Das Jahr beginnt in meinem Blog in diesem Jahr mit einem kleinen Zweiteiler, denn inzwischen stelle ich mir ernsthaft die Frage, woher eigentlich die ganzen Finanzkrisen kommen. Liegt es wirklich an der Misswirtschaft des Staates oder macht das Volk irgendetwas falsch? Kann man einen Schuldigen benennen oder ist es doch jeder Einzelne, der es gründlich vergeigt hat?
Die Situation gleicht einem Splatter-Horrorfilm, allerdings einem sehr antiken. In dem Streifen "Der Blob" aus dem Jahr 1958 mit Steve McQueen war die Bedrohung ein außerirdischer rosa Schleim, der über die Zivilisation herfiel. Ähnlich geht es uns heute auch, nur dass die Bedrohung nicht Barbie-rosa, sondern eher moosgrün daherkommt: das liebe Geld hat uns fester im Griff als je zuvor. Es scheint, dass sämtliche Moral, jegliche Werte den Finanzen zum Opfer fallen oder nur dann funktionieren, wenn man sie mit dem lieben Geld vereinbaren kann. Hier sind sie nun, die "Wirtschaftskiller", bedrohlich und ohne jegliche Emotion wie in dem Film "Die Körperfresser kommen". Einziger Unterschied: diese Bedrohung ist weitaus weniger außerirdisch als uns lieb ist... denn sie ist menschengemacht und zerstört den Menschen zur gleichen Zeit.
Selten gab es so viele Finanzprobleme zu einem Jahreswechsel wie in diesem Jahr: die Eurokrise hat ganz Europa immer noch fest im Griff, Obama und die amerikanische Regierung haben mehr schlecht als Recht gerade noch die Fiskalklippe umschifft (mit einer großen theatralischen Inszenierung, muss man dazusagen!) und auch die Schwellenländer sind in ihrem Wirtschaftsboom gebremst. Erst im letzten Jahr stellte sich in China eine durch eine Immobilienblase verursachte, milliardenschwere Krise heraus. Allgemein bleibt in den Schwellenländern auch nur noch das Recht und der Sieg des Stärkeren: es setzt sich der durch, der in kürzester Zeit das meiste Geld horten kann - das sind meistens die Wenigsten. Was bleibt ist das Kapitalismus-Prinzip: das 1% der Superreichen gegen den Rest: 99% der Menschen, die gerade so oder gar nicht über die Runden kommen. In den USA protestierte ein Teil dieser Bewegung vor Banken und der New Yorker Börse, trotzdem hatte die "Occupy Bewegung" auf Dauer sehr viel weniger Erfolg als wir uns alle gewünscht hatten.
Die Schuld für eine Wirtschaftskrise liegt (neben politischen Faktoren und Fehleinschätzungen) auch immer in der Investitionspolitik. Wenn nicht mehr investiert wird, kommt das Wachstum ins Schwanken, der Arbeitsmarkt fängt an, mehr und mehr zu schwächeln, wodurch der Einzelne immer weniger Geld hat. Wenn der Einzelne schließlich kein Geld mehr hat, kann er das Geld, das er nicht hat, nicht mehr zurück in den Wirtschaftskreislauf führen. Dies wiederum führt zu einer immer größeren Wirtschaftsflaute. Das Weihnachtsgeschäft ist in jedem Jahr immer ein schönes Bonbon für den Einzelhandel, aber der Alltag holt die Wirtschaft wieder ganz schnell zurück auf den Boden der Tatsachen.
Das entscheidende Problem der Wirtschaft in sämtlichen Ländern dieser Erde ist wohl das Ungleichgewicht in der Verteilung des Kapitals. Während die Superreichen allein schon durch Zinsen und Spekulationen an der Börse ihr Vermögen immer weiter erweitern können, hat der Durchschnittsverdiener gerade einmal Geld für das Nötigste und nie genug Kapital, um in die Wirtschaft ansatzweise investieren zu können. Wer kann sich schließlich schon eben mal nebenher ein Haus auf Ibiza kaufen oder einen Bentley (Ferrari, Porsche... man darf sich an dieser Stelle seine Lieblingsmarke selbst eintragen!) leisten? Selbst mit viel Sparstrumpf füllen wird eine derartige Anschaffung für die Meisten nur ein Traum bleiben. Superreiche haben dieses Problem nicht, denn sie können sich das, was sie wollten, kaufen, wann sie es wollen und vor allem, so viel sie wollen.
Die Frage nach dem Geld ist wohl die einzig Entscheidende in dieser Zeit. Die Staaten brauchen Geld, jedes Individuum auf diesem Planeten (bis auf wenige Ausnahmen, die sich dem Geflecht einer Gesellschaft entzogen haben!) braucht Geld. Gleichzeitig ist das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich so groß wie nie zuvor. Das Mittelalter oder frühere Dekaden des letzten Jahrhunderts mit seinen Kasten- oder Standessystemen bestand im Wesentlichen aus den beiden Ufern zwischen denen, die bitterarm waren und denen, die im Überfluss lebten und nicht wussten, wofür sie ihr Geld und ihre Schätze ausgeben sollten.
Hat sich inzwischen etwas geändert? Das Einzige, was heute wirklich anders ist, ist die Tatsache, dass wir uns aus den Tiefen der Armut bis zur Spitze hocharbeiten können, sozusagen das Gesetz des Kapitalismus. Ohnehin ist Kapitalismus der Stolz der USA und Demokratie oder Liberalismus gelten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sowieso als besserer Kommunismus. Wir können uns quasi glücklich schätzen, selbst bestimmen zu können, wo wir im Leben finanziell stehen wollen. Wirklich? Ist damit Armut genauso gewählt wie Reichtum? Ich persönlich habe noch nie gehört, dass Menschen sich bewusst aussuchen, arm zu sein. Es gibt natürlich oft Menschen, die behaupten, Hartz IV Empfänger hätten ihr Schicksal selbst gewählt. Auf der anderen Seite muss sich jeder dieser Menschen, die diese Behauptung stellen, die Frage gefallen lassen, wer gerne von circa 600 Euro im Monat über die Runden kommen möchte.
Oft und gerne wird behauptet, das Sozialsystem sei ein Wirtschaftskiller gerade in Deutschland. Unser Sozialsystem gilt als eines der großzügigsten und damit sichersten der Welt. Doch an diesem System wird immer öfter gesägt, denn die Frage bleibt, wieviel diese soziale Großzügigkeit uns alle im Ende kostet, wenn es um Wirtschaftswachstum und globale Konkurrenzfähigkeit geht. Den Kritikern des Sozialsystems ist da nur die Situation z.B. in den kapitalistischen USA entgegenzusetzen, deren Sozialsystem auf einem sehr niedrigen Level steht, die aber trotzdem im Moment wie auf der Rasierklinge am Rande des fiskalen Abgrundes wandern. Es kann also nicht an sozialer Großzügigkeit liegen, dass die Staaten wirtschaftlich derart unter Druck stehen.
Im Ende gibt es nur die eine einleuchtende Erklärung neben all der Misswirtschaft und der Ratlosigkeit der Politik, die die globale Wirtschaft auf Dauer kaputtmachen: der Geldstau, verursacht vor allem von der Oberschicht! Das mag nun arg kommunistisch klingen (vielleicht ist es auch so gemeint), aber es muss auf die lange Sicht gesehen klar sein, dass die Reichen mit ihrer Sparmentalität nicht gerade zum Wachstum beitragen. Nun heißt das nicht, dass Reiche wie Dagobert Duck ihren Reichtum in einem riesigen Tresor sammeln und dadurch der Weltwirtschaft vorenthalten... denn es geht auch weitaus schlimmer: das Geld wird von den Superreichen kräftig vermehrt, indem sie nur in Projekte investieren, bei denen sie bloß nichts verlieren können! Kleiner Helferlein in diesem Spiel (mit immer größerer Rolle im globalen Lustspiel): die Ratingagenturen. Moody's, Fitch, Standard & Poors: diese Namen stehen nicht nur für die Herabstufung verschuldeter Staaten, denn dies ist nur der Anfang des Elends. Ratingagenturen sind "The Devil's Advocate", zur Verteidigung der Reichen vor dem Verlust ihres liebsten Gutes vor dem dunklen Strudel, auch genannt dem Rest der Welt.
Die Reichen lieben ihr Geld und heute ist es wichtiger als je zuvor, es zu behalten und zu vermehren. Reich sein reicht längst nicht mehr, denn die Konkurrenz im Club des oberen Prozents der Welt ist hart und gnadenlos. Allerdings fragt man sich, wenn man sich die Liste der reichsten Menschen der Welt ansieht: wer braucht das eigentlich? Die Mitglieder dieses Clubs bestimmt nicht. Wer kann schon in seinem Leben 1 Milliarde Dollar oder Euro ausgeben. Es ist sogar schon schwer, 1 Milliarde Rupien auszugeben! Wieso sollte es dann Sinn machen, mehr als 1 Milliarde Euro zu besitzen, sei es nun zu neuen Investitionen oder auch nur zur Sicherung des Lebensstandards? Der letzte Funken Sinn, nämlich auch mal mit Risiko zu investieren und abzuwarten, ob man Geld verliert oder eben nicht, geht dank Ratingagenturen inzwischen auch verloren.
Wozu führt das? Mir persönlich kommt es inzwischen vor, als wäre die Welt immer reicher. Die Frage, woher das "neue Geld" allerdings kommt, erschließt sich mir nicht. Immerhin gibt es weder eine Balz noch Geschlechtsverkehr zwischen Geldscheinen, also können sie sich nicht wie Lebewesen vermehren. Wertsteigerung? Woher soll die kommen? Es gibt eine bestimmte Menge an Menschen und Rohstoffen und da alles einen bestimmten Wert hat, müsste es auch einen festgelegten Wert für die gesamte Existenz geben. Also hieße es, den Spruch "Was kostet die Welt?" wörtlich zu nehmen. Spätestens an diesem Punkt allerdings scheint die Logik auszusetzen, denn es gibt immer mehr Reiche, die immer mehr Geld haben, das vorher gar nicht existiert hat. Im Gegensatz dazu haben die Armen nicht wirklich weniger Geld, aber sie werden immer mehr und der Geldanteil unter den Armen steigt nicht, wodurch jeder arme Mensch immer weniger Geld besitzt. Man kann also vermuten, dass für die Reichen einfach Geld neu dazu erfunden wird, während bei den Armen alles beim Alten bleibt und es kein neues Geld gibt, wodurch die Armen tatsächlich immer ärmer werden.
In den vergangenen Wochen nun gab es eine große Diskussion, eine Art neue französische Revolution wurde gewollt und ist trotzdem gescheitert. Die Rede ist von der 75% Steuer für die Reichen in Frankreich. Es war schon vor der Wahl Hollandes zum Präsidenten klar, dass der Club der Reichen Reißaus nehmen wird, sollten die Pläne konkretisiert werden. Hollande wagte es trotzdem, denn das Land ist ebenfalls von der Eurokrise schwer gebeutelt und er hat längst verstanden, dass die Menschen nicht überleben können, wenn die Beiträge für den Staat bei denen erhöht werden, die es sich leisten können. Ein Staat kann nicht nur davon leben, dass der Normalbürger hohe Steuern bezahlt und dadurch am Anfang des Monats von all der Arbeit nichts mehr als Lebensgrundlage übrig haben. Nun ist der Wandel seit langer Zeit im Gange, der Protest gegen die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft und der Kampf für mehr finanzielle Gleichstellung der einzelnen Schichten. Trotzdem scheiterten sowohl die Occupy-Bewegung vor mittlerweile über einem Jahr und die Pläne Hollands zur höheren Reichensteuer. Ich muss ehrlich zugeben, dass selbst ich mit all meinen Ansichten 75% Reichensteuer für überzogen halte, dennoch hat Hollande im Kern das Problem richtig angepackt. Es kann nicht sein, dass Menschen mit astronomisch hohem Einkommen und Besitz auf dem Geld sitzenbleiben und dadurch der Weltwirtschaft entziehen. Das ist keine Neiddebatte, es geht um das Konstrukt der Welt an sich: wenn Geld quasi aus dem Kreislauf gezogen wird, wird das Vermögen eher zur Belastung für die Wirtschaft, es kann kein Wachstum mehr geben, wenn das Geld nicht mehr arbeitet... und einfach in Projekte investieren mit der Garantie, dass sie mehr Geld einbringen, führt nur dazu, dass noch mehr Geld aus diesem Kreislauf gezogen wird. Also sind die Reichen und Großverdiener einer der größten Wirtschaftskiller. Ausgerechnet die Menschen, denen der rote Teppich immer und immer wieder ausgerollt wird und die jeden Vorzug von der Gesellschaft erhalten, damit sie sich auch weiterhin pudelwohl fühlen. Nicht nur Gerard Depardieu, der sich inzwischen zum berühmtesten Steuerflüchtling der Welt entwickelt hat und auch gerne den Pakt mit Teufel Putin eingeht, um keine hohen Steuern zu zahlen, bekommt den Vorzug, wenn er ihn braucht. Was bei ihm für große Empörung sorgt, ist doch jeden Tag für viele Superreiche normal und nicht einmal eine Zeile in einer Zeitung wert.
