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Freitag, 6. Januar 2012

"Was wären wir nur ohne...?" - Neues Jahr, altes Spiel... viel Glück!

Der Beginn des neuen Jahres und schon ist (plump ausgedrückt) die Kacke wieder einmal so richtig am Dampfen. Ein Mythos, der glaubte, das neue Jahr 2012 würde irgendwie besser werden als das Vorjahr, dass sich die Dinge ändern würden, dass wir wirklich etwas aus der Vergangenheit gelernt hätten. Zumindest Politiker scheinen fast immun zu sein, wenn es um den Lernprozess im Allgemeinen gilt.

Nach den Schlagzeilen der letzten Wochen ist es fast müßig, überhaupt noch über das Thema "Kreditaffäre" und dem Bundespräsidenten Christian Wulff zu sprechen. Es wurde so viel kritisiert, dann gerätselt und schließlich wurde die erste richtige Stellungnahme von Wulff in dieser Woche erwartet. Hätten wir gravierendere Probleme, hätten wir gar nicht die Zeit, uns damit auseinanderzusetzen. Aber anscheinend sind wir im Wintertief, dass uns diese Affäre so wichtig ist. Nein, es ist nicht die Stelle, an der Christian Wulff verteidigt wird, wie es dieser Tage so viele Menschen tun. Es ist auch nicht die Zeit, Parolen wie "Jeder Mensch macht mal Fehler!" zu schwingen und alles zu verzeihen. Dafür ist die Affäre zu tiefgreifend, gerade im Zusammenhang mit einem Amt wie dem des höchsten Staatsmannes. Trotzdem stellen sich einem viel mehr Fragen als die, die die letzten Tage aufgeworfen werden. Eine Affäre um einen Mann, der gerne Luxusurlaube mit dubiosen Unternehmern wie Carsten Maschmeyer unternimmt und sich Privatkredite für ein "Einfamilienhaus" (ob man bei einem Wert von 500 000 Euro wirklich noch von Einfamilienhaus sprechen kann, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln!) unter günstigeren Konditionen besorgt, sorgt für Zündstoff in einer Zeit, in der Staaten von der Pleite bedroht sind und mehr denn je auf die Gleichberechtigung geachtet wird - oder werden sollte!

Den Menschen ist es heute, seit sämtlichen Ungerechtigkeiten der Vergangenheit, wichtiger denn je, dass in einer Gesellschaft die Menschen möglichst gleich behandelt werden und über die "Kasten" in den Köpfen hinweg gesehen wird. Bei "Kasten" denkt man gerne an Indien und die Ungerechtigkeit, in eine bestimmte gesellschaftliche Position hineingeboren zu werden und aus dieser bis zum Tod nicht mehr herauszukommen. Ein Außenstehender bezeichnet dieses Verfahren als absolut ungerecht und ist froh, in einer Demokratie ganz ohne hinduistischen Hintergrund und damit ohne Kastensystem zu leben. Wenn man sich das Konstrukt der Demokratie allerdings anguckt, sieht man mehr Geißeln der Gesellschaft vor sich, als man meinen könnte. Demokratie bedeutet Freiheit (nicht wortwörtlich, aber diese Staatsform wird vor allem mit diesem Attribut in Verbindung gebracht) und je mehr Freiheiten die Menschen genießen, desto mehr nehmen sie sich heraus. Wieder ein Beweis, dass der Mensch nicht wirklich dazulernt, denn genauso benehmen sich auch Kinder: je mehr man ihnen erlaubt, desto weiter gehen sie - und damit auch mal gerne über jede Grenze hinaus.

Ähnlich geht es den Bürgern in der Gesellschaft - präziser gesagt denen, die es sich leisten können. Denn Geld spielt die wahrscheinlich größte Rolle in der Frage, wie weit man in seinen persönlichen Freiheiten gehen darf und wie sehr man damit anderen auf die Füße treten kann/möchte/darf. Genau das hat die Demokratie mit dem Kastensystem gemeinsam: wenn du Geld hast, bist du einfach mehr Wert als die Anderen. Sicher, die Menschen in Indien genießen einen gewissen Standard (zumindest in den meisten Gebieten) aufgrund ihres Gesellschaftsranges, den sie von Geburt an besitzen. Trotzdem zeichnet sich in der Demokratie das gleiche Bild ab und das nicht erst seit gestern. "Geld regiert die Welt!" lautet die Plattitüde - und sie stimmt heute mehr denn je. Wahrscheinlich genau deswegen fühlt sich Christian Wulff auch so sehr vom Geld angezogen, immerhin ist es doch schöner, bei Luxusurlauben mit viel "Bling Bling" zu relaxen als das bescheidenere (wenn auch nicht ärmliche!) Leben eines Berufspolitikers zu führen.

