen, denn wir jammern so viel, dass wir gar nicht mehr mitbekommen, wie gut es uns eigentlich geht. Mal abgesehen von der finanziellen Unterschicht, die wirklich ums Überleben kämpfen muss, haben wir keinen Grund zur Trauer, denn der Sozialstaat garantiert uns ALLEN (und nicht nur einer gern verhassten Bevölkerungsschicht) Sicherheit, ein Zuhause und genug Rohstoffe zum Überleben. Falls das nicht reicht, wird eben bezuschusst, durch andere Formen der Subvention. Ob Kindergeld, Betreuungsgeld oder auch Steuerfreibeträge - der Deutsche wird dank staatlicher Unterstützung (und damit Umverteilung von Steuergeldern) künstlich wohlständig gehalten. Es ist, wenn man genau darüber nachdenkt, fast ein Wunder, dass dieses System überhaupt noch funktioniert.
Und warum das Ganze ein Wunder ist, erfahren die treuen Leser dieses Blogs ab nächsten Freitag. Bis dahin wünsche ich allen Lesern ein erholsames Wochenende (ob subventioniert oder nicht) und erwarte alle wieder ab nächsten Freitag zur Vorweihnachtsserie 2011.
LG Gene :-)
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Weihnachten
Freitag, 2. September 2011
Die Wende: Europa's Neugeburt als Bananenrepublik
Der gestrige Tag war wohl der Stichtag, an dem wir alle schonmal ein wenig in die Zukunft blicken durften. Lasst euch nicht beirren, man meint zwar, in Zeiten von langfristigen Wettervorhersagen und Wahrsagern auf drittklassigen Kanälen wäre das kein Phänomen mehr, aber es ist doch sehr selten, dass wir wirklich die Zukunft sehen. Natürlich ist es kein persönlicher Blick in die Zukunft (eher ein gesamtgesellschaftlicher), aber in der heutigen Zeit ist das doch besser als nichts. Wir leben schließlich viel zu oft im Ungewissen, ob es nun um Naturkatastrophen oder Spekulationen an der Börse geht.
Was genau gestern passiert ist, wollt ihr wissen? Nun, gestern wurde eine neue Republik ins Leben gerufen, die "Vereinigten Staaten von Europa". Allein der Name, einfallsreich wie die ganze Idee: da wird einfach aus den "Vereinigten Staaten von Amerika" eine europäische Version gemacht. Und wozu das Ganze? Wahrscheinlich, weil Europa denkt, dass das nordamerikanische Modell so gut funktioniert.
Nun, so einfach ist es ja nicht - Deutschland wird nicht geschluckt und zusammen mit allen anderen Mitgliedern der Europäischen Union zu einem neuen Europa zusammengeschweißt. Die Bezeichnung ist doch mehr eine, die lyrisch als wörtlich zu verstehen ist. In den "Vereinigten Staaten von Europa" rücken die europäischen Staaten einfach dichter zusammen. Dass das nötig ist, sollte dem Beobachter schon lange klar sein, immerhin leben wir in Zeiten von Staatspleiten, die häufiger vorkommen als Hurricaines in Nordamerika.
Mit Griechenland fing im Frühsommer 2011 alles an, danach folgten dann wie umfallende Dominosteine Portugal, Irland, Spanien und Italien. Alle stecken in der Krise - oder sind bereits über die Klippe der Staatspleite gesprungen. Eine Lösung folgte auf dem Fuße: der Rettungsschirm der Europäischen Union, ein Solidaritätsprinzip, bei dem finanzkräftigere Staaten finanzschwachen aus der Klemme halfen. Griechenland bekam gleich zwei dieser Finanzspritzen, weil absolut nichts mehr funktionierte und eine Staatspleite in Griechenland finanzpolitisch für alle europäischen Staaten den SuperGAU bedeutet hätte.
Naturgemäß neigt der Mensch dazu, für eine Gabe eine Reaktion zu erwarten. So auch im Fall Griechenland; nachdem jetzt gestern bekannt wurde, dass Griechenland das Ziel, die Staatsdefizite auf 7,5 bis 7,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu halten, um glatte 1,3 Prozentpunkte nach oben verfehlt werden wird, ist der Katzenjammer auf allen Seiten groß. Die Griechen hatten sich dazu verpflichtet, für die milliardenschweren Rettungsschirme ein Sparprogramm zu verabschieden, dass sie so schnell wie möglich aus der Schuldenkrise herausreißen würde. Der Schuss ist wohl nach hinten losgegangen, Griechenland kann seine sich selbst gesteckten Ziele nicht erreichen und wieder steht Europa vor unlösbaren Problemen. Was ist nun auf Dauer zu tun gegen die Schuldenkrisen der einzelnen Staaten? Wie ist der Euro (9 Jahre nach seiner Geburt) zu retten? Wird er noch die Erstkommunion erleben? Darf er noch in zwei Jahren aufs Gymnasium? Oder droht ihm doch die Euthanasie aufgrund schwacher Hirn- und Vitalfunktionen?
Fragen über Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt: die Vereinigten Staaten von Europa! Da speziell wir Deutschen immer die Amis bewundert und in jedem Blödsinn nachgeahmt haben, warum nicht auch in der Bezeichnung für die neue Bananenrepublik, in die alle europäischen Gewinner- und Verliererstaaten mit einsteigen?
Probleme entstehen in der Sache nur durch die Tatsache, dass die USA ihren Vorbildstatus bereits vor Jahren, wenn nicht seit über einem Jahrzehnt, verloren haben. Die Krise der Vereinigten Staaten von Amerika spitzte sich in den zwei Amtszeiten von George W. Bush junior richtig zu. Nachdem dieser von Bill Clinton den amerikanischen Haushalt mit einem Plus (!) übernommen hatte, kam es durch fatale Steuersenkungen für Superreiche und Kriegseinsätze im Kampf gegen den Terrorismus zur atomaren Geldexplosion im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nach Afghanistan und dem Irak war das Land so tief in der Schuldenkrise, dass George Dabbelju wohl nur zu gerne seine Koffer packte und das Weiße Haus verließ. Nicht nur wegen der Tatsache, dass er für keine dritte Amtszeit kandidieren durfte, sondern weil die USA gar nicht mehr tiefer in der Geldschei*e stecken konnten wie 2008.
Und dann kam er - Barack Obama. Der Inbegriff eines Gutmenschen, der Messias der Neuzeit, die Rettung für das vom Texasidioten ruinierten Land. Dass Obama ein Schwarzer war, gab der Wirkung des "Neuzeit-Messias" noch mehr Gewicht. Prompt wurde er nicht nur begeistert gewählt und der Slogan "Yes we can!" brannte sich in die Herzen der gesamten westlichen Weltbevölkerung, nein, er bekam gleich darauf noch den Friedensnobelpreis. Nicht, dass er bis dahin großartig etwas geleistet hätte, aber immerhin hat er einen "Geist" heraufbeschworen: den Geist des motivierten Anführers, der keine diktatorischen Hintergedanken hatte, sondern nur ein ganzes Volk in den Wohlstand und das Glück führen wollte.
Das ist jetzt zwei Jahre her. Und die Vereinigten Staaten? Stecken tiefer in der Krise als je zuvor. Dank der Mehrheit im Repräsentantenhaus der Republikaner und der genialen Erfindung der Tea Party hat Obama noch weniger Chancen als am Anfang, die USA zu ihrem wohlverdienten und immer wieder erträumten Happy End zu führen. Der Bevölkerung der USA geht es dermaßen dreckig, dass die Arbeiterschicht kaum überlebt, im privaten Schuldenkrieg immer mal wieder erstickt, Häuser enteignet werden, selbst drei Jobs parallel nicht mehr ausreichen, um sich und die eigene Familie zu ernähren.... und die Superreichen immer weniger Steuern bezahlen.