Die Reichen sind bei Weitem nicht die einzigen Wirtschaftskiller in der globalisierten Welt, doch sie tragen einen großen Beitrag zur Wirtschaftskrise, wie wir sie kennen, bei. Hollande scheiterte vor dem höchsten Gericht in Frankreich mit seinem Vorhaben und muss nun seinen Gesetzesentwurf möglichst schnell überarbeiten, da er auch unter großem Druck steht, seine Wahlversprechen endlich zu erfüllen. Nun haben aber auch andere Länder (auch Deutschland!) ein gewaltiges Problem damit, die Reichen zur Kasse zu bitten. Es gibt einfach zu viele Schlupfwinkel für Reiche, die ungewollte Geldabgabe zu vermeiden: wenn ein Land die Reichensteuer erhöht, machen sie einfach den Depardieu und ziehen in ein anderes Land um (im Übrigen taten sie dies auch schon vorher, also hat Gerard nicht wirklich Vorbildfunktion!). Die Einsicht muss in den Reichen wachsen, dass Investitionen auch auf der Basis des Risikos funktionieren müssen. Es ist wichtig, dass die Superreichen auch mal Geld verlieren (es muss ja nicht gleich alles sein!), damit das Geld wieder in die Weltwirtschaft einfließen kann, damit andre Menschen auch mal wieder eine Chance bekommen. Es wäre doch einfach mal "nett", wenn die restlichen 99% zumindest den Traum einer Chance bekämen. Wir brauchen nicht nur Utopie in unserer Existenz, sondern auch Träume, die sich mal erfüllen können.
In Deutschland wird sich nun in diesem Jahr zeigen, wohin wir mit unseren Reichen und der Arschkriecherei in Richtung selbiger weitergehen wird. Der Wahlkampf läuft bereits jetzt auf Hochtouren und ist doch schon mehr als gelaufen (allein Steinbrück hat mit seinen Äußerungen dafür gesorgt, doch das soll Thema eines anderen Beitrages sein!). Hoffnungen bleiben damit auch hier, dass sich im finanziellen Ungleichgewicht irgendwann doch mal etwas ändern wird. Man darf gespannt abwarten und Tee trinken - oder nach dem Motto leben: "Man wird ja wohl von der Veränderung noch träumen dürfen!"
Was mir bleibt, ist allen Lesern ein schönes Wochenende zu wünschen und sie bis zum nächsten Blogeintrag zu vertrösten. Die "Wirtschaftskiller/Körperfresser"-Serie geht auf jeden Fall weiter!
LG Gene :-)
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Donnerstag, 10. Januar 2013
Freitag, 30. Dezember 2011
Kuss, Schuss, Schluss und wech - 2011 verabschiedet sich!
Wie ich schon in der letzten Woche sagte: "Es ist viel passiert 2011!". Eigentlich ist zuviel passiert, wenn man sich all die Katastrophen und menschlichen Tragödien des Jahres anguckt. Nun, in anderthalb Tagen, ist alles vorbei. Zumindest in unseren Köpfen, denn seien wir ehrlich: die Umstellung auf ein neues Jahr zeigt keine revolutionären Neuerungen auf, die Zeitrechnung dient nur zur allgemeinen Orientierung. Und wenn ich jetzt jedem, der das hier lesen mag, erzählen würde, dass Zeit ohnehin relativ ist und alles Geschehen in einem gleichzeitigen Rhythmus abläuft, würden die Leser mich vielleicht für verrückt erklären. Also, bin ich mal wirklich verrückt und lasse mich ein auf die allgemein beim Menschen gültige Zeitrechnung und dem Ende des Jahres 2011 n. Chr.
Fragen stellen sich immer wieder, wenn man einen Schlussstrich unter das Jahr 2011 zieht. "Haben wir etwas dazugelernt?" wird in diesem Zusammenhang wohl die wichtigste Frage sein. Immerhin streben wir ein "neues Jahr" an, das alles verändern wird. Vermeintlich. Die ständige Hoffnung, dass sich alles ändern wird, führt die Menschen in eine allgemeine Euphorie, es gibt uns allen anscheinend Auftrieb, dass etwas Neues beginnt (und wenn es nur ein "neues Jahr" ist). Es werden Vorsätze geschmiedet für das neue Jahr, man nimmt sich Dinge vor, die man eigentlich theoretisch immer machen wollte, für die man aber einfach nie die Motivation hatte. Mit dem Rauchen am 27. Juli aufhören? Was ein Quatsch! Man hört am 1. Januar auf, weil das so viel besser klappt. Dass dem nicht so ist, lassen wir mal außen vor, wir möchten doch keine Illusionen zerstören. Es klingt einfach episch, am Jahresende kurz vor Mitternacht die letzte Zigarette zu rauchen und dann am 1. Januar mit einem Kater von zuviel Alkohol UND Nikotinentzug zu kämpfen. Wenn der Mensch zum Kämpfer wird, dann anscheinend richtig und mit solch einer starken Übertreibung, dass er scheitern muss. Denn machen wir uns nichts vor: wären wir im Alten Rom, wir würden auch nicht unbedingt untrainiert einem Profigladiator gegenübertreten - es sei denn, wir seien mal kurz so richtig lebensmüde. Der Punkt ist: Dinge, die man sich vornimmt, müssen gut vorbereitet sein. Wenn einem im Leben etwas nicht passt, dann wird es nach reichlicher Überlegung geändert.
Nun könnten Befürworter der Neujahrsvorsätze argumentieren, ihre Vorsätze lägen doch schon lange in der Schublade des Hinterkopfs und hätten dort schon so lange gelegen, dass es sich doch jetzt lohnen würde, diese Vorsätze endlich in die Tat umzusetzen. Dieser Einwand ist nicht falsch, aber warum klappt die Umsetzung der Vorsätze trotzdem nicht? Wahrscheinlich, weil die Vorsätze lange Zeit im Hinterkopf vor sich hingeschimmelt sind, aber darüber nachgedacht wurde nicht. Es wurde nicht richtig geplant, die meisten Vorsätze sind nicht einmal ernstzunehmen. Mehr Sport im neuen Jahr? Spätestens bei der ersten Laufrunde im Januar bei eisigen Temperaturen ist der Vorsatz über Bord geworfen. Mit dem Rauchen ist es ähnlich und den Vorsatz, weniger Alkohol zu trinken, hat keiner mehr, weil er in einer alkoholgesteuerten Gesellschaft eh nicht umzusetzen ist.
Zurück zur Frage: Was haben wir 2011 dazugelernt? Diese Frage müsste zu einer Flut von positiven Antworten führen, die uns auf die Schulter klopfen und sagen: "Weiter so, hast du gut gemacht!". Und wahrlich, wir haben doch viel gelernt, oder? Zum Beispiel haben wir spätestens im Sommer gelernt, dass in Ostafrika die Kinder immer noch an Hunger sterben, dass der jahrzehntelange Krieg in Somalia immer noch anhält. Eine Tatsache, die die Nachrichten in ihrer Selbstverliebtheit so lange vergessen hat, dass wir alle glaubten, es sei alles soweit in Butter in diesem trostlosen Fleck Erde. Und ja, dieses Land ist trostlos: eine Wüstenlandschaft durch Rodungen der Wälder, eine radikal-muslimische Miliz, die alle "Nichtgläubigen" vertreibt, wenn sie sie nicht gerade tötet oder verstümmelt. Millionen Menschen, die vor dem Tod durch die Waffe oder dem Hunger nach Kenia fliehen und dort tagelang auf Essensrationen warten (vorausgesetzt, sie halten vor Erschöpfung überhaupt noch so lange durch). Die Solidarität der Menschen im Westen hielt sich in Grenzen, schließlich ist diese Hungersnot, die 12 Millionen Menschen betrifft, eine schleichende Katastrophe, ganz ohne Fluten, Atomkatastrophen oder Erdbeben. Es geht "nur" um einen Krieg, "nur" um einen Konflikt des Glaubens und überhaupt "nur" um Afrika.
Aber (um mal einen positiven Aspekt in die Sache zu bringen) es gab auch viele Menschen, die sich durch diese Katastrophe zum Spenden animiert gefühlt haben. Und das (man beachte die Feinheit!) im Sommer, nicht zur Vorweihnachtszeit! Das Problem ist nur, die Nachricht über die Hungerkatastrophe ist aus den Nachrichten verschwunden, die Problematik existiert aber weiterhin. Nur, weil ein Zustand von "tödlich katastrophal" auf "katastrophal" heruntergesetzt wird, ist das noch lange kein "guter" Zustand. Die Flüchtlinge aus Somalia leben teilweise seit 20 Jahren (!) in Flüchtlingslagern wie dem in Dadaab, inzwischen ist sogar die Rede von getarnten muslimischen Milizkämpfern, die sich in die Flüchtlingslager einschleichen, um dort Essen abzugrasen (ein Krieger will schließlich auch bei Kräften gehalten werden!). Die Problematik in Somalia, allgemein am Horn von Afrika, ist weit tiefgreifender als eine einmalige, mehr oder weniger großzügige Spende. Die Politik im Ausland versagt, wenn es um solche Katastrophen geht; solange es nicht um wirtschaftliche Interessen geht, ist jeglicher Handlungsbedarf nicht gerechtfertigt. Und auch Angela Merkel, die dieses Jahr Afrika besuchte, um "wirtschaftliche Interessen" zu vertreten und im Wesentlichen unter anderen Qualitätswaffen aus Germany an den Afrikaner zu bringen, hat nicht wirklich Interesse am Beenden der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Es gab eine einmalige humanitäre Hilfe, um den Rest müssen sich die Menschen dort wohl selbst kümmern. Aber (vielleicht kennen die vollgefressenen Industriemenschen das ja auch aus irgendwelchen Situationen im Leben): wo nix ist, kann auch nix hinkommen! Es ist wie im Sparwesen: wenn man ein Konto eröffnet und der Kontostand konstant bei Null Euro und Null Cent steht, kann auch nix dazukommen.
Aber es gab ja nicht nur Hungerkatastrophen in Afrika, eine ganz neue Bewegung tat sich zum Herbst hin auf: die Herbstrevolution in den Industriestaaten. Angefangen hatte alles mit dem "arabischen Frühling", bei der der westliche Zuschauer, der die Nachrichten sah, plötzlich dachte: "Hoppla! Die Leute dort können sich ja doch gegen diktatorische Regimes wehren!". Wie die Dominosteine fielen in der Folge Tunesien, Ägypten und (nach einem langen Hin und Her und Interventionen von Frankreich, den USA und Großbritannien) auch das Machtregime von Muhammar al Gaddafi in Libyen. Damit gab es ab dem Frühjahr in diesem Jahr nicht nur an dieser Stelle jeden Freitag einen neuen Blogeintrag, sondern in vielen arabischen Ländern Großdemonstrationen, in denen die Mensche für ihr Recht auf Freiheit und Demokratie kämpften. Was ist draus geworden bis zum Jahresende? Nun, Ägypten's ehemaligem Machthaber Mubarak wird der Prozess gemacht, Gaddafi wurde im Bürgerkrieg in Libyen doch irgendwann gefunden und öffentlich (inklusive einiger Mobiltelefone mit Videofunktion, die Zeuge waren) hingerichtet und es gibt/gab Neuwahlen in Ägypten und Tunesien. Gewinner dort wie dort: die muslimische Partei.
