Das Jahr beginnt in meinem Blog in diesem Jahr mit einem kleinen Zweiteiler, denn inzwischen stelle ich mir ernsthaft die Frage, woher eigentlich die ganzen Finanzkrisen kommen. Liegt es wirklich an der Misswirtschaft des Staates oder macht das Volk irgendetwas falsch? Kann man einen Schuldigen benennen oder ist es doch jeder Einzelne, der es gründlich vergeigt hat?
Die Situation gleicht einem Splatter-Horrorfilm, allerdings einem sehr antiken. In dem Streifen "Der Blob" aus dem Jahr 1958 mit Steve McQueen war die Bedrohung ein außerirdischer rosa Schleim, der über die Zivilisation herfiel. Ähnlich geht es uns heute auch, nur dass die Bedrohung nicht Barbie-rosa, sondern eher moosgrün daherkommt: das liebe Geld hat uns fester im Griff als je zuvor. Es scheint, dass sämtliche Moral, jegliche Werte den Finanzen zum Opfer fallen oder nur dann funktionieren, wenn man sie mit dem lieben Geld vereinbaren kann. Hier sind sie nun, die "Wirtschaftskiller", bedrohlich und ohne jegliche Emotion wie in dem Film "Die Körperfresser kommen". Einziger Unterschied: diese Bedrohung ist weitaus weniger außerirdisch als uns lieb ist... denn sie ist menschengemacht und zerstört den Menschen zur gleichen Zeit.
Selten gab es so viele Finanzprobleme zu einem Jahreswechsel wie in diesem Jahr: die Eurokrise hat ganz Europa immer noch fest im Griff, Obama und die amerikanische Regierung haben mehr schlecht als Recht gerade noch die Fiskalklippe umschifft (mit einer großen theatralischen Inszenierung, muss man dazusagen!) und auch die Schwellenländer sind in ihrem Wirtschaftsboom gebremst. Erst im letzten Jahr stellte sich in China eine durch eine Immobilienblase verursachte, milliardenschwere Krise heraus. Allgemein bleibt in den Schwellenländern auch nur noch das Recht und der Sieg des Stärkeren: es setzt sich der durch, der in kürzester Zeit das meiste Geld horten kann - das sind meistens die Wenigsten. Was bleibt ist das Kapitalismus-Prinzip: das 1% der Superreichen gegen den Rest: 99% der Menschen, die gerade so oder gar nicht über die Runden kommen. In den USA protestierte ein Teil dieser Bewegung vor Banken und der New Yorker Börse, trotzdem hatte die "Occupy Bewegung" auf Dauer sehr viel weniger Erfolg als wir uns alle gewünscht hatten.
Die Schuld für eine Wirtschaftskrise liegt (neben politischen Faktoren und Fehleinschätzungen) auch immer in der Investitionspolitik. Wenn nicht mehr investiert wird, kommt das Wachstum ins Schwanken, der Arbeitsmarkt fängt an, mehr und mehr zu schwächeln, wodurch der Einzelne immer weniger Geld hat. Wenn der Einzelne schließlich kein Geld mehr hat, kann er das Geld, das er nicht hat, nicht mehr zurück in den Wirtschaftskreislauf führen. Dies wiederum führt zu einer immer größeren Wirtschaftsflaute. Das Weihnachtsgeschäft ist in jedem Jahr immer ein schönes Bonbon für den Einzelhandel, aber der Alltag holt die Wirtschaft wieder ganz schnell zurück auf den Boden der Tatsachen.
Das entscheidende Problem der Wirtschaft in sämtlichen Ländern dieser Erde ist wohl das Ungleichgewicht in der Verteilung des Kapitals. Während die Superreichen allein schon durch Zinsen und Spekulationen an der Börse ihr Vermögen immer weiter erweitern können, hat der Durchschnittsverdiener gerade einmal Geld für das Nötigste und nie genug Kapital, um in die Wirtschaft ansatzweise investieren zu können. Wer kann sich schließlich schon eben mal nebenher ein Haus auf Ibiza kaufen oder einen Bentley (Ferrari, Porsche... man darf sich an dieser Stelle seine Lieblingsmarke selbst eintragen!) leisten? Selbst mit viel Sparstrumpf füllen wird eine derartige Anschaffung für die Meisten nur ein Traum bleiben. Superreiche haben dieses Problem nicht, denn sie können sich das, was sie wollten, kaufen, wann sie es wollen und vor allem, so viel sie wollen.
Die Frage nach dem Geld ist wohl die einzig Entscheidende in dieser Zeit. Die Staaten brauchen Geld, jedes Individuum auf diesem Planeten (bis auf wenige Ausnahmen, die sich dem Geflecht einer Gesellschaft entzogen haben!) braucht Geld. Gleichzeitig ist das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich so groß wie nie zuvor. Das Mittelalter oder frühere Dekaden des letzten Jahrhunderts mit seinen Kasten- oder Standessystemen bestand im Wesentlichen aus den beiden Ufern zwischen denen, die bitterarm waren und denen, die im Überfluss lebten und nicht wussten, wofür sie ihr Geld und ihre Schätze ausgeben sollten.
Hat sich inzwischen etwas geändert? Das Einzige, was heute wirklich anders ist, ist die Tatsache, dass wir uns aus den Tiefen der Armut bis zur Spitze hocharbeiten können, sozusagen das Gesetz des Kapitalismus. Ohnehin ist Kapitalismus der Stolz der USA und Demokratie oder Liberalismus gelten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sowieso als besserer Kommunismus. Wir können uns quasi glücklich schätzen, selbst bestimmen zu können, wo wir im Leben finanziell stehen wollen. Wirklich? Ist damit Armut genauso gewählt wie Reichtum? Ich persönlich habe noch nie gehört, dass Menschen sich bewusst aussuchen, arm zu sein. Es gibt natürlich oft Menschen, die behaupten, Hartz IV Empfänger hätten ihr Schicksal selbst gewählt. Auf der anderen Seite muss sich jeder dieser Menschen, die diese Behauptung stellen, die Frage gefallen lassen, wer gerne von circa 600 Euro im Monat über die Runden kommen möchte.
Oft und gerne wird behauptet, das Sozialsystem sei ein Wirtschaftskiller gerade in Deutschland. Unser Sozialsystem gilt als eines der großzügigsten und damit sichersten der Welt. Doch an diesem System wird immer öfter gesägt, denn die Frage bleibt, wieviel diese soziale Großzügigkeit uns alle im Ende kostet, wenn es um Wirtschaftswachstum und globale Konkurrenzfähigkeit geht. Den Kritikern des Sozialsystems ist da nur die Situation z.B. in den kapitalistischen USA entgegenzusetzen, deren Sozialsystem auf einem sehr niedrigen Level steht, die aber trotzdem im Moment wie auf der Rasierklinge am Rande des fiskalen Abgrundes wandern. Es kann also nicht an sozialer Großzügigkeit liegen, dass die Staaten wirtschaftlich derart unter Druck stehen.
Im Ende gibt es nur die eine einleuchtende Erklärung neben all der Misswirtschaft und der Ratlosigkeit der Politik, die die globale Wirtschaft auf Dauer kaputtmachen: der Geldstau, verursacht vor allem von der Oberschicht! Das mag nun arg kommunistisch klingen (vielleicht ist es auch so gemeint), aber es muss auf die lange Sicht gesehen klar sein, dass die Reichen mit ihrer Sparmentalität nicht gerade zum Wachstum beitragen. Nun heißt das nicht, dass Reiche wie Dagobert Duck ihren Reichtum in einem riesigen Tresor sammeln und dadurch der Weltwirtschaft vorenthalten... denn es geht auch weitaus schlimmer: das Geld wird von den Superreichen kräftig vermehrt, indem sie nur in Projekte investieren, bei denen sie bloß nichts verlieren können! Kleiner Helferlein in diesem Spiel (mit immer größerer Rolle im globalen Lustspiel): die Ratingagenturen. Moody's, Fitch, Standard & Poors: diese Namen stehen nicht nur für die Herabstufung verschuldeter Staaten, denn dies ist nur der Anfang des Elends. Ratingagenturen sind "The Devil's Advocate", zur Verteidigung der Reichen vor dem Verlust ihres liebsten Gutes vor dem dunklen Strudel, auch genannt dem Rest der Welt.
Die Reichen lieben ihr Geld und heute ist es wichtiger als je zuvor, es zu behalten und zu vermehren. Reich sein reicht längst nicht mehr, denn die Konkurrenz im Club des oberen Prozents der Welt ist hart und gnadenlos. Allerdings fragt man sich, wenn man sich die Liste der reichsten Menschen der Welt ansieht: wer braucht das eigentlich? Die Mitglieder dieses Clubs bestimmt nicht. Wer kann schon in seinem Leben 1 Milliarde Dollar oder Euro ausgeben. Es ist sogar schon schwer, 1 Milliarde Rupien auszugeben! Wieso sollte es dann Sinn machen, mehr als 1 Milliarde Euro zu besitzen, sei es nun zu neuen Investitionen oder auch nur zur Sicherung des Lebensstandards? Der letzte Funken Sinn, nämlich auch mal mit Risiko zu investieren und abzuwarten, ob man Geld verliert oder eben nicht, geht dank Ratingagenturen inzwischen auch verloren.
Wozu führt das? Mir persönlich kommt es inzwischen vor, als wäre die Welt immer reicher. Die Frage, woher das "neue Geld" allerdings kommt, erschließt sich mir nicht. Immerhin gibt es weder eine Balz noch Geschlechtsverkehr zwischen Geldscheinen, also können sie sich nicht wie Lebewesen vermehren. Wertsteigerung? Woher soll die kommen? Es gibt eine bestimmte Menge an Menschen und Rohstoffen und da alles einen bestimmten Wert hat, müsste es auch einen festgelegten Wert für die gesamte Existenz geben. Also hieße es, den Spruch "Was kostet die Welt?" wörtlich zu nehmen. Spätestens an diesem Punkt allerdings scheint die Logik auszusetzen, denn es gibt immer mehr Reiche, die immer mehr Geld haben, das vorher gar nicht existiert hat. Im Gegensatz dazu haben die Armen nicht wirklich weniger Geld, aber sie werden immer mehr und der Geldanteil unter den Armen steigt nicht, wodurch jeder arme Mensch immer weniger Geld besitzt. Man kann also vermuten, dass für die Reichen einfach Geld neu dazu erfunden wird, während bei den Armen alles beim Alten bleibt und es kein neues Geld gibt, wodurch die Armen tatsächlich immer ärmer werden.