"Den Ruhm eines Politikers (und jetzt Staatsoberhaupt) zu genießen ist toll, aber da geht wahrscheinlich noch mehr!", so oder so ähnlich muss der Herr Bundespräsident sich das wohl gedacht haben. Und was als kleine Schlagzeile im Dezember begann, hat sich inzwischen zu einer Krise im Land ausgebreitet. Keiner politischen, eher einer moralischen - der Graben zwischen den Befürwortern und Kritikern Wulffs ist wohl größer denn je zuvor. Dabei hätten wir es doch alle besser wissen müssen... schlimmer noch: wir wussten es alle besser! Bereits bei der Bundespräsidentenwahl im Jahr 2010 war die Mehrheit der Deutschen für Joachim Gauck als Nachfolger des zurückgetretenen Horst Köhler und eben nicht für Schnösel Wulff. Doch was nützt der Wille des demokratischen Volkes, wenn der Präsident "nur" von den Vertretern des Volkes gewählt wird? Und das will heißen: mehrheitlich von den Regierungsparteien, von denen die Mehrheit des deutschen Volkes bereits ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl im September 2009 nicht mehr überzeugt war. Die Tatsache, dass der Bundespräsident durch die Bundesversammlung gewählt wird ist schön und gut, doch wo das Volk nicht überzeugt ist, soll da wirklich der Wille der Politiker vor dem Willen des Volkes stehen? Anscheinend ja und genau deswegen wurde Wulff auch zum Staatsoberhaupt ernannt und eben nicht der vielleicht wesentlich fähigere, weil erfahrenere Joachim Gauck.

Doch, alles heulen und Zähne knirschen nützt nichts, es geht um die Ehre des Landes. Wenn Wulff zurücktreten würde wegen der Affäre (was er allein schon aus einem Übermaß von Selbstüberschätzung und Arroganz nicht tun wird), befände sich Deutschland inmitten einer politischen Krise. So schnell, wie Horst Köhler im Jahr 2009 von Kanzlerin Merkel aus dem Amt gejagt wurde, war es schon arg peinlich, überhaupt einen neuen Bundespräsidenten wählen zu müssen aus heiterem Himmel. Und jetzt, zwei Jahre später, wieder das gleiche Spiel? Darauf lässt sich zumindest die Politik nicht ein, selbst die Opposition nicht - und warum? Aus Angst, dass wir im Ausland als lächerlich gelten könnten, als instabil. Vielleicht auch aus Angst vor den Ratingagenturen, die der deutschen Bonität dann wiedermal einen Strick drehen könnte und die Aussichten direkt mal noch eine Stufe runterschrauben könnten. Genau aus diesem Grund wird Deutschland wohl den Luxus-Bundespräsidenten behalten und die Kritiker müssen zähneknirschend akzeptieren müssen, dass man im Leben doch etwas gleicher ist als die anderen, sobald man ein hohes Amt inne hat.

Doch das Thema "Wulff" ist in dieser Woche nicht mein zentrales Thema - es hat zwar verdammt viel damit zu tun, aber es geht mehr um eine Grundsatzfrage: "Was wären wir nur ohne...?" und diese Frage bezieht sich nicht nur auf Deutschland oder die USA, sondern mehr auf die ganze Welt. Wir befinden uns in einem ständigen Wandel und trotzdem wirkt es immer wieder, als würden wir auf der Stelle treten. Für Deutschland heißt das: wir haben eine schwarze Regierung, einen noch schwärzeren Bundespräsidenten (politisch gesehen natürlich!) und die schwärzesten Aussichten für die nächste Bundestagswahl. Mit anderen Worten (bzw. Buchstaben): CDU (oder CSU in Bayern). Der Glaube an den Konservatismus hüpft und freut sich des Lebens, nicht nur hier, auch in den USA, in denen in dieser Woche die Vorwahlen für den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner begonnen hat. Mitt Romney, der Inbegriff des Konservatismus, hat knapp die Wahl vor dem nahezu religiös fanatischen Rick Santorum in Iowa gewonnen. Der Hype um den Konservatismus ist auch in den Vereinigten Staaten in vollem Gange - und es wirkt (zumindest in den Medien) so, als würden sich die Menschen nach den "guten alten Werten" zurücksehnen. Schluss mit Liberalismus und Sozialismus (die in den USA eh mit dem Kommunismus gleichgesetzt sind), her mit der Tradition!

Tradition ist wohl das entscheidende Schlagwort, wenn man an den Konservatismus denkt. Den Konservativen ist es immer ganz wichtig, auf die "Erhaltung der traditionellen Werte" zu achten - hier heißt das in erster Linie: alle Menschen sind frei, soviel Geld zu horten, wie sie gerade möchten und es sich so tief in ihre Taschen zu stopfen, dass keiner mehr drankommt. In den USA heißt das: alles Neue ist schlecht! Homosexualität ist böse, Arme, die Unterstützung zum Überleben wollen, sind böse und schlecht für's Geschäft, Gleichheit von Rassen, Geschlecht und Religion ist am Allerschlimmsten! Es gibt nur einen Gott und der hilft nur den USA - Amen!