Ob das jetzt wirklich ein Sieg für diese Völker sein wird, muss die Zukunft zeigen (wofür sonst haben wir in anderthalb Tagen ein neues Jahr?). Mit der Zeit wird sich herausstellen, wie ergiebig der Protest in diesen Ländern war und auch, ob es den Menschen in Syrien gelingen wird, "Hitler 2.0", besser bekannt als Machtinhaber Assad, loszuwerden. Er hält sich hartnäckig, genauso hartnäckig wie der "Gartenzwerg Irans", Mahmud Ahmadinedschad und noch mehr haben beide gemeinsam, dass sie nicht müde werden, Opportunisten zu töten und dem Westen gleichzeitig zu drohen. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum der Westen sich so furchtbar ungerne einmischt. Zwar gäbe es in diesen Ländern (im Gegensatz zu ostafrikanischen Staaten) viel Erdöl zu holen (was wirtschaftlich am Interessantesten ist für die westliche Welt), aber das Risiko, selbst ins Visier von Terror und damit Anschlägen zu geraten, ist dann doch ein wenig hoch.
Überhaupt hatten die westlichen Regierungen ab Sommer selbst allerhand zu tun: sämtliche Währungen brachen in sich anscheinend aus heiterem Himmel zusammen. Zumindest schien es so, als befänden wir uns inmitten einer Inflation; dem war zwar nicht der Fall, aber solange es Rating-Agenturen gibt, die so tun, als wären mit einem Schlag Staaten nichts mehr wert, dürfen Regierungen und Wirtschaft weiterhin zittern. Eine Frage wurde dieses Jahr durch Rating-Ageturen gewiss aufgeworfen: wieviel Macht steht (in wirtschaftlichen Fragen) der freien Wirtschaft (sprich: den Investoren) zu im Gegensatz zur Macht des Staates? Dürfen Investoren bzw. ihre Vertreter (= Rating-Agenturen) über das Schicksal ganzer Staaten und damit von Millionen Menschen entscheiden oder gehen sie damit schlichtweg zu weit?
Moralisch möchten Millionen Menschen sagen, sie gehen entschieden zu weit. Und genau aus diesem Grund wurde schnell aus dem "arabischen Frühling" der "Revolutionsherbst" im Westen der Welt. Dabei fing alles so harmlos an, in den USA, die plötzlich ein "Gewissen" bekamen. Die USA, das Vorzeigefohlen des Kapitalismus, das den Sozialismus in Europa als "Schwachstelle" abtat und den Europäern gleichzeitig gerne flächendeckenden Kommunismus vorwarf. Dieses Land ging plötzlich auf die Straße und demonstrierte gegen die 1% der Superreichen im Staat, die über den Großteil des Kapitals im Land verfügen und zulassen, dass der Rest gerade auf oder schon weit unter dem Existenzminimum vor sich hin vegitieren darf. Besonders schockierend die Entwicklung in New York, dem "Big Apple", der Stadt schlechthin, wenn es um Kapitalismus und Reichtum um jeden Preis geht, die Stadt, die alles, was mit viel Geld zu tun hat, zelebriert wie keine andere. Dort gingen die Menschen (die sich selbst die "99%" nennen) auf die Straße, direkt im Börsenviertel, der "Wall Street", und demonstrieren für mehr Fairness auf der Welt. Die Menschen wollen Jobs, sichere Jobs und damit genug Geld, um selbst überleben zu können. Ein Skandal für die 1% Superreichen, die sich plötzlich in ihrem Reichtum bedroht fühlten. Und die Politik? Die spielt natürlich wieder einmal brav den Reichen in die Hände, Demonstranten werden (ähnlich wie in arabischen Diktaturen) mit Knüppeln und Pfeffersprach in die Knie gezwungen, verhaftet und sämtlicher Versammlungsrechte mehr oder weniger beraubt. Ihnen ist plötzlich die Demonstration im Zucotti Park direkt bei der Wall Street nicht mehr erlaubt ist, doch wirklich in aufgeben wollen die Demonstranten nicht.
Schlimmer noch: plötzlich wird überall demonstriert, auch bei der "Frankfurter Börse" und in Berlin. Die Demonstrationen der Deutschen waren allerdings nur ein kleines Strohfeuer, der Deutsche ist nunmal nicht sonderlich stark, wenn es um das Durchhalten geht. Dort haben selbst die US-Amerikaner (denen man in den Vorjahren zugegebenermaßen in diesem Sinne nicht viel zugetraut hat) mehr Stärke bewiesen; Deutschland war zwar gut darin, sich die USA wieder einmal als Vorbild zu nehmen, aber an der Umsetzung hat es schlussendlich doch gemangelt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es uns Deutschen im Gegensatz zu den Amerikanern noch viel zu gut geht; ein zu stabiles Sozialsystem, durch das selbst Arbeitslose und Obdachlose nicht hungern müssen, sorgt im gleichen Moment für Trägheit bei den Menschen. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er demonstriert noch viel weniger gern. Also heißt es auch hier: wir haben nicht viel dazugelernt im Jahr 2011... nun, vielleicht wird das beim nächsten Mal (sprich: bis Ende 2012) was!
Was gibt es noch, was wir nicht gelernt haben in diesem Jahr? Ich gebe zu, ich bemühe mich gar nicht mehr, das bald vergangene Jahr noch positiv darzustellen. Es gibt zwar viele Dinge, die passiert sind, viele Einsichten, die geschehen sind in vielen Köpfen.... doch für eine flächendeckende Revolution scheint es nie auszureichen. Bester Anhaltspunkt: die Umweltpolitik. Der zuletzt grandios gescheiterte Umweltgipfel in Durban hat gezeigt, dass den Menschen die Umwelt doch ziemlich egal ist. Vielleicht nicht jedem Normalbürger (aber dort auch noch erschreckend vielen!), zumindest aber der gesamten Industrie, die den größten Ausstoß von CO2 verursachen. Allerdings... wenn CO2 wirklich unser einziges Umweltproblem wäre, ginge es uns verdammt gut! Massenhaft Verschwendung von Rohstoffen, das Abholzen der letzten Wälder auf diesem Planeten, die Verschmutzung der Weltmeere ohne Unterlass, dazu die Artenvielfalt, die täglich um 150 Arten dezimiert wird - man fragt sich, ob Mülltrennung oder die Sparsamkeit im eigenen Haushalt wirklich noch hilft, die Menschheit zu retten. Aber Halt! Stopp! Das heißt jetzt nicht, dass wir alle mit unserer eigenen Verschwendung noch hemmungsloser als ohnehin um uns werfen im Wissen, dass der Planet nicht mehr zu retten ist. Wo ist eigentlich die Einsicht, dass der kleine Beitrag von jedem Einzelnen einen großen Fortschritt bringt, hin? Wir lernen jeden Tag immer mehr und immer schneller dazu, aber ausgerechnet dieser Punkt geht uns nicht in den Schädel. Warum? Weil er nicht zum kapitalistischen Weltbild passt, dem wir uns so gerne hingeben? Nein, kein Kommunismus an dieser Stelle, aber ein wenig mehr Vernunft wäre angebracht. Experten schlagen seit Jahren Alarm, was den CO2 Ausstoß ALLER Nationen betrifft (nix mit "Die Chinesen/Inder/Brasilianer sind Schuld!") und trotzdem ändert sich am Verhalten der einzelnen Bürger sehr wenig. Jeder Weg zum Bäcker wird mit dem Auto erledigt, es muss mindestens zweimal pro Jahr ein Urlaub her (das bevorzugt per Flugzeug!) und im Verschwenden von Lebensmitteln sind wir (in Zeiten, wo 1 Milliarde Menschen weltweit unter Hunger leiden) eh Spitze!
Verzicht ist schmerzhaft, Verzicht bedeutet heutzutage, ein Verlierer zu sein... und deswegen verzichtet auch kein Mensch mehr. Wir brauchen alles - und das vorgestern! Vom besten Auto zum modernsten Tablet-PC, es muss alles da sein. Konnten wir vorher ohne leben? Ja sicher! Allerdings laut Apple-Werbung kommt gleich die Frage hinterher: Wie? Und dementsprechend benehmen sich die Konsumenten: es gibt keinen Grund, warum man ohne iPhone oder iPad weiterleben sollte, wenn das Leben mit doch "so viel schöner" ist. Wahrscheinlich war genau aus diesem Suchtkrüppel-Verhalten der Menschheit die Trauer auch so groß, als Steve Jobs dieses Jahr nach langer Krebserkrankung starb. Seitdem ist nur noch die Rede vom "Messias, der die Welt veränderte". Jesus wurde also tatsächlich reinkarniert - und zu Lebzeiten zum Messias gemacht! Schöne neue Kapitalismuswelt!
Scherz beiseite: was haben wir gelernt? Außer, dass wir alles brauchen und nix mehr hergeben wollen, dass Revolutionen nichts bringen, weil wir kein Durchhaltevermögen haben und wir uns am Ende des Tages nur für uns selbst interessieren? Wahrscheinlich wiedermal das Übliche: dass wir (heute mehr denn je) soziale Kontakte brauchen. Diese aber bitte bevorzugt über soziale Netzwerke, denn Kontakt zu realen Menschen in der realen Welt ist viel zu anstrengend und passt so gar nicht in die von Burnout und der gefühlten 60 Stunden Arbeitswoche geprägten Gesellschaft hinein. Wie gut, dass es für solche Fälle facebook, wkw und Co. gibt! Hier kann man die Stunden, die man eigentlich gar nicht hat, am Computer verbringen und mit Menschen chatten oder ihren Status kommentieren, die man entweder aus grauer Vorzeit (sprich: vor dem PC), nur sehr flüchtig oder überhaupt nicht kennt. Der Effekt: man fühlt sich diesen Menschen wesentlich verbundener, als würde man mit ihnen im wahren Leben reden. Warum? Weil man plötzlich geneigt ist, viel mehr von sich diesen Menschen preiszugeben als im wahren Leben. Sehr schnell redet man da von intimsten Details, weil man bei all der Tipperei denkt, man würde quasi mit sich selbst oder seinem persönlichen Therapeuten reden. Um so größer die Enttäuschung, wenn diese Menschen plötzlich all das gesammelte Wissen gegen einen verwenden. Immer wieder gibt es Fälle von Suizid durch soziale Netzwerke, aber das interessiert nur die Wenigsten. Mark Zuckerberg zum Beispiel am Wenigsten, der führt kurzerhand seinen neuen Clou, genannt "Timeline", ein, mit dem die Leute endgültig alles von sich preisgeben können, bis auf die Unterhose, die sie gerade an diesem Tag tragen. Aber keine Sorge: für dieses Problem wird es wohl auch bald eine Lösung geben.
Nun, das Jahr neigt sich dem Ende und auch ich frage mich, bei all der Schreiberei und allem anderen, was ich so erlebt habe: "Was habe ich dazugelernt?". Kleine, simple Weisheiten am Wegesrand, die ich aufgeschnappt habe; wie z. B. die Tatsache, dass die Rating-Agentur "Fitch" eigentlich eine Abkürzung für "Fucking Bitch" ist (Danke an Chin Meyer dafür! ;-)). Außerdem der endgültige Beschluss, dass soziale Netzwerke nutzlos, nutzloser und am Nutzlosesten sind. Und die Entdeckung, dass sich Veganer nicht nur von Rohkost ernähren (das MUSS an dieser Stelle auch mal erwähnt sein, denn die Erkenntnis, dass man ohne Fleisch fast besser leben kann als mit, glauben die Wenigsten... sie stimmt allerdings!). Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich nur ungern ändern (mir inklusive!), den Meisten aber eine Änderung auch mal gut tun würde (mir inklusive!). Deswegen habe ich meine Neujahresvorsätze bereits jetzt in die Tat umgesetzt, mich von Menschen und Lebensweisen, die mir potenziell schaden, getrennt und mehr Zufriedenheit in mein Leben gebracht.
