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Freitag, 30. Dezember 2011

Kuss, Schuss, Schluss und wech - 2011 verabschiedet sich!

Wie ich schon in der letzten Woche sagte: "Es ist viel passiert 2011!". Eigentlich ist zuviel passiert, wenn man sich all die Katastrophen und menschlichen Tragödien des Jahres anguckt. Nun, in anderthalb Tagen, ist alles vorbei. Zumindest in unseren Köpfen, denn seien wir ehrlich: die Umstellung auf ein neues Jahr zeigt keine revolutionären Neuerungen auf, die Zeitrechnung dient nur zur allgemeinen Orientierung. Und wenn ich jetzt jedem, der das hier lesen mag, erzählen würde, dass Zeit ohnehin relativ ist und alles Geschehen in einem gleichzeitigen Rhythmus abläuft, würden die Leser mich vielleicht für verrückt erklären. Also, bin ich mal wirklich verrückt und lasse mich ein auf die allgemein beim Menschen gültige Zeitrechnung und dem Ende des Jahres 2011 n. Chr.

Fragen stellen sich immer wieder, wenn man einen Schlussstrich unter das Jahr 2011 zieht. "Haben wir etwas dazugelernt?" wird in diesem Zusammenhang wohl die wichtigste Frage sein. Immerhin streben wir ein "neues Jahr" an, das alles verändern wird. Vermeintlich. Die ständige Hoffnung, dass sich alles ändern wird, führt die Menschen in eine allgemeine Euphorie, es gibt uns allen anscheinend Auftrieb, dass etwas Neues beginnt (und wenn es nur ein "neues Jahr" ist). Es werden Vorsätze geschmiedet für das neue Jahr, man nimmt sich Dinge vor, die man eigentlich theoretisch immer machen wollte, für die man aber einfach nie die Motivation hatte. Mit dem Rauchen am 27. Juli aufhören? Was ein Quatsch! Man hört am 1. Januar auf, weil das so viel besser klappt. Dass dem nicht so ist, lassen wir mal außen vor, wir möchten doch keine Illusionen zerstören. Es klingt einfach episch, am Jahresende kurz vor Mitternacht die letzte Zigarette zu rauchen und dann am 1. Januar mit einem Kater von zuviel Alkohol UND Nikotinentzug zu kämpfen. Wenn der Mensch zum Kämpfer wird, dann anscheinend richtig und mit solch einer starken Übertreibung, dass er scheitern muss. Denn machen wir uns nichts vor: wären wir im Alten Rom, wir würden auch nicht unbedingt untrainiert einem Profigladiator gegenübertreten - es sei denn, wir seien mal kurz so richtig lebensmüde. Der Punkt ist: Dinge, die man sich vornimmt, müssen gut vorbereitet sein. Wenn einem im Leben etwas nicht passt, dann wird es nach reichlicher Überlegung geändert.
Nun könnten Befürworter der Neujahrsvorsätze argumentieren, ihre Vorsätze lägen doch schon lange in der Schublade des Hinterkopfs und hätten dort schon so lange gelegen, dass es sich doch jetzt lohnen würde, diese Vorsätze endlich in die Tat umzusetzen. Dieser Einwand ist nicht falsch, aber warum klappt die Umsetzung der Vorsätze trotzdem nicht? Wahrscheinlich, weil die Vorsätze lange Zeit im Hinterkopf vor sich hingeschimmelt sind, aber darüber nachgedacht wurde nicht. Es wurde nicht richtig geplant, die meisten Vorsätze sind nicht einmal ernstzunehmen. Mehr Sport im neuen Jahr? Spätestens bei der ersten Laufrunde im Januar bei eisigen Temperaturen ist der Vorsatz über Bord geworfen. Mit dem Rauchen ist es ähnlich und den Vorsatz, weniger Alkohol zu trinken, hat keiner mehr, weil er in einer alkoholgesteuerten Gesellschaft eh nicht umzusetzen ist.