Gott ist in diesem Zusammenhang wohl das zweite wichtige Stichwort: der Konservatismus vertritt die Ansicht, dass "der Glaube an das Walten der göttlichen Vorsehung in der Geschichte und die Einsicht in die Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft" vorliegt (siehe auch hier). Was das heißt? Gott wird's schon richten und eigentlich sind wir nicht wirklich fähig, vernünftig zu sein, ohne, dass uns der liebe Gott dabei hilft. So oder so ähnlich sehen es auch die Konservativen in den USA, denn sie betonen, sie wollen einen Präsidenten, der "an Gott glaubt". Mehr als das: sie wollen einen Menschen als Staatsoberhaupt, der in einer Krise erst einmal kräftig betet, bevor er überhaupt eine Entscheidung trifft. Also: zurück zu George Dabbelju Bush jr., der ebenfalls zum Inbegriff des Konservatismusses wurde, indem er in dunklen Zeiten aufhörte zu trinken und den "Weg zu Gott" fand. Es ist erstaunlich, wieviel Wert die Konservativen auf die göttliche Kraft legen, wo wir in einer sehr irdischen Welt mit sehr irdischen Problemen leben, die allesamt (man ahnt es!) irdisch gelöst werden könnten. Die Menschen leben nicht ohne Grund auf diesem Planeten ohne die "Oberhand Gottes", die sie bei jedem Toilettengang begleitet, schließlich hat Gott den Menschen (in diesem Zusammenhang das ganze Natursystem) mit der Fähigkeit ausgestattet, die eigenen Geschicke zu leiten und zum Positiven (oder eben auch zum Negativen) zu verändern. Wäre dem nicht so, wäre Gott längst unter uns, würde bleiben und wäre schon längst über den Burnout hinaus bei all dem, was er zu tun hätte.
Trotzdem vertreten die Konservativen gerne die Parole: "Gott ist für uns alle da und wird uns retten!" Es ist fast grotesk, wenn man darüber nachdenkt, dass Gott uns alle aus der Scheiße retten soll, die wir selbst wissentlich und sehenden Auges verursacht haben. Doch wofür ist Gott denn sonst da?

"Was wären wir nur ohne... Konservatismus?" lautet also die zentrale Frage. Wo wären wir, wenn wir uns nicht auf die Tradition stützen würden, das Hochhalten der alten Werte und dem Spießbürgertum im Allgemeinen? Es ist witzig, wenn man darüber nachdenkt und sich umschaut, denn wir sprechen inzwischen von Traditionen, die es im eigentlichen Sinne gar nicht gibt. Traditionen sind Verhaltensweisen und Bräuche, die in alten Zeiten entwickelt wurden und die es wert sind, auch in der Neuzeit am Leben erhalten zu werden. 'Aber welche dieser Traditionen gibt es heutzutage überhaupt noch? Jeder Konservative beschäftigt sich mit den technischen und politisch neuesten Spielereien, es wird Flickschusterei an allen Ecken und Enden betrieben und die Traditionen alter Politikgenerationen werden über Bord geworfen - weil sie einfach nicht mehr in das Wirtschaftssystem 2012 hineinpassen. Mit anderen Worten: Tradition = ja, Wirtschaft = 2 x ja! Damit hat die Wirtschaft doppeltes Stimmrecht vor der Tradition. Und wenn eine Tradition nicht mehr passt, wie die modifziert... womit sie dann aber streng genommen nicht mehr zu den Traditionen gehört. Aber diese Verhaltensweise wird inzwischen überall angewandt, man sehe sich allein die Traditionen rund um "Weihnachten" an (solange ist das ja noch gar nicht her!). Weihnachten wird inzwischen so ausgelegt, wie es den Menschen gerade so passt: Hauptsache Geschenke, warum Weihnachten gefeiert wird, weiß eh kein Schwein mehr und wen interessiert es überhaupt? Das Wesentliche ist der Spaß an der Sache! DAS ist dann wohl die entscheidende "Tradition" (wenn nicht die einzige) die im Zusammenhang mit Weihnachten aufrecht erhalten wurde.

Also, der Konservatismus ist immer noch weit verbreitet in der Gesellschaft, obwohl die Menschen auf modern tun und denken, sie wären der Zeit einen Schritt voraus, wo sie gleichzeitig am Rückstand festhalten wollen. Man könnte auch behaupten, die Menschen versuchen, gleichzeitig vorwärts und rückwärts zu gehen. Zugegeben, das ist auch eine Herausforderung, sie ist bis jetzt nur noch keinem gelungen. Und wahrscheinlich deswegen scheitert der Konservatismus auch immer wieder an seinem eigenen Anspruch, die Tradition zu erhalten, auf Gott zu vertrauen und gleichzeitig für ständigen Wachstum zu sorgen. Wachstum. Auch so ein Wort, an dem ich mich jetzt schon (das Jahr ist gerade einmal 6 Tage alt!) zu Tode gehört habe. In allen Ecken und Enden (gerade bei den Konservativen) wird der Schwerpunkt der Wirtschaft und der gesamten Menschheit auf das Wirtschaftswachstum gelegt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Wachstum bei den Menschen ankommt (diesen Witz "Der Aufschwung kommt bei den Menschen an" gebraucht selbst unsere Kanzlerin nicht mehr!), sondern allein darauf, dass es aufwärts geht. Es spielt keine Rolle wohin oder wer davon betroffen ist, aber es muss weiter alles in der Wirtschaft wachsen. Woher das alles genommen werden soll, weiß keiner, aber die Konservativen werden nicht müde, genau auf diesem Kaugummi herumzukauen.