Sonst noch was? Ach ja, ich habe gelernt, dass ich mit Menschen, die mit der CDU was zu tun haben bzw. hatten, einfach nicht kann, egal, wie oft sie mir erklären wollen, die CDU sei eine "soziale Partei". Vielleicht stimmen die Vorurteile doch: Menschen unterschiedlicher Konfessionen können selten gut miteinander, genauso verhält es sich mit der Politik und Parteienzugehörigkeiten (dabei gehöre ich nichtmal einer Partei an!). Aber sagen wir mal so: solange diese Menschen von der CDU keine Heuchler sind, könnte ich theoretisch mit ihnen. Ich bin nur noch keinem Vertreter dieser Partei begegnet, der sich nicht als solcher entpuppt hätte! Aber dazu dient wohl das neue Jahr: damit wir wieder was Neues dazulernen! Und vielleicht wird die CDU im nächsten Jahr nicht zur "Partei non grata des Jahres" bei mir.
Ob man seine Vorsätze im neuen Jahr halten kann? Das kann ich kaum beurteilen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert - und eins weiß ich: indem ich meine Vorsätze jetzt schon umgesetzt habe, bin ich den Neujahrsvorsätze-Umsetzer einen ganzen Monat voraus. So viel zur Psychologie der Zeit.
Egal, ich wünsche allen Lesern (auch wenn es wenige sind) einen guten Rutsch ins neue Jahr, eine gute Zeit für 2012, viele Gründe zur Freude, viele zum Lachen (hab ich auf einem Kalender gelesen, den Wunsch finde ich besonders nett und übernehme ich einfach mal!) und allgemein Zufriedenheit, Demut und neue Einsichten, die dann hoffentlich auch zu Änderungen führen. Für Veränderungen ist es schließlich nie zu spät, an keinem Tag des Jahres!
In diesem Sinne, einen guten Rutsch und bis zum nächsten Freitag an gleicher Stelle.
LG Gene :-)
Fragen stellen sich immer wieder, wenn man einen Schlussstrich unter das Jahr 2011 zieht. "Haben wir etwas dazugelernt?" wird in diesem Zusammenhang wohl die wichtigste Frage sein. Immerhin streben wir ein "neues Jahr" an, das alles verändern wird. Vermeintlich. Die ständige Hoffnung, dass sich alles ändern wird, führt die Menschen in eine allgemeine Euphorie, es gibt uns allen anscheinend Auftrieb, dass etwas Neues beginnt (und wenn es nur ein "neues Jahr" ist). Es werden Vorsätze geschmiedet für das neue Jahr, man nimmt sich Dinge vor, die man eigentlich theoretisch immer machen wollte, für die man aber einfach nie die Motivation hatte. Mit dem Rauchen am 27. Juli aufhören? Was ein Quatsch! Man hört am 1. Januar auf, weil das so viel besser klappt. Dass dem nicht so ist, lassen wir mal außen vor, wir möchten doch keine Illusionen zerstören. Es klingt einfach episch, am Jahresende kurz vor Mitternacht die letzte Zigarette zu rauchen und dann am 1. Januar mit einem Kater von zuviel Alkohol UND Nikotinentzug zu kämpfen. Wenn der Mensch zum Kämpfer wird, dann anscheinend richtig und mit solch einer starken Übertreibung, dass er scheitern muss. Denn machen wir uns nichts vor: wären wir im Alten Rom, wir würden auch nicht unbedingt untrainiert einem Profigladiator gegenübertreten - es sei denn, wir seien mal kurz so richtig lebensmüde. Der Punkt ist: Dinge, die man sich vornimmt, müssen gut vorbereitet sein. Wenn einem im Leben etwas nicht passt, dann wird es nach reichlicher Überlegung geändert.
Nun könnten Befürworter der Neujahrsvorsätze argumentieren, ihre Vorsätze lägen doch schon lange in der Schublade des Hinterkopfs und hätten dort schon so lange gelegen, dass es sich doch jetzt lohnen würde, diese Vorsätze endlich in die Tat umzusetzen. Dieser Einwand ist nicht falsch, aber warum klappt die Umsetzung der Vorsätze trotzdem nicht? Wahrscheinlich, weil die Vorsätze lange Zeit im Hinterkopf vor sich hingeschimmelt sind, aber darüber nachgedacht wurde nicht. Es wurde nicht richtig geplant, die meisten Vorsätze sind nicht einmal ernstzunehmen. Mehr Sport im neuen Jahr? Spätestens bei der ersten Laufrunde im Januar bei eisigen Temperaturen ist der Vorsatz über Bord geworfen. Mit dem Rauchen ist es ähnlich und den Vorsatz, weniger Alkohol zu trinken, hat keiner mehr, weil er in einer alkoholgesteuerten Gesellschaft eh nicht umzusetzen ist.
Zurück zur Frage: Was haben wir 2011 dazugelernt? Diese Frage müsste zu einer Flut von positiven Antworten führen, die uns auf die Schulter klopfen und sagen: "Weiter so, hast du gut gemacht!". Und wahrlich, wir haben doch viel gelernt, oder? Zum Beispiel haben wir spätestens im Sommer gelernt, dass in Ostafrika die Kinder immer noch an Hunger sterben, dass der jahrzehntelange Krieg in Somalia immer noch anhält. Eine Tatsache, die die Nachrichten in ihrer Selbstverliebtheit so lange vergessen hat, dass wir alle glaubten, es sei alles soweit in Butter in diesem trostlosen Fleck Erde. Und ja, dieses Land ist trostlos: eine Wüstenlandschaft durch Rodungen der Wälder, eine radikal-muslimische Miliz, die alle "Nichtgläubigen" vertreibt, wenn sie sie nicht gerade tötet oder verstümmelt. Millionen Menschen, die vor dem Tod durch die Waffe oder dem Hunger nach Kenia fliehen und dort tagelang auf Essensrationen warten (vorausgesetzt, sie halten vor Erschöpfung überhaupt noch so lange durch). Die Solidarität der Menschen im Westen hielt sich in Grenzen, schließlich ist diese Hungersnot, die 12 Millionen Menschen betrifft, eine schleichende Katastrophe, ganz ohne Fluten, Atomkatastrophen oder Erdbeben. Es geht "nur" um einen Krieg, "nur" um einen Konflikt des Glaubens und überhaupt "nur" um Afrika.
Aber (um mal einen positiven Aspekt in die Sache zu bringen) es gab auch viele Menschen, die sich durch diese Katastrophe zum Spenden animiert gefühlt haben. Und das (man beachte die Feinheit!) im Sommer, nicht zur Vorweihnachtszeit! Das Problem ist nur, die Nachricht über die Hungerkatastrophe ist aus den Nachrichten verschwunden, die Problematik existiert aber weiterhin. Nur, weil ein Zustand von "tödlich katastrophal" auf "katastrophal" heruntergesetzt wird, ist das noch lange kein "guter" Zustand. Die Flüchtlinge aus Somalia leben teilweise seit 20 Jahren (!) in Flüchtlingslagern wie dem in Dadaab, inzwischen ist sogar die Rede von getarnten muslimischen Milizkämpfern, die sich in die Flüchtlingslager einschleichen, um dort Essen abzugrasen (ein Krieger will schließlich auch bei Kräften gehalten werden!). Die Problematik in Somalia, allgemein am Horn von Afrika, ist weit tiefgreifender als eine einmalige, mehr oder weniger großzügige Spende. Die Politik im Ausland versagt, wenn es um solche Katastrophen geht; solange es nicht um wirtschaftliche Interessen geht, ist jeglicher Handlungsbedarf nicht gerechtfertigt. Und auch Angela Merkel, die dieses Jahr Afrika besuchte, um "wirtschaftliche Interessen" zu vertreten und im Wesentlichen unter anderen Qualitätswaffen aus Germany an den Afrikaner zu bringen, hat nicht wirklich Interesse am Beenden der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Es gab eine einmalige humanitäre Hilfe, um den Rest müssen sich die Menschen dort wohl selbst kümmern. Aber (vielleicht kennen die vollgefressenen Industriemenschen das ja auch aus irgendwelchen Situationen im Leben): wo nix ist, kann auch nix hinkommen! Es ist wie im Sparwesen: wenn man ein Konto eröffnet und der Kontostand konstant bei Null Euro und Null Cent steht, kann auch nix dazukommen.
Aber es gab ja nicht nur Hungerkatastrophen in Afrika, eine ganz neue Bewegung tat sich zum Herbst hin auf: die Herbstrevolution in den Industriestaaten. Angefangen hatte alles mit dem "arabischen Frühling", bei der der westliche Zuschauer, der die Nachrichten sah, plötzlich dachte: "Hoppla! Die Leute dort können sich ja doch gegen diktatorische Regimes wehren!". Wie die Dominosteine fielen in der Folge Tunesien, Ägypten und (nach einem langen Hin und Her und Interventionen von Frankreich, den USA und Großbritannien) auch das Machtregime von Muhammar al Gaddafi in Libyen. Damit gab es ab dem Frühjahr in diesem Jahr nicht nur an dieser Stelle jeden Freitag einen neuen Blogeintrag, sondern in vielen arabischen Ländern Großdemonstrationen, in denen die Mensche für ihr Recht auf Freiheit und Demokratie kämpften. Was ist draus geworden bis zum Jahresende? Nun, Ägypten's ehemaligem Machthaber Mubarak wird der Prozess gemacht, Gaddafi wurde im Bürgerkrieg in Libyen doch irgendwann gefunden und öffentlich (inklusive einiger Mobiltelefone mit Videofunktion, die Zeuge waren) hingerichtet und es gibt/gab Neuwahlen in Ägypten und Tunesien. Gewinner dort wie dort: die muslimische Partei.
Ob das jetzt wirklich ein Sieg für diese Völker sein wird, muss die Zukunft zeigen (wofür sonst haben wir in anderthalb Tagen ein neues Jahr?). Mit der Zeit wird sich herausstellen, wie ergiebig der Protest in diesen Ländern war und auch, ob es den Menschen in Syrien gelingen wird, "Hitler 2.0", besser bekannt als Machtinhaber Assad, loszuwerden. Er hält sich hartnäckig, genauso hartnäckig wie der "Gartenzwerg Irans", Mahmud Ahmadinedschad und noch mehr haben beide gemeinsam, dass sie nicht müde werden, Opportunisten zu töten und dem Westen gleichzeitig zu drohen. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum der Westen sich so furchtbar ungerne einmischt. Zwar gäbe es in diesen Ländern (im Gegensatz zu ostafrikanischen Staaten) viel Erdöl zu holen (was wirtschaftlich am Interessantesten ist für die westliche Welt), aber das Risiko, selbst ins Visier von Terror und damit Anschlägen zu geraten, ist dann doch ein wenig hoch.
Überhaupt hatten die westlichen Regierungen ab Sommer selbst allerhand zu tun: sämtliche Währungen brachen in sich anscheinend aus heiterem Himmel zusammen. Zumindest schien es so, als befänden wir uns inmitten einer Inflation; dem war zwar nicht der Fall, aber solange es Rating-Agenturen gibt, die so tun, als wären mit einem Schlag Staaten nichts mehr wert, dürfen Regierungen und Wirtschaft weiterhin zittern. Eine Frage wurde dieses Jahr durch Rating-Ageturen gewiss aufgeworfen: wieviel Macht steht (in wirtschaftlichen Fragen) der freien Wirtschaft (sprich: den Investoren) zu im Gegensatz zur Macht des Staates? Dürfen Investoren bzw. ihre Vertreter (= Rating-Agenturen) über das Schicksal ganzer Staaten und damit von Millionen Menschen entscheiden oder gehen sie damit schlichtweg zu weit?