In dieser Phase drängt sich ein einfacher Vergleich auf: obgleich die USA in der Vergangenheit als Supermacht immer eine Vorbildfunktion hatten (auch für Deutschland), sind sie von der Gründungsphase her wesentlich jünger als Europa; also sind die USA quasi das Kind und Europa der weise, alte Vater. Und so prickelnd die Methoden des jungen Amerika auch sein mögen, die Weisheit der Europäer müsste theoretisch überwiegen. Da wir aber im Leben eher nach Praxis als nach Theorie denken, fühlen und handeln ist es eben umgekehrt. Die USA scheinen uns immer noch als Vorbild zu gelten, die Superreichen zahlen auch hier immer weniger Steuern statt mehr, die Armen wissen nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren sollen. Nur die Gesundheits- und Sozialreform funktionieren in Deutschland noch besser als in den USA.
Trotzdem ist es erschreckend, wie weit Europa geht, um mit dem Verliererprinzip der USA Schritt zu halten. Auch wir wehren uns gegen Steuererhöhungen, auch wenn sie bei 2 Billionen Euro Staatsdefiziten bitter nötig wären, stattdessen setzt unsere schwarz-gelbe Biene Maja-Regierung die Steuersenkung durch. Selbst Superreiche, die höhere Steuern bezahlen wollen, werden nicht ernstgenommen und im nächsten Moment entlastet. Es klingt schon fast bösartig, wie die Regierung sich selbst ins eigene Fleisch schneidet. Hat es mit einem gewissen Lust-aus-Schmerz-Prinzip der Regierung zu tun? Oder liegt es nur daran, dass diese Entscheidung ausschließlich dem Volk, aber nicht ihnen selbst weh tut?
Nun haben sich die europäischen Staaten entschlossen, sich solidarisch zu den Vereinigten Staaten von Europa zusammenzuschließen. Es geht nicht darum, jetzt als eine komplett durchgeknallte Bananenrepublik gegen die Andere (die USA) anzutreten, sondern um das Zusammenwachsen der europäischen Staaten zu einer "starken Gemeinschaft" - klingt fast wie Versicherungswerbung. Zuversichtlich, hoch optimistisch - und trotzdem alles ziemlich großer Mist! Denn eine Solidarisierung untereinander mag zwar die verschuldeten Staaten Europas unterstützen, doch kann es auch den Euro retten? Wird dieses Zusammenwachsen wirklich dazu führen, dass Europa weiterhin als wirtschaftliche Größe im Weltgeschehen erscheint?
Der Kampf gegen die neuen Supermächte China und Indien ist denkbar schwer, weil deren Motoren dank Billigkräften so heiß laufen, dass die Hitze wie ein tropisches Gewitter bis zu uns hinüberzieht. Und wir? Wir machen es wiedermal wie die USA und glänzen mit genau dem Gegenteil: der Wille zur Arbeit rein aus Solidaritätsgründen fehlt, es geht immer nur um den größtmöglichen eigenen Vorteil. Ein Mensch, der hart arbeitet, möchte dafür nicht nur gerecht, sondern am Besten königlich entlohnt werden. Dafür wird gelernt, studiert, wieder gelernt und danach noch mehr studiert. Die Generationen, die die Zukunft gestalten sollen, bestehen zu einem Großteil aus einer studierten Elite, bei der keiner einsieht, zur Arbeiterschicht zu gehören.
Im Prinzip sind wir als Gesellschaft wie ein Ameisenvolk: es gibt die Arbeiter, die Soldaten und die Königin, die für den Nachwuchs sorgt. Die Elite gehört dort zu einem sehr kleinen Teil, die von der Produktivität einer großen Masse lebt. Doch die Relationen haben sich beim (vermeintlich klügeren) Menschen längst verschoben, die Pyramide wird auf den Kopf gestellt: nun wächst der Anteil der Elite so stark an, dass keiner mehr zur Arbeiterschicht mehr gehören will. Selbstverständlich wird das Arbeiterleben durch zu niedrige Löhne so unattraktiv wie möglich gemacht, aber seien wir mal ehrlich: was wird aus einer Gesellschaft, in der sich keiner mehr die Hände schmutzig machen will, in der alle nur noch am Schreibtisch sitzen und managen wollen?
Nicht jeder Mensch kann zur Elite gehören, auch wenn die Politik uns gerne dieses Märchen verkaufen möchte. Es kann in einem Unternehmen auch nicht mehr als eine Handvoll Manager geben, die das Schicksal von mehreren Hundert oder Tausend Mitarbeitern regeln. Auch wenn die Gesellschaft inzwischen so übergebildet ist, dass auf einen Arbeiter am Besten ein Manager kommen. Klar, als Manager verdient man gut Geld - aber muss jeder Mensch in dieser Gesellschaft reich werden? So viel Geld wird es nie geben, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft reich sein wird. Und Staatsschulden zahlen sich auch nicht von allein.
Griechenland, Portugal, Irland und Spanien sind nicht die einzigen Länder, die tief im Schuldensumpf stecken. Auch Deutschland und Frankreich könnten in naher Zukunft zu den Ländern gehören, die die weiße Fahne schwingen und vor der Schuldenflut ihres Landes kapitulieren müssen. Diese Woche noch ist Finanzminister Schäuble zuversichtlich, dass wir 2014 keine Neuverschuldung mehr brauchen und damit einen "glatten" Haushalt zustandebringen. Problem ist nur, davon werden unsere Schulden auf Dauer auch nicht bezahlt! Mit 2 Billionen Euro steht Deutschland in der Kreide - jeder Bürger dieses Staates hat zur Zeit bereits bei der Geburt knapp 20 000 Euro Schulden. Der Finanz-Kabarettist Chin Meyer hat wohl Recht: bei dieser Summe sollte sich das Kind mehr als zweimal überlegen, ob es überhaupt geboren werden will!
Ich versprach dem Leser einen einmaligen Blick in die Zukunft am Anfang. Also, was wird uns 2012 erwarten? Zunächst die Geburtsstunde der "Vereinigten Staaten von Europa", wie großmundig angekündigt. Die Flagge in Berlin ist schon von deutsch auf europäisch umgehisst, wahrscheinlich ist insgeheim die Merchandise-Produktion für alles vom T-Shirt bis zum Wecker in blau mit gelben Sternchen in vollem Gange. Es soll eine Vereinigung in Europa stattfinden, allerdings sollen die wirtschaftlichen und sozialen Belange weiterhin fest in der Hand jedes einzelnen Staates bleiben. Deswegen wird aus einem schwachen Griechenland auch kein plötzlich starkes Euro-Griechenland.
Vielleicht soll nur nach außen hin die Fassade eines Euro-Goliaths aufgebauscht werden, damit der Rest der Welt Europa überhaupt noch als Wirtschaftsmacht für voll nimmt. Der Status, den das alt ehrwürdige Europa einmal inne hatte, hat es lange verloren. Jetzt gilt es nur noch um mehr Schein als Sein. Darin unterscheiden sich die Regierung wenig bis gar nicht von den Bevölkerungen, die sie leiten.
Allein von diesen Gesichtspunkten aus gesehen dürfte 2012 ein interessantes Jahr werden - der Kampf der Bananenrepubliken gegen die Schuldenlast mit gleichzeitger Untüchtigkeit aller Beteiligten. Wie die Vereinigten Staaten von Europa wie Amerika ihre Krise bewältigen und die Menschen nachhaltig motivieren wollen, dürfte ein interessantes Schauspiel werden. Dazu gehört allerdings mehr als ein "Yes we can!" oder das über Bord werfen von Teekisten. Solange Reiche darum betteln müssen, dass sie mehr Steuern bezahlen dürfen, läuft irgendetwas falsch - egal, ob in Deutschland oder in Amerika.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein angenehmes Wochenende. Bis zum nächsten Freitag.
LG Gene :-)
Was genau gestern passiert ist, wollt ihr wissen? Nun, gestern wurde eine neue Republik ins Leben gerufen, die "Vereinigten Staaten von Europa". Allein der Name, einfallsreich wie die ganze Idee: da wird einfach aus den "Vereinigten Staaten von Amerika" eine europäische Version gemacht. Und wozu das Ganze? Wahrscheinlich, weil Europa denkt, dass das nordamerikanische Modell so gut funktioniert.
Nun, so einfach ist es ja nicht - Deutschland wird nicht geschluckt und zusammen mit allen anderen Mitgliedern der Europäischen Union zu einem neuen Europa zusammengeschweißt. Die Bezeichnung ist doch mehr eine, die lyrisch als wörtlich zu verstehen ist. In den "Vereinigten Staaten von Europa" rücken die europäischen Staaten einfach dichter zusammen. Dass das nötig ist, sollte dem Beobachter schon lange klar sein, immerhin leben wir in Zeiten von Staatspleiten, die häufiger vorkommen als Hurricaines in Nordamerika.