Zurück zur Frage: Was haben wir 2011 dazugelernt? Diese Frage müsste zu einer Flut von positiven Antworten führen, die uns auf die Schulter klopfen und sagen: "Weiter so, hast du gut gemacht!". Und wahrlich, wir haben doch viel gelernt, oder? Zum Beispiel haben wir spätestens im Sommer gelernt, dass in Ostafrika die Kinder immer noch an Hunger sterben, dass der jahrzehntelange Krieg in Somalia immer noch anhält. Eine Tatsache, die die Nachrichten in ihrer Selbstverliebtheit so lange vergessen hat, dass wir alle glaubten, es sei alles soweit in Butter in diesem trostlosen Fleck Erde. Und ja, dieses Land ist trostlos: eine Wüstenlandschaft durch Rodungen der Wälder, eine radikal-muslimische Miliz, die alle "Nichtgläubigen" vertreibt, wenn sie sie nicht gerade tötet oder verstümmelt. Millionen Menschen, die vor dem Tod durch die Waffe oder dem Hunger nach Kenia fliehen und dort tagelang auf Essensrationen warten (vorausgesetzt, sie halten vor Erschöpfung überhaupt noch so lange durch). Die Solidarität der Menschen im Westen hielt sich in Grenzen, schließlich ist diese Hungersnot, die 12 Millionen Menschen betrifft, eine schleichende Katastrophe, ganz ohne Fluten, Atomkatastrophen oder Erdbeben. Es geht "nur" um einen Krieg, "nur" um einen Konflikt des Glaubens und überhaupt "nur" um Afrika.
Aber (um mal einen positiven Aspekt in die Sache zu bringen) es gab auch viele Menschen, die sich durch diese Katastrophe zum Spenden animiert gefühlt haben. Und das (man beachte die Feinheit!) im Sommer, nicht zur Vorweihnachtszeit! Das Problem ist nur, die Nachricht über die Hungerkatastrophe ist aus den Nachrichten verschwunden, die Problematik existiert aber weiterhin. Nur, weil ein Zustand von "tödlich katastrophal" auf "katastrophal" heruntergesetzt wird, ist das noch lange kein "guter" Zustand. Die Flüchtlinge aus Somalia leben teilweise seit 20 Jahren (!) in Flüchtlingslagern wie dem in Dadaab, inzwischen ist sogar die Rede von getarnten muslimischen Milizkämpfern, die sich in die Flüchtlingslager einschleichen, um dort Essen abzugrasen (ein Krieger will schließlich auch bei Kräften gehalten werden!). Die Problematik in Somalia, allgemein am Horn von Afrika, ist weit tiefgreifender als eine einmalige, mehr oder weniger großzügige Spende. Die Politik im Ausland versagt, wenn es um solche Katastrophen geht; solange es nicht um wirtschaftliche Interessen geht, ist jeglicher Handlungsbedarf nicht gerechtfertigt. Und auch Angela Merkel, die dieses Jahr Afrika besuchte, um "wirtschaftliche Interessen" zu vertreten und im Wesentlichen unter anderen Qualitätswaffen aus Germany an den Afrikaner zu bringen, hat nicht wirklich Interesse am Beenden der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Es gab eine einmalige humanitäre Hilfe, um den Rest müssen sich die Menschen dort wohl selbst kümmern. Aber (vielleicht kennen die vollgefressenen Industriemenschen das ja auch aus irgendwelchen Situationen im Leben): wo nix ist, kann auch nix hinkommen! Es ist wie im Sparwesen: wenn man ein Konto eröffnet und der Kontostand konstant bei Null Euro und Null Cent steht, kann auch nix dazukommen.