Moralisch möchten Millionen Menschen sagen, sie gehen entschieden zu weit. Und genau aus diesem Grund wurde schnell aus dem "arabischen Frühling" der "Revolutionsherbst" im Westen der Welt. Dabei fing alles so harmlos an, in den USA, die plötzlich ein "Gewissen" bekamen. Die USA, das Vorzeigefohlen des Kapitalismus, das den Sozialismus in Europa als "Schwachstelle" abtat und den Europäern gleichzeitig gerne flächendeckenden Kommunismus vorwarf. Dieses Land ging plötzlich auf die Straße und demonstrierte gegen die 1% der Superreichen im Staat, die über den Großteil des Kapitals im Land verfügen und zulassen, dass der Rest gerade auf oder schon weit unter dem Existenzminimum vor sich hin vegitieren darf. Besonders schockierend die Entwicklung in New York, dem "Big Apple", der Stadt schlechthin, wenn es um Kapitalismus und Reichtum um jeden Preis geht, die Stadt, die alles, was mit viel Geld zu tun hat, zelebriert wie keine andere. Dort gingen die Menschen (die sich selbst die "99%" nennen) auf die Straße, direkt im Börsenviertel, der "Wall Street", und demonstrieren für mehr Fairness auf der Welt. Die Menschen wollen Jobs, sichere Jobs und damit genug Geld, um selbst überleben zu können. Ein Skandal für die 1% Superreichen, die sich plötzlich in ihrem Reichtum bedroht fühlten. Und die Politik? Die spielt natürlich wieder einmal brav den Reichen in die Hände, Demonstranten werden (ähnlich wie in arabischen Diktaturen) mit Knüppeln und Pfeffersprach in die Knie gezwungen, verhaftet und sämtlicher Versammlungsrechte mehr oder weniger beraubt. Ihnen ist plötzlich die Demonstration im Zucotti Park direkt bei der Wall Street nicht mehr erlaubt ist, doch wirklich in aufgeben wollen die Demonstranten nicht.
Schlimmer noch: plötzlich wird überall demonstriert, auch bei der "Frankfurter Börse" und in Berlin. Die Demonstrationen der Deutschen waren allerdings nur ein kleines Strohfeuer, der Deutsche ist nunmal nicht sonderlich stark, wenn es um das Durchhalten geht. Dort haben selbst die US-Amerikaner (denen man in den Vorjahren zugegebenermaßen in diesem Sinne nicht viel zugetraut hat) mehr Stärke bewiesen; Deutschland war zwar gut darin, sich die USA wieder einmal als Vorbild zu nehmen, aber an der Umsetzung hat es schlussendlich doch gemangelt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es uns Deutschen im Gegensatz zu den Amerikanern noch viel zu gut geht; ein zu stabiles Sozialsystem, durch das selbst Arbeitslose und Obdachlose nicht hungern müssen, sorgt im gleichen Moment für Trägheit bei den Menschen. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er demonstriert noch viel weniger gern. Also heißt es auch hier: wir haben nicht viel dazugelernt im Jahr 2011... nun, vielleicht wird das beim nächsten Mal (sprich: bis Ende 2012) was!
Was gibt es noch, was wir nicht gelernt haben in diesem Jahr? Ich gebe zu, ich bemühe mich gar nicht mehr, das bald vergangene Jahr noch positiv darzustellen. Es gibt zwar viele Dinge, die passiert sind, viele Einsichten, die geschehen sind in vielen Köpfen.... doch für eine flächendeckende Revolution scheint es nie auszureichen. Bester Anhaltspunkt: die Umweltpolitik. Der zuletzt grandios gescheiterte Umweltgipfel in Durban hat gezeigt, dass den Menschen die Umwelt doch ziemlich egal ist. Vielleicht nicht jedem Normalbürger (aber dort auch noch erschreckend vielen!), zumindest aber der gesamten Industrie, die den größten Ausstoß von CO2 verursachen. Allerdings... wenn CO2 wirklich unser einziges Umweltproblem wäre, ginge es uns verdammt gut! Massenhaft Verschwendung von Rohstoffen, das Abholzen der letzten Wälder auf diesem Planeten, die Verschmutzung der Weltmeere ohne Unterlass, dazu die Artenvielfalt, die täglich um 150 Arten dezimiert wird - man fragt sich, ob Mülltrennung oder die Sparsamkeit im eigenen Haushalt wirklich noch hilft, die Menschheit zu retten. Aber Halt! Stopp! Das heißt jetzt nicht, dass wir alle mit unserer eigenen Verschwendung noch hemmungsloser als ohnehin um uns werfen im Wissen, dass der Planet nicht mehr zu retten ist. Wo ist eigentlich die Einsicht, dass der kleine Beitrag von jedem Einzelnen einen großen Fortschritt bringt, hin? Wir lernen jeden Tag immer mehr und immer schneller dazu, aber ausgerechnet dieser Punkt geht uns nicht in den Schädel. Warum? Weil er nicht zum kapitalistischen Weltbild passt, dem wir uns so gerne hingeben? Nein, kein Kommunismus an dieser Stelle, aber ein wenig mehr Vernunft wäre angebracht. Experten schlagen seit Jahren Alarm, was den CO2 Ausstoß ALLER Nationen betrifft (nix mit "Die Chinesen/Inder/Brasilianer sind Schuld!") und trotzdem ändert sich am Verhalten der einzelnen Bürger sehr wenig. Jeder Weg zum Bäcker wird mit dem Auto erledigt, es muss mindestens zweimal pro Jahr ein Urlaub her (das bevorzugt per Flugzeug!) und im Verschwenden von Lebensmitteln sind wir (in Zeiten, wo 1 Milliarde Menschen weltweit unter Hunger leiden) eh Spitze!
Verzicht ist schmerzhaft, Verzicht bedeutet heutzutage, ein Verlierer zu sein... und deswegen verzichtet auch kein Mensch mehr. Wir brauchen alles - und das vorgestern! Vom besten Auto zum modernsten Tablet-PC, es muss alles da sein. Konnten wir vorher ohne leben? Ja sicher! Allerdings laut Apple-Werbung kommt gleich die Frage hinterher: Wie? Und dementsprechend benehmen sich die Konsumenten: es gibt keinen Grund, warum man ohne iPhone oder iPad weiterleben sollte, wenn das Leben mit doch "so viel schöner" ist. Wahrscheinlich war genau aus diesem Suchtkrüppel-Verhalten der Menschheit die Trauer auch so groß, als Steve Jobs dieses Jahr nach langer Krebserkrankung starb. Seitdem ist nur noch die Rede vom "Messias, der die Welt veränderte". Jesus wurde also tatsächlich reinkarniert - und zu Lebzeiten zum Messias gemacht! Schöne neue Kapitalismuswelt!
Scherz beiseite: was haben wir gelernt? Außer, dass wir alles brauchen und nix mehr hergeben wollen, dass Revolutionen nichts bringen, weil wir kein Durchhaltevermögen haben und wir uns am Ende des Tages nur für uns selbst interessieren? Wahrscheinlich wiedermal das Übliche: dass wir (heute mehr denn je) soziale Kontakte brauchen. Diese aber bitte bevorzugt über soziale Netzwerke, denn Kontakt zu realen Menschen in der realen Welt ist viel zu anstrengend und passt so gar nicht in die von Burnout und der gefühlten 60 Stunden Arbeitswoche geprägten Gesellschaft hinein. Wie gut, dass es für solche Fälle facebook, wkw und Co. gibt! Hier kann man die Stunden, die man eigentlich gar nicht hat, am Computer verbringen und mit Menschen chatten oder ihren Status kommentieren, die man entweder aus grauer Vorzeit (sprich: vor dem PC), nur sehr flüchtig oder überhaupt nicht kennt. Der Effekt: man fühlt sich diesen Menschen wesentlich verbundener, als würde man mit ihnen im wahren Leben reden. Warum? Weil man plötzlich geneigt ist, viel mehr von sich diesen Menschen preiszugeben als im wahren Leben. Sehr schnell redet man da von intimsten Details, weil man bei all der Tipperei denkt, man würde quasi mit sich selbst oder seinem persönlichen Therapeuten reden. Um so größer die Enttäuschung, wenn diese Menschen plötzlich all das gesammelte Wissen gegen einen verwenden. Immer wieder gibt es Fälle von Suizid durch soziale Netzwerke, aber das interessiert nur die Wenigsten. Mark Zuckerberg zum Beispiel am Wenigsten, der führt kurzerhand seinen neuen Clou, genannt "Timeline", ein, mit dem die Leute endgültig alles von sich preisgeben können, bis auf die Unterhose, die sie gerade an diesem Tag tragen. Aber keine Sorge: für dieses Problem wird es wohl auch bald eine Lösung geben.
Nun, das Jahr neigt sich dem Ende und auch ich frage mich, bei all der Schreiberei und allem anderen, was ich so erlebt habe: "Was habe ich dazugelernt?". Kleine, simple Weisheiten am Wegesrand, die ich aufgeschnappt habe; wie z. B. die Tatsache, dass die Rating-Agentur "Fitch" eigentlich eine Abkürzung für "Fucking Bitch" ist (Danke an Chin Meyer dafür! ;-)). Außerdem der endgültige Beschluss, dass soziale Netzwerke nutzlos, nutzloser und am Nutzlosesten sind. Und die Entdeckung, dass sich Veganer nicht nur von Rohkost ernähren (das MUSS an dieser Stelle auch mal erwähnt sein, denn die Erkenntnis, dass man ohne Fleisch fast besser leben kann als mit, glauben die Wenigsten... sie stimmt allerdings!). Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich nur ungern ändern (mir inklusive!), den Meisten aber eine Änderung auch mal gut tun würde (mir inklusive!). Deswegen habe ich meine Neujahresvorsätze bereits jetzt in die Tat umgesetzt, mich von Menschen und Lebensweisen, die mir potenziell schaden, getrennt und mehr Zufriedenheit in mein Leben gebracht.
Sonst noch was? Ach ja, ich habe gelernt, dass ich mit Menschen, die mit der CDU was zu tun haben bzw. hatten, einfach nicht kann, egal, wie oft sie mir erklären wollen, die CDU sei eine "soziale Partei". Vielleicht stimmen die Vorurteile doch: Menschen unterschiedlicher Konfessionen können selten gut miteinander, genauso verhält es sich mit der Politik und Parteienzugehörigkeiten (dabei gehöre ich nichtmal einer Partei an!). Aber sagen wir mal so: solange diese Menschen von der CDU keine Heuchler sind, könnte ich theoretisch mit ihnen. Ich bin nur noch keinem Vertreter dieser Partei begegnet, der sich nicht als solcher entpuppt hätte! Aber dazu dient wohl das neue Jahr: damit wir wieder was Neues dazulernen! Und vielleicht wird die CDU im nächsten Jahr nicht zur "Partei non grata des Jahres" bei mir.
Ob man seine Vorsätze im neuen Jahr halten kann? Das kann ich kaum beurteilen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert - und eins weiß ich: indem ich meine Vorsätze jetzt schon umgesetzt habe, bin ich den Neujahrsvorsätze-Umsetzer einen ganzen Monat voraus. So viel zur Psychologie der Zeit.
Egal, ich wünsche allen Lesern (auch wenn es wenige sind) einen guten Rutsch ins neue Jahr, eine gute Zeit für 2012, viele Gründe zur Freude, viele zum Lachen (hab ich auf einem Kalender gelesen, den Wunsch finde ich besonders nett und übernehme ich einfach mal!) und allgemein Zufriedenheit, Demut und neue Einsichten, die dann hoffentlich auch zu Änderungen führen. Für Veränderungen ist es schließlich nie zu spät, an keinem Tag des Jahres!
In diesem Sinne, einen guten Rutsch und bis zum nächsten Freitag an gleicher Stelle.