In den vergangenen Wochen nun gab es eine große Diskussion, eine Art neue französische Revolution wurde gewollt und ist trotzdem gescheitert. Die Rede ist von der 75% Steuer für die Reichen in Frankreich. Es war schon vor der Wahl Hollandes zum Präsidenten klar, dass der Club der Reichen Reißaus nehmen wird, sollten die Pläne konkretisiert werden. Hollande wagte es trotzdem, denn das Land ist ebenfalls von der Eurokrise schwer gebeutelt und er hat längst verstanden, dass die Menschen nicht überleben können, wenn die Beiträge für den Staat bei denen erhöht werden, die es sich leisten können. Ein Staat kann nicht nur davon leben, dass der Normalbürger hohe Steuern bezahlt und dadurch am Anfang des Monats von all der Arbeit nichts mehr als Lebensgrundlage übrig haben. Nun ist der Wandel seit langer Zeit im Gange, der Protest gegen die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und der Kampf für mehr finanzielle Gleichstellung der einzelnen Schichten. Trotzdem scheiterten sowohl die Occupy-Bewegung vor mittlerweile über einem Jahr und die Pläne Hollands zur höheren Reichensteuer. Ich muss ehrlich zugeben, dass selbst ich mit all meinen Ansichten 75% Reichensteuer für überzogen halte, dennoch hat Hollande im Kern das Problem richtig angepackt. Es kann nicht sein, dass Menschen mit astronomisch hohem Einkommen und Besitz auf dem Geld sitzenbleiben und dadurch der Weltwirtschaft entziehen. Das ist keine Neiddebatte, es geht um das Konstrukt der Welt an sich: wenn Geld quasi aus dem Kreislauf gezogen wird, wird das Vermögen eher zur Belastung für die Wirtschaft, es kann kein Wachstum mehr geben, wenn das Geld nicht mehr arbeitet... und einfach in Projekte investieren mit der Garantie, dass sie mehr Geld einbringen, führt nur dazu, dass noch mehr Geld aus diesem Kreislauf gezogen wird. Also sind die Reichen und Großverdiener einer der größten Wirtschaftskiller. Ausgerechnet die Menschen, denen der rote Teppich immer und immer wieder ausgerollt wird und die jeden Vorzug von der Gesellschaft erhalten, damit sie sich auch weiterhin pudelwohl fühlen. Nicht nur Gerard Depardieu, der sich inzwischen zum berühmtesten Steuerflüchtling der Welt entwickelt hat und auch gerne den Pakt mit Teufel Putin eingeht, um keine hohen Steuern zu zahlen, bekommt den Vorzug, wenn er ihn braucht. Was bei ihm für große Empörung sorgt, ist doch jeden Tag für viele Superreiche normal und nicht einmal eine Zeile in einer Zeitung wert.
Die Reichen sind bei Weitem nicht die einzigen Wirtschaftskiller in der globalisierten Welt, doch sie tragen einen großen Beitrag zur Wirtschaftskrise, wie wir sie kennen, bei. Hollande scheiterte vor dem höchsten Gericht in Frankreich mit seinem Vorhaben und muss nun seinen Gesetzesentwurf möglichst schnell überarbeiten, da er auch unter großem Druck steht, seine Wahlversprechen endlich zu erfüllen. Nun haben aber auch andere Länder (auch Deutschland!) ein gewaltiges Problem damit, die Reichen zur Kasse zu bitten. Es gibt einfach zu viele Schlupfwinkel für Reiche, die ungewollte Geldabgabe zu vermeiden: wenn ein Land die Reichensteuer erhöht, machen sie einfach den Depardieu und ziehen in ein anderes Land um (im Übrigen taten sie dies auch schon vorher, also hat Gerard nicht wirklich Vorbildfunktion!). Die Einsicht muss in den Reichen wachsen, dass Investitionen auch auf der Basis des Risikos funktionieren müssen. Es ist wichtig, dass die Superreichen auch mal Geld verlieren (es muss ja nicht gleich alles sein!), damit das Geld wieder in die Weltwirtschaft einfließen kann, damit andre Menschen auch mal wieder eine Chance bekommen. Es wäre doch einfach mal "nett", wenn die restlichen 99% zumindest den Traum einer Chance bekämen. Wir brauchen nicht nur Utopie in unserer Existenz, sondern auch Träume, die sich mal erfüllen können.
In Deutschland wird sich nun in diesem Jahr zeigen, wohin wir mit unseren Reichen und der Arschkriecherei in Richtung selbiger weitergehen wird. Der Wahlkampf läuft bereits jetzt auf Hochtouren und ist doch schon mehr als gelaufen (allein Steinbrück hat mit seinen Äußerungen dafür gesorgt, doch das soll Thema eines anderen Beitrages sein!). Hoffnungen bleiben damit auch hier, dass sich im finanziellen Ungleichgewicht irgendwann doch mal etwas ändern wird. Man darf gespannt abwarten und Tee trinken - oder nach dem Motto leben: "Man wird ja wohl von der Veränderung noch träumen dürfen!"
Was mir bleibt, ist allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen und sie bis zum nächsten Blogeintrag zu vertrösten. Die "Wirtschaftskiller/Körperfresser"-Serie geht auf jeden Fall weiter!
LG Gene :-)
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Donnerstag, 10. Januar 2013
Samstag, 13. Oktober 2012
Love, Peace & Europe? Die EU zum heißen Herbst 2012
Schluss mit lustig, das Sommerloch ist endgültig vorbei, die Ereignisse überschlagen sich mal wieder, weil jeder mitkriegt, weil gerade los ist und nicht im Urlaub vor sich hinbrutzelt (und diejenigen, die es trotzdem tun, sind wahrscheinlich mehr als zu bedauern, immerhin gibt es nichts schöneres, als mitzukriegen, was in dieser verrückten Welt geschieht!).
Die Sommerlochserie ist zugegebenermaßen eher offen geendet, aus Zeitmangel bestand keine Zeit mehr, den Sommer(loch)spielen 2012 eine würdige Abschlussfeier zu bescheren. Sie mögen es mir verzeihen, die Goldmedaillengewinner sind auch so Stolz wie Oskar über ihren "Gewinn". Deswegen wende ich mich in meinem Blog direkt dem heißen, feurigen "Indian Summer" oder dem "nasskalten Hundswetter" zu (was eher auf den deutschen Herbst zutrifft als ersteres!). In dieser Woche gab es denn auch endlich mal wieder für mich einen Grund, überhaupt einen Blogeintrag zu verfassen.
Gestern Mittag war ich verdutzt, fast geschockt und reagierte anschließend nur mit Ungläubigkeit und Kopfschütteln, als ich in den Nachrichten hörte, wer nun in diesem Jahr den "Friedensnobelpreis 2012" gewonnen hat, den wichtigsten der vom schwedischen Chemiker Alfred Nobel gegründeten und gestifteten Preises. Besonders interessant: Nobel legte in seinem Testament fest, dass der Preis "denen zugeteilt werden (soll), die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ (Quelle: wikipedia). Laut Jury ist dies also in diesem Jahr die EU, die Institution, die vor allem durch die Krisen"bewältigung" um den Euro vorrangig in den Schlagzeilen stand.
Die EU gewinnt also den "Friedens"nobelpreis und das mit der Begründung, dass "die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe" (Quelle: Spiegel-online). Diese Begründung kann verlangsamtes und zustimmendes Kopfnicken verursachen... muss aber nicht zwangsläufig! Einleuchtend ist die Begründung schon, die EU und das Bündnis der Mitgliedstaaten steht symbolisch für eine friedliche Einheit, vor allem aber auch für eine wirtschaftliche. Sicher, es soll immer der Frieden und die Demokratie im Vordergrund stehen bei der Symbolfigur Europäische Union, aber seien wir einen kurzen Augenblick mal wieder ehrlich: es geht in erster Linie um wirtschaftliche Interessen beim Bündnis der EU. Und nichts spricht wirklich dagegen, immerhin lebt jedes Individuum in heutigen Zeiten auch in erster Linie für den wirtschaftlichen Aspekt. Überleben heißt das Schlagwort, welches mit Geld und Wirtschaft untrennbar verknüpft ist.
Das Problem an diesem Friedensnobelpreis ist indes auch nicht, dass die EU mehr ein wirtschaftliches denn ein Friedensbündnis ist. Es ist klar, dass wir in der EU friedlich miteinander leben, da die EU aus demokratischen Mitgliedsstaaten besteht. Man bedenke auch, dass die EU einen weiten Weg hatte, um in solch einem starken, demokratischen Bündnis zu stehen, es bedurfte viel Einsichtigkeit und große Schritte musste von Staatsmännern aufeinander zu gemacht werden. Allein die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zeigt das: die Verbrüderung von Adenauer und de Gaulle galt damals wie heute als ein großer Schritt in Richtung einer friedlichen Gemeinschaft. Auch hier hat das Komitee des Nobelpreises Recht, wenn sie sagen, dass "heute ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland undenkbar wäre". Wahrscheinlich sind alle EU-Bürger auch sehr dankbar darum, dass ein Krieg wie der 2. Weltkrieg im heutigen Europa nicht denkbar wäre.
Trotzdem habe ich spontan über die Entscheidung, den Preis an die EU zu verleihen, mit Kopfschütteln reagiert. Nach allem, was in den vergangenen zwei Jahren war? Ist die EU wirklich noch eine Gallionsfigur des Friedens, die solch eines Preises würdig ist?