Mit Griechenland fing im Frühsommer 2011 alles an, danach folgten dann wie umfallende Dominosteine Portugal, Irland, Spanien und Italien. Alle stecken in der Krise - oder sind bereits über die Klippe der Staatspleite gesprungen. Eine Lösung folgte auf dem Fuße: der Rettungsschirm der Europäischen Union, ein Solidaritätsprinzip, bei dem finanzkräftigere Staaten finanzschwachen aus der Klemme halfen. Griechenland bekam gleich zwei dieser Finanzspritzen, weil absolut nichts mehr funktionierte und eine Staatspleite in Griechenland finanzpolitisch für alle europäischen Staaten den SuperGAU bedeutet hätte.
Naturgemäß neigt der Mensch dazu, für eine Gabe eine Reaktion zu erwarten. So auch im Fall Griechenland; nachdem jetzt gestern bekannt wurde, dass Griechenland das Ziel, die Staatsdefizite auf 7,5 bis 7,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu halten, um glatte 1,3 Prozentpunkte nach oben verfehlt werden wird, ist der Katzenjammer auf allen Seiten groß. Die Griechen hatten sich dazu verpflichtet, für die milliardenschweren Rettungsschirme ein Sparprogramm zu verabschieden, dass sie so schnell wie möglich aus der Schuldenkrise herausreißen würde. Der Schuss ist wohl nach hinten losgegangen, Griechenland kann seine sich selbst gesteckten Ziele nicht erreichen und wieder steht Europa vor unlösbaren Problemen. Was ist nun auf Dauer zu tun gegen die Schuldenkrisen der einzelnen Staaten? Wie ist der Euro (9 Jahre nach seiner Geburt) zu retten? Wird er noch die Erstkommunion erleben? Darf er noch in zwei Jahren aufs Gymnasium? Oder droht ihm doch die Euthanasie aufgrund schwacher Hirn- und Vitalfunktionen?
Fragen über Fragen, auf die es nur eine Antwort gibt: die Vereinigten Staaten von Europa! Da speziell wir Deutschen immer die Amis bewundert und in jedem Blödsinn nachgeahmt haben, warum nicht auch in der Bezeichnung für die neue Bananenrepublik, in die alle europäischen Gewinner- und Verliererstaaten mit einsteigen?
Probleme entstehen in der Sache nur durch die Tatsache, dass die USA ihren Vorbildstatus bereits vor Jahren, wenn nicht seit über einem Jahrzehnt, verloren haben. Die Krise der Vereinigten Staaten von Amerika spitzte sich in den zwei Amtszeiten von George W. Bush junior richtig zu. Nachdem dieser von Bill Clinton den amerikanischen Haushalt mit einem Plus (!) übernommen hatte, kam es durch fatale Steuersenkungen für Superreiche und Kriegseinsätze im Kampf gegen den Terrorismus zur atomaren Geldexplosion im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Nach Afghanistan und dem Irak war das Land so tief in der Schuldenkrise, dass George Dabbelju wohl nur zu gerne seine Koffer packte und das Weiße Haus verließ. Nicht nur wegen der Tatsache, dass er für keine dritte Amtszeit kandidieren durfte, sondern weil die USA gar nicht mehr tiefer in der Geldschei*e stecken konnten wie 2008.
Und dann kam er - Barack Obama. Der Inbegriff eines Gutmenschen, der Messias der Neuzeit, die Rettung für das vom Texasidioten ruinierten Land. Dass Obama ein Schwarzer war, gab der Wirkung des "Neuzeit-Messias" noch mehr Gewicht. Prompt wurde er nicht nur begeistert gewählt und der Slogan "Yes we can!" brannte sich in die Herzen der gesamten westlichen Weltbevölkerung, nein, er bekam gleich darauf noch den Friedensnobelpreis. Nicht, dass er bis dahin großartig etwas geleistet hätte, aber immerhin hat er einen "Geist" heraufbeschworen: den Geist des motivierten Anführers, der keine diktatorischen Hintergedanken hatte, sondern nur ein ganzes Volk in den Wohlstand und das Glück führen wollte.
Das ist jetzt zwei Jahre her. Und die Vereinigten Staaten? Stecken tiefer in der Krise als je zuvor. Dank der Mehrheit im Repräsentantenhaus der Republikaner und der genialen Erfindung der Tea Party hat Obama noch weniger Chancen als am Anfang, die USA zu ihrem wohlverdienten und immer wieder erträumten Happy End zu führen. Der Bevölkerung der USA geht es dermaßen dreckig, dass die Arbeiterschicht kaum überlebt, im privaten Schuldenkrieg immer mal wieder erstickt, Häuser enteignet werden, selbst drei Jobs parallel nicht mehr ausreichen, um sich und die eigene Familie zu ernähren.... und die Superreichen immer weniger Steuern bezahlen.
In dieser Phase drängt sich ein einfacher Vergleich auf: obgleich die USA in der Vergangenheit als Supermacht immer eine Vorbildfunktion hatten (auch für Deutschland), sind sie von der Gründungsphase her wesentlich jünger als Europa; also sind die USA quasi das Kind und Europa der weise, alte Vater. Und so prickelnd die Methoden des jungen Amerika auch sein mögen, die Weisheit der Europäer müsste theoretisch überwiegen. Da wir aber im Leben eher nach Praxis als nach Theorie denken, fühlen und handeln ist es eben umgekehrt. Die USA scheinen uns immer noch als Vorbild zu gelten, die Superreichen zahlen auch hier immer weniger Steuern statt mehr, die Armen wissen nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren sollen. Nur die Gesundheits- und Sozialreform funktionieren in Deutschland noch besser als in den USA.
Trotzdem ist es erschreckend, wie weit Europa geht, um mit dem Verliererprinzip der USA Schritt zu halten. Auch wir wehren uns gegen Steuererhöhungen, auch wenn sie bei 2 Billionen Euro Staatsdefiziten bitter nötig wären, stattdessen setzt unsere schwarz-gelbe Biene Maja-Regierung die Steuersenkung durch. Selbst Superreiche, die höhere Steuern bezahlen wollen, werden nicht ernstgenommen und im nächsten Moment entlastet. Es klingt schon fast bösartig, wie die Regierung sich selbst ins eigene Fleisch schneidet. Hat es mit einem gewissen Lust-aus-Schmerz-Prinzip der Regierung zu tun? Oder liegt es nur daran, dass diese Entscheidung ausschließlich dem Volk, aber nicht ihnen selbst weh tut?
Nun haben sich die europäischen Staaten entschlossen, sich solidarisch zu den Vereinigten Staaten von Europa zusammenzuschließen. Es geht nicht darum, jetzt als eine komplett durchgeknallte Bananenrepublik gegen die Andere (die USA) anzutreten, sondern um das Zusammenwachsen der europäischen Staaten zu einer "starken Gemeinschaft" - klingt fast wie Versicherungswerbung. Zuversichtlich, hoch optimistisch - und trotzdem alles ziemlich großer Mist! Denn eine Solidarisierung untereinander mag zwar die verschuldeten Staaten Europas unterstützen, doch kann es auch den Euro retten? Wird dieses Zusammenwachsen wirklich dazu führen, dass Europa weiterhin als wirtschaftliche Größe im Weltgeschehen erscheint?
Der Kampf gegen die neuen Supermächte China und Indien ist denkbar schwer, weil deren Motoren dank Billigkräften so heiß laufen, dass die Hitze wie ein tropisches Gewitter bis zu uns hinüberzieht. Und wir? Wir machen es wiedermal wie die USA und glänzen mit genau dem Gegenteil: der Wille zur Arbeit rein aus Solidaritätsgründen fehlt, es geht immer nur um den größtmöglichen eigenen Vorteil. Ein Mensch, der hart arbeitet, möchte dafür nicht nur gerecht, sondern am Besten königlich entlohnt werden. Dafür wird gelernt, studiert, wieder gelernt und danach noch mehr studiert. Die Generationen, die die Zukunft gestalten sollen, bestehen zu einem Großteil aus einer studierten Elite, bei der keiner einsieht, zur Arbeiterschicht zu gehören.