LG Gene :-)
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Freitag, 14. Oktober 2011
Hirnamputiert + Mundfaul : Schwanzgesteuert = Erfolgreich?!
Mitten im Herbst fängt man an, sie zu spüren, die Müdigkeit, weil langsam alles vom hitzigen Sommer zurückfährt in den kalten Winter, in dem die Welt (zumindest nördlich des Äquators) gemütlich wird: die Natur schläft weitestgehend und wir Menschen geben uns hemmungslos der Zeit der Feiertage und damit der Völlerei hin. Aber soweit sind wir noch längst nicht, wir befinden uns gerade in der Bremsphase, der relativ unangenehme Teil dieser Bewegung: wir spüren, der Sommer ist vorbei, ein paar Tage noch voll Sonnenschein, aber es ist teilweise erbarmungslos kalt. Ein wenig orientierungslos sind wir morgens, wenn wir in den Kleiderschrank greifen, denn man weiß nicht, ob die Temperaturen des Tages nochmals angenehm warm werden oder ob die Kälte uns endgültig in den Zangengriff nimmt. Aber es sind nicht nur die körperlichen Erscheinungen, die uns aufzeigen, dass wir uns im Herbst befinden. Es wirkt oft, als würde unser Kopf langsam aber sicher auch zum Stillstand kommen.... natürlich nicht vollends, aber der Wechsel von warm auf kalt macht uns in allen Punkten zu schaffen, die Kälte kriecht uns nicht nur unter die Haut, der Gefrierbrand erreicht dabei manch ein Hirn und legt es lahm.
So oder so ähnlich geht es aber auch so ganz ohne Jahreszeitenwechsel. Gefrierbrand im Hirn ist eigentlich ein Phänomen, das viele Menschen unserer Gesellschaft zu betreffen scheint. Selten waren wir so hemmungslos dumm und unselbstständig wie heute. Okay, die Feststellung ist nichts Neues, weder allgemein, noch in diesem Blog. Aber: man kann es einfach nicht oft genug sagen, weil die Erkenntnis so erschreckend ist! Und wer weiß, vielleicht wachen ein paar Menschen allein dadurch, dass man es erwähnt, aus diesem Zustand der Lethargie wieder auf.
Seit etwa zwei Wochen scheint es nun, als würden die Menschen tatsächlich aufwachen. Gut, Demonstrationen gab es in diesem Jahr reichlich, der "arabische Revolutionsfrühling", der für die Demokratie in einzelnen Staaten kämpfte, ist wohl ein gutes Beispiel. Die Zerstörungswut bei den Demonstrationen in London im Sommer gehören wohl dagegen zu den Negativbeispielen. Und die Demonstrationen in Griechenland, bei denen es darum geht, nicht von seinem finanziellen Egotrip runterzukommen? Wohl eher zu den absoluten Tiefpunkten. Aber: Demonstrationen sind gut, in jedem Fall! Und warum? Weil wir das Recht auf Demonstrationen haben - zugegebenermaßen nicht in jedem Land. Aber in verdammt vielen demokratischen Ländern ist es unser Recht, eigentlich sogar unsere Pflicht, unsere Meinung zu sagen. Schließlich (das haben die vergangenen Dekaden gezeigt!) nutzt es herzlich wenig, alle vier Jahre das Kreuzchen an der vermeintlich richtigen Stelle zu machen. Die Feststellung, dass Politiker nach der Wahl sowieso das machen, was sie wollen, ist nicht gerade neu. Und trotzdem ist es erstaunlich, wie maulfaul die Menschen waren; es wurden Beschlüsse hingenommen, Einzelne haben sich auf Kosten von Vielen bereichert und immer wurde in der Mehrheit der Bevölkerung geschwiegen.
Es ist nicht so, als hätte die Bevölkerung nicht regelmäßig gemeckert. Natürlich sagen wir unsere Meinung, zu jedem Thema und die Meisten stützen sich dabei auf die Schlagzeilenwucht der BILD-Zeitung. Ob das jetzt nun sonderlich aussagekräftig ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber immerhin, die Menschen haben eine Meinung (gebildet durch BILD). Nur wirklich was daraus gemacht haben die Leute nicht. Es wurde gemeckert, ein Tag, vielleicht zwei, dann gab es wieder wichtigere Dinge, über die man sich aufregen konnte. Ein wenig mehr Widerstand (außer in diesem Jahr) gab es wohl nur einmal in den vergangenen Jahren: bei der Reform des Arbeitslosengeldes. Damals (als die königliche Hohheit Hartz IV geboren wurde) gingen die Leute auf die Straße und das wöchentlich. Sie schworen sich, den Protest nicht niederzulegen, bis die Reform gestoppt und damit Hartz IV vor der Geburt abgetrieben wurde. Wie die Geschichte endete wissen wir alle: Hartz IV gibt es heute noch und die Demos verebbten etwa einen Monat nach Einführung.
Vielleicht waren die Demonstranten damals nicht willensstark genug, das Durchhaltevermögen hat gefehlt - oder es war einfach bequemer, seinen Hintern direkt auf der Couch zu lassen und im Schrottprogramm von RTL, Sat. 1 und Co. rumzuzappen. Die Gründe können vielfältig sein, wahrscheinlich ist aber einfach, dass sie es Leid wahren, wie Don Quichotte gegen Windmühlen anzukämpfen. Denn Politiker (wie wir wissen!) sind nicht mehr wirklich auf der Seite des Volkes, sobald sie gewählt sind. Sie sind nicht komplett gegen das Volk, aber sie sind auch nicht die Rächer und Gerechtigkeitsvertreter des "kleinen Mannes", sobald sie an der Macht sind. Denn es ist viel zu verführerisch, mit den großen Bossen aus sämtlichen Wirtschaftsbereichen zu kooperieren. Nicht nur verführerisch, es ist auch erschreckend einfach und viel gesünder für die Politiker - denn Widerstand gegen finanziell Übermächtige bedeutet der sichere Tod eines jeden Politikers. Und wer will schon vorzeitig aus dem Leben scheiden (und wenn's nur das politische ist)?
Wie ich schon in meinem Blogeintrag vor zwei Wochen "Politische Lügen und krumme Bananen" angedeutet habe, kann man den Politikern das Lügen nicht wirklich zum Vorwurf machen, immerhin lügen wir uns alle kräftig in die Tasche... und das täglich und ein Leben lang! Am Meisten lügen wir uns jedoch in die Tasche, wenn wir denken, dass unser Job erledigt ist, wenn wir Volksvertreter wählen, die dann irgendwie das Kind schaukeln werden. Wenn wir kein Interesse an unserer Gesellschaft haben, warum sollten Politiker dann Interesse daran zeigen? Weil sie damit ihr Geld verdienen? Oh Bitte! Wer zeigt denn schon wirklich Interesse an dem Job, durch den er sein Geld verdient? Wir sind in erster Linie von dem Gedanken getrieben, durch die Arbeit einen sicheren Lebensunterhalt zu erlangen, alles Andere folgt dann auf den Plätzen. Und gerade jetzt scheint es, dass der berühmte "Groschen" gefallen ist bei der Bevölkerung, gerade WEIL es um unser aller liebstes Kind, das Geld, geht.
"Occupy Wall Street" ist das Schlagwort der letzten zwei Wochen. Ausgerechnet die Amis, die in den letzten Jahren nichts mehr wirklich gebacken bekommen haben, sind auf dem Vormarsch. Die arme Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika steht auf und tritt der Bevölkerungsschicht der Reichen und Superreichen in deren schlaffe Hintern. Hohe Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeiten, Unsicherheiten in den Sozialversicherungen und eine gerade noch abgewendete Staatspleite, die beinahe das ganze Land lahmgelegt hätte, haben dann wohl doch gereicht, um den Gefrierbrand im Gehirn der Amerikaner zu vertreiben. Nach arabischen Vorbild demonstrieren die Bürger gegen das, was sie am Meisten stört. In den arabischen Staaten waren es Diktaturen, in den USA ist es dann doch wieder mal das schnöde Geld.
Und das zeigte erstaunlich schnell Wirkung - zumindest sprach es sich schnell rum. Wenn Tausende sich zusammentun, aufstehen und gegen einen Missstand protestieren, ist die ganze Welt Zeuge und stimmt einhellig zu: "Richtig so!". Aber man darf sich immer wieder fragen, wieso solche Entwicklungen immer erst so furchtbar spät stattfinden? Warum dauerte es in Ägypten, Libyen und Tunesien Jahrzehnte, bis die Menschen ein Ende der Dikaturen forderten? Und wieso stört es die Amerikaner, nach all den Jahrzehnten dekadenter Überflussgesellschaft, erst jetzt, wie reich und überaus arrogant die Oberschicht durch die Welt läuft?
Die U.S. of A. galten immer als DAS Traumland schlechthin, das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", in dem man "vom Tellerwäscher zum Millionär" werden kann. Soviel zur Theorie. Und in manchem Fall hat das sogar gestimmt. Aber bis auf die Ausnahmefälle war es das auch schon! Der Großteil der Bevölkerung kommt in den letzten Jahrzehnten immer schlechter über die Runden, Zweit- und Drittjobs sind keine Seltenheit in dem unbegrenzt unmöglichen Land. Von sicheren Sozialleistungen wie hier in Deutschland kann ein Amerikaner nur träumen - wenn er arbeitslos wird, landet er nach einem Jahr auf der Straße. Hartz IV auf Lebenszeit? Pustekuchen! Menschen werden in den USA nicht auf Lebenszeit künstlich am Leben gehalten - immerhin leben die im Kapitalismus. Und europäische Staaten? Die sind in den Augen der Superreichen der USA eh sozialistische (wenn nicht gar kommunistische) Weicheier. Liberalismus? Unnötig, nur der harte Dollar zählt! Doch die Menschen der USA (die "99%", die nicht zu den Superreichen gehören) haben kapiert, dass sie wohl nie zu der 1%-Elite gehören werden und sind es dann doch mal leid, immer zuzugucken, wenn es um die Verteilung des Kuchens geht, bei dem für sie nur Krümel übrig bleiben.
Trotz allem bleibe ich skeptisch - auch wenn jetzt nach den USA nun auch Deutschland nachziehen will (mit "Occupy Frankfurt"... wie originell!) frage ich mich, ob die Entwicklung, die in diesem Jahr geschieht, wirklich ausreicht. Lassen sich durch ein paar Aufstände und Demonstrationen verkrustete Strukturen, die jahrzehntelang akzeptiert wurden, aufbrechen und beseitigen? Kann man über die Demonstration ein neues System schaffen? Zur Zeit der Französischen Revolution (1789-1799) hieß es irgendwann einfach "Köpft die Reichen!" im Kampf gegen die Ungerechtigkeit zwischen den hungernden Armen und überprivilegierten Reichen. Richtig war diese Entwicklung - aber was hat sich seitdem geändert? Sind wir überhaupt noch in der Lage, Recht von Unrecht wirklich zu unterscheiden - oder kennen wir das Unrecht nur, wenn wir gerade knietief drinstecken?
Wenn man sich im eigenen Leben umsieht, sehen wir das, was die Anderen betrifft, nur sehr selten. Und Mitgefühl empfinden wir grundsätzlich nur für diejenigen, die uns nahestehen. Es wäre auch reichlich viel verlangt, für jeden Mitmenschen Mitgefühl zu empfinden, denn das würde uns emotional zu sehr auslaugen. Trotzdem sorgt unsere Sparsamkeit bei den Gefühlen dafür, dass wir emotional ähnlich verkrüppeln. In ständiger Angst, dass uns etwas passieren könnte, dass wir in Not geraten könnten, beruhigen wir uns tagtäglich, dass es Gott sei Dank die Anderen getroffen hat. Sei es mit Naturkatastrophen, Terroranschlägen, Hungerskatastrophen oder einfach finanzieller Pleite. Solange wir noch genug Geld auf unserem Konto haben, interessiert es uns herzlich wenig, wie es dem Nachbarn geht. Und selbst wenn wir in einer finanziellen Notlage sind, führt das in der heutigen Zeit statt für gegenseitiges Verständnis nur zu der Frage: "Wie komme ich möglichst schnell wieder aus der misslichen Lage heraus?". So ähnlich geht es zur Zeit in Griechenland zu, die bis zur Stirn im Schuldensumpf stecken. Nun wurde in dieser Woche in den 17 Mitgliedsstaaten der EU über die Erweiterung des Rettungsschirmes abgestimmt und eins der ärmsten Länder dieser Abstimmung, Slowenien, tat sich (mehr oder weniger) erstaunlich schwer mit der Entscheidung. Es ist klar, wenn man selbst in der Bevölkerung über weit weniger Geld verfügt wie die Bürger Griechenlands sieht man es nicht gerne, wenn man denen aus der Patsche helfen soll und selbst weiterhin in der Armut steckenbleibt.