Ja, die Euro-Krise hat keinen Krieg innerhalb Europas ausgelöst. Zumindest keinen Krieg, der Tausende von Menschenleben fordert wie der, der zur Zeit in Syrien stattfindet. Man kann der EU auch nicht wirklich Tatenlosigkeit nachsagen in Sachen Eurokrise. Madame "Non" Merkel hat bewiesen, wie führungsstark und überlegt sie in der Krise eine ganze Gemeinschaft leiten kann. Gut, ich gebe zu, der Satz klingt weit sarkastischer, als ich ihn meine. Es ist wichtig, dass in der Krise, die eine ganze Währung zu zerstören droht, gehandelt wird, vor allem, wenn es bei dieser Währung um eine Gemeinschaftswährung geht und der Großteil eines ganzen Kontinentes wirtschaftlich in Gefahr ist. Allerdings kann man der EU zu Recht vorwerfen, dass sie nicht so stark und sozial gerecht handelt, wie es das Komitee des Nobelpreises ihm gerne unterstellen würde.
Die Euro-Krise hat Opfer gefordert, keine in Blut getränkten Kriegsopfer, die offen auf der Straße liegen, doch sie hat Opfer gefordert. Menschen leiden unter diktatorischen Sparmaßnahmen, blicken in eine heute mehr denn je ungewisse Zukunft und die Pläne zur Bewältigung der Eurokrise führt nur zu Demonstrationen Tausender Menschen auf den Straßen der von der Krise gebeutelten Nationen. Es ist kein Krieg möglich in Europa? Blickt man auf die Aggressionen speziell in Griechenland und das speziell gegenüber Deutschland, könnte man den "Krieg" fast schon wie dampfende Hundekacke in der Luft riechen. Erst in dieser Woche war Bundeskanzlerin Merkel dann auch in Griechenland zu weiteren Gesprächen im Hinblick auf die Krise. Dieser Besuch wurde ungewöhnlich unfreundlich von den Griechen in Empfang genommen: menschenleere Straßen, wo Frau Merkel mit Polizeitrupp und Limousine fuhr, es gab nicht einmal rosa Luftballons für sie. Stattdessen in anderen Teilen Athens groß angelegte Proteste mit Demonstranten, die teilweise in Naziuniform aufmarschierten. Ja, wenn kein anderer Vorwurf gegen die Deutschen geht, dann der bezüglich ihrer Nazivergangenheit. Eine Demonstration, die noch billiger ist als jedes "scripted reality format" im deutschen Fernsehen.
Fakt ist: es brodelt an allen Ecken und Enden in Europa seit der Eurokrise. Griechenland hasst Deutschland, Deutschland ist teils verstimmt mit Frankreich, Spanien und Italien schrauben an Lösungen, die sie selbst mehr schlecht als recht finanzieren können, und alle drängen wiederum Griechenland, endlich ihr finanzielles Problem in den Griff zu kriegen. Einigkeit besteht seit der Eurokrise sowieso nur auf halbgaren Papieren und zusammengeschusterten Plänen zur Lösung des Finanzproblems der EU. Die EU als Friedenssymbol?
In einer Zeit, in der die EU mit einer solch gewaltigen Krise wie der Eurokrise zu kämpfen hat, ist es nicht einmal eine "jetzt erst recht!"-Demonstration, den Preis der Europäischen Union zu verleihen. Der Friedensnobelpreis soll doch (wenn man den Worten Alfred Nobels in seinem Testament folgen soll) demjenigen verliehen werden, der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht hat. Im Hinblick auf dieses Zitat ist die EU wohl eher ein halbgarer Preisträger und nicht wirklich der Auszeichnung gewachsen.
Vor allem im Hinblick auf die anderen potenziellen Kandidaten ist diese Preisvergabe eher ein Treppenwitz. Zu den nominierten gehörten nicht nur die üblichen "Staatsmänner-Verdächtigen" wie Helmut Kohl oder Bill Clinton und auch Julija Timoschenko, sondern auch die Vorreiter des "arabischen Frühlings", Blogger und Menschenrechtler waren für den Preis nominiert. Die Spannung war auch bei mir in diesem Jahr groß gewesen und als ich die Entscheidung gehört habe, dachte ich, man hätte auch sonst wem den Preis verleihen können. Eine Auszeichnung an Protestler gegen das russische Regime hätte der Bewegung gegen Putin gut getan, es hätte vor allem ein Statement gegen Putin und seine fast totalitäre Herrschaft gesetzt.
Geht es schlussendlich bei einem Friedensnobelpreis nicht um den Frieden an sich? Wer könnte den Frieden besser vertreten als die, die sich uneigennützig für den Frieden und die Freiheit der Menschen einsetzen? Zugegeben, ein Nominierter wie Bono von U2 ist für mich auch nicht wirklich ein Wunschkandidat für die Auszeichnung. Wenn sich Menschen, die viel Popularität und Geld haben, für Frieden oder Schuldenerlässe von Entwicklungsstaaten einsetzen, ist das zwar lobenswert, aber nicht sonderlich schwer für diese Menschen umzusetzen. Ich schätze Bono's Engagement für Afrika wirklich sehr und finde auch, dass gerade er in der Prominentenwelt eine Bewegung losgetreten hat, sich auch für die Armen der Welt einzusetzen (was in den Jahren davor viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt wurde). Aber ein Friedensnobelpreis? Ich sehe immer noch Menschen für diese Auszeichnung, die ihr gesamtes Leben einer Sache widmen, mit Herz und Hirn sich so stark für etwas einsetzen, dass Glanz und Gloria kein Platz mehr haben. Hingabe und sich einer Sache wirklich zu widmen erfordert viel Kraft, da kann man nicht nebenher noch Karriere machen (auch wenn Kristina Schröder das immer zu verkaufen versucht und immer noch strikt gegen eine Frauenquote ist).
Erst heute las ich von der 14jährigen Schülerin Malala Yousufzai aus Pakistan, die in ihrer Heimat von Al-Qaida Terroristen niedergeschossen wurde und nach einer Notoperation immer noch ums Überleben kämpft. Ein Mädchen, dass sich öffentlich für die Rechte von Mädchen eingesetzt hat, in die Schule gehen zu dürfen in einem Land, in dem der Terror der Al Qaida Mädchen sogar verbietet, das Haus zu verlassen. Nein, nicht ganz Pakistan ist von der Al Qaida Seuche befallen, aber ein erschreckend großer Teil und die Terrororganisation tut alles, um das ganze Land in ihre Gewalt zu bringen. Man muss den Mut dieses Mädchens bewundern, ihre Courage, für das Recht auf Schulbildung einzutreten. Ist das nicht viel mehr Wert als eine Organisation wie die EU, die von hochbezahlten Sesselwarmhaltern lebt, die dank großer Gehaltsschecks den "Frieden in Europa" sichern?
Einige Kritiker bemängeln schon seit mehreren Jahren, dass der Friedensnobelpreis an "Schlagkraft" verloren hat, weil einfach die falschen Menschen damit ausgezeichnet werden. So war die Auszeichnung für Barack Obama im Jahr 2008 bereits ein Witz, über den man sich heute noch lustig machen darf. Einen Staatsmann auszuzeichnen vor seinem Amtsantritt waren wohl doch ein paar Vorschusslorbeeren zuviel und bis auf die große Heldentat, in einer gefährlichen Operation Terrorchef Osama bin Laden zu töten, ist nicht viel passiert in der ersten Amtsperiode Obamas, zumindest nicht außenpolitisch oder zur Herstellung des Weltfriedens. So zeigt sich Obama speziell in dem Konflikt um Syrien erschreckend träge und tatenlos. Ein Mann, der als Symbolfigur für den Frieden ausgezeichnet wird, müsste doch viel mehr tun, um das Blutvergießen in dem Kriegsgebiet zu stoppen, oder? Nun, wie schon des Öfteren vorher betont, Obama ist nicht der Messias, für den ihn viele Menschen vor seinem Amtsantritt gehalten haben.
Aber zurück zum EU Friedensnobelpreis. Der Präsident der EU Kommission, José Manuel Barroso, hat nach der Bekanntgabe gesagt, dass es "große Ehre für die gesamte EU und alle 500 Millionen Bürger (ist), mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden". Hm, also sind nun alle EU Bürger stolz, einen Preis erhalten zu haben, von dem keiner so wirklich was hat. Ja, die Symbolkraft... ist klar! Ich glaube, die EU Bürger sind dieser Tage viel zu sehr mit der Angst um ihre Jobs und ihre Existenz in Zeiten der Euro-Krise beschäftigt, als dass sie Freudensprünge wegen eines gewonnen Friedensnobelpreises machen könnten. Solch ein Preis ist schlussendlich doch mehr für diejenigen, die Zeit haben, diese Ehrung zu genießen und sich im Licht der Lobhuselei zu sonnen. Wie die Politiker in der EU. Vielleicht hatte das Kommitee doch recht, genau diese Organisation auszuzeichnen... immerhin wäre ein Menschenrechtler zu beschäftigt mit der Wahrung des Friedens oder der Umsetzung seiner eigenen Mission, um sich vor Kameras zu aalen oder Statements zu geben, wie sehr er den Preis doch verdient hätte.
Das Einzige, was die Verleihung dieses Jahr bei mir bewirkt hat, ist Enttäuschung. Enttäuschung über das zu weiche Rückgrat des Nobelpreis-Komitees, Enttäuschung über so wenig Mut zu einer erwähnenswerten Entscheidung und Enttäuschung über einen Preisträger, der so furchtbar sinnlos ist, gerade in dieser für die EU so schweren Zeit. Optimisten reden natürlich von dem "Push", den solch ein Preis mit sich bringt, der Motivation, die dieser Preis für die EU in Krisenzeiten haben wird. Bitteschön, ich lasse allen Optimisten und Befürwortern gerne ihr positives Gedankengut und vielleicht führt dieser Preis wirklich zu dem Kick, der die Europäische Gemeinschaft in die richtige Richtung führen wird. Es wäre allen Beteiligten (inklusive 500 Millionen EU Bürger, denn auf die kommt es schlussendlich wirklich an!) zu wünschen!
In diesem Sinne ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Blogeintrag.