Im Prinzip sind wir als Gesellschaft wie ein Ameisenvolk: es gibt die Arbeiter, die Soldaten und die Königin, die für den Nachwuchs sorgt. Die Elite gehört dort zu einem sehr kleinen Teil, die von der Produktivität einer großen Masse lebt. Doch die Relationen haben sich beim (vermeintlich klügeren) Menschen längst verschoben, die Pyramide wird auf den Kopf gestellt: nun wächst der Anteil der Elite so stark an, dass keiner mehr zur Arbeiterschicht mehr gehören will. Selbstverständlich wird das Arbeiterleben durch zu niedrige Löhne so unattraktiv wie möglich gemacht, aber seien wir mal ehrlich: was wird aus einer Gesellschaft, in der sich keiner mehr die Hände schmutzig machen will, in der alle nur noch am Schreibtisch sitzen und managen wollen?
Nicht jeder Mensch kann zur Elite gehören, auch wenn die Politik uns gerne dieses Märchen verkaufen möchte. Es kann in einem Unternehmen auch nicht mehr als eine Handvoll Manager geben, die das Schicksal von mehreren Hundert oder Tausend Mitarbeitern regeln. Auch wenn die Gesellschaft inzwischen so übergebildet ist, dass auf einen Arbeiter am Besten ein Manager kommen. Klar, als Manager verdient man gut Geld - aber muss jeder Mensch in dieser Gesellschaft reich werden? So viel Geld wird es nie geben, dass jeder Mensch in einer Gesellschaft reich sein wird. Und Staatsschulden zahlen sich auch nicht von allein.
Griechenland, Portugal, Irland und Spanien sind nicht die einzigen Länder, die tief im Schuldensumpf stecken. Auch Deutschland und Frankreich könnten in naher Zukunft zu den Ländern gehören, die die weiße Fahne schwingen und vor der Schuldenflut ihres Landes kapitulieren müssen. Diese Woche noch ist Finanzminister Schäuble zuversichtlich, dass wir 2014 keine Neuverschuldung mehr brauchen und damit einen "glatten" Haushalt zustandebringen. Problem ist nur, davon werden unsere Schulden auf Dauer auch nicht bezahlt! Mit 2 Billionen Euro steht Deutschland in der Kreide - jeder Bürger dieses Staates hat zur Zeit bereits bei der Geburt knapp 20 000 Euro Schulden. Der Finanz-Kabarettist Chin Meyer hat wohl Recht: bei dieser Summe sollte sich das Kind mehr als zweimal überlegen, ob es überhaupt geboren werden will!
Ich versprach dem Leser einen einmaligen Blick in die Zukunft am Anfang. Also, was wird uns 2012 erwarten? Zunächst die Geburtsstunde der "Vereinigten Staaten von Europa", wie großmundig angekündigt. Die Flagge in Berlin ist schon von deutsch auf europäisch umgehisst, wahrscheinlich ist insgeheim die Merchandise-Produktion für alles vom T-Shirt bis zum Wecker in blau mit gelben Sternchen in vollem Gange. Es soll eine Vereinigung in Europa stattfinden, allerdings sollen die wirtschaftlichen und sozialen Belange weiterhin fest in der Hand jedes einzelnen Staates bleiben. Deswegen wird aus einem schwachen Griechenland auch kein plötzlich starkes Euro-Griechenland.
Vielleicht soll nur nach außen hin die Fassade eines Euro-Goliaths aufgebauscht werden, damit der Rest der Welt Europa überhaupt noch als Wirtschaftsmacht für voll nimmt. Der Status, den das alt ehrwürdige Europa einmal inne hatte, hat es lange verloren. Jetzt gilt es nur noch um mehr Schein als Sein. Darin unterscheiden sich die Regierung wenig bis gar nicht von den Bevölkerungen, die sie leiten.
Allein von diesen Gesichtspunkten aus gesehen dürfte 2012 ein interessantes Jahr werden - der Kampf der Bananenrepubliken gegen die Schuldenlast mit gleichzeitger Untüchtigkeit aller Beteiligten. Wie die Vereinigten Staaten von Europa wie Amerika ihre Krise bewältigen und die Menschen nachhaltig motivieren wollen, dürfte ein interessantes Schauspiel werden. Dazu gehört allerdings mehr als ein "Yes we can!" oder das über Bord werfen von Teekisten. Solange Reiche darum betteln müssen, dass sie mehr Steuern bezahlen dürfen, läuft irgendetwas falsch - egal, ob in Deutschland oder in Amerika.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein angenehmes Wochenende. Bis zum nächsten Freitag.
LG Gene :-)
Freitag, 17. Juni 2011
"Die aktuelle Sündenwoche" - 1. Tag - Montagsreichtum
Wie versprochen komme ich an diesem Freitag zum ersten Teil meiner Sommerloch-Serie. Seit dem letzten Eintrag ist wieder einmal viel Wasser die Mosel (oder auch andere Flüsse dieser Welt) hinabgeflossen und nicht jedes Gemüt blieb bei dem Thema "Narzissmus" so kalt wie das Wetter derzeit in Deutschland. Es scheint, als hätte ich einige narzisstische Gemüter allzu stark erhitzt in der Gewissensfrage: "Wieviel Narzissmus ist gut für uns?". Nun bin ich nicht dazu da, Menschen zu be- oder verurteilen aufgrund von übersteigerter Eigenliebe... und mein Blog ist es genausowenig. Vielleicht muss ich erneut den Leser einfach daran erinnern, dass es hier nur um ein paar Denkanstöße geht - auch an mich selbst! Denn nur, weil ich mich mit einem Text öffentlich an ein Publikum wende, heißt das nicht, dass ich in dem Schreibprozess nicht selbst darüber nachdenke, wie ich bestimmte Dinge im Leben angehe.
So und ähnlich hat sich auch die Themenfindung für die Serie gegen die Langeweile im Sommerloch abgespielt. Dabei hat mich das Thema schon sehr lange beschäftigt und indirekt hängt es auch mit dem Thema der vergangenen Woche zusammen. Denn in dem (bereits erwähnten) Buch "Narzissmus Epidemie" wurden nicht nur die Symptome und Phänomene übersteigerten Narzissmusses präsentiert, sondern auch Ansätze zur Eindämmung der Epidemie. Dabei wurde allerdings relativ nüchtern auch festgestellt, dass die Epidemie kaum aufzuhalten sei.
Mitnichten ist es einfach, die Selbstverliebtheit gegen eine bescheidenere Art des Lifestyles zu tauschen. In dem Buch sprachen die Autoren unter anderem davon, dass sich die Menschen bewusst werden müssten, sich wieder stärker religiösen Lebenseinstellungen zuzuwenden. An dieser Stelle hatte ich dann so meine Probleme, da ich nicht wirklich glaube, dass Religion alles im Leben lösen kann.
Nun braucht der Mensch allgemein eine Art Anker, an dem er sich festhalten kann. Dieser Anker kann durch vieles repräsentiert werden, beinhaltet meist aber im Kern eine Frage: "Warum leben?" und den damit verbundenen Fragen "Was mache ich eigentlich hier?", "Woher komme ich?" und "Wohin gehe ich?". Für die meisten Menschen war über Jahrhunderte hinweg die Religion (egal, ob man sich nun für das Christentum, den Buddhismus, den Hinduismus, das Judentum oder den Islam entschied) der entscheidende Mittelpunkt im Leben. Die Religion bildete den Grundstein für die Lebensart, für die man sich innerhalb einer Gesellschaft entschied.
In den letzten Jahrzehnten hat sich diese traditionsreiche Einstellung immer mehr verändert. Dabei geht es nicht nur um Atheismus, der beinhaltet, einfach an gar nichts zu glauben, was man nicht mit Sicherheit beweisen kann, sondern um eine Grundeinstellung, die in Zweifel zieht, dass Religion wirklich mit dem strengen Auge hoher Geistlicher gesehen werden muss/soll.