Die Feststellung, wie wichtig das Wirtschaftswachstum ist, geht vor jedem anderen Problem, das wir auf dieser Welt haben. Gleichzeitig müssen die Wähler der Konservativen bei guter Laune gehalten werden. Und das ergibt unterm Strich: die Wirtschaft muss weiter wachsen, die Reichen brauchen aber dafür keinen Cent auszugeben. Im Gegenteil: sie bekommen durch das Wirtschaftswachstum noch Geld hinzu.
Wer sich nun fragt, wie das funktionieren soll, dem sei gesagt, dass die Lösung denkbar einfach ist: das Geld für das Wachstum wird vom einfachen Volk erarbeitet, gleichzeitig wird der Arbeiter auf einem möglichst niedrigen Level gehalten, damit der Gewinn aus der harten Wirtschaftsleistung genau am richtigen Platz ankommt: bei den Wählern der Konservativen!
Vielleicht ist genau das die Tradition, von der die Konservativen immer sprechen: die Reichen haben alles und behalten es und die Armen arbeiten zwar hart, haben aber kaum etwas und sollen nach Möglichkeit auch nicht wirklich etwas dazubekommen.

Zuviel "Schwarzmalerei"? Zuviel kann es eigentlich nicht sein, immerhin reden wir von den politisch "Schwarzen". Aber Spaß beiseite, ein wenig Schwarz/weiß-Malerei war gerade schon im Spiel, die Konservativen sind immerhin nicht nur schlecht. Konservatismus an sich ist auch nicht verkehrt, leider geht genau der Teil des Konservatismus flöten, den die Menschen so dringend bräuchten.
Konservatismus steht im Zusammenhang mit der Tradition auch für menschliche Werte und Moralvorstellungen, die erhalten bleiben sollen. Aber in Zeiten von Internet, neuen Technologien, immer mehr Geld und immer mehr Auswahl in der Partnerwahl ist es schwierig geworden, untereinander respektvoll zu sein und mit Bedacht an die Dinge des Lebens zu gehen. Respekt, Toleranz, Wertschätzung der Menschen und der Natur scheinen in den Hintergrund gerückt zu sein, wichtiger ist das Geld und das Streben nach Macht. Das ist alles schön und keiner kann sich diesem Streben wirklich entziehen (auch ich nicht!), es bleibt nur die Frage, ob der Wegfall dieser "Traditionen" nicht früher oder später zum Zerfall des Konservatismus führen wird. Konservative, die ihre eigenen hochgehaltenen Traditionen nicht mehr leben, werden nicht mehr in der Lage sein, glaubwürdig zu sein. Damit werden dann alle Konservativen zu Christian Wulff, dem Vertreter des "neuen Konservatismus" mit dem Credo: "Entscheidend ist, was mir gut tut - ohne Rücksicht auf Kollateralschäden!".

Das mag dann auch der Grund sein, warum die Mehrheit der Wähler in Deutschland immer noch zufrieden mit der "Arbeit" des Bundespräsidenten ist (ich frage mich ja immer noch, was er bis jetzt großartig geleistet hat, aber Schwamm drüber!) und sagt: "Er ist auch nur ein Mensch, Menschen machen Fehler und jeder hat eine zweite Chance verdient!"
Wahrscheinlich denken die Menschen genau bei diesem Satz an den Haufen Fehler, den sie selbst begehen und die sie sich längst verziehen haben. Die Einsicht, Fehler zu begehen und dafür die Konsequenzen zu tragen scheint von der angenehmeren Variante, einfach die Fehler nur einzusehen und dann zu vergessen, abgelöst worden zu sein. Fehler begehen, ja - wegen einem Fehler gleich die Koffer packen? Auf keinen Fall, dafür haben wir alle zu hart gekämpft, um den Nischenplatz in der Gesellschaft zu ergattern.

Für den Rest des Jahres (ist ja noch eine Weile) bleibt abzuwarten, was passieren wird. Ob sich der Konservatismus auch in den USA (wieder einmal!) durchsetzen wird, ob hier in Deutschland Christian Wulff das Jahr politisch überleben wird oder nicht und wohin Deutschland politisch will. Die Politik ist zuversichtlich, immer gestützt auf das "Wirtschaftswachstum". Gleichzeitig bleibt zu bedenken: wer hoch steigt, erlebt die Höhenluft - und die ist verdammt dünn. Vielleicht hat die FDP in dieser Woche genau deswegen nur noch 2% bei den Umfragewerten - erfolgreiche Menschen (wie die Liberalen) haben oft das Problem, das sie die Realität verkennen und sich deswegen immer weiter einreden, sie seien für Erfolge verantwortlich, obwohl sie kurz vor dem gesellschaftlichen Tod stehen. "Glück auf!" kann man der FDP nur sagen und ihr viel Spaß beim "Drei Königs-Treffen" in Stuttgart wünschen.

Außerdem wünsche ich allen Lesern ein schönes Wochenende und viel Spaß und Freude im Leben - bis zum nächsten Eintrag an dieser Stelle am nächsten Freitag.