Aber es gab ja nicht nur Hungerkatastrophen in Afrika, eine ganz neue Bewegung tat sich zum Herbst hin auf: die Herbstrevolution in den Industriestaaten. Angefangen hatte alles mit dem "arabischen Frühling", bei der der westliche Zuschauer, der die Nachrichten sah, plötzlich dachte: "Hoppla! Die Leute dort können sich ja doch gegen diktatorische Regimes wehren!". Wie die Dominosteine fielen in der Folge Tunesien, Ägypten und (nach einem langen Hin und Her und Interventionen von Frankreich, den USA und Großbritannien) auch das Machtregime von Muhammar al Gaddafi in Libyen. Damit gab es ab dem Frühjahr in diesem Jahr nicht nur an dieser Stelle jeden Freitag einen neuen Blogeintrag, sondern in vielen arabischen Ländern Großdemonstrationen, in denen die Mensche für ihr Recht auf Freiheit und Demokratie kämpften. Was ist draus geworden bis zum Jahresende? Nun, Ägypten's ehemaligem Machthaber Mubarak wird der Prozess gemacht, Gaddafi wurde im Bürgerkrieg in Libyen doch irgendwann gefunden und öffentlich (inklusive einiger Mobiltelefone mit Videofunktion, die Zeuge waren) hingerichtet und es gibt/gab Neuwahlen in Ägypten und Tunesien. Gewinner dort wie dort: die muslimische Partei.
Ob das jetzt wirklich ein Sieg für diese Völker sein wird, muss die Zukunft zeigen (wofür sonst haben wir in anderthalb Tagen ein neues Jahr?). Mit der Zeit wird sich herausstellen, wie ergiebig der Protest in diesen Ländern war und auch, ob es den Menschen in Syrien gelingen wird, "Hitler 2.0", besser bekannt als Machtinhaber Assad, loszuwerden. Er hält sich hartnäckig, genauso hartnäckig wie der "Gartenzwerg Irans", Mahmud Ahmadinedschad und noch mehr haben beide gemeinsam, dass sie nicht müde werden, Opportunisten zu töten und dem Westen gleichzeitig zu drohen. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum der Westen sich so furchtbar ungerne einmischt. Zwar gäbe es in diesen Ländern (im Gegensatz zu ostafrikanischen Staaten) viel Erdöl zu holen (was wirtschaftlich am Interessantesten ist für die westliche Welt), aber das Risiko, selbst ins Visier von Terror und damit Anschlägen zu geraten, ist dann doch ein wenig hoch.
Überhaupt hatten die westlichen Regierungen ab Sommer selbst allerhand zu tun: sämtliche Währungen brachen in sich anscheinend aus heiterem Himmel zusammen. Zumindest schien es so, als befänden wir uns inmitten einer Inflation; dem war zwar nicht der Fall, aber solange es Rating-Agenturen gibt, die so tun, als wären mit einem Schlag Staaten nichts mehr wert, dürfen Regierungen und Wirtschaft weiterhin zittern. Eine Frage wurde dieses Jahr durch Rating-Ageturen gewiss aufgeworfen: wieviel Macht steht (in wirtschaftlichen Fragen) der freien Wirtschaft (sprich: den Investoren) zu im Gegensatz zur Macht des Staates? Dürfen Investoren bzw. ihre Vertreter (= Rating-Agenturen) über das Schicksal ganzer Staaten und damit von Millionen Menschen entscheiden oder gehen sie damit schlichtweg zu weit?
Moralisch möchten Millionen Menschen sagen, sie gehen entschieden zu weit. Und genau aus diesem Grund wurde schnell aus dem "arabischen Frühling" der "Revolutionsherbst" im Westen der Welt. Dabei fing alles so harmlos an, in den USA, die plötzlich ein "Gewissen" bekamen. Die USA, das Vorzeigefohlen des Kapitalismus, das den Sozialismus in Europa als "Schwachstelle" abtat und den Europäern gleichzeitig gerne flächendeckenden Kommunismus vorwarf. Dieses Land ging plötzlich auf die Straße und demonstrierte gegen die 1% der Superreichen im Staat, die über den Großteil des Kapitals im Land verfügen und zulassen, dass der Rest gerade auf oder schon weit unter dem Existenzminimum vor sich hin vegitieren darf. Besonders schockierend die Entwicklung in New York, dem "Big Apple", der Stadt schlechthin, wenn es um Kapitalismus und Reichtum um jeden Preis geht, die Stadt, die alles, was mit viel Geld zu tun hat, zelebriert wie keine andere. Dort gingen die Menschen (die sich selbst die "99%" nennen) auf die Straße, direkt im Börsenviertel, der "Wall Street", und demonstrieren für mehr Fairness auf der Welt. Die Menschen wollen Jobs, sichere Jobs und damit genug Geld, um selbst überleben zu können. Ein Skandal für die 1% Superreichen, die sich plötzlich in ihrem Reichtum bedroht fühlten. Und die Politik? Die spielt natürlich wieder einmal brav den Reichen in die Hände, Demonstranten werden (ähnlich wie in arabischen Diktaturen) mit Knüppeln und Pfeffersprach in die Knie gezwungen, verhaftet und sämtlicher Versammlungsrechte mehr oder weniger beraubt. Ihnen ist plötzlich die Demonstration im Zucotti Park direkt bei der Wall Street nicht mehr erlaubt ist, doch wirklich in aufgeben wollen die Demonstranten nicht.
Schlimmer noch: plötzlich wird überall demonstriert, auch bei der "Frankfurter Börse" und in Berlin. Die Demonstrationen der Deutschen waren allerdings nur ein kleines Strohfeuer, der Deutsche ist nunmal nicht sonderlich stark, wenn es um das Durchhalten geht. Dort haben selbst die US-Amerikaner (denen man in den Vorjahren zugegebenermaßen in diesem Sinne nicht viel zugetraut hat) mehr Stärke bewiesen; Deutschland war zwar gut darin, sich die USA wieder einmal als Vorbild zu nehmen, aber an der Umsetzung hat es schlussendlich doch gemangelt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es uns Deutschen im Gegensatz zu den Amerikanern noch viel zu gut geht; ein zu stabiles Sozialsystem, durch das selbst Arbeitslose und Obdachlose nicht hungern müssen, sorgt im gleichen Moment für Trägheit bei den Menschen. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er demonstriert noch viel weniger gern. Also heißt es auch hier: wir haben nicht viel dazugelernt im Jahr 2011... nun, vielleicht wird das beim nächsten Mal (sprich: bis Ende 2012) was!