LG Gene :-)
Die Sommerlochserie ist zugegebenermaßen eher offen geendet, aus Zeitmangel bestand keine Zeit mehr, den Sommer(loch)spielen 2012 eine würdige Abschlussfeier zu bescheren. Sie mögen es mir verzeihen, die Goldmedaillengewinner sind auch so Stolz wie Oskar über ihren "Gewinn". Deswegen wende ich mich in meinem Blog direkt dem heißen, feurigen "Indian Summer" oder dem "nasskalten Hundswetter" zu (was eher auf den deutschen Herbst zutrifft als ersteres!). In dieser Woche gab es denn auch endlich mal wieder für mich einen Grund, überhaupt einen Blogeintrag zu verfassen.
Gestern Mittag war ich verdutzt, fast geschockt und reagierte anschließend nur mit Ungläubigkeit und Kopfschütteln, als ich in den Nachrichten hörte, wer nun in diesem Jahr den "Friedensnobelpreis 2012" gewonnen hat, den wichtigsten der vom schwedischen Chemiker Alfred Nobel gegründeten und gestifteten Preises. Besonders interessant: Nobel legte in seinem Testament fest, dass der Preis "denen zugeteilt werden (soll), die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ (Quelle: wikipedia). Laut Jury ist dies also in diesem Jahr die EU, die Institution, die vor allem durch die Krisen"bewältigung" um den Euro vorrangig in den Schlagzeilen stand.
Die EU gewinnt also den "Friedens"nobelpreis und das mit der Begründung, dass "die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe" (Quelle: Spiegel-online). Diese Begründung kann verlangsamtes und zustimmendes Kopfnicken verursachen... muss aber nicht zwangsläufig! Einleuchtend ist die Begründung schon, die EU und das Bündnis der Mitgliedstaaten steht symbolisch für eine friedliche Einheit, vor allem aber auch für eine wirtschaftliche. Sicher, es soll immer der Frieden und die Demokratie im Vordergrund stehen bei der Symbolfigur Europäische Union, aber seien wir einen kurzen Augenblick mal wieder ehrlich: es geht in erster Linie um wirtschaftliche Interessen beim Bündnis der EU. Und nichts spricht wirklich dagegen, immerhin lebt jedes Individuum in heutigen Zeiten auch in erster Linie für den wirtschaftlichen Aspekt. Überleben heißt das Schlagwort, welches mit Geld und Wirtschaft untrennbar verknüpft ist.
Das Problem an diesem Friedensnobelpreis ist indes auch nicht, dass die EU mehr ein wirtschaftliches denn ein Friedensbündnis ist. Es ist klar, dass wir in der EU friedlich miteinander leben, da die EU aus demokratischen Mitgliedsstaaten besteht. Man bedenke auch, dass die EU einen weiten Weg hatte, um in solch einem starken, demokratischen Bündnis zu stehen, es bedurfte viel Einsichtigkeit und große Schritte musste von Staatsmännern aufeinander zu gemacht werden. Allein die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg zeigt das: die Verbrüderung von Adenauer und de Gaulle galt damals wie heute als ein großer Schritt in Richtung einer friedlichen Gemeinschaft. Auch hier hat das Komitee des Nobelpreises Recht, wenn sie sagen, dass "heute ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland undenkbar wäre". Wahrscheinlich sind alle EU-Bürger auch sehr dankbar darum, dass ein Krieg wie der 2. Weltkrieg im heutigen Europa nicht denkbar wäre.
Trotzdem habe ich spontan über die Entscheidung, den Preis an die EU zu verleihen, mit Kopfschütteln reagiert. Nach allem, was in den vergangenen zwei Jahren war? Ist die EU wirklich noch eine Gallionsfigur des Friedens, die solch eines Preises würdig ist?
Ja, die Euro-Krise hat keinen Krieg innerhalb Europas ausgelöst. Zumindest keinen Krieg, der Tausende von Menschenleben fordert wie der, der zur Zeit in Syrien stattfindet. Man kann der EU auch nicht wirklich Tatenlosigkeit nachsagen in Sachen Eurokrise. Madame "Non" Merkel hat bewiesen, wie führungsstark und überlegt sie in der Krise eine ganze Gemeinschaft leiten kann. Gut, ich gebe zu, der Satz klingt weit sarkastischer, als ich ihn meine. Es ist wichtig, dass in der Krise, die eine ganze Währung zu zerstören droht, gehandelt wird, vor allem, wenn es bei dieser Währung um eine Gemeinschaftswährung geht und der Großteil eines ganzen Kontinentes wirtschaftlich in Gefahr ist. Allerdings kann man der EU zu Recht vorwerfen, dass sie nicht so stark und sozial gerecht handelt, wie es das Komitee des Nobelpreises ihm gerne unterstellen würde.
Die Euro-Krise hat Opfer gefordert, keine in Blut getränkten Kriegsopfer, die offen auf der Straße liegen, doch sie hat Opfer gefordert. Menschen leiden unter diktatorischen Sparmaßnahmen, blicken in eine heute mehr denn je ungewisse Zukunft und die Pläne zur Bewältigung der Eurokrise führt nur zu Demonstrationen Tausender Menschen auf den Straßen der von der Krise gebeutelten Nationen. Es ist kein Krieg möglich in Europa? Blickt man auf die Aggressionen speziell in Griechenland und das speziell gegenüber Deutschland, könnte man den "Krieg" fast schon wie dampfende Hundekacke in der Luft riechen. Erst in dieser Woche war Bundeskanzlerin Merkel dann auch in Griechenland zu weiteren Gesprächen im Hinblick auf die Krise. Dieser Besuch wurde ungewöhnlich unfreundlich von den Griechen in Empfang genommen: menschenleere Straßen, wo Frau Merkel mit Polizeitrupp und Limousine fuhr, es gab nicht einmal rosa Luftballons für sie. Stattdessen in anderen Teilen Athens groß angelegte Proteste mit Demonstranten, die teilweise in Naziuniform aufmarschierten. Ja, wenn kein anderer Vorwurf gegen die Deutschen geht, dann der bezüglich ihrer Nazivergangenheit. Eine Demonstration, die noch billiger ist als jedes "scripted reality format" im deutschen Fernsehen.
Fakt ist: es brodelt an allen Ecken und Enden in Europa seit der Eurokrise. Griechenland hasst Deutschland, Deutschland ist teils verstimmt mit Frankreich, Spanien und Italien schrauben an Lösungen, die sie selbst mehr schlecht als recht finanzieren können, und alle drängen wiederum Griechenland, endlich ihr finanzielles Problem in den Griff zu kriegen. Einigkeit besteht seit der Eurokrise sowieso nur auf halbgaren Papieren und zusammengeschusterten Plänen zur Lösung des Finanzproblems der EU. Die EU als Friedenssymbol?
In einer Zeit, in der die EU mit einer solch gewaltigen Krise wie der Eurokrise zu kämpfen hat, ist es nicht einmal eine "jetzt erst recht!"-Demonstration, den Preis der Europäischen Union zu verleihen. Der Friedensnobelpreis soll doch (wenn man den Worten Alfred Nobels in seinem Testament folgen soll) demjenigen verliehen werden, der im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht hat. Im Hinblick auf dieses Zitat ist die EU wohl eher ein halbgarer Preisträger und nicht wirklich der Auszeichnung gewachsen.
Vor allem im Hinblick auf die anderen potenziellen Kandidaten ist diese Preisvergabe eher ein Treppenwitz. Zu den nominierten gehörten nicht nur die üblichen "Staatsmänner-Verdächtigen" wie Helmut Kohl oder Bill Clinton und auch Julija Timoschenko, sondern auch die Vorreiter des "arabischen Frühlings", Blogger und Menschenrechtler waren für den Preis nominiert. Die Spannung war auch bei mir in diesem Jahr groß gewesen und als ich die Entscheidung gehört habe, dachte ich, man hätte auch sonst wem den Preis verleihen können. Eine Auszeichnung an Protestler gegen das russische Regime hätte der Bewegung gegen Putin gut getan, es hätte vor allem ein Statement gegen Putin und seine fast totalitäre Herrschaft gesetzt.
Geht es schlussendlich bei einem Friedensnobelpreis nicht um den Frieden an sich? Wer könnte den Frieden besser vertreten als die, die sich uneigennützig für den Frieden und die Freiheit der Menschen einsetzen? Zugegeben, ein Nominierter wie Bono von U2 ist für mich auch nicht wirklich ein Wunschkandidat für die Auszeichnung. Wenn sich Menschen, die viel Popularität und Geld haben, für Frieden oder Schuldenerlässe von Entwicklungsstaaten einsetzen, ist das zwar lobenswert, aber nicht sonderlich schwer für diese Menschen umzusetzen. Ich schätze Bono's Engagement für Afrika wirklich sehr und finde auch, dass gerade er in der Prominentenwelt eine Bewegung losgetreten hat, sich auch für die Armen der Welt einzusetzen (was in den Jahren davor viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt wurde). Aber ein Friedensnobelpreis? Ich sehe immer noch Menschen für diese Auszeichnung, die ihr gesamtes Leben einer Sache widmen, mit Herz und Hirn sich so stark für etwas einsetzen, dass Glanz und Gloria kein Platz mehr haben. Hingabe und sich einer Sache wirklich zu widmen erfordert viel Kraft, da kann man nicht nebenher noch Karriere machen (auch wenn Kristina Schröder das immer zu verkaufen versucht und immer noch strikt gegen eine Frauenquote ist).
Erst heute las ich von der 14jährigen Schülerin Malala Yousufzai aus Pakistan, die in ihrer Heimat von Al-Qaida Terroristen niedergeschossen wurde und nach einer Notoperation immer noch ums Überleben kämpft. Ein Mädchen, dass sich öffentlich für die Rechte von Mädchen eingesetzt hat, in die Schule gehen zu dürfen in einem Land, in dem der Terror der Al Qaida Mädchen sogar verbietet, das Haus zu verlassen. Nein, nicht ganz Pakistan ist von der Al Qaida Seuche befallen, aber ein erschreckend großer Teil und die Terrororganisation tut alles, um das ganze Land in ihre Gewalt zu bringen. Man muss den Mut dieses Mädchens bewundern, ihre Courage, für das Recht auf Schulbildung einzutreten. Ist das nicht viel mehr Wert als eine Organisation wie die EU, die von hochbezahlten Sesselwarmhaltern lebt, die dank großer Gehaltsschecks den "Frieden in Europa" sichern?