LG Gene :-)

Freitag, 30. Dezember 2011

Kuss, Schuss, Schluss und wech - 2011 verabschiedet sich!

Wie ich schon in der letzten Woche sagte: "Es ist viel passiert 2011!". Eigentlich ist zuviel passiert, wenn man sich all die Katastrophen und menschlichen Tragödien des Jahres anguckt. Nun, in anderthalb Tagen, ist alles vorbei. Zumindest in unseren Köpfen, denn seien wir ehrlich: die Umstellung auf ein neues Jahr zeigt keine revolutionären Neuerungen auf, die Zeitrechnung dient nur zur allgemeinen Orientierung. Und wenn ich jetzt jedem, der das hier lesen mag, erzählen würde, dass Zeit ohnehin relativ ist und alles Geschehen in einem gleichzeitigen Rhythmus abläuft, würden die Leser mich vielleicht für verrückt erklären. Also, bin ich mal wirklich verrückt und lasse mich ein auf die allgemein beim Menschen gültige Zeitrechnung und dem Ende des Jahres 2011 n. Chr.

Fragen stellen sich immer wieder, wenn man einen Schlussstrich unter das Jahr 2011 zieht. "Haben wir etwas dazugelernt?" wird in diesem Zusammenhang wohl die wichtigste Frage sein. Immerhin streben wir ein "neues Jahr" an, das alles verändern wird. Vermeintlich. Die ständige Hoffnung, dass sich alles ändern wird, führt die Menschen in eine allgemeine Euphorie, es gibt uns allen anscheinend Auftrieb, dass etwas Neues beginnt (und wenn es nur ein "neues Jahr" ist). Es werden Vorsätze geschmiedet für das neue Jahr, man nimmt sich Dinge vor, die man eigentlich theoretisch immer machen wollte, für die man aber einfach nie die Motivation hatte. Mit dem Rauchen am 27. Juli aufhören? Was ein Quatsch! Man hört am 1. Januar auf, weil das so viel besser klappt. Dass dem nicht so ist, lassen wir mal außen vor, wir möchten doch keine Illusionen zerstören. Es klingt einfach episch, am Jahresende kurz vor Mitternacht die letzte Zigarette zu rauchen und dann am 1. Januar mit einem Kater von zuviel Alkohol UND Nikotinentzug zu kämpfen. Wenn der Mensch zum Kämpfer wird, dann anscheinend richtig und mit solch einer starken Übertreibung, dass er scheitern muss. Denn machen wir uns nichts vor: wären wir im Alten Rom, wir würden auch nicht unbedingt untrainiert einem Profigladiator gegenübertreten - es sei denn, wir seien mal kurz so richtig lebensmüde. Der Punkt ist: Dinge, die man sich vornimmt, müssen gut vorbereitet sein. Wenn einem im Leben etwas nicht passt, dann wird es nach reichlicher Überlegung geändert.
Nun könnten Befürworter der Neujahrsvorsätze argumentieren, ihre Vorsätze lägen doch schon lange in der Schublade des Hinterkopfs und hätten dort schon so lange gelegen, dass es sich doch jetzt lohnen würde, diese Vorsätze endlich in die Tat umzusetzen. Dieser Einwand ist nicht falsch, aber warum klappt die Umsetzung der Vorsätze trotzdem nicht? Wahrscheinlich, weil die Vorsätze lange Zeit im Hinterkopf vor sich hingeschimmelt sind, aber darüber nachgedacht wurde nicht. Es wurde nicht richtig geplant, die meisten Vorsätze sind nicht einmal ernstzunehmen. Mehr Sport im neuen Jahr? Spätestens bei der ersten Laufrunde im Januar bei eisigen Temperaturen ist der Vorsatz über Bord geworfen. Mit dem Rauchen ist es ähnlich und den Vorsatz, weniger Alkohol zu trinken, hat keiner mehr, weil er in einer alkoholgesteuerten Gesellschaft eh nicht umzusetzen ist.