In Umfragen auf der Straße dazu befragt sagten die Griechen zur Situation Sloweniens nur einhellig: "Interessiert mich nicht! Die Belange Griechenlands interessieren mich... was in anderen Ländern ab geht, kann mir relativ egal sein!" Bravo, Griechenland! Wenn wir doch nur alle so denken würden - dann wärt ihr längst pleite und wir hätten unsere Ruhe!
So einfach ist es leider nicht, auch wenn man gerne so handeln würde bei so viel Arroganz gepaart mit noch mehr Dummheit. Leider hängt von der Rettung oder endgültigen Pleite Griechenlands das Schicksal aller anderen EU-Staaten ab. Und mal ehrlich: würden wir Deutschen nicht genauso denken wie die Griechen, wenn wir in der gleichen Situation wären? Die Deutschen sind bekannt für ihre Gleichgültigkeit, sowohl untereinander als auch anderen Ländern gegenüber. Es geht um den bestmöglichen Vorteil. Das bewies unser aller "Angel"(a) Merkel diese Woche bei ihrer Reise in die Mongolei. Warum zur Hölle fährt die Frau in die Mongolei? Richtig - weil es dort wertvolle Rohstoffe gibt, die wichtig sind und die wir alle dringend brauchen... für unseren dritten Laptop oder unser siebtes Mobiltelefon. Denn die Mongolei ist im Besitz der Rohstoffe, die wir in Afrika schon fast ausgebeutet haben - und da diese nicht auf Bäumen wachsen, ist es doch praktisch, dass es noch andere Orte auf diesem Planeten gibt, wo man sich solche "Goodies" besorgen kann! Und der Endverbraucher (=wir)? Denken wir überhaupt noch nach, was passiert, damit wir all die Güter besitzen können, die wir besitzen? Haben wir überhaupt einen Plan, wie viele Opfer die Raffgiergesellschaft Deutschland (oder USA oder weiß der Kuckuck welcher Wohlstandsstaat) fordert?
Wenn man den Deutschen (oder dem westlichen Wohlstandsbürger) eins immer wieder vorwerfen kann, dann ist es die Gleichgültigkeit und das unkritische Verhalten dem eigenen Konsum gegenüber. Das heißt nicht, dass wir alle nie wieder konsumieren sollen (würde eh nicht klappen, in 5 Minuten wären wir wieder verführt, was zu kaufen!). Aber ein wenig mehr Selbstkritik wäre angebracht: es gibt in den letzten Wochen unzählige Diskussionen, allein über unser Verhalten, was Nahrungsmittel betrifft (hierauf gehe ich nächste Woche noch genauer ein), aber man darf bezweifeln, dass sich wirklich etwas ändern wird. Es landen immer wieder die gleichen Artikel im Einkaufswagen, keiner fragt nach, keiner hinterfragt die Herkunft, die Methoden der Beschaffung und Produktion oder wie es sein kann, dass Waren so kostengünstig angeboten werden, wie sie angeboten werden. Das einzige Wort, was dem Konsumenten noch im Kopf hängenbleibt, ist "kostengünstig". Eine Umfrage diese Woche hat ergeben, der Verbraucher interessiert sich in erster Linie für den Preis und dann erst eventuell dafür, was genau in dem Produkt steckt oder warum drinsteckt, was drinsteckt.
Man kann nicht sagen, ob es wirklich erfolgreich macht, wenn man immer schön nach dem Prinzip der drei Affen verfährt (nix sehen, nix hören, nix sagen). Aber es bringt einen doch verdammt weit, wenn man NICHT das Maul aufmacht - Menschen, die sich wehren und ihre Meinung vertreten, haben nur selten nachhaltigen Erfolg damit. Eine traurige Erkenntnis? Sie muss ja nicht stimmt, es liegt einfach nur an jedem Einzelnen in dieser Gesellschaft wie auf der ganzen Welt zu entscheiden, ob man es wirklich zulassen will, dass wir von geldgeilen Menschen fremdbestimmt werden. Denn die Industrien und das Finanzwesen (sprich: die Banken) tun nichts anderes. Hier gibt es kein Geschlecht, es ist nichtmal entscheidend, ob man in diesen Reihen einen Penis hat oder nicht (auch wenn verdammt viele dort einen Penis haben!), es geht nur um die Einigkeit, die Finanzwelt (und damit sich selbst und den eigenen Reichtum) zu vertreten. Geld hat die größte verbale Kraft? Wenn der Rest der Welt es zulässt schon. Schlussendlich ist Geld ein Zahlenwert, gedruckt auf hochwertigem Papier, mehr nicht. Die Macht beginnt bei jedem Individuum im Kopf. Und ob wir kritisch damit umgehen oder weiter nur zugucken, wie andere sämtliche Geschicke dieses Planeten steuern, ist uns überlassen.
Wie die Demonstranten der "Occupy Wall Street"-Bewegung sagen: "We are the 99%", also "Wir sind die 99%", der Rest, der nicht zu den Superreichen zählt. Die Superreichen, das eine Prozent, das allein über über ein Drittel des gesamten Vermögens der USA verfügt. Es bleibt mir nur die Hoffnung, dass diese (und weitere) bankenkritische Bewegungen nicht nur dazu dienen, sich selbst zu vertreten in der Hoffnung auf ein besseres finanzielles Leben für uns allein. Denn die Superreichen werden sich durch solche Protestaktionen dazu bewegt fühlen, den Hunden ein paar Knochen zuzuwerfen. Und meistens geben die kleinen Hunde (die 99%) brav Ruhe. Einen großen Nutzen hat das dann für das Gesamtbild kaum. Nur wenn es bei einem Protest auch darum geht, die Interessen aller, wirklich aller Menschen zu vertreten, wird sich nachhaltig etwas ändern lassen.
Doch hierzu und noch vieles mehr verweise ich auf den nächsten Artikel am nächsten Freitag. Ich danke allen Lesern für die Aufmerksamkeit und wünsche ein schönes Wochenende.
LG Gene :-)
So oder so ähnlich geht es aber auch so ganz ohne Jahreszeitenwechsel. Gefrierbrand im Hirn ist eigentlich ein Phänomen, das viele Menschen unserer Gesellschaft zu betreffen scheint. Selten waren wir so hemmungslos dumm und unselbstständig wie heute. Okay, die Feststellung ist nichts Neues, weder allgemein, noch in diesem Blog. Aber: man kann es einfach nicht oft genug sagen, weil die Erkenntnis so erschreckend ist! Und wer weiß, vielleicht wachen ein paar Menschen allein dadurch, dass man es erwähnt, aus diesem Zustand der Lethargie wieder auf.
Seit etwa zwei Wochen scheint es nun, als würden die Menschen tatsächlich aufwachen. Gut, Demonstrationen gab es in diesem Jahr reichlich, der "arabische Revolutionsfrühling", der für die Demokratie in einzelnen Staaten kämpfte, ist wohl ein gutes Beispiel. Die Zerstörungswut bei den Demonstrationen in London im Sommer gehören wohl dagegen zu den Negativbeispielen. Und die Demonstrationen in Griechenland, bei denen es darum geht, nicht von seinem finanziellen Egotrip runterzukommen? Wohl eher zu den absoluten Tiefpunkten. Aber: Demonstrationen sind gut, in jedem Fall! Und warum? Weil wir das Recht auf Demonstrationen haben - zugegebenermaßen nicht in jedem Land. Aber in verdammt vielen demokratischen Ländern ist es unser Recht, eigentlich sogar unsere Pflicht, unsere Meinung zu sagen. Schließlich (das haben die vergangenen Dekaden gezeigt!) nutzt es herzlich wenig, alle vier Jahre das Kreuzchen an der vermeintlich richtigen Stelle zu machen. Die Feststellung, dass Politiker nach der Wahl sowieso das machen, was sie wollen, ist nicht gerade neu. Und trotzdem ist es erstaunlich, wie maulfaul die Menschen waren; es wurden Beschlüsse hingenommen, Einzelne haben sich auf Kosten von Vielen bereichert und immer wurde in der Mehrheit der Bevölkerung geschwiegen.
Es ist nicht so, als hätte die Bevölkerung nicht regelmäßig gemeckert. Natürlich sagen wir unsere Meinung, zu jedem Thema und die Meisten stützen sich dabei auf die Schlagzeilenwucht der BILD-Zeitung. Ob das jetzt nun sonderlich aussagekräftig ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Aber immerhin, die Menschen haben eine Meinung (gebildet durch BILD). Nur wirklich was daraus gemacht haben die Leute nicht. Es wurde gemeckert, ein Tag, vielleicht zwei, dann gab es wieder wichtigere Dinge, über die man sich aufregen konnte. Ein wenig mehr Widerstand (außer in diesem Jahr) gab es wohl nur einmal in den vergangenen Jahren: bei der Reform des Arbeitslosengeldes. Damals (als die königliche Hohheit Hartz IV geboren wurde) gingen die Leute auf die Straße und das wöchentlich. Sie schworen sich, den Protest nicht niederzulegen, bis die Reform gestoppt und damit Hartz IV vor der Geburt abgetrieben wurde. Wie die Geschichte endete wissen wir alle: Hartz IV gibt es heute noch und die Demos verebbten etwa einen Monat nach Einführung.
Vielleicht waren die Demonstranten damals nicht willensstark genug, das Durchhaltevermögen hat gefehlt - oder es war einfach bequemer, seinen Hintern direkt auf der Couch zu lassen und im Schrottprogramm von RTL, Sat. 1 und Co. rumzuzappen. Die Gründe können vielfältig sein, wahrscheinlich ist aber einfach, dass sie es Leid wahren, wie Don Quichotte gegen Windmühlen anzukämpfen. Denn Politiker (wie wir wissen!) sind nicht mehr wirklich auf der Seite des Volkes, sobald sie gewählt sind. Sie sind nicht komplett gegen das Volk, aber sie sind auch nicht die Rächer und Gerechtigkeitsvertreter des "kleinen Mannes", sobald sie an der Macht sind. Denn es ist viel zu verführerisch, mit den großen Bossen aus sämtlichen Wirtschaftsbereichen zu kooperieren. Nicht nur verführerisch, es ist auch erschreckend einfach und viel gesünder für die Politiker - denn Widerstand gegen finanziell Übermächtige bedeutet der sichere Tod eines jeden Politikers. Und wer will schon vorzeitig aus dem Leben scheiden (und wenn's nur das politische ist)?
Wie ich schon in meinem Blogeintrag vor zwei Wochen "Politische Lügen und krumme Bananen" angedeutet habe, kann man den Politikern das Lügen nicht wirklich zum Vorwurf machen, immerhin lügen wir uns alle kräftig in die Tasche... und das täglich und ein Leben lang! Am Meisten lügen wir uns jedoch in die Tasche, wenn wir denken, dass unser Job erledigt ist, wenn wir Volksvertreter wählen, die dann irgendwie das Kind schaukeln werden. Wenn wir kein Interesse an unserer Gesellschaft haben, warum sollten Politiker dann Interesse daran zeigen? Weil sie damit ihr Geld verdienen? Oh Bitte! Wer zeigt denn schon wirklich Interesse an dem Job, durch den er sein Geld verdient? Wir sind in erster Linie von dem Gedanken getrieben, durch die Arbeit einen sicheren Lebensunterhalt zu erlangen, alles Andere folgt dann auf den Plätzen. Und gerade jetzt scheint es, dass der berühmte "Groschen" gefallen ist bei der Bevölkerung, gerade WEIL es um unser aller liebstes Kind, das Geld, geht.