Ob das nun wiederum am Kapitalismus und der Gewinner/Verlierer-Einstellung der Allgemeinheit liegt ist fraglich. Wahrscheinlicher für die Verdrossenheit der Religion gegenüber ist die immer besser werdende Bildung der Massen, durch die der "gemeine Mob" (wie früher die durchschnittlich oder unterdurchschnittlich bezahlte Mehrheit der Gesellschaft genannt wurde) nicht mehr so manipulierbar ist wie vor einigen Jahrhunderten.
Da das Lesen und Schreiben zu den Grundfähigkeiten zählen, die jeder erlernen kann und mit denen fast jeder als Erwachsener ausgestattet ist, wird in der Wissgier der Menschen immer mehr in Frage gestellt. Und damit auch die Religion. Natürlich sind wir längst nicht soweit, dass alle Religionen abgeschafft wurden, ganz im Gegenteil entsteht neben der Religionsverdrossenheit der Fanatismus in der Religion, der Motive einer Religion so stark verdreht, dass sie in etwas Zerstörerisches umgewandelt wird.
Nun, das hier ist kein Religionsblog! Und ich selbst bin weit entfernt davon, ein streng gläubiger Mensch zu sein, wie er noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts existierte. Ich sehe auch nicht in der Zuwendung zur Religion das Allerweltsheil im Kampf gegen gesteigerten Narzissmus. Denn auch in der Religion gibt es durchaus genug davon.
Allerdings habe ich durch die Erwähnung des Themas "Religion" nachgedacht und mich nach einer Weile gefragt: "Was ist eigentlich aus den Todsünden geworden?".
In der heutigen Gesellschaft wird an vielen Ecken und Enden immer mehr bemängelt, wie abgebrüht oder hemmungslos wir Menschen uns benehmen. Sei es bei Jugendlichen, die an U-Bahn-Stationen willkürliche herausgepickte Opfer halb oder gar ganz tot prügeln. Oder Politiker, die dem Wähler das Blaue vom Himmel lügen, um später dann doch mit der Wirtschaft Hand in Hand zu arbeiten - alles in der Hoffnung, später einen gut dotierten Job in deren Reihen zu ergattern, wenn die Politikerkarriere einmal vorbei ist.
An diesen Punkten muss man sich (religiös oder nicht) doch fragen, wohin unsere Gesellschaft geht. Und wie sie so weit kommen konnte.
Dass die sieben zu Todsünden führenden Charaktereigenschaften Hochmut, Geiz, Wolllust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit uns noch nie weit gebracht haben, hat die Geschichte schon oft gezeigt, im Kleinen wie im Großen. Weitaus interessanter fand ich allerdings die sieben Todsünden der Modernen Welt, festgelegt von Mahatma Ghandi. Denn diese treffen heute mehr denn je auf unsere Gesellschaft zu und zeigen auf, wie sehr wir uns jeden Tag aufs Neue mit diesen Todsünden selbst ein Beinchen stellen.
Den Auftakt der Reihe machen wir nun (wie in einem klassischen Wochenzyklus) beim Montag - und der Todsünde "Reichtum ohne Arbeit". Und passender könnte diese Todsünde gerade gar nicht sein.
Logisch ist doch, dass (fast) Jeder am Montag seine Arbeitswoche beginnt - in der Hauptsache, um Geld zu verdienen. So sehr wir auch darauf pochen wollen, dass uns unsere Arbeit Spaß macht oder wir uns beruhigen wie sehr uns die Beschäftigung Freude bereitet, im Ende geht es immer um den schnöden Mammon. Was uns allerdings in den letzten Wochen wirklich gebannt bewegt ist die Situation des kurz vor der Pleite stehenden Griechenland.
Seit 2007 fürchtet sich die gesamte Weltwirtschaft vor der Finanzkrise, die viele Menschen (inklusive ihrer Immobilien) in die Pleite trieb, Tausende von Menschen ihren Job kostete und nun ganze Nationen in die Pleite führt. Wir Deutsche waren dabei noch verhältnismäßig gut davongekommen und ständig rühmt sich die derzeitige Regierung damit, wie gut wir mit der Finanzkrise zurechtgekommen sind. Man könnte allerdings meinen, wir sind im Ende zu gut aus der Sache rausgekommen, denn in den letzten Jahren ist Deutschland (neben anderen Nationen) nur noch damit beschäftigt, Hilfsmittel in die verschiedensten Kanäle zu pumpen und damit die ultimative Katastrophe, die Inflation, abzuwenden. Das war bei der Bankenkrise der Fall, aus der die Regierung mit millardenschweren Rettungspaketen aushalf. Dann kam der finanzielle Zerfall Irlands, das ehemalige europäische Wirtschaftswunder. Und nun ist es Griechenland. Neben Spanien und Portugal hat es Griechenland am Härtesten erwischt, das Land ist finanziell in die Knie gezwungen worden. Dabei ist wohl jedem bewusst, dass diese Pleite vor allem auf Mißwirtschaft und den lächerlichen Umgang der Griechen im Geldverteilen zurückzuführen ist.
Nun, es liegt wohl nicht nur daran, dass die Griechen ein niedrigeres geplantes Renteneintrittsalter im Gegensatz zu Deutschland haben. Denn obwohl Kanzlerin Merkel fordert, das Renteneintrittsalter aller EU-Staaten auf 67 anzuheben und damit Deutschland anzugleichen, so liegt im eigentlichen Renteneintrittsalter Griechenland fast gleichauf mit Deutschland. Was nützt also ein geplantes Renteneintrittsalter von 67, wenn die Deutschen im Durchschnitt doch mit 62 in Rente gehen? Und da unsere Wirtschaft nicht kaputt ist und wir nicht bedürftig sind nach Milliardenpaketen aus anderen EU-Staaten, kann es wohl kaum ausschließlich daran liegen, dass Griechenland jetzt pleite ist.
Allerdings ist das Renteneintrittsalter oder die Tatsache, dass Renten an bereits tote Bürger Griechenlands weitergezahlt wurden, ohne zu überprüfen, ob die betreffenden Personen noch leben, Baustein für Baustein der Teil des Gesamtproblems. Im Groben und Ganzen kann man auch in dieser Situation vom "Reichtum ohne Arbeit" zu reden. Nicht, dass kein Grieche etwas arbeitet - aber wie kann es sein, dass milliardenschwere Rettungspakete geschnürt werden, die dann an das Land gegeben werden, um zu retten, was noch zu retten ist ... und im Gegenzug hört man nur noch in den Schlagzeilen (ähnlich wie bei Portugal) wie sehr die Politik NICHT bereit ist, den Haushalt enger zu schnallen und Lösungen zu finden, um das Land vor dem Bankrott zu retten?
Ist es im Ende wirklich so, dass wir uns im Ende zu sehr auf andere verlassen, die den Karren aus dem Dreck ziehen? Es geht bei der Todsünde "Reichtum ohne Arbeit" nicht nur um Griechenland, sondern um uns alle. Keiner kann sich wirklich von dem Vorwurf freisprechen, lieber sein Geld mit weniger als mit freiwilliger Mehrarbeit verdienen zu wollen.
Gut, im Durchschnitt leistet der deutsche Festangestellte drei Überstunden die Woche. Doch freiwillige Überarbeit ist nicht darin begründet, dass der Mensch gerne arbeitet, oft geht es um den sicheren Erhalt seiner Arbeit, die Gewissheit, dass man auch Festangestellter bleibt. Schlussendlich hat die Ableistung von Überstunden auch viel mit der Furcht, den Job zu verlieren, zu tun... nicht mit der reinen Arbeitsfreude.
Schlimmer wird der Fall erst, wenn man mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel Geld verdienen möchte. Dieses Phänomen trat erst Anfang bis Mitte der 90er auf, als anscheinend die gesamte Mittelschichtswelt an die Börse strebte und Aktien kaufte. Dabei ging es nicht darum, sein Geld sicher für die Zukunft anzulegen für schlechte Zeiten.... das Börsenfieber schlug mit der Absicht um sich, jeden mit möglichst wenig Aufwand potenziell zum Millionär zu machen.
Als es einige Fälle von Aktienmillionären gab, war der Rest der Bevölkerung schnell angesteckt. Bei jedem Börsengang jedes Großunternehmens war nicht nur die Presse, sondern auch jeder Durchschnittsbürger gebannt dabei. Bis zum Börsenkrach.