Was gibt es noch, was wir nicht gelernt haben in diesem Jahr? Ich gebe zu, ich bemühe mich gar nicht mehr, das bald vergangene Jahr noch positiv darzustellen. Es gibt zwar viele Dinge, die passiert sind, viele Einsichten, die geschehen sind in vielen Köpfen.... doch für eine flächendeckende Revolution scheint es nie auszureichen. Bester Anhaltspunkt: die Umweltpolitik. Der zuletzt grandios gescheiterte Umweltgipfel in Durban hat gezeigt, dass den Menschen die Umwelt doch ziemlich egal ist. Vielleicht nicht jedem Normalbürger (aber dort auch noch erschreckend vielen!), zumindest aber der gesamten Industrie, die den größten Ausstoß von CO2 verursachen. Allerdings... wenn CO2 wirklich unser einziges Umweltproblem wäre, ginge es uns verdammt gut! Massenhaft Verschwendung von Rohstoffen, das Abholzen der letzten Wälder auf diesem Planeten, die Verschmutzung der Weltmeere ohne Unterlass, dazu die Artenvielfalt, die täglich um 150 Arten dezimiert wird - man fragt sich, ob Mülltrennung oder die Sparsamkeit im eigenen Haushalt wirklich noch hilft, die Menschheit zu retten. Aber Halt! Stopp! Das heißt jetzt nicht, dass wir alle mit unserer eigenen Verschwendung noch hemmungsloser als ohnehin um uns werfen im Wissen, dass der Planet nicht mehr zu retten ist. Wo ist eigentlich die Einsicht, dass der kleine Beitrag von jedem Einzelnen einen großen Fortschritt bringt, hin? Wir lernen jeden Tag immer mehr und immer schneller dazu, aber ausgerechnet dieser Punkt geht uns nicht in den Schädel. Warum? Weil er nicht zum kapitalistischen Weltbild passt, dem wir uns so gerne hingeben? Nein, kein Kommunismus an dieser Stelle, aber ein wenig mehr Vernunft wäre angebracht. Experten schlagen seit Jahren Alarm, was den CO2 Ausstoß ALLER Nationen betrifft (nix mit "Die Chinesen/Inder/Brasilianer sind Schuld!") und trotzdem ändert sich am Verhalten der einzelnen Bürger sehr wenig. Jeder Weg zum Bäcker wird mit dem Auto erledigt, es muss mindestens zweimal pro Jahr ein Urlaub her (das bevorzugt per Flugzeug!) und im Verschwenden von Lebensmitteln sind wir (in Zeiten, wo 1 Milliarde Menschen weltweit unter Hunger leiden) eh Spitze!
Verzicht ist schmerzhaft, Verzicht bedeutet heutzutage, ein Verlierer zu sein... und deswegen verzichtet auch kein Mensch mehr. Wir brauchen alles - und das vorgestern! Vom besten Auto zum modernsten Tablet-PC, es muss alles da sein. Konnten wir vorher ohne leben? Ja sicher! Allerdings laut Apple-Werbung kommt gleich die Frage hinterher: Wie? Und dementsprechend benehmen sich die Konsumenten: es gibt keinen Grund, warum man ohne iPhone oder iPad weiterleben sollte, wenn das Leben mit doch "so viel schöner" ist. Wahrscheinlich war genau aus diesem Suchtkrüppel-Verhalten der Menschheit die Trauer auch so groß, als Steve Jobs dieses Jahr nach langer Krebserkrankung starb. Seitdem ist nur noch die Rede vom "Messias, der die Welt veränderte". Jesus wurde also tatsächlich reinkarniert - und zu Lebzeiten zum Messias gemacht! Schöne neue Kapitalismuswelt!

Scherz beiseite: was haben wir gelernt? Außer, dass wir alles brauchen und nix mehr hergeben wollen, dass Revolutionen nichts bringen, weil wir kein Durchhaltevermögen haben und wir uns am Ende des Tages nur für uns selbst interessieren? Wahrscheinlich wiedermal das Übliche: dass wir (heute mehr denn je) soziale Kontakte brauchen. Diese aber bitte bevorzugt über soziale Netzwerke, denn Kontakt zu realen Menschen in der realen Welt ist viel zu anstrengend und passt so gar nicht in die von Burnout und der gefühlten 60 Stunden Arbeitswoche geprägten Gesellschaft hinein. Wie gut, dass es für solche Fälle facebook, wkw und Co. gibt! Hier kann man die Stunden, die man eigentlich gar nicht hat, am Computer verbringen und mit Menschen chatten oder ihren Status kommentieren, die man entweder aus grauer Vorzeit (sprich: vor dem PC), nur sehr flüchtig oder überhaupt nicht kennt. Der Effekt: man fühlt sich diesen Menschen wesentlich verbundener, als würde man mit ihnen im wahren Leben reden. Warum? Weil man plötzlich geneigt ist, viel mehr von sich diesen Menschen preiszugeben als im wahren Leben. Sehr schnell redet man da von intimsten Details, weil man bei all der Tipperei denkt, man würde quasi mit sich selbst oder seinem persönlichen Therapeuten reden. Um so größer die Enttäuschung, wenn diese Menschen plötzlich all das gesammelte Wissen gegen einen verwenden. Immer wieder gibt es Fälle von Suizid durch soziale Netzwerke, aber das interessiert nur die Wenigsten. Mark Zuckerberg zum Beispiel am Wenigsten, der führt kurzerhand seinen neuen Clou, genannt "Timeline", ein, mit dem die Leute endgültig alles von sich preisgeben können, bis auf die Unterhose, die sie gerade an diesem Tag tragen. Aber keine Sorge: für dieses Problem wird es wohl auch bald eine Lösung geben.