Einige Kritiker bemängeln schon seit mehreren Jahren, dass der Friedensnobelpreis an "Schlagkraft" verloren hat, weil einfach die falschen Menschen damit ausgezeichnet werden. So war die Auszeichnung für Barack Obama im Jahr 2008 bereits ein Witz, über den man sich heute noch lustig machen darf. Einen Staatsmann auszuzeichnen vor seinem Amtsantritt waren wohl doch ein paar Vorschusslorbeeren zuviel und bis auf die große Heldentat, in einer gefährlichen Operation Terrorchef Osama bin Laden zu töten, ist nicht viel passiert in der ersten Amtsperiode Obamas, zumindest nicht außenpolitisch oder zur Herstellung des Weltfriedens. So zeigt sich Obama speziell in dem Konflikt um Syrien erschreckend träge und tatenlos. Ein Mann, der als Symbolfigur für den Frieden ausgezeichnet wird, müsste doch viel mehr tun, um das Blutvergießen in dem Kriegsgebiet zu stoppen, oder? Nun, wie schon des Öfteren vorher betont, Obama ist nicht der Messias, für den ihn viele Menschen vor seinem Amtsantritt gehalten haben.
Aber zurück zum EU Friedensnobelpreis. Der Präsident der EU Kommission, José Manuel Barroso, hat nach der Bekanntgabe gesagt, dass es "große Ehre für die gesamte EU und alle 500 Millionen Bürger (ist), mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden". Hm, also sind nun alle EU Bürger stolz, einen Preis erhalten zu haben, von dem keiner so wirklich was hat. Ja, die Symbolkraft... ist klar! Ich glaube, die EU Bürger sind dieser Tage viel zu sehr mit der Angst um ihre Jobs und ihre Existenz in Zeiten der Euro-Krise beschäftigt, als dass sie Freudensprünge wegen eines gewonnen Friedensnobelpreises machen könnten. Solch ein Preis ist schlussendlich doch mehr für diejenigen, die Zeit haben, diese Ehrung zu genießen und sich im Licht der Lobhuselei zu sonnen. Wie die Politiker in der EU. Vielleicht hatte das Kommitee doch recht, genau diese Organisation auszuzeichnen... immerhin wäre ein Menschenrechtler zu beschäftigt mit der Wahrung des Friedens oder der Umsetzung seiner eigenen Mission, um sich vor Kameras zu aalen oder Statements zu geben, wie sehr er den Preis doch verdient hätte.
Das Einzige, was die Verleihung dieses Jahr bei mir bewirkt hat, ist Enttäuschung. Enttäuschung über das zu weiche Rückgrat des Nobelpreis-Komitees, Enttäuschung über so wenig Mut zu einer erwähnenswerten Entscheidung und Enttäuschung über einen Preisträger, der so furchtbar sinnlos ist, gerade in dieser für die EU so schweren Zeit. Optimisten reden natürlich von dem "Push", den solch ein Preis mit sich bringt, der Motivation, die dieser Preis für die EU in Krisenzeiten haben wird. Bitteschön, ich lasse allen Optimisten und Befürwortern gerne ihr positives Gedankengut und vielleicht führt dieser Preis wirklich zu dem Kick, der die Europäische Gemeinschaft in die richtige Richtung führen wird. Es wäre allen Beteiligten (inklusive 500 Millionen EU Bürger, denn auf die kommt es schlussendlich wirklich an!) zu wünschen!
In diesem Sinne ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Blogeintrag.
LG Gene :-)
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Samstag, 25. Februar 2012
Die "Untat 2012": Political Correctness
Langsam wird es Zeit, dass wir alle aufhören, auf unserem armen Ex-Präsidenten rumzuhacken. Der arme Mann, jetzt liegt er auch noch mit einer Nierenkolik im Krankenhaus!... Okay, ich bin ehrlich, das mit dem "Es wird Zeit, dass wir aufhören, auf Christian Wulff rumzuhacken" stammt nicht von mir, ich höre es in letzter Zeit nur immer öfter. Ehrlich gesagt, ich bin kein Fan von Hänseleien und persönlich hüte ich mich auch davor, einen Menschen ohne Grund für etwas zu "hänseln". Leider handelt es sich beim kürzlich zurückgetretenen Präsidenten Christian Wulff nicht unbedingt um eine grundlose Hetzkampagne. Viele Menschen reden zwar davon; da heißt es dann, das alles sei nur eine große Hexenjagd, von der BILD Zeitung angezettelt und so weiter... aber mal ehrlich: jeder, der nur ein wenig an Politik interessiert ist und sich mit der Qualität oder Quantität eines Politikers auseinandersetzt, hat schnell erkannt, dass Christian Wulff nicht gerade ein Traum für den Posten des Bundespräsidenten war. Andererseits, wenn man nun sieht, wie sehr sich die Kritiker aufplustern wegen der Nominierung von Joachim Gauck... wirkt es doch fast, als gäbe es nichts mehr, das ideal ist, lupenrein, nicht angreifbar. Gauck ist mit seiner langjährigen Lebensgefährtin nicht verheiratet? Gott bewahre, und solch ein Skandal im 21. Jahrhundert! Warum führen wir nicht gleich wieder die Hexenverbrennung ein?
Wäre das nur das einzige Problem, wäre es ja gut. Es gibt Nörgler (wie z.B. Jutta Ditfurth, ihres Zeichens Mitbegründerin der Grünen) die sagen, Gauck wäre so sehr auf den Begriff "Freiheit" festgenagelt, dass ihm das Soziale am Hintern vorbeiginge. Ich frage mich an dieser Stelle dann gerne: Gibt es überhaupt noch irgendeinen Menschen, der wirklich auf das Soziale festgelegt ist? Politische Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, juristische Gerechtigkeit... im Prinzip alles nur ein großes "Yada yada yada" (zu Deutsch: Blablabla) des alltäglichen Lebens. Wir bemühen uns so sehr, korrekt zu sein, in allem, was wir tun... hauptsächlich aber immer ausgerechnet dann, wenn wir möglichst gut dastehen wollen. Deswegen kann ich das Meckern am nächsten Bundespräsidenten auch nicht wirklich für Voll nehmen. Mag sein, er ist nicht perfekt, aber streben wir wirklich noch bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen und immer mehr Rissen in unserer heilen Welt nach Perfektion? Anders gefragt: möchte irgendjemand wirklich noch selbst perfekt sein? Oder verlangen wir nur gerne von Anderen das Unmögliche, um es ihnen möglichst schwer zu machen?
Wie sich Gauck im Amt entwickeln mag, sollte erst einmal abgewartet werden. Vorschusslorbeeren sind genauso fehl am Platze wie Kritik, die das ohnehin angeschlagene Amt dem Todesstoß geben könnte. "Abwarten und Tee trinken" wäre da wohl die Devise - mal ganz britisch. Meckern können wir immer noch in anderthalb Jahren, falls Gauck (was ich nicht hoffe, andererseits auch nicht glaube) von einem Skandal ähnlich wie Wulff dahingerafft wird. Viel wichtiger als die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist wohl die allgemeine Weltlage. Nein, nicht das, was gerade in den Nachrichten als Schlagzeile verkauft wird und deswegen in aller Munde ist. Oder zumindest in ein paar Mündern... nicht jeder redet schließlich über die Nachrichten, viele reden auch einfach gerne über den "Bachelor" (oder, wie die BILD neulich schrieb, den "Bettschalla"). Diesen Leuten geht die Weltpolitik, Umweltprobleme oder wirtschaftliche Krisen tendenziell am A**** vorbei. Mir geht es in dieser Frage eher umgekehrt; wer von uns nun das leichtere Leben hat, sei dahingestellt. Unbestreitbar ist allerdings, dass die Weltprobleme (im Gegensatz zum Liebesleben des Bettschallas) uns alle betreffen. Das ist auf eine ganz einfache Logik zurückzuführen: wenn die Welt untergeht, sind wir alle dran! Keine Ausnahmen! Da hilft kein Geld, keine Gesundheit und keine Intelligenz der Welt.
Im Prinzip wäre das wahnsinnig beruhigend, denn spätestens ab dieser Stelle wären wir dann wirklich mal "alle gleich". Vor "Gott" sind wir das sowieso. Bis es allerdings soweit ist, regen sich die Afghanen darüber auf, dass amerikanische Soldaten aus Versehen den "heiligen" Koran verbrannt haben. Ja, richtig gelesen - heilig steht in Anführungsstrichen. Warum? Vielleicht, weil kein Buch dieser Welt "heilig" ist. So etwas gibt es nicht... weder die Bibel noch der Koran sind heilig, es sind Schriftstücke, auf denen Religionen aufgebaut sind. Aber heilig? Hat der liebe Gott mit dem Rauschebart persönlich draufgespuckt, dass der Koran heilig ist? Es ist verrückt und absolut widersinnig, dass die Muslime in Afghanistan nun durchdrehen, weil Bücher verbrannt wurden, die Schriften beinhalten, die diese Menschen als "heilig" empfinden. Akzeptiert, Religion mag für viele Menschen sehr wichtig sein, sie mag das Zentrum ihres gesamten Lebens sein und dadurch wertvoller wie jeder geliebte Mensch in ihrem Umfeld sein. Andererseits frage ich mich, wie viele Korane pro Tag den "Heldentod im Ascheneimer" sterben, und das ganz ohne politischen Hintergrund. Beim Hausbrand, achtlos weggeworfen... vielleicht sogar ein Schimmelschaden in einer Bibliothek. Und was wird dann gemacht? Wird der Bibliothekar erschossen, weil er nicht gut genug auf den Koran aufgepasst hat?