Der Katzenjammer war groß, als die Aktienkäufer feststellten, dass die Börse keine sichere Geldanlage, sondern ein riskantes Spiel ist, bei dem man wie beim Roulette alles gewinnen oder auch verlieren konnte. Das scheinbar so einfach verdiente Geld an der Börse war nicht nur nicht da, die Börse nahm den Börsenlaien auch noch ihr hart erspartes Geld weg. Im Prinzip hätten die Menschen spätestens ab diesem Punkt begreifen müssen, wie hart es ist, Geld zu verdienen. Und dass es keinen wirklichen Weg gibt, die Arbeit als Treibmittel, Geld zu bekommen, zu umschiffen.
Bereits letzte Woche sprach ich vom Narzissmus, immer reicher werden zu wollen und dadurch zu immer größerer Macht zu gelangen, den Materialismus in seinem eigenen kleinen Universum zu vergrößern. Heute ist die Gier nach viel Geld und einer abgesicherten Zukunft nicht nur für sich, sondern auch für seine Kinder und deren Kinder, wesentlich größer als noch vor einigen Jahrzehnten. Und noch nie wurden Menschen, die mit Faulheit zum großen Geld kamen, mehr gehasst und gleichzeitig geliebt wie heute.
Wir regen uns (da wir hart arbeiten und uns bemühen, jeden Euro ehrlich zu verdienen) immer wieder über die auf, die auch ohne Arbeit an Geld kommen. An der Spitze stehen dabei ausgerechnet Arbeitslose, die monatliche finanzielle Unterstützung bekommen. Natürlich ist es ungerecht, wenn Hartz IV Empfänger es durch Steuergelder schaffen, im Monat über die Runden zu kommen, während der arbeitende Durchschnittsbürger jede Woche mindestens 40 Stunden auf der Arbeit verbringt und unterm Strich das Gleiche erreicht. So sehr ich den Arbeitern in ihrem Unmut darüber zustimmen möchte, so sehr wundere ich mich zur gleichen Zeit, warum sie sich wesentlich weniger über Menschen echauffieren, die eine sehr hohe Summe an Geld für fast gar keine Arbeit verdienen.
Was ist zum Beispiel mit hochbezahlten Managern in Großunternehmen? Jeder Manager wird es natürlich nicht müde, in jedem Interview mit Journalisten zu beklagen, wieviel und wie hart sie für ihr Geld arbeiten müssen. Doch seien wir ehrlich: wenn diese Menschen wirklich so hart arbeiten müssten, wie sie behaupten, warum haben sie dann überhaupt noch die Zeit für Interviews? Und warum sehen diese Menschen noch so verdammt gesund aus für den harten Alltag, den sie angeblich haben? Wenn sie wirklich von der Stundenzahl so hart arbeiten würden wie ein Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert, würde keiner mehr den Job des Managers machen wollen; weil er dann nach spätestens 20 Jahren im Amt tot wäre.
In Anbetracht dieses Vergleichs werden Manager doch noch verdammt alt, oder? Ähnlich sieht es mit der Prominenz aus, sei es aus Sport, Kunst oder (um seriös zu bleiben) Politik. Man kann sich vorstellen, dass Musikkünstler manche Tage 14 bis 16 Stunden arbeiten... denn wenn die Werbemaschinerie angekurbelt werden muss, muss sie angekurbelt werden und das pronto. Aber was rechtfertigt dann die Bezahlung dieser Künstler in mehrstelliger Millionenhöhe? Was macht ein Popkünstler besser als Durchschnittsarbeiter? Inwieweit rechtfertigt Öffentlichkeitsarbeit eine Entlohnung, die in der Jahresbilanz so hoch ist, dass kein Durchschnittsbürger diese Summe in seinem gesamten Leben erarbeiten wird?
Wir haben also weitaus weniger Probleme mit einer Lady Gaga, die Millionen an ihrer Musik verdient oder Joseph Ackermann, Chef der Deutschen Bank, der jedes Jahr millionenhohe Gehälter kassiert als mit einem Hartz IV Empfänger, der ca. 500 Euro im Monat zur Lebenssicherung zugestanden bekommt. Natürlich, die ersten Beiden arbeiten für ihr Geld - aber wieso wird Arbeit auf der einen Seite so unrealistisch hoch bezahlt und auf der anderen Seite werden Tarife für einen Job festgelegt? Sind die Grenzen wirklich nach oben offen, sobald es um Verantwortung oder Öffentlichkeitsarbeit geht?
"Reichtum ohne Arbeit" ist ein natürlich viel weitverbreiteteres Phänomen als nur in diesen paar Beispielen. Eigentlich gibt es mitten unter uns verflucht viele Menschen, die versuchen, mit allen Mitteln außer Arbeit an Reichtum zu kommen. Hacker, die wie diese Woche zwei junge Männer, die meinten, unveröffentlichte Songs von Weltstars von deren Privat-PCs zu klauen und im Internet zu verkaufen. Eventmanager, die gerne mal im Voraus Summen in vielstelligen Höhen kassieren und sich anschließend aus dem Staub machen. Und das, weil sie entweder gar nicht die Qualifikation oder das Grundwissen zum Gestalten eines Events haben oder schlichtweg in großen Versprechungen den Nerv der Menschen treffen, die sich dann nur zu gerne prellen lassen.
Die Liste ließe sich mit Betrügern, Schwindlern und Steuerhinterziehern fortsetzen. Oder Politikern des EU-Parlaments, die sich selbst gerne mal für EU-Ratssitzungen in Anwesenheitslisten eintragen, um dann, ohne an der Sitzung teilgenommen zu haben, wieder verschwinden. Nur um das Geld für die angebliche Anwesenheit zu kassieren. Vielleicht ist das "Reichtum ohne Arbeit" in Reinkultur. Und damit eine Todsünde der Modernen Welt.
Was wir daraus lernen? Wahrscheinlich eher wenig. Denn die Beispiele für "Reichtum ohne Arbeit" motivieren den Durchschnittsbürger nicht gerade, ehrlich und hart arbeitend durch's Leben zu gehen. Alles, was aus solchen Beispielen resultiert, ist die immer größer werdende Suche nach dem Reichtum, ganz ohne viel dafür tun zu müssen.
Nicht alle Menschen werden je so werden; es wird glücklicherweise immer die geben, die gerne ehrlich arbeiten. Menschen, die es schätzen, für ihre Arbeit ein Gehalt zu bekommen, ganz gleich, ob es millionenschwer oder doch nur im Tarifbereich ist. Das sind die Menschen, die erkannt haben, dass Reichtum nicht alles im Leben ist - und wir eher Arbeit als zentrale Beschäftigung des Lebens brauchen als Reichtum. Denn Geld im Überfluss führt nur zu Faulheit - und daraus resultiert die quälende Depression, die das Leben weitaus höher belastet als wenn man sein Leben mit einem Quantum zuviel Arbeit füllt.
In diesem Sinne - bis zum nächsten Freitag und dem zweiten Teil von "Die aktuelle Sündenwoche".
LG Gene :-)
So und ähnlich hat sich auch die Themenfindung für die Serie gegen die Langeweile im Sommerloch abgespielt. Dabei hat mich das Thema schon sehr lange beschäftigt und indirekt hängt es auch mit dem Thema der vergangenen Woche zusammen. Denn in dem (bereits erwähnten) Buch "Narzissmus Epidemie" wurden nicht nur die Symptome und Phänomene übersteigerten Narzissmusses präsentiert, sondern auch Ansätze zur Eindämmung der Epidemie. Dabei wurde allerdings relativ nüchtern auch festgestellt, dass die Epidemie kaum aufzuhalten sei.
Mitnichten ist es einfach, die Selbstverliebtheit gegen eine bescheidenere Art des Lifestyles zu tauschen. In dem Buch sprachen die Autoren unter anderem davon, dass sich die Menschen bewusst werden müssten, sich wieder stärker religiösen Lebenseinstellungen zuzuwenden. An dieser Stelle hatte ich dann so meine Probleme, da ich nicht wirklich glaube, dass Religion alles im Leben lösen kann.