Nun, das Jahr neigt sich dem Ende und auch ich frage mich, bei all der Schreiberei und allem anderen, was ich so erlebt habe: "Was habe ich dazugelernt?". Kleine, simple Weisheiten am Wegesrand, die ich aufgeschnappt habe; wie z. B. die Tatsache, dass die Rating-Agentur "Fitch" eigentlich eine Abkürzung für "Fucking Bitch" ist (Danke an Chin Meyer dafür! ;-)). Außerdem der endgültige Beschluss, dass soziale Netzwerke nutzlos, nutzloser und am Nutzlosesten sind. Und die Entdeckung, dass sich Veganer nicht nur von Rohkost ernähren (das MUSS an dieser Stelle auch mal erwähnt sein, denn die Erkenntnis, dass man ohne Fleisch fast besser leben kann als mit, glauben die Wenigsten... sie stimmt allerdings!). Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich nur ungern ändern (mir inklusive!), den Meisten aber eine Änderung auch mal gut tun würde (mir inklusive!). Deswegen habe ich meine Neujahresvorsätze bereits jetzt in die Tat umgesetzt, mich von Menschen und Lebensweisen, die mir potenziell schaden, getrennt und mehr Zufriedenheit in mein Leben gebracht.
Sonst noch was? Ach ja, ich habe gelernt, dass ich mit Menschen, die mit der CDU was zu tun haben bzw. hatten, einfach nicht kann, egal, wie oft sie mir erklären wollen, die CDU sei eine "soziale Partei". Vielleicht stimmen die Vorurteile doch: Menschen unterschiedlicher Konfessionen können selten gut miteinander, genauso verhält es sich mit der Politik und Parteienzugehörigkeiten (dabei gehöre ich nichtmal einer Partei an!). Aber sagen wir mal so: solange diese Menschen von der CDU keine Heuchler sind, könnte ich theoretisch mit ihnen. Ich bin nur noch keinem Vertreter dieser Partei begegnet, der sich nicht als solcher entpuppt hätte! Aber dazu dient wohl das neue Jahr: damit wir wieder was Neues dazulernen! Und vielleicht wird die CDU im nächsten Jahr nicht zur "Partei non grata des Jahres" bei mir.

Ob man seine Vorsätze im neuen Jahr halten kann? Das kann ich kaum beurteilen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert - und eins weiß ich: indem ich meine Vorsätze jetzt schon umgesetzt habe, bin ich den Neujahrsvorsätze-Umsetzer einen ganzen Monat voraus. So viel zur Psychologie der Zeit.
Egal, ich wünsche allen Lesern (auch wenn es wenige sind) einen guten Rutsch ins neue Jahr, eine gute Zeit für 2012, viele Gründe zur Freude, viele zum Lachen (hab ich auf einem Kalender gelesen, den Wunsch finde ich besonders nett und übernehme ich einfach mal!) und allgemein Zufriedenheit, Demut und neue Einsichten, die dann hoffentlich auch zu Änderungen führen. Für Veränderungen ist es schließlich nie zu spät, an keinem Tag des Jahres!

In diesem Sinne, einen guten Rutsch und bis zum nächsten Freitag an gleicher Stelle.

LG Gene :-)

Freitag, 9. Dezember 2011

Wie Clint Eastwood die Welt rettet - Punkt 4: Krisenmanagement

Krisen - es gibt sie wohl schon seit Menschengedenken, wahrscheinlich wird eine der ersten Krisen darin bestanden haben, dass die Steinzeitmenschen nicht wussten, wie sie sich vor jeglichem Wechsel des Wetters schützen sollen. Der Zustand der Krise hat sich immer mal wieder individuell oder flächendeckend in unser Leben geschlichen, alljährlich auch kurz vor Weihnachten. Selten sind die Menschen verzweifelter als zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich überlegen müssen, was sie ihren Liebsten schenken müssen. Es sind zwar noch gut zwei Wochen bis zum Fest, aber für die Panik, nicht mehr das Richtige für die Richtigen zu bekommen, ist es nie zu früh! Gerade in diesen Zeiten dürfte es dem Normalbürger nicht schwerfallen zu verstehen, was es bedeutet, in einer Krise zu stecken; und damit müsste auch das Verständnis für die Politiker europa- bzw. weltweit auf einem ganz hohen Level sein, wenn man sich anguckt, was diese in Krisenzeiten so alles stemmen sollen: die Welt soll vor allem gerettet werden, vor Finanz- wie Klimakatastrophen. Die Politik wird immer mehr zu dem Leim, der das wacklige Konstrukt unserer Gesellschaft zusammenhalten soll. Es gibt 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten und ein paar Tausend Politiker sollen das regeln, wofür eigentlich jeder einzelne von uns zuständig wäre - kann so etwas überhaupt funktionieren? Warum sollte nicht gleich ein Mann ganz allein das Kindchen schaukeln?

Nun, ich bin schon mehrfach für meinen Vorschlag, Clint Eastwood diese Welt (oder speziell Deutschland) retten zu lassen, kritisiert worden - was hat Clint Eastwood bitte mit Politik zu tun? Für alle Unwissenden: Clint Eastwood war bereits Politiker, zwar nur als Bürgermeister tätig, aber diesen Job hat er weitaus besser gemacht als Adolf Sauerland in Duisburg. Zugegeben, die Latte, die Herr Sauerland hingelegt hat, ist nicht sonderlich hoch und die Unverschämtheit, nach der Katastrophe bei der letzten Love Parade 2010 nicht zurückzutreten und auf dem Chefsessel kleben zu bleiben, ist derart unglaublich, dass man im Schockzustand nicht einmal mehr den Kopf darüber schütteln kann. Es gibt eben Menschen, die unverschämter sind als andere; meist sind das Menschen, die für die Politik so gar nicht geeignet sind. Wenn man das allerdings hochrechnet, sind rund 75% aller Politiker für ihre Jobs ungeeignet. Aber ob Clint Eastwood dazugehört, wage ich stark zu bezweifeln. Wenngleich er als Repräsentant der Republikanischen Partei Bürgermeister war und es meiner Meinung nach schon ein Kapitalverbrechen ist, diese Partei überhaupt zu sympathisieren. Im Ende kommt es immer darauf an (wie bei allen Dingen im Leben), was unterm Strich dabei herauskommt. Und an dieser Stelle hat Eastwood in seiner knapp zweijährigen Politikerkarriere seinen Job nicht schlecht gemacht. Aber genug der Erklärungen und der Schleichwerbung für Herrn Eastwood, es gibt Krisen von einem zum anderen Ende des Raumes zu schieben!