Ich sage immer wieder, wenn man schon religiös ist, sollte man wissen, dass man die Religion in erster Linie im Kopf und im Herzen trägt, nicht in irgendeinem Buch. Wenn der Glaube eines Menschen durch solch eine Handlung (ob absichtlich oder unabsichtlich von den Amerikanern ausgeübt) derart leicht angreifbar ist, dann ist der Glaube der Afghanen nicht wirklich viel wert. Ähnlich ging es mit den Aufständen um die "Mohammed"-Karikaturen vor 6 Jahren. Aufstände und gewalttätige Ausschreitungen mit insgesamt über 100 Toten, weil ein Karikaturist meinte, er müsse sich über den Propheten der Muslime lustig machen? Ernsthaft? An dieser Stelle sei wieder einmal die allseits unbeliebte, aber zutreffende Frage angebracht:
Haben wir sonst keine Probleme?
Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer öfter, andererseits lässt sich diese Frage wohl profan mit: "Es gibt wahrscheinlich zuviele Probleme auf dieser Welt, dann beschäftigt man sich lieber mit Unwichtigkeiten!" beantworten. Das einzige Problem, über das die Menschen noch gerne und ausgiebig diskutieren (und wohl immer diskutieren werden) ist das liebe Geld. Geld ist eh wichtiger als Religion, wir leben alle vom "Wachstum", von der eigenen "Rendite" auf unser Geld und insgesamt scheren wir uns alle mehr um unsere eigene "Liquidität", als um irgendetwas anderes. Na gut, ich gebe zu, das ist ein wenig übertrieben... Sex ist auch wichtig... und neue Schuhe für Frauen... und ein neues Auto für Männer. Wenn man es aber streng betrachtet, hängen zumindest die letzten zwei Sachen zu 100% mit Geld zusammen (bei der ersten Sache kann man sagen zu 50%, je nachdem, woher man den Sex bekommen will!). In der nächsten Woche soll das zweite "Rettungspaket" für die Griechen durch den Bundestag verabschiedet werden. Selten waren wohl auf beiden Seiten die Leute so sauer wie in dieser Sache: die Helferländer (inklusive Deutschland) sind sauer, weil wieder einmal Milliarden Euro an Steuergeldern in ein Land gepumpt wird, das wahrscheinlich eh in einem Jahr die absolute Pleite anmelden muss. Und die Griechen? Die sind sauer, weil sie sich in ihrer "Ehre" verletzt fühlen. In diesem Zusammenhang überhaupt noch von "Ehre" zu sprechen, ist wohl arg vermessen, aber manche Menschen scheinen wohl sehr gerne von Ehre zu sprechen, wo gar keine mehr zu finden ist. Ein Land, das jahrelang Misswirtschaft betrieben hat und sich selbst in die Schei*e geritten hat, verlangt nun, dass wir ihm die Ehre und den Respekt zugestehen, die ihm gebühren? Okay, Ehre wem Ehre gebührt, es ist immerhin auch eine starke Leistung, so stark in die Schuldenfalle zu geraten, wenn man mal gerade gut 10 Millionen Einwohner hat und es eigentlich hinkriegen sollte, eine vernünftige Wirtschaft zustande zu kriegen (Stichwort: Touristenland... allein die Schafskäseproduktion müsste doch schon ausreichen, um ins Plus zu kommen!).
Zugegeben, heute übertreibe ich mal wieder ein wenig, aber zurück zum eigentlichen Punkt: wir reden furchtbar gerne übers Geld. Wir reden nicht nur gerne darüber, wir beschäftigen uns auch mit fast nichts anderem. Es ist nicht verwunderlich, immerhin müssen wir alle jeden Tag für unseren Lebensunterhalt arbeiten gehen, zittern dabei pausenlos um unseren Job und kämpfen um unsere Existenz. Das allerdings ist unter "Überlebenskampf" abzuhaken, ein natürlicher Drang, auch "Selbsterhalt" genannt. Dafür muss man sich selbst jetzt nicht unbedingt applaudieren! Anderen Dingen hingegen schon: der Umweltverschmutzung aus Profitgier, dem Töten von Mitmenschen für's liebe Geld... das ist doch wirklich mal eine Standing Ovation wert, oder? Entschuldigung, aus mir scheint wohl die reine Verbitterung zu sprechen. Aber worüber sollte ich verbittert sein? Wenn es etwas gibt, worüber eigentlich jeder verbittert sein müsste, dann ist das die Ignoranz der Menschen, die ganz oben stehen und über das Schicksal aller entscheiden, nur weil sie auf ihrem Bankkonto ein Plus und ein paar Nullen mehr beim Kontostand stehen haben als andere. Was bedeutet "Political Correctness" in diesem Zusammenhang? Ist es wirklich noch "politisch korrekt", reich zu sein? Für Politiker scheint das wohl der Fall zu sein.
Vorneweg nur eins: an dieser Stelle geht es mir mal ausnahmsweise nicht um Christian Wulff und seine Liebe zu wirtschaftlich sehr potenten Geschäftsleuten. Doch die Politik vergisst in ihrer Jagd nach immer neuen Investoren und damit dem immer weitergehenden Aufschwung sämtliche "correctness". Es geht zuerst ums Geld, weil das bedeutet, dass es dann "allen Menschen des Landes gut geht". Aha! Doch nehmen wir einmal ein einfaches Beispiel, um diese Aussage zu entkräften: Brasilien. Zugegeben, das Land hat sich gemausert, gilt neben China und Indien als neue Wirtschaftsmacht. Aber Brasilien tut auch einiges dafür, nicht zuletzt gibt es dort nichts Soziales, die Armen werden immer ärmer, die (wenigen) Reichen immer reicher und die Natur (wohlgemerkt, der größte immer noch funktionierende Teil des Regenwaldes weltweit!) wird zerstört. Erst kürzlich machte der Fall des Wasserkraftprojekts "Bel Monte" Schlagzeilen. Hierfür wird Wasserkraft aus dem Fluss Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas, gewonnen. Der Fluss wird über eine Schleife umgeleitet, dabei werden über drei Talsperren zwei Stauseen angelegt und darüber soll dann Energie gewonnen werden. Schöne neue Energiewelt? Von wegen! Denn durch die Umleitung müssen Tausende von Einwohnern (darunter auch Ureinwohner aus 18 verschiedenen Stämmen) weichen, werden umgesiedelt. Alles für die gute Sache für alle. Oder besser gesagt: alles für den Profit der Betreiber und Organisatoren! Politische Korrektheit? Fehlanzeige! Politisch korrekt ist nicht, was den Menschen am Besten tut, sondern das, was am meisten Geld in die Staatskassen spült - und für mächtig Profit sorgt.
Für das liebe Geld wird nacheinander jede Vernunft über Bord geworfen, die es bisher zwar nur in geringem Rahmen gab, die jetzt jedoch völlig aufgegeben werden soll. Umweltschutz war nie so wichtig wie jetzt, die Polkappen schmelzen, trotzdem freuen sich die Menschen, wenn es im Februar Frühlingstemperaturen gibt. Verständlich, Kälte ist auch was Schreckliches, speziell, wenn man spätestens um 7 Uhr morgens das Haus verlassen muss. Aber wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der wir konstant 30 Grad plus haben und dabei am Besten an unserem eigenen Smog ersticken? Gut, wenn wir ersticken, leben wir nicht mehr bei konstant 30 Grad, ist mir auch klar. Aber über die Konsequenzen mancher Wünsche der Menschen wird sich einfach zu wenig Gedanken gemacht. Täglich sterben mehrere Tierarten einfach aus, viele davon wurden von der Menschheit nicht einmal entdeckt. Die Naturflächen, die zur Verfügung stehen, schrumpfen tagtäglich; trotzdem ist es immer noch am Wichtigsten, ob ein Koran "heilig" ist oder ob wir für genug "Aufschwung" in unserem Land sorgen.
Noch mehr "Political Corretness" gefällig? Wir gelten angeblich alle als "gleich", egal, woher wir kommen, wer unsere Eltern sind, was wir tun, wohin wir gehen. Wenn das allerdings stimmen würde, dürfte Geld gar keine so große Rolle darin spielen, mit welchen Menschen wir uns umgeben, wer was erreichen kann und darf und wer auf diesem Planeten die Macht über alles bekommt. Ja, es ist schwer bei 7 Milliarden Menschen, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, wer die Menschen nun leiten soll, ihnen Struktur verleihen soll etc. Es wäre schlicht unmöglich bei dieser Menschenmenge, jeden nach seinem eigenen Denken alles machen zu lassen, was er möchte und so zu leben, wie er es für richtig hält. Wir haben ja schon in einigen Ländern dieser Welt eine Demokratie, das muss als Inbegriff von "Freiheit" reichen. Und den Rest? Wenn es um Führung geht, entscheidet die "Kompetenz"... merkwürdigerweise ist diese immer öfter mit dem Guthaben auf dem Bankkonto gleichzusetzen. Nein, nicht in allen Fällen, doch in erschreckend vielen. Und für den Fall, dass die Führungskräfte kein Geld haben? Dann sorgen sie schon selbst dafür, dass sie sich das Geld beschaffen - denn Macht verschafft erstklassige "Connections". Verbindungen zu reichen Menschen ist schon was Feines, das weiß auch... tadaa, Christian Wulff! Aber nein, nicht nur der! Es gibt so verdammt viele Menschen, die eine weitaus größere Schwäche fürs Geld haben und immerhin dafür auch über Leichen gehen. Neben China und Russland (die einhellig auch einen Schlächter wie Assad in Syrien gerne aus Liebe zum Geld unterstützen, um ihre eigenen Absätze beim Waffenverkauf anzukurbeln) sind vor allem afrikanische Staaten für ihre Diktatoren berühmt und berüchtigt.