Nun braucht der Mensch allgemein eine Art Anker, an dem er sich festhalten kann. Dieser Anker kann durch vieles repräsentiert werden, beinhaltet meist aber im Kern eine Frage: "Warum leben?" und den damit verbundenen Fragen "Was mache ich eigentlich hier?", "Woher komme ich?" und "Wohin gehe ich?". Für die meisten Menschen war über Jahrhunderte hinweg die Religion (egal, ob man sich nun für das Christentum, den Buddhismus, den Hinduismus, das Judentum oder den Islam entschied) der entscheidende Mittelpunkt im Leben. Die Religion bildete den Grundstein für die Lebensart, für die man sich innerhalb einer Gesellschaft entschied.
In den letzten Jahrzehnten hat sich diese traditionsreiche Einstellung immer mehr verändert. Dabei geht es nicht nur um Atheismus, der beinhaltet, einfach an gar nichts zu glauben, was man nicht mit Sicherheit beweisen kann, sondern um eine Grundeinstellung, die in Zweifel zieht, dass Religion wirklich mit dem strengen Auge hoher Geistlicher gesehen werden muss/soll.
Ob das nun wiederum am Kapitalismus und der Gewinner/Verlierer-Einstellung der Allgemeinheit liegt ist fraglich. Wahrscheinlicher für die Verdrossenheit der Religion gegenüber ist die immer besser werdende Bildung der Massen, durch die der "gemeine Mob" (wie früher die durchschnittlich oder unterdurchschnittlich bezahlte Mehrheit der Gesellschaft genannt wurde) nicht mehr so manipulierbar ist wie vor einigen Jahrhunderten.
Da das Lesen und Schreiben zu den Grundfähigkeiten zählen, die jeder erlernen kann und mit denen fast jeder als Erwachsener ausgestattet ist, wird in der Wissgier der Menschen immer mehr in Frage gestellt. Und damit auch die Religion. Natürlich sind wir längst nicht soweit, dass alle Religionen abgeschafft wurden, ganz im Gegenteil entsteht neben der Religionsverdrossenheit der Fanatismus in der Religion, der Motive einer Religion so stark verdreht, dass sie in etwas Zerstörerisches umgewandelt wird.
Nun, das hier ist kein Religionsblog! Und ich selbst bin weit entfernt davon, ein streng gläubiger Mensch zu sein, wie er noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts existierte. Ich sehe auch nicht in der Zuwendung zur Religion das Allerweltsheil im Kampf gegen gesteigerten Narzissmus. Denn auch in der Religion gibt es durchaus genug davon.
Allerdings habe ich durch die Erwähnung des Themas "Religion" nachgedacht und mich nach einer Weile gefragt: "Was ist eigentlich aus den Todsünden geworden?".
In der heutigen Gesellschaft wird an vielen Ecken und Enden immer mehr bemängelt, wie abgebrüht oder hemmungslos wir Menschen uns benehmen. Sei es bei Jugendlichen, die an U-Bahn-Stationen willkürliche herausgepickte Opfer halb oder gar ganz tot prügeln. Oder Politiker, die dem Wähler das Blaue vom Himmel lügen, um später dann doch mit der Wirtschaft Hand in Hand zu arbeiten - alles in der Hoffnung, später einen gut dotierten Job in deren Reihen zu ergattern, wenn die Politikerkarriere einmal vorbei ist.
An diesen Punkten muss man sich (religiös oder nicht) doch fragen, wohin unsere Gesellschaft geht. Und wie sie so weit kommen konnte.
Dass die sieben zu Todsünden führenden Charaktereigenschaften Hochmut, Geiz, Wolllust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit uns noch nie weit gebracht haben, hat die Geschichte schon oft gezeigt, im Kleinen wie im Großen. Weitaus interessanter fand ich allerdings die sieben Todsünden der Modernen Welt, festgelegt von Mahatma Ghandi. Denn diese treffen heute mehr denn je auf unsere Gesellschaft zu und zeigen auf, wie sehr wir uns jeden Tag aufs Neue mit diesen Todsünden selbst ein Beinchen stellen.
Den Auftakt der Reihe machen wir nun (wie in einem klassischen Wochenzyklus) beim Montag - und der Todsünde "Reichtum ohne Arbeit". Und passender könnte diese Todsünde gerade gar nicht sein.
Logisch ist doch, dass (fast) Jeder am Montag seine Arbeitswoche beginnt - in der Hauptsache, um Geld zu verdienen. So sehr wir auch darauf pochen wollen, dass uns unsere Arbeit Spaß macht oder wir uns beruhigen wie sehr uns die Beschäftigung Freude bereitet, im Ende geht es immer um den schnöden Mammon. Was uns allerdings in den letzten Wochen wirklich gebannt bewegt ist die Situation des kurz vor der Pleite stehenden Griechenland.
Seit 2007 fürchtet sich die gesamte Weltwirtschaft vor der Finanzkrise, die viele Menschen (inklusive ihrer Immobilien) in die Pleite trieb, Tausende von Menschen ihren Job kostete und nun ganze Nationen in die Pleite führt. Wir Deutsche waren dabei noch verhältnismäßig gut davongekommen und ständig rühmt sich die derzeitige Regierung damit, wie gut wir mit der Finanzkrise zurechtgekommen sind. Man könnte allerdings meinen, wir sind im Ende zu gut aus der Sache rausgekommen, denn in den letzten Jahren ist Deutschland (neben anderen Nationen) nur noch damit beschäftigt, Hilfsmittel in die verschiedensten Kanäle zu pumpen und damit die ultimative Katastrophe, die Inflation, abzuwenden. Das war bei der Bankenkrise der Fall, aus der die Regierung mit millardenschweren Rettungspaketen aushalf. Dann kam der finanzielle Zerfall Irlands, das ehemalige europäische Wirtschaftswunder. Und nun ist es Griechenland. Neben Spanien und Portugal hat es Griechenland am Härtesten erwischt, das Land ist finanziell in die Knie gezwungen worden. Dabei ist wohl jedem bewusst, dass diese Pleite vor allem auf Mißwirtschaft und den lächerlichen Umgang der Griechen im Geldverteilen zurückzuführen ist.
Nun, es liegt wohl nicht nur daran, dass die Griechen ein niedrigeres geplantes Renteneintrittsalter im Gegensatz zu Deutschland haben. Denn obwohl Kanzlerin Merkel fordert, das Renteneintrittsalter aller EU-Staaten auf 67 anzuheben und damit Deutschland anzugleichen, so liegt im eigentlichen Renteneintrittsalter Griechenland fast gleichauf mit Deutschland. Was nützt also ein geplantes Renteneintrittsalter von 67, wenn die Deutschen im Durchschnitt doch mit 62 in Rente gehen? Und da unsere Wirtschaft nicht kaputt ist und wir nicht bedürftig sind nach Milliardenpaketen aus anderen EU-Staaten, kann es wohl kaum ausschließlich daran liegen, dass Griechenland jetzt pleite ist.
Allerdings ist das Renteneintrittsalter oder die Tatsache, dass Renten an bereits tote Bürger Griechenlands weitergezahlt wurden, ohne zu überprüfen, ob die betreffenden Personen noch leben, Baustein für Baustein der Teil des Gesamtproblems. Im Groben und Ganzen kann man auch in dieser Situation vom "Reichtum ohne Arbeit" zu reden. Nicht, dass kein Grieche etwas arbeitet - aber wie kann es sein, dass milliardenschwere Rettungspakete geschnürt werden, die dann an das Land gegeben werden, um zu retten, was noch zu retten ist ... und im Gegenzug hört man nur noch in den Schlagzeilen (ähnlich wie bei Portugal) wie sehr die Politik NICHT bereit ist, den Haushalt enger zu schnallen und Lösungen zu finden, um das Land vor dem Bankrott zu retten?
Ist es im Ende wirklich so, dass wir uns im Ende zu sehr auf andere verlassen, die den Karren aus dem Dreck ziehen? Es geht bei der Todsünde "Reichtum ohne Arbeit" nicht nur um Griechenland, sondern um uns alle. Keiner kann sich wirklich von dem Vorwurf freisprechen, lieber sein Geld mit weniger als mit freiwilliger Mehrarbeit verdienen zu wollen.