Diese Woche fand in Durban in Südafrika eine Klimakonferenz statt. Die Sorgen waren schon im vorneherein groß, da das Kyoto-Protokoll ausläuft und eine neue Lösung zur Rettung des ökologischen Gleichgewichts hermusste, damit die Erde überhaupt gerettet werden kann. Machen wir uns indes nichts vor: die Erde ist lange nicht mehr zu retten, denn eine Rettung à la Hollywood würde "...and they lived happily ever after" (auf gut Deutsch: und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage) bedeuten. Der Schaden, den die Menschheit in den letzten 150 Jahren allerdings verursacht hat, ist durch keine Kehrtwende mehr auszugleichen, keine Lösung kann den Planeten wieder so reinigen, dass er jungfräulich in neuem Glanz erstrahlt. Wie mit allem ist es auch hier: wenn die Unschuld erstmal weg ist, ist sie weg. Deswegen sollte man sich auch sehr gut überlegen, ob man die Unschuld aufgeben möchte. Und über die Unschuld der Erde wurde schon vor Generationen entschieden, vielleicht naiv und ohne an Morgen zu denken, aber es wurde entschieden. Zupf und weg war sie, die Reinheit und Unschuld des Planeten Erde! Und nun sitzen Politiker und Experten aus aller Welt in Durban und diskutieren... und diskutieren... und diskutieren. Die Frage ist nur: wohin? Und ist Gretchen nicht längst verloren, weil Faust den Pakt mit Mephisto lange geschlossen hat?

Das Problem des Klimawandels ist lange bekannt und vor allem flächendeckend bekannt. Jeder, der heute noch so tut, als gäbe es den Klimawandel nicht oder als hätte er vorher noch nie davon gehört, kann ohne Zögern als Lügner bezeichnet werden. Die Welt wird stetig wärmer, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen wie das eigene Gefühl, wenn man aus der Haustüre tritt. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich beklagen, dass es zur Zeit trotzdem ar***kalt ist, aber... es müsste allen bewusst sein, dass wir Dezember haben, nicht Juni! Der Spätherbst an sich hat nunmal die Eigenschaft kalt zu sein... und nass! Obwohl, zweiteres ging im November ja mächtig daneben. Die Flusspegel sanken auf ein Rekordtief und kein Wettertief war in Sicht, die Regenschirme waren arbeitslos, es war einerseits traumhaft für alle Wasserphobiker und gleichzeitig katastrophal für die Umwelt. Freigelegte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg waren da noch das kleinste Problem. Plötzlich war von Waldbränden die Rede, die es sonst nur im Hochsommer bei knapp 40°C Hitze gab. Passend dazu gibt es immer wieder aufs Neue die Diskussionen um die Wasserknappheit auf diesem Planeten. Laut WWF hatte sich der UN-Klimagipfel in Johannesburg 2002 das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, um die Hälfte zu reduzieren bis zum Jahr 2015. Nun, es ist bald 2015, aber hat sich etwas geändert? Leider erschreckend wenig. Das Wasserkonsumverhalten in den Industriestaaten hat sich nicht geändert, jeder Deutsche verbraucht immer noch im Schnitt über 120 Liter Trinkwasser am Tag, in anderen Ländern liegt die Zahl sogar noch höher. Geredet wird viel über diese Tatsache und alle sind sich einig, dass wir vorsichtiger mit dem Rohstoff Wasser umgehen müssen, da dieser sonst bald ähnlich umkämpft sein wird wie Erdöl. Aber passiert irgendetwas? Nee, warum auch? In einer Welt, in der man Überfluss gewohnt ist, fällt es sehr schwer, einen Gang zurückzuschalten. Damit ist der Effekt ähnlich wie beim Rasen auf der Autobahn: wenn man erst einmal die 200 km/h erreicht hat ist es für die Meisten nicht mehr erstrebenswert, langsamer zu fahren.

Damit wird dann auch klar, wieviel wert so eine Klimakonferenz eigentlich hat. Es ist schön, wenn sich kluge (oder vermeintlich kluge) Köpfe selbige zerbrechen, wie man den Klimawandel abbremsen kann (von aufhalten spricht keiner mehr!). Fraglich bleibt allerdings, wieviel dieses Kopfzerbrechen bringt, denn es gibt zu viele Uneinsichtige, die von den 200 km/h nicht runterkommen, sogar noch beschleunigen wollen. In diesem Fall sind die Inder und Chinesen wieder die beliebtesten Buhmänner - beide Nationen (plus Brasilien) zählen zu den Neumächten der Wirtschaft, beim Anblick ihres stetigen Wachstums können die Europäer in der Eurokrise nur mit den Ohren schlackern, aber es ist wohl klar, dass es bei diesem Wirtschaftsaufschwung mehr als ein Opfer gibt. Dabei handelt es sich nicht nur um menschliche Opfer wie Wanderarbeiter, die bis zum Letzten zum Wohl einiger weniger Superreiche ausgebeutet werden, sondern auch um umweltpolitische. Ökologie und Ökonomie gingen noch nie zusammen, auch wenn sie genauso ähnlich klingen wie die Namen Schmidt und Schmitt - es mag so gut wie gleich aussehen und trotzdem liegen Welten dazwischen. Umweltpolitik ist teuer, sie ist mühevoll und sie bringt im Drogenrausch der geputschten Wirtschaft nur sehr wenig. Deswegen verzichten viele Nationen auch auf sie; dass nun aber die Wirtschaftsneumächte China, Indien und Brasilien an allem Schuld sein sollen ist im Hinblick auf den Rest der Welt fast lächerlich.