Gerade dort scheint die Politik nichts mehr mit Korrektheit, sondern ausschließlich mit absoluter Macht zu tun zu haben. Zuletzt deutlich am Fall "Senegal", in dem Abdoulaye Wade gegen die Verfassung zum dritten Mal um das Amt des Staatsoberhauptes kandidieren darf, Sänger Youssou N'Dour allerdings nicht antreten darf. Begründung? Gibt es nicht, er darf einfach nicht. Eine gute Begründung dürfte vielleicht das Statement des Machtinhabers Wade sein, der sagte: "Ich habe die Verfassung geschrieben. Alleine." Damit steht dann wohl auch fest, zu wessen Gunsten diese Verfassung geschrieben wurde. Wie "korrekt" ist die Politik in solch einem Land überhaupt? Ein 85jähriger, der ums Verrecken nicht zurück- oder abtreten mag und ein Kandidat, der beste Chancen auf den Wahlsieg hat, aber nicht antreten darf.
Wer jetzt meint, das geschieht nur im fernen Afrika, der hat wohl die besten Nachrichten des Jahres verpasst: Putin tritt zur Wahl des russischen Präsidenten an - schon wieder! Naja, so wirklich weg war er ja nie, Medwedjew ist als derzeitiger Amtsinhaber eher ein Strohmann gewesen, damit Putin sich auch mal ein Päuschen gönnen durfte (bzw. musste laut Verfassung!). Nun ist die Leidenszeit endlich vorbei, denn er kommt zurück - der wohl undemokratischste Demokrat der Welt. Dabei hat er dann auch noch richtig gute Nachrichten im Gepäck (damit auch wirklich alles "politisch korrekt" ist!): diesmal tritt Putin nicht nur für eine Amtsperiode von 4, sondern 6 Jahren an! Damit haben wir alle den Spaß einer Amtszeit, die nochmal zwei Jahre mehr dauert... wenn sich der Militärzwerg dann gleich zweimal hintereinander aufstellen lässt (was er ja darf... laut Verfassung!), wird er gleich 12 Jahre regieren dürfen. Und das Beste? Er hat nichtmal die Verfassung "ganz alleine" geschrieben - nur zu seinem Vorteil verbogen. Beinhaltet wahrscheinlich weniger Kreativität, ist aber ähnlich effektvoll.
Fazit? Es gibt viele Dinge, über die wir uns Gedanken machen können (und sollten!). Sogar noch viel mehr, als ich gerade hier in diesem Blogeintrag erwähnt habe. Die Wahl von Gauck gehört wohl eher nicht dazu, gerade dieses Thema sollte allen Beteiligten (vorerst!) ein entspanntes Grinsen aufs Gesicht zaubern. Für alle anderen Probleme gibt es wohl noch genug Zündstoff, über den es sich zu schreiben lohnt. Dies wird allerdings vorerst verschoben - um genau eine Woche!
Ich wünsche allen Lesern ein schönes, entspanntes Wochenende und eine gute Woche - bis nächsten Samstag!
LG Gene :-)
Wäre das nur das einzige Problem, wäre es ja gut. Es gibt Nörgler (wie z.B. Jutta Ditfurth, ihres Zeichens Mitbegründerin der Grünen) die sagen, Gauck wäre so sehr auf den Begriff "Freiheit" festgenagelt, dass ihm das Soziale am Hintern vorbeiginge. Ich frage mich an dieser Stelle dann gerne: Gibt es überhaupt noch irgendeinen Menschen, der wirklich auf das Soziale festgelegt ist? Politische Gerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit, juristische Gerechtigkeit... im Prinzip alles nur ein großes "Yada yada yada" (zu Deutsch: Blablabla) des alltäglichen Lebens. Wir bemühen uns so sehr, korrekt zu sein, in allem, was wir tun... hauptsächlich aber immer ausgerechnet dann, wenn wir möglichst gut dastehen wollen. Deswegen kann ich das Meckern am nächsten Bundespräsidenten auch nicht wirklich für Voll nehmen. Mag sein, er ist nicht perfekt, aber streben wir wirklich noch bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen und immer mehr Rissen in unserer heilen Welt nach Perfektion? Anders gefragt: möchte irgendjemand wirklich noch selbst perfekt sein? Oder verlangen wir nur gerne von Anderen das Unmögliche, um es ihnen möglichst schwer zu machen?
Wie sich Gauck im Amt entwickeln mag, sollte erst einmal abgewartet werden. Vorschusslorbeeren sind genauso fehl am Platze wie Kritik, die das ohnehin angeschlagene Amt dem Todesstoß geben könnte. "Abwarten und Tee trinken" wäre da wohl die Devise - mal ganz britisch. Meckern können wir immer noch in anderthalb Jahren, falls Gauck (was ich nicht hoffe, andererseits auch nicht glaube) von einem Skandal ähnlich wie Wulff dahingerafft wird. Viel wichtiger als die Wahl des neuen Bundespräsidenten ist wohl die allgemeine Weltlage. Nein, nicht das, was gerade in den Nachrichten als Schlagzeile verkauft wird und deswegen in aller Munde ist. Oder zumindest in ein paar Mündern... nicht jeder redet schließlich über die Nachrichten, viele reden auch einfach gerne über den "Bachelor" (oder, wie die BILD neulich schrieb, den "Bettschalla"). Diesen Leuten geht die Weltpolitik, Umweltprobleme oder wirtschaftliche Krisen tendenziell am A**** vorbei. Mir geht es in dieser Frage eher umgekehrt; wer von uns nun das leichtere Leben hat, sei dahingestellt. Unbestreitbar ist allerdings, dass die Weltprobleme (im Gegensatz zum Liebesleben des Bettschallas) uns alle betreffen. Das ist auf eine ganz einfache Logik zurückzuführen: wenn die Welt untergeht, sind wir alle dran! Keine Ausnahmen! Da hilft kein Geld, keine Gesundheit und keine Intelligenz der Welt.
Im Prinzip wäre das wahnsinnig beruhigend, denn spätestens ab dieser Stelle wären wir dann wirklich mal "alle gleich". Vor "Gott" sind wir das sowieso. Bis es allerdings soweit ist, regen sich die Afghanen darüber auf, dass amerikanische Soldaten aus Versehen den "heiligen" Koran verbrannt haben. Ja, richtig gelesen - heilig steht in Anführungsstrichen. Warum? Vielleicht, weil kein Buch dieser Welt "heilig" ist. So etwas gibt es nicht... weder die Bibel noch der Koran sind heilig, es sind Schriftstücke, auf denen Religionen aufgebaut sind. Aber heilig? Hat der liebe Gott mit dem Rauschebart persönlich draufgespuckt, dass der Koran heilig ist? Es ist verrückt und absolut widersinnig, dass die Muslime in Afghanistan nun durchdrehen, weil Bücher verbrannt wurden, die Schriften beinhalten, die diese Menschen als "heilig" empfinden. Akzeptiert, Religion mag für viele Menschen sehr wichtig sein, sie mag das Zentrum ihres gesamten Lebens sein und dadurch wertvoller wie jeder geliebte Mensch in ihrem Umfeld sein. Andererseits frage ich mich, wie viele Korane pro Tag den "Heldentod im Ascheneimer" sterben, und das ganz ohne politischen Hintergrund. Beim Hausbrand, achtlos weggeworfen... vielleicht sogar ein Schimmelschaden in einer Bibliothek. Und was wird dann gemacht? Wird der Bibliothekar erschossen, weil er nicht gut genug auf den Koran aufgepasst hat?
Ich sage immer wieder, wenn man schon religiös ist, sollte man wissen, dass man die Religion in erster Linie im Kopf und im Herzen trägt, nicht in irgendeinem Buch. Wenn der Glaube eines Menschen durch solch eine Handlung (ob absichtlich oder unabsichtlich von den Amerikanern ausgeübt) derart leicht angreifbar ist, dann ist der Glaube der Afghanen nicht wirklich viel wert. Ähnlich ging es mit den Aufständen um die "Mohammed"-Karikaturen vor 6 Jahren. Aufstände und gewalttätige Ausschreitungen mit insgesamt über 100 Toten, weil ein Karikaturist meinte, er müsse sich über den Propheten der Muslime lustig machen? Ernsthaft? An dieser Stelle sei wieder einmal die allseits unbeliebte, aber zutreffende Frage angebracht:
Haben wir sonst keine Probleme?
Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer öfter, andererseits lässt sich diese Frage wohl profan mit: "Es gibt wahrscheinlich zuviele Probleme auf dieser Welt, dann beschäftigt man sich lieber mit Unwichtigkeiten!" beantworten. Das einzige Problem, über das die Menschen noch gerne und ausgiebig diskutieren (und wohl immer diskutieren werden) ist das liebe Geld. Geld ist eh wichtiger als Religion, wir leben alle vom "Wachstum", von der eigenen "Rendite" auf unser Geld und insgesamt scheren wir uns alle mehr um unsere eigene "Liquidität", als um irgendetwas anderes. Na gut, ich gebe zu, das ist ein wenig übertrieben... Sex ist auch wichtig... und neue Schuhe für Frauen... und ein neues Auto für Männer. Wenn man es aber streng betrachtet, hängen zumindest die letzten zwei Sachen zu 100% mit Geld zusammen (bei der ersten Sache kann man sagen zu 50%, je nachdem, woher man den Sex bekommen will!). In der nächsten Woche soll das zweite "Rettungspaket" für die Griechen durch den Bundestag verabschiedet werden. Selten waren wohl auf beiden Seiten die Leute so sauer wie in dieser Sache: die Helferländer (inklusive Deutschland) sind sauer, weil wieder einmal Milliarden Euro an Steuergeldern in ein Land gepumpt wird, das wahrscheinlich eh in einem Jahr die absolute Pleite anmelden muss. Und die Griechen? Die sind sauer, weil sie sich in ihrer "Ehre" verletzt fühlen. In diesem Zusammenhang überhaupt noch von "Ehre" zu sprechen, ist wohl arg vermessen, aber manche Menschen scheinen wohl sehr gerne von Ehre zu sprechen, wo gar keine mehr zu finden ist. Ein Land, das jahrelang Misswirtschaft betrieben hat und sich selbst in die Schei*e geritten hat, verlangt nun, dass wir ihm die Ehre und den Respekt zugestehen, die ihm gebühren? Okay, Ehre wem Ehre gebührt, es ist immerhin auch eine starke Leistung, so stark in die Schuldenfalle zu geraten, wenn man mal gerade gut 10 Millionen Einwohner hat und es eigentlich hinkriegen sollte, eine vernünftige Wirtschaft zustande zu kriegen (Stichwort: Touristenland... allein die Schafskäseproduktion müsste doch schon ausreichen, um ins Plus zu kommen!).