Gut, im Durchschnitt leistet der deutsche Festangestellte drei Überstunden die Woche. Doch freiwillige Überarbeit ist nicht darin begründet, dass der Mensch gerne arbeitet, oft geht es um den sicheren Erhalt seiner Arbeit, die Gewissheit, dass man auch Festangestellter bleibt. Schlussendlich hat die Ableistung von Überstunden auch viel mit der Furcht, den Job zu verlieren, zu tun... nicht mit der reinen Arbeitsfreude.
Schlimmer wird der Fall erst, wenn man mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel Geld verdienen möchte. Dieses Phänomen trat erst Anfang bis Mitte der 90er auf, als anscheinend die gesamte Mittelschichtswelt an die Börse strebte und Aktien kaufte. Dabei ging es nicht darum, sein Geld sicher für die Zukunft anzulegen für schlechte Zeiten.... das Börsenfieber schlug mit der Absicht um sich, jeden mit möglichst wenig Aufwand potenziell zum Millionär zu machen.
Als es einige Fälle von Aktienmillionären gab, war der Rest der Bevölkerung schnell angesteckt. Bei jedem Börsengang jedes Großunternehmens war nicht nur die Presse, sondern auch jeder Durchschnittsbürger gebannt dabei. Bis zum Börsenkrach.
Der Katzenjammer war groß, als die Aktienkäufer feststellten, dass die Börse keine sichere Geldanlage, sondern ein riskantes Spiel ist, bei dem man wie beim Roulette alles gewinnen oder auch verlieren konnte. Das scheinbar so einfach verdiente Geld an der Börse war nicht nur nicht da, die Börse nahm den Börsenlaien auch noch ihr hart erspartes Geld weg. Im Prinzip hätten die Menschen spätestens ab diesem Punkt begreifen müssen, wie hart es ist, Geld zu verdienen. Und dass es keinen wirklichen Weg gibt, die Arbeit als Treibmittel, Geld zu bekommen, zu umschiffen.
Bereits letzte Woche sprach ich vom Narzissmus, immer reicher werden zu wollen und dadurch zu immer größerer Macht zu gelangen, den Materialismus in seinem eigenen kleinen Universum zu vergrößern. Heute ist die Gier nach viel Geld und einer abgesicherten Zukunft nicht nur für sich, sondern auch für seine Kinder und deren Kinder, wesentlich größer als noch vor einigen Jahrzehnten. Und noch nie wurden Menschen, die mit Faulheit zum großen Geld kamen, mehr gehasst und gleichzeitig geliebt wie heute.
Wir regen uns (da wir hart arbeiten und uns bemühen, jeden Euro ehrlich zu verdienen) immer wieder über die auf, die auch ohne Arbeit an Geld kommen. An der Spitze stehen dabei ausgerechnet Arbeitslose, die monatliche finanzielle Unterstützung bekommen. Natürlich ist es ungerecht, wenn Hartz IV Empfänger es durch Steuergelder schaffen, im Monat über die Runden zu kommen, während der arbeitende Durchschnittsbürger jede Woche mindestens 40 Stunden auf der Arbeit verbringt und unterm Strich das Gleiche erreicht. So sehr ich den Arbeitern in ihrem Unmut darüber zustimmen möchte, so sehr wundere ich mich zur gleichen Zeit, warum sie sich wesentlich weniger über Menschen echauffieren, die eine sehr hohe Summe an Geld für fast gar keine Arbeit verdienen.
Was ist zum Beispiel mit hochbezahlten Managern in Großunternehmen? Jeder Manager wird es natürlich nicht müde, in jedem Interview mit Journalisten zu beklagen, wieviel und wie hart sie für ihr Geld arbeiten müssen. Doch seien wir ehrlich: wenn diese Menschen wirklich so hart arbeiten müssten, wie sie behaupten, warum haben sie dann überhaupt noch die Zeit für Interviews? Und warum sehen diese Menschen noch so verdammt gesund aus für den harten Alltag, den sie angeblich haben? Wenn sie wirklich von der Stundenzahl so hart arbeiten würden wie ein Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert, würde keiner mehr den Job des Managers machen wollen; weil er dann nach spätestens 20 Jahren im Amt tot wäre.
In Anbetracht dieses Vergleichs werden Manager doch noch verdammt alt, oder? Ähnlich sieht es mit der Prominenz aus, sei es aus Sport, Kunst oder (um seriös zu bleiben) Politik. Man kann sich vorstellen, dass Musikkünstler manche Tage 14 bis 16 Stunden arbeiten... denn wenn die Werbemaschinerie angekurbelt werden muss, muss sie angekurbelt werden und das pronto. Aber was rechtfertigt dann die Bezahlung dieser Künstler in mehrstelliger Millionenhöhe? Was macht ein Popkünstler besser als Durchschnittsarbeiter? Inwieweit rechtfertigt Öffentlichkeitsarbeit eine Entlohnung, die in der Jahresbilanz so hoch ist, dass kein Durchschnittsbürger diese Summe in seinem gesamten Leben erarbeiten wird?
Wir haben also weitaus weniger Probleme mit einer Lady Gaga, die Millionen an ihrer Musik verdient oder Joseph Ackermann, Chef der Deutschen Bank, der jedes Jahr millionenhohe Gehälter kassiert als mit einem Hartz IV Empfänger, der ca. 500 Euro im Monat zur Lebenssicherung zugestanden bekommt. Natürlich, die ersten Beiden arbeiten für ihr Geld - aber wieso wird Arbeit auf der einen Seite so unrealistisch hoch bezahlt und auf der anderen Seite werden Tarife für einen Job festgelegt? Sind die Grenzen wirklich nach oben offen, sobald es um Verantwortung oder Öffentlichkeitsarbeit geht?
"Reichtum ohne Arbeit" ist ein natürlich viel weitverbreiteteres Phänomen als nur in diesen paar Beispielen. Eigentlich gibt es mitten unter uns verflucht viele Menschen, die versuchen, mit allen Mitteln außer Arbeit an Reichtum zu kommen. Hacker, die wie diese Woche zwei junge Männer, die meinten, unveröffentlichte Songs von Weltstars von deren Privat-PCs zu klauen und im Internet zu verkaufen. Eventmanager, die gerne mal im Voraus Summen in vielstelligen Höhen kassieren und sich anschließend aus dem Staub machen. Und das, weil sie entweder gar nicht die Qualifikation oder das Grundwissen zum Gestalten eines Events haben oder schlichtweg in großen Versprechungen den Nerv der Menschen treffen, die sich dann nur zu gerne prellen lassen.
Die Liste ließe sich mit Betrügern, Schwindlern und Steuerhinterziehern fortsetzen. Oder Politikern des EU-Parlaments, die sich selbst gerne mal für EU-Ratssitzungen in Anwesenheitslisten eintragen, um dann, ohne an der Sitzung teilgenommen zu haben, wieder verschwinden. Nur um das Geld für die angebliche Anwesenheit zu kassieren. Vielleicht ist das "Reichtum ohne Arbeit" in Reinkultur. Und damit eine Todsünde der Modernen Welt.
Was wir daraus lernen? Wahrscheinlich eher wenig. Denn die Beispiele für "Reichtum ohne Arbeit" motivieren den Durchschnittsbürger nicht gerade, ehrlich und hart arbeitend durch's Leben zu gehen. Alles, was aus solchen Beispielen resultiert, ist die immer größer werdende Suche nach dem Reichtum, ganz ohne viel dafür tun zu müssen.
Nicht alle Menschen werden je so werden; es wird glücklicherweise immer die geben, die gerne ehrlich arbeiten. Menschen, die es schätzen, für ihre Arbeit ein Gehalt zu bekommen, ganz gleich, ob es millionenschwer oder doch nur im Tarifbereich ist. Das sind die Menschen, die erkannt haben, dass Reichtum nicht alles im Leben ist - und wir eher Arbeit als zentrale Beschäftigung des Lebens brauchen als Reichtum. Denn Geld im Überfluss führt nur zu Faulheit - und daraus resultiert die quälende Depression, die das Leben weitaus höher belastet als wenn man sein Leben mit einem Quantum zuviel Arbeit füllt.
In diesem Sinne - bis zum nächsten Freitag und dem zweiten Teil von "Die aktuelle Sündenwoche".
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