Die United States of (wonderful!) America sind die Vorreiter der Umweltverschmutzung und Rücksichtslosigkeit, wenn man die Vergleichswerte der Industrienationen betrachtet. Schlimmer noch: die USA sind schon lange dabei, die Welt zu zerstören, ihre Gier nach Rohstoffen und ihre gleichzeitige Wegwerfgesellschaft sind das Schlimmste, was der Welt passieren kann. Einsicht? Fehlanzeige! Hört man den Experten dieser Länder zu, sind laut USA die Chinesen Schuld und laut Chinesen die USA. Alle sind Schuld, aber keiner will's im Ende gewesen sein. Aber liegt das wirklich nur daran, dass diese Politiker nicht wissen, was umweltpolitisch in den letzten Jahren geschieht? Man muss sich vor Augen führen, an dieser Konferenz nehmen hauptsächlich umweltpolitische Experten teil, also nicht Hintz und Kuntz aus Buxtehude. Doch es geht nicht nur um Expertenwissen, das Wichtigste bei solchen Konferenzen ist die Interessenvertretung der Bürger des jeweiligen Staates, sprich uns allen. Und wenn wir nicht bereit sind etwas zu ändern (jeder Einzelne!), dann werden die Experten einen Teufel tun, Dinge zu versprechen, die die Bürger des jeweiligen Landes nicht einhalten wollen. Gerade in diesem Gesichtspunkt liegt die Ignoranz der US-Amerikaner weit vor der der Chinesen oder Inder.

Durch das Verhalten jedes Menschen auf diesem Planeten wird auch erst deutlich, warum der Klimawandel nicht aufgehalten werden kann. Alle Menschen brauchen alles - und das am Besten vorgestern! Ein Haus, ein Auto, ein Pferd - nun, letzteres ist nicht mehr so dringend, trotzdem gerne gesehen. Zwar sind in Deutschland alle sehr bemüht, beim Auto und Haus auf erneuerbare Energien zu setzen, trotzdem vertraut der Konsument auch hier auf die Verpackung und die Werbung, die für diese Produkte gemacht wird. Eine trügerische Sicherheit, denn Werbung hat immer gewaltig viel mit Manipulation und nur sehr wenig mit Wahrheit zu tun - gerade, wenn sie aus politischem Hause kommt, sollte man bei Werbung sehr vorsichtig sein. Erneuerbare Energien sind gut für die Umwelt? Jein, denn Windräder in der Nord- und Ostsee richten auch Schaden an der Umwelt an, wenn auch in einem anderen Sinne. Es ist nicht klar, ob die Geräuschskulisse der Windräder auf Dauer den Meeresbewohnern schaden wird, es ist nicht abzusehen, inwieweit die Herstellung von Voltaikanlagen der Umwelt schadet. Tatsache ist, dass die Welt sich zu gerne auf die erstbeste Lösung verlässt, die ihnen über den Weg läuft, wenn es um das Thema Umwelt geht. Und wieso? Weil alle (Politik wie Wirtschaft) jahrzehntelang gepennt haben, als Experten Alarm schlugen und vor dem Klimawandel warnten, wenn die Entwicklung in den Industriestaaten so weitergehen würde.

Ähnlich sah es auch mit dem Rohöl aus. Es war allen lange bewusst, dass Erdöl als Energielieferant irgendwann nicht mehr vorhanden sein würde, dass die Erde ausblutet und (ähnlich wie ein menschlicher Körper) leergepumpt sein würde. Trotzdem haben Politiker wie Erdölmagnaten die Warnrufe zu gerne auf Kosten des schnellen Profits ignoriert. Schlimmer als die Profitgier ist in diesem Zusammenhang nur der Effekt auf die Umwelt, die von verseuchten Weltmeeren bis zu astronomischen CO2-Ausstößen reicht. Hinzu kommen andere Rohstoffe, die ohne Rücksicht auf Verluste beschafft werden (wie z.B. Holz). All das bringt die Erde an den Rande eines Herzinfarkts - alles bricht zusammen, zuerst sämtliche Landschaften wie Wälder und Meere, dann sterben pro Tag laut Artenschutzorganisationen täglich (!) 150 Tierarten aus. Das heißt, dass es diese Tierarten effektiv nicht mehr geben wird, viele davon sind bis zum heutigen Tag unentdeckt geblieben. An dieser Stelle würden Fortgeschrittene im Zynismus wohl sagen: "Was man nicht weiß, macht einen auch nicht heiß! Und eine Tierart, die keiner kennt, wird wohl keiner vermissen!"