Zugegeben, heute übertreibe ich mal wieder ein wenig, aber zurück zum eigentlichen Punkt: wir reden furchtbar gerne übers Geld. Wir reden nicht nur gerne darüber, wir beschäftigen uns auch mit fast nichts anderem. Es ist nicht verwunderlich, immerhin müssen wir alle jeden Tag für unseren Lebensunterhalt arbeiten gehen, zittern dabei pausenlos um unseren Job und kämpfen um unsere Existenz. Das allerdings ist unter "Überlebenskampf" abzuhaken, ein natürlicher Drang, auch "Selbsterhalt" genannt. Dafür muss man sich selbst jetzt nicht unbedingt applaudieren! Anderen Dingen hingegen schon: der Umweltverschmutzung aus Profitgier, dem Töten von Mitmenschen für's liebe Geld... das ist doch wirklich mal eine Standing Ovation wert, oder? Entschuldigung, aus mir scheint wohl die reine Verbitterung zu sprechen. Aber worüber sollte ich verbittert sein? Wenn es etwas gibt, worüber eigentlich jeder verbittert sein müsste, dann ist das die Ignoranz der Menschen, die ganz oben stehen und über das Schicksal aller entscheiden, nur weil sie auf ihrem Bankkonto ein Plus und ein paar Nullen mehr beim Kontostand stehen haben als andere. Was bedeutet "Political Correctness" in diesem Zusammenhang? Ist es wirklich noch "politisch korrekt", reich zu sein? Für Politiker scheint das wohl der Fall zu sein.
Vorneweg nur eins: an dieser Stelle geht es mir mal ausnahmsweise nicht um Christian Wulff und seine Liebe zu wirtschaftlich sehr potenten Geschäftsleuten. Doch die Politik vergisst in ihrer Jagd nach immer neuen Investoren und damit dem immer weitergehenden Aufschwung sämtliche "correctness". Es geht zuerst ums Geld, weil das bedeutet, dass es dann "allen Menschen des Landes gut geht". Aha! Doch nehmen wir einmal ein einfaches Beispiel, um diese Aussage zu entkräften: Brasilien. Zugegeben, das Land hat sich gemausert, gilt neben China und Indien als neue Wirtschaftsmacht. Aber Brasilien tut auch einiges dafür, nicht zuletzt gibt es dort nichts Soziales, die Armen werden immer ärmer, die (wenigen) Reichen immer reicher und die Natur (wohlgemerkt, der größte immer noch funktionierende Teil des Regenwaldes weltweit!) wird zerstört. Erst kürzlich machte der Fall des Wasserkraftprojekts "Bel Monte" Schlagzeilen. Hierfür wird Wasserkraft aus dem Fluss Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas, gewonnen. Der Fluss wird über eine Schleife umgeleitet, dabei werden über drei Talsperren zwei Stauseen angelegt und darüber soll dann Energie gewonnen werden. Schöne neue Energiewelt? Von wegen! Denn durch die Umleitung müssen Tausende von Einwohnern (darunter auch Ureinwohner aus 18 verschiedenen Stämmen) weichen, werden umgesiedelt. Alles für die gute Sache für alle. Oder besser gesagt: alles für den Profit der Betreiber und Organisatoren! Politische Korrektheit? Fehlanzeige! Politisch korrekt ist nicht, was den Menschen am Besten tut, sondern das, was am meisten Geld in die Staatskassen spült - und für mächtig Profit sorgt.
Für das liebe Geld wird nacheinander jede Vernunft über Bord geworfen, die es bisher zwar nur in geringem Rahmen gab, die jetzt jedoch völlig aufgegeben werden soll. Umweltschutz war nie so wichtig wie jetzt, die Polkappen schmelzen, trotzdem freuen sich die Menschen, wenn es im Februar Frühlingstemperaturen gibt. Verständlich, Kälte ist auch was Schreckliches, speziell, wenn man spätestens um 7 Uhr morgens das Haus verlassen muss. Aber wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der wir konstant 30 Grad plus haben und dabei am Besten an unserem eigenen Smog ersticken? Gut, wenn wir ersticken, leben wir nicht mehr bei konstant 30 Grad, ist mir auch klar. Aber über die Konsequenzen mancher Wünsche der Menschen wird sich einfach zu wenig Gedanken gemacht. Täglich sterben mehrere Tierarten einfach aus, viele davon wurden von der Menschheit nicht einmal entdeckt. Die Naturflächen, die zur Verfügung stehen, schrumpfen tagtäglich; trotzdem ist es immer noch am Wichtigsten, ob ein Koran "heilig" ist oder ob wir für genug "Aufschwung" in unserem Land sorgen.
Noch mehr "Political Corretness" gefällig? Wir gelten angeblich alle als "gleich", egal, woher wir kommen, wer unsere Eltern sind, was wir tun, wohin wir gehen. Wenn das allerdings stimmen würde, dürfte Geld gar keine so große Rolle darin spielen, mit welchen Menschen wir uns umgeben, wer was erreichen kann und darf und wer auf diesem Planeten die Macht über alles bekommt. Ja, es ist schwer bei 7 Milliarden Menschen, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, wer die Menschen nun leiten soll, ihnen Struktur verleihen soll etc. Es wäre schlicht unmöglich bei dieser Menschenmenge, jeden nach seinem eigenen Denken alles machen zu lassen, was er möchte und so zu leben, wie er es für richtig hält. Wir haben ja schon in einigen Ländern dieser Welt eine Demokratie, das muss als Inbegriff von "Freiheit" reichen. Und den Rest? Wenn es um Führung geht, entscheidet die "Kompetenz"... merkwürdigerweise ist diese immer öfter mit dem Guthaben auf dem Bankkonto gleichzusetzen. Nein, nicht in allen Fällen, doch in erschreckend vielen. Und für den Fall, dass die Führungskräfte kein Geld haben? Dann sorgen sie schon selbst dafür, dass sie sich das Geld beschaffen - denn Macht verschafft erstklassige "Connections". Verbindungen zu reichen Menschen ist schon was Feines, das weiß auch... tadaa, Christian Wulff! Aber nein, nicht nur der! Es gibt so verdammt viele Menschen, die eine weitaus größere Schwäche fürs Geld haben und immerhin dafür auch über Leichen gehen. Neben China und Russland (die einhellig auch einen Schlächter wie Assad in Syrien gerne aus Liebe zum Geld unterstützen, um ihre eigenen Absätze beim Waffenverkauf anzukurbeln) sind vor allem afrikanische Staaten für ihre Diktatoren berühmt und berüchtigt.
Gerade dort scheint die Politik nichts mehr mit Korrektheit, sondern ausschließlich mit absoluter Macht zu tun zu haben. Zuletzt deutlich am Fall "Senegal", in dem Abdoulaye Wade gegen die Verfassung zum dritten Mal um das Amt des Staatsoberhauptes kandidieren darf, Sänger Youssou N'Dour allerdings nicht antreten darf. Begründung? Gibt es nicht, er darf einfach nicht. Eine gute Begründung dürfte vielleicht das Statement des Machtinhabers Wade sein, der sagte: "Ich habe die Verfassung geschrieben. Alleine." Damit steht dann wohl auch fest, zu wessen Gunsten diese Verfassung geschrieben wurde. Wie "korrekt" ist die Politik in solch einem Land überhaupt? Ein 85jähriger, der ums Verrecken nicht zurück- oder abtreten mag und ein Kandidat, der beste Chancen auf den Wahlsieg hat, aber nicht antreten darf.
Wer jetzt meint, das geschieht nur im fernen Afrika, der hat wohl die besten Nachrichten des Jahres verpasst: Putin tritt zur Wahl des russischen Präsidenten an - schon wieder! Naja, so wirklich weg war er ja nie, Medwedjew ist als derzeitiger Amtsinhaber eher ein Strohmann gewesen, damit Putin sich auch mal ein Päuschen gönnen durfte (bzw. musste laut Verfassung!). Nun ist die Leidenszeit endlich vorbei, denn er kommt zurück - der wohl undemokratischste Demokrat der Welt. Dabei hat er dann auch noch richtig gute Nachrichten im Gepäck (damit auch wirklich alles "politisch korrekt" ist!): diesmal tritt Putin nicht nur für eine Amtsperiode von 4, sondern 6 Jahren an! Damit haben wir alle den Spaß einer Amtszeit, die nochmal zwei Jahre mehr dauert... wenn sich der Militärzwerg dann gleich zweimal hintereinander aufstellen lässt (was er ja darf... laut Verfassung!), wird er gleich 12 Jahre regieren dürfen. Und das Beste? Er hat nichtmal die Verfassung "ganz alleine" geschrieben - nur zu seinem Vorteil verbogen. Beinhaltet wahrscheinlich weniger Kreativität, ist aber ähnlich effektvoll.
Fazit? Es gibt viele Dinge, über die wir uns Gedanken machen können (und sollten!). Sogar noch viel mehr, als ich gerade hier in diesem Blogeintrag erwähnt habe. Die Wahl von Gauck gehört wohl eher nicht dazu, gerade dieses Thema sollte allen Beteiligten (vorerst!) ein entspanntes Grinsen aufs Gesicht zaubern. Für alle anderen Probleme gibt es wohl noch genug Zündstoff, über den es sich zu schreiben lohnt. Dies wird allerdings vorerst verschoben - um genau eine Woche!
Ich wünsche allen Lesern ein schönes, entspanntes Wochenende und eine gute Woche - bis nächsten Samstag!
LG Gene :-)
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Afghanistan,
Amazonas,
Bel Monte,
Brasilien,
Christian Wulff,
Joachim Gauck,
Jutta Ditfurth,
Koran,
Putin,
Russland,
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Xingu,
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