"Occupy Wall Street" ist das Schlagwort der letzten zwei Wochen. Ausgerechnet die Amis, die in den letzten Jahren nichts mehr wirklich gebacken bekommen haben, sind auf dem Vormarsch. Die arme Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika steht auf und tritt der Bevölkerungsschicht der Reichen und Superreichen in deren schlaffe Hintern. Hohe Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeiten, Unsicherheiten in den Sozialversicherungen und eine gerade noch abgewendete Staatspleite, die beinahe das ganze Land lahmgelegt hätte, haben dann wohl doch gereicht, um den Gefrierbrand im Gehirn der Amerikaner zu vertreiben. Nach arabischen Vorbild demonstrieren die Bürger gegen das, was sie am Meisten stört. In den arabischen Staaten waren es Diktaturen, in den USA ist es dann doch wieder mal das schnöde Geld.
Und das zeigte erstaunlich schnell Wirkung - zumindest sprach es sich schnell rum. Wenn Tausende sich zusammentun, aufstehen und gegen einen Missstand protestieren, ist die ganze Welt Zeuge und stimmt einhellig zu: "Richtig so!". Aber man darf sich immer wieder fragen, wieso solche Entwicklungen immer erst so furchtbar spät stattfinden? Warum dauerte es in Ägypten, Libyen und Tunesien Jahrzehnte, bis die Menschen ein Ende der Dikaturen forderten? Und wieso stört es die Amerikaner, nach all den Jahrzehnten dekadenter Überflussgesellschaft, erst jetzt, wie reich und überaus arrogant die Oberschicht durch die Welt läuft?
Die U.S. of A. galten immer als DAS Traumland schlechthin, das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten", in dem man "vom Tellerwäscher zum Millionär" werden kann. Soviel zur Theorie. Und in manchem Fall hat das sogar gestimmt. Aber bis auf die Ausnahmefälle war es das auch schon! Der Großteil der Bevölkerung kommt in den letzten Jahrzehnten immer schlechter über die Runden, Zweit- und Drittjobs sind keine Seltenheit in dem unbegrenzt unmöglichen Land. Von sicheren Sozialleistungen wie hier in Deutschland kann ein Amerikaner nur träumen - wenn er arbeitslos wird, landet er nach einem Jahr auf der Straße. Hartz IV auf Lebenszeit? Pustekuchen! Menschen werden in den USA nicht auf Lebenszeit künstlich am Leben gehalten - immerhin leben die im Kapitalismus. Und europäische Staaten? Die sind in den Augen der Superreichen der USA eh sozialistische (wenn nicht gar kommunistische) Weicheier. Liberalismus? Unnötig, nur der harte Dollar zählt! Doch die Menschen der USA (die "99%", die nicht zu den Superreichen gehören) haben kapiert, dass sie wohl nie zu der 1%-Elite gehören werden und sind es dann doch mal leid, immer zuzugucken, wenn es um die Verteilung des Kuchens geht, bei dem für sie nur Krümel übrig bleiben.
Trotz allem bleibe ich skeptisch - auch wenn jetzt nach den USA nun auch Deutschland nachziehen will (mit "Occupy Frankfurt"... wie originell!) frage ich mich, ob die Entwicklung, die in diesem Jahr geschieht, wirklich ausreicht. Lassen sich durch ein paar Aufstände und Demonstrationen verkrustete Strukturen, die jahrzehntelang akzeptiert wurden, aufbrechen und beseitigen? Kann man über die Demonstration ein neues System schaffen? Zur Zeit der Französischen Revolution (1789-1799) hieß es irgendwann einfach "Köpft die Reichen!" im Kampf gegen die Ungerechtigkeit zwischen den hungernden Armen und überprivilegierten Reichen. Richtig war diese Entwicklung - aber was hat sich seitdem geändert? Sind wir überhaupt noch in der Lage, Recht von Unrecht wirklich zu unterscheiden - oder kennen wir das Unrecht nur, wenn wir gerade knietief drinstecken?
Wenn man sich im eigenen Leben umsieht, sehen wir das, was die Anderen betrifft, nur sehr selten. Und Mitgefühl empfinden wir grundsätzlich nur für diejenigen, die uns nahestehen. Es wäre auch reichlich viel verlangt, für jeden Mitmenschen Mitgefühl zu empfinden, denn das würde uns emotional zu sehr auslaugen. Trotzdem sorgt unsere Sparsamkeit bei den Gefühlen dafür, dass wir emotional ähnlich verkrüppeln. In ständiger Angst, dass uns etwas passieren könnte, dass wir in Not geraten könnten, beruhigen wir uns tagtäglich, dass es Gott sei Dank die Anderen getroffen hat. Sei es mit Naturkatastrophen, Terroranschlägen, Hungerskatastrophen oder einfach finanzieller Pleite. Solange wir noch genug Geld auf unserem Konto haben, interessiert es uns herzlich wenig, wie es dem Nachbarn geht. Und selbst wenn wir in einer finanziellen Notlage sind, führt das in der heutigen Zeit statt für gegenseitiges Verständnis nur zu der Frage: "Wie komme ich möglichst schnell wieder aus der misslichen Lage heraus?". So ähnlich geht es zur Zeit in Griechenland zu, die bis zur Stirn im Schuldensumpf stecken. Nun wurde in dieser Woche in den 17 Mitgliedsstaaten der EU über die Erweiterung des Rettungsschirmes abgestimmt und eins der ärmsten Länder dieser Abstimmung, Slowenien, tat sich (mehr oder weniger) erstaunlich schwer mit der Entscheidung. Es ist klar, wenn man selbst in der Bevölkerung über weit weniger Geld verfügt wie die Bürger Griechenlands sieht man es nicht gerne, wenn man denen aus der Patsche helfen soll und selbst weiterhin in der Armut steckenbleibt.
In Umfragen auf der Straße dazu befragt sagten die Griechen zur Situation Sloweniens nur einhellig: "Interessiert mich nicht! Die Belange Griechenlands interessieren mich... was in anderen Ländern ab geht, kann mir relativ egal sein!" Bravo, Griechenland! Wenn wir doch nur alle so denken würden - dann wärt ihr längst pleite und wir hätten unsere Ruhe!
So einfach ist es leider nicht, auch wenn man gerne so handeln würde bei so viel Arroganz gepaart mit noch mehr Dummheit. Leider hängt von der Rettung oder endgültigen Pleite Griechenlands das Schicksal aller anderen EU-Staaten ab. Und mal ehrlich: würden wir Deutschen nicht genauso denken wie die Griechen, wenn wir in der gleichen Situation wären? Die Deutschen sind bekannt für ihre Gleichgültigkeit, sowohl untereinander als auch anderen Ländern gegenüber. Es geht um den bestmöglichen Vorteil. Das bewies unser aller "Angel"(a) Merkel diese Woche bei ihrer Reise in die Mongolei. Warum zur Hölle fährt die Frau in die Mongolei? Richtig - weil es dort wertvolle Rohstoffe gibt, die wichtig sind und die wir alle dringend brauchen... für unseren dritten Laptop oder unser siebtes Mobiltelefon. Denn die Mongolei ist im Besitz der Rohstoffe, die wir in Afrika schon fast ausgebeutet haben - und da diese nicht auf Bäumen wachsen, ist es doch praktisch, dass es noch andere Orte auf diesem Planeten gibt, wo man sich solche "Goodies" besorgen kann! Und der Endverbraucher (=wir)? Denken wir überhaupt noch nach, was passiert, damit wir all die Güter besitzen können, die wir besitzen? Haben wir überhaupt einen Plan, wie viele Opfer die Raffgiergesellschaft Deutschland (oder USA oder weiß der Kuckuck welcher Wohlstandsstaat) fordert?
Wenn man den Deutschen (oder dem westlichen Wohlstandsbürger) eins immer wieder vorwerfen kann, dann ist es die Gleichgültigkeit und das unkritische Verhalten dem eigenen Konsum gegenüber. Das heißt nicht, dass wir alle nie wieder konsumieren sollen (würde eh nicht klappen, in 5 Minuten wären wir wieder verführt, was zu kaufen!). Aber ein wenig mehr Selbstkritik wäre angebracht: es gibt in den letzten Wochen unzählige Diskussionen, allein über unser Verhalten, was Nahrungsmittel betrifft (hierauf gehe ich nächste Woche noch genauer ein), aber man darf bezweifeln, dass sich wirklich etwas ändern wird. Es landen immer wieder die gleichen Artikel im Einkaufswagen, keiner fragt nach, keiner hinterfragt die Herkunft, die Methoden der Beschaffung und Produktion oder wie es sein kann, dass Waren so kostengünstig angeboten werden, wie sie angeboten werden. Das einzige Wort, was dem Konsumenten noch im Kopf hängenbleibt, ist "kostengünstig". Eine Umfrage diese Woche hat ergeben, der Verbraucher interessiert sich in erster Linie für den Preis und dann erst eventuell dafür, was genau in dem Produkt steckt oder warum drinsteckt, was drinsteckt.
Man kann nicht sagen, ob es wirklich erfolgreich macht, wenn man immer schön nach dem Prinzip der drei Affen verfährt (nix sehen, nix hören, nix sagen). Aber es bringt einen doch verdammt weit, wenn man NICHT das Maul aufmacht - Menschen, die sich wehren und ihre Meinung vertreten, haben nur selten nachhaltigen Erfolg damit. Eine traurige Erkenntnis? Sie muss ja nicht stimmt, es liegt einfach nur an jedem Einzelnen in dieser Gesellschaft wie auf der ganzen Welt zu entscheiden, ob man es wirklich zulassen will, dass wir von geldgeilen Menschen fremdbestimmt werden. Denn die Industrien und das Finanzwesen (sprich: die Banken) tun nichts anderes. Hier gibt es kein Geschlecht, es ist nichtmal entscheidend, ob man in diesen Reihen einen Penis hat oder nicht (auch wenn verdammt viele dort einen Penis haben!), es geht nur um die Einigkeit, die Finanzwelt (und damit sich selbst und den eigenen Reichtum) zu vertreten. Geld hat die größte verbale Kraft? Wenn der Rest der Welt es zulässt schon. Schlussendlich ist Geld ein Zahlenwert, gedruckt auf hochwertigem Papier, mehr nicht. Die Macht beginnt bei jedem Individuum im Kopf. Und ob wir kritisch damit umgehen oder weiter nur zugucken, wie andere sämtliche Geschicke dieses Planeten steuern, ist uns überlassen.
Wie die Demonstranten der "Occupy Wall Street"-Bewegung sagen: "We are the 99%", also "Wir sind die 99%", der Rest, der nicht zu den Superreichen zählt. Die Superreichen, das eine Prozent, das allein über über ein Drittel des gesamten Vermögens der USA verfügt. Es bleibt mir nur die Hoffnung, dass diese (und weitere) bankenkritische Bewegungen nicht nur dazu dienen, sich selbst zu vertreten in der Hoffnung auf ein besseres finanzielles Leben für uns allein. Denn die Superreichen werden sich durch solche Protestaktionen dazu bewegt fühlen, den Hunden ein paar Knochen zuzuwerfen. Und meistens geben die kleinen Hunde (die 99%) brav Ruhe. Einen großen Nutzen hat das dann für das Gesamtbild kaum. Nur wenn es bei einem Protest auch darum geht, die Interessen aller, wirklich aller Menschen zu vertreten, wird sich nachhaltig etwas ändern lassen.
Doch hierzu und noch vieles mehr verweise ich auf den nächsten Artikel am nächsten Freitag. Ich danke allen Lesern für die Aufmerksamkeit und wünsche ein schönes Wochenende.
LG Gene :-)
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