Zurück zur Frage: Was haben wir 2011 dazugelernt? Diese Frage müsste zu einer Flut von positiven Antworten führen, die uns auf die Schulter klopfen und sagen: "Weiter so, hast du gut gemacht!". Und wahrlich, wir haben doch viel gelernt, oder? Zum Beispiel haben wir spätestens im Sommer gelernt, dass in Ostafrika die Kinder immer noch an Hunger sterben, dass der jahrzehntelange Krieg in Somalia immer noch anhält. Eine Tatsache, die die Nachrichten in ihrer Selbstverliebtheit so lange vergessen hat, dass wir alle glaubten, es sei alles soweit in Butter in diesem trostlosen Fleck Erde. Und ja, dieses Land ist trostlos: eine Wüstenlandschaft durch Rodungen der Wälder, eine radikal-muslimische Miliz, die alle "Nichtgläubigen" vertreibt, wenn sie sie nicht gerade tötet oder verstümmelt. Millionen Menschen, die vor dem Tod durch die Waffe oder dem Hunger nach Kenia fliehen und dort tagelang auf Essensrationen warten (vorausgesetzt, sie halten vor Erschöpfung überhaupt noch so lange durch). Die Solidarität der Menschen im Westen hielt sich in Grenzen, schließlich ist diese Hungersnot, die 12 Millionen Menschen betrifft, eine schleichende Katastrophe, ganz ohne Fluten, Atomkatastrophen oder Erdbeben. Es geht "nur" um einen Krieg, "nur" um einen Konflikt des Glaubens und überhaupt "nur" um Afrika.
Aber (um mal einen positiven Aspekt in die Sache zu bringen) es gab auch viele Menschen, die sich durch diese Katastrophe zum Spenden animiert gefühlt haben. Und das (man beachte die Feinheit!) im Sommer, nicht zur Vorweihnachtszeit! Das Problem ist nur, die Nachricht über die Hungerkatastrophe ist aus den Nachrichten verschwunden, die Problematik existiert aber weiterhin. Nur, weil ein Zustand von "tödlich katastrophal" auf "katastrophal" heruntergesetzt wird, ist das noch lange kein "guter" Zustand. Die Flüchtlinge aus Somalia leben teilweise seit 20 Jahren (!) in Flüchtlingslagern wie dem in Dadaab, inzwischen ist sogar die Rede von getarnten muslimischen Milizkämpfern, die sich in die Flüchtlingslager einschleichen, um dort Essen abzugrasen (ein Krieger will schließlich auch bei Kräften gehalten werden!). Die Problematik in Somalia, allgemein am Horn von Afrika, ist weit tiefgreifender als eine einmalige, mehr oder weniger großzügige Spende. Die Politik im Ausland versagt, wenn es um solche Katastrophen geht; solange es nicht um wirtschaftliche Interessen geht, ist jeglicher Handlungsbedarf nicht gerechtfertigt. Und auch Angela Merkel, die dieses Jahr Afrika besuchte, um "wirtschaftliche Interessen" zu vertreten und im Wesentlichen unter anderen Qualitätswaffen aus Germany an den Afrikaner zu bringen, hat nicht wirklich Interesse am Beenden der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Es gab eine einmalige humanitäre Hilfe, um den Rest müssen sich die Menschen dort wohl selbst kümmern. Aber (vielleicht kennen die vollgefressenen Industriemenschen das ja auch aus irgendwelchen Situationen im Leben): wo nix ist, kann auch nix hinkommen! Es ist wie im Sparwesen: wenn man ein Konto eröffnet und der Kontostand konstant bei Null Euro und Null Cent steht, kann auch nix dazukommen.