Wenn man das Thema Klimawandel einmal von allen Seiten betrachtet und die Einstellung aller Menschen zu dieser Thematik sieht, wird man feststellen, wie festgefahren der Karren in Wirklichkeit ist. Die Konferenz in Durban lebt vom Optimismus, dass Abkommen geschlossen werden können, die die Länder zur Einhaltung von ökologisch sinnvollen Einschränkungen überreden. Die Wahrheit ist jedoch, dass das Problem Klimawandel weitaus tiefergehend ist als das der umweltverschmutzenden Wirtschaft. Sicher, wir leben alle von der Wirtschaft und der Verbrauch in der Wirtschaft durch Produktionen ist gigantisch - trotzdem leistet jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag, den Planeten zu zerstören, Tag für Tag. Doch heißt das jetzt, wir sollen uns aller bösen Übel entledigen und im Wald im Einklang mit der Natur leben? Um Gottes Willen, nicht doch! Das wäre katastrophal - für den Wald zumindest. Die Strukturen, die die Welt sich aufgebaut hat, sind im Ansatz richtig - trotzdem werden falsche Wege gegangen, ob nun aus Bequemlichkeit oder Sturheit. Vielleicht liegt es auch nur am "bockigen Kinde" in uns allen, dass gar nicht einsieht, dass Dinge zum Wohle des Planeten geändert werden müssen.

Hoffnungen wurden indes diese Woche geschürt, dass die Verschwendungssucht der Menschen noch belohnt werden könnte, als das US-Teleskop den erdenähnlichen Planeten namens "Kepler 22b" entdeckt hat. Man könnte nun bereits Gerüchte schüren, die ersten Milliardäre, die sonst nichts mit ihrem Geld vorhaben, haben bereits Grundstücke auf dem Planeten gekauft und sind schon beim Einwohnermeldeamt, um ihren Wohnsitz zu ändern. Es ist auch zu verführerisch, ein Planet, auf dem Leben möglich sein könnte, konstante 22°C und wahrscheinlich ähnliches Rohstoffvorkommen wie auf der Erde. Das passt doch zu gut in das Konsumdenken: wenn etwas verbraucht ist, trennt man sich davon und sucht sich etwas Neues. Und wenn eine Erde verbraucht ist, wird einfach eine neue gesucht. So einfach und doch so bescheuert, denn der Mensch lebt unablässig in dieser Hoffnung und wird sie wohl doch nicht erfüllt bekommen. Selbst wenn Leben auf einem anderen Planeten möglich wäre (und ich hoffe nicht, dass sich ein Planet wirklich einfallen lässt, uns als Bewohner haben zu wollen!), macht es das Unrecht, das wir diesem Planeten hier und jetzt zufügen nicht ungeschehen. Frei nach dem Motto "Two wrongs don't make a right" wird die Sache nicht besser, wenn man einfach noch mehr im Umweltschutz falsch macht in der Hoffnung, ein neuer Planet wird uns schon retten.

Allerdings, bei allem Predigen, es soll den Leuten nicht die Freude am Weihnachtsfest und dem damit verbundenen Konsum verdorben werden. Deswegen werden in Brüssel in der Eurokrise wie in Durban in der Krise um den Klimawandel nach Lösungen gesucht und unter Hochdruck Päckchen für den globalen Weihnachtsbaum geschnürt. Unterschied zu wirklich gewollten Geschenken ist hier nur, dass bei diesen Päckchen nichts rauskommen wird, worauf sich die Menschen freuen werden: Verzicht, um die Umwelt zu schonen... Geld sparen, um den Euro zu retten. Wer hat schließlich gesagt, es würde einfach werden, die Welt zu retten? Clint Eastwood hat nie gesagt, es würde einfach werden - vielleicht deswegen wollte er selbst seinen Bürgermeisterjob nach zwei Jahren nicht mehr. Es ist schlichtweg zu anstrengend, die Welt vor Unheil zu schützen. Selbst die höchste und flächendeckendste Bildung kann nicht verhindern, dass die meisten Menschen unwissend sind in Krisenzeiten, weil das Meiste dieser Bildung nicht in den Köpfen ankommt.

Krisen über Krisen - es gibt noch weitere Krisen, über die es sich zu Reden lohnen würde, außer die offensichtlichste des Klimawandels. Die Krise um den Euro beherrscht die Nachrichten schließlich weitaus mehr als sämtliche Umweltkrisen - es ist den Menschen immer noch wichtiger, Geld zu haben als das eigene Leben scheint es. Merkwürdig, wenn man bedenkt, dass das Letzte, was der Mensch braucht, das Geld ist ... zumindest, wenn er kein Leben mehr hat!

In diesem Sinne, allen Lesern noch viel Vergnügen beim Vorweihnachtswahnsinn und Clint Eastwood hat jetzt endgültig Feierabend, der Mann arbeitet schließlich schon hart genug. Man sollte das Ganze nicht überstrapazieren und jede Vorweihnachtsserie hat auch mal ein Ende. Superhelden brauchen auch mal eine Pause, also sei sie ihm gegönnt.

Der Blog geht allerdings weiter; nächsten Freitag, gleiche Stelle, gleiche Welle. Damit allen ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Freitag.

LG Gene :-)

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