Aber es gab ja nicht nur Hungerkatastrophen in Afrika, eine ganz neue Bewegung tat sich zum Herbst hin auf: die Herbstrevolution in den Industriestaaten. Angefangen hatte alles mit dem "arabischen Frühling", bei der der westliche Zuschauer, der die Nachrichten sah, plötzlich dachte: "Hoppla! Die Leute dort können sich ja doch gegen diktatorische Regimes wehren!". Wie die Dominosteine fielen in der Folge Tunesien, Ägypten und (nach einem langen Hin und Her und Interventionen von Frankreich, den USA und Großbritannien) auch das Machtregime von Muhammar al Gaddafi in Libyen. Damit gab es ab dem Frühjahr in diesem Jahr nicht nur an dieser Stelle jeden Freitag einen neuen Blogeintrag, sondern in vielen arabischen Ländern Großdemonstrationen, in denen die Mensche für ihr Recht auf Freiheit und Demokratie kämpften. Was ist draus geworden bis zum Jahresende? Nun, Ägypten's ehemaligem Machthaber Mubarak wird der Prozess gemacht, Gaddafi wurde im Bürgerkrieg in Libyen doch irgendwann gefunden und öffentlich (inklusive einiger Mobiltelefone mit Videofunktion, die Zeuge waren) hingerichtet und es gibt/gab Neuwahlen in Ägypten und Tunesien. Gewinner dort wie dort: die muslimische Partei.
Ob das jetzt wirklich ein Sieg für diese Völker sein wird, muss die Zukunft zeigen (wofür sonst haben wir in anderthalb Tagen ein neues Jahr?). Mit der Zeit wird sich herausstellen, wie ergiebig der Protest in diesen Ländern war und auch, ob es den Menschen in Syrien gelingen wird, "Hitler 2.0", besser bekannt als Machtinhaber Assad, loszuwerden. Er hält sich hartnäckig, genauso hartnäckig wie der "Gartenzwerg Irans", Mahmud Ahmadinedschad und noch mehr haben beide gemeinsam, dass sie nicht müde werden, Opportunisten zu töten und dem Westen gleichzeitig zu drohen. Wahrscheinlich ist auch das der Grund, warum der Westen sich so furchtbar ungerne einmischt. Zwar gäbe es in diesen Ländern (im Gegensatz zu ostafrikanischen Staaten) viel Erdöl zu holen (was wirtschaftlich am Interessantesten ist für die westliche Welt), aber das Risiko, selbst ins Visier von Terror und damit Anschlägen zu geraten, ist dann doch ein wenig hoch.
Überhaupt hatten die westlichen Regierungen ab Sommer selbst allerhand zu tun: sämtliche Währungen brachen in sich anscheinend aus heiterem Himmel zusammen. Zumindest schien es so, als befänden wir uns inmitten einer Inflation; dem war zwar nicht der Fall, aber solange es Rating-Agenturen gibt, die so tun, als wären mit einem Schlag Staaten nichts mehr wert, dürfen Regierungen und Wirtschaft weiterhin zittern. Eine Frage wurde dieses Jahr durch Rating-Ageturen gewiss aufgeworfen: wieviel Macht steht (in wirtschaftlichen Fragen) der freien Wirtschaft (sprich: den Investoren) zu im Gegensatz zur Macht des Staates? Dürfen Investoren bzw. ihre Vertreter (= Rating-Agenturen) über das Schicksal ganzer Staaten und damit von Millionen Menschen entscheiden oder gehen sie damit schlichtweg zu weit?
Moralisch möchten Millionen Menschen sagen, sie gehen entschieden zu weit. Und genau aus diesem Grund wurde schnell aus dem "arabischen Frühling" der "Revolutionsherbst" im Westen der Welt. Dabei fing alles so harmlos an, in den USA, die plötzlich ein "Gewissen" bekamen. Die USA, das Vorzeigefohlen des Kapitalismus, das den Sozialismus in Europa als "Schwachstelle" abtat und den Europäern gleichzeitig gerne flächendeckenden Kommunismus vorwarf. Dieses Land ging plötzlich auf die Straße und demonstrierte gegen die 1% der Superreichen im Staat, die über den Großteil des Kapitals im Land verfügen und zulassen, dass der Rest gerade auf oder schon weit unter dem Existenzminimum vor sich hin vegitieren darf. Besonders schockierend die Entwicklung in New York, dem "Big Apple", der Stadt schlechthin, wenn es um Kapitalismus und Reichtum um jeden Preis geht, die Stadt, die alles, was mit viel Geld zu tun hat, zelebriert wie keine andere. Dort gingen die Menschen (die sich selbst die "99%" nennen) auf die Straße, direkt im Börsenviertel, der "Wall Street", und demonstrieren für mehr Fairness auf der Welt. Die Menschen wollen Jobs, sichere Jobs und damit genug Geld, um selbst überleben zu können. Ein Skandal für die 1% Superreichen, die sich plötzlich in ihrem Reichtum bedroht fühlten. Und die Politik? Die spielt natürlich wieder einmal brav den Reichen in die Hände, Demonstranten werden (ähnlich wie in arabischen Diktaturen) mit Knüppeln und Pfeffersprach in die Knie gezwungen, verhaftet und sämtlicher Versammlungsrechte mehr oder weniger beraubt. Ihnen ist plötzlich die Demonstration im Zucotti Park direkt bei der Wall Street nicht mehr erlaubt ist, doch wirklich in aufgeben wollen die Demonstranten nicht.
Schlimmer noch: plötzlich wird überall demonstriert, auch bei der "Frankfurter Börse" und in Berlin. Die Demonstrationen der Deutschen waren allerdings nur ein kleines Strohfeuer, der Deutsche ist nunmal nicht sonderlich stark, wenn es um das Durchhalten geht. Dort haben selbst die US-Amerikaner (denen man in den Vorjahren zugegebenermaßen in diesem Sinne nicht viel zugetraut hat) mehr Stärke bewiesen; Deutschland war zwar gut darin, sich die USA wieder einmal als Vorbild zu nehmen, aber an der Umsetzung hat es schlussendlich doch gemangelt. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass es uns Deutschen im Gegensatz zu den Amerikanern noch viel zu gut geht; ein zu stabiles Sozialsystem, durch das selbst Arbeitslose und Obdachlose nicht hungern müssen, sorgt im gleichen Moment für Trägheit bei den Menschen. Ein voller Bauch studiert nicht nur nicht gern, er demonstriert noch viel weniger gern. Also heißt es auch hier: wir haben nicht viel dazugelernt im Jahr 2011... nun, vielleicht wird das beim nächsten Mal (sprich: bis Ende 2012) was!

Was gibt es noch, was wir nicht gelernt haben in diesem Jahr? Ich gebe zu, ich bemühe mich gar nicht mehr, das bald vergangene Jahr noch positiv darzustellen. Es gibt zwar viele Dinge, die passiert sind, viele Einsichten, die geschehen sind in vielen Köpfen.... doch für eine flächendeckende Revolution scheint es nie auszureichen. Bester Anhaltspunkt: die Umweltpolitik. Der zuletzt grandios gescheiterte Umweltgipfel in Durban hat gezeigt, dass den Menschen die Umwelt doch ziemlich egal ist. Vielleicht nicht jedem Normalbürger (aber dort auch noch erschreckend vielen!), zumindest aber der gesamten Industrie, die den größten Ausstoß von CO2 verursachen. Allerdings... wenn CO2 wirklich unser einziges Umweltproblem wäre, ginge es uns verdammt gut! Massenhaft Verschwendung von Rohstoffen, das Abholzen der letzten Wälder auf diesem Planeten, die Verschmutzung der Weltmeere ohne Unterlass, dazu die Artenvielfalt, die täglich um 150 Arten dezimiert wird - man fragt sich, ob Mülltrennung oder die Sparsamkeit im eigenen Haushalt wirklich noch hilft, die Menschheit zu retten. Aber Halt! Stopp! Das heißt jetzt nicht, dass wir alle mit unserer eigenen Verschwendung noch hemmungsloser als ohnehin um uns werfen im Wissen, dass der Planet nicht mehr zu retten ist. Wo ist eigentlich die Einsicht, dass der kleine Beitrag von jedem Einzelnen einen großen Fortschritt bringt, hin? Wir lernen jeden Tag immer mehr und immer schneller dazu, aber ausgerechnet dieser Punkt geht uns nicht in den Schädel. Warum? Weil er nicht zum kapitalistischen Weltbild passt, dem wir uns so gerne hingeben? Nein, kein Kommunismus an dieser Stelle, aber ein wenig mehr Vernunft wäre angebracht. Experten schlagen seit Jahren Alarm, was den CO2 Ausstoß ALLER Nationen betrifft (nix mit "Die Chinesen/Inder/Brasilianer sind Schuld!") und trotzdem ändert sich am Verhalten der einzelnen Bürger sehr wenig. Jeder Weg zum Bäcker wird mit dem Auto erledigt, es muss mindestens zweimal pro Jahr ein Urlaub her (das bevorzugt per Flugzeug!) und im Verschwenden von Lebensmitteln sind wir (in Zeiten, wo 1 Milliarde Menschen weltweit unter Hunger leiden) eh Spitze!
Verzicht ist schmerzhaft, Verzicht bedeutet heutzutage, ein Verlierer zu sein... und deswegen verzichtet auch kein Mensch mehr. Wir brauchen alles - und das vorgestern! Vom besten Auto zum modernsten Tablet-PC, es muss alles da sein. Konnten wir vorher ohne leben? Ja sicher! Allerdings laut Apple-Werbung kommt gleich die Frage hinterher: Wie? Und dementsprechend benehmen sich die Konsumenten: es gibt keinen Grund, warum man ohne iPhone oder iPad weiterleben sollte, wenn das Leben mit doch "so viel schöner" ist. Wahrscheinlich war genau aus diesem Suchtkrüppel-Verhalten der Menschheit die Trauer auch so groß, als Steve Jobs dieses Jahr nach langer Krebserkrankung starb. Seitdem ist nur noch die Rede vom "Messias, der die Welt veränderte". Jesus wurde also tatsächlich reinkarniert - und zu Lebzeiten zum Messias gemacht! Schöne neue Kapitalismuswelt!

Scherz beiseite: was haben wir gelernt? Außer, dass wir alles brauchen und nix mehr hergeben wollen, dass Revolutionen nichts bringen, weil wir kein Durchhaltevermögen haben und wir uns am Ende des Tages nur für uns selbst interessieren? Wahrscheinlich wiedermal das Übliche: dass wir (heute mehr denn je) soziale Kontakte brauchen. Diese aber bitte bevorzugt über soziale Netzwerke, denn Kontakt zu realen Menschen in der realen Welt ist viel zu anstrengend und passt so gar nicht in die von Burnout und der gefühlten 60 Stunden Arbeitswoche geprägten Gesellschaft hinein. Wie gut, dass es für solche Fälle facebook, wkw und Co. gibt! Hier kann man die Stunden, die man eigentlich gar nicht hat, am Computer verbringen und mit Menschen chatten oder ihren Status kommentieren, die man entweder aus grauer Vorzeit (sprich: vor dem PC), nur sehr flüchtig oder überhaupt nicht kennt. Der Effekt: man fühlt sich diesen Menschen wesentlich verbundener, als würde man mit ihnen im wahren Leben reden. Warum? Weil man plötzlich geneigt ist, viel mehr von sich diesen Menschen preiszugeben als im wahren Leben. Sehr schnell redet man da von intimsten Details, weil man bei all der Tipperei denkt, man würde quasi mit sich selbst oder seinem persönlichen Therapeuten reden. Um so größer die Enttäuschung, wenn diese Menschen plötzlich all das gesammelte Wissen gegen einen verwenden. Immer wieder gibt es Fälle von Suizid durch soziale Netzwerke, aber das interessiert nur die Wenigsten. Mark Zuckerberg zum Beispiel am Wenigsten, der führt kurzerhand seinen neuen Clou, genannt "Timeline", ein, mit dem die Leute endgültig alles von sich preisgeben können, bis auf die Unterhose, die sie gerade an diesem Tag tragen. Aber keine Sorge: für dieses Problem wird es wohl auch bald eine Lösung geben.

Nun, das Jahr neigt sich dem Ende und auch ich frage mich, bei all der Schreiberei und allem anderen, was ich so erlebt habe: "Was habe ich dazugelernt?". Kleine, simple Weisheiten am Wegesrand, die ich aufgeschnappt habe; wie z. B. die Tatsache, dass die Rating-Agentur "Fitch" eigentlich eine Abkürzung für "Fucking Bitch" ist (Danke an Chin Meyer dafür! ;-)). Außerdem der endgültige Beschluss, dass soziale Netzwerke nutzlos, nutzloser und am Nutzlosesten sind. Und die Entdeckung, dass sich Veganer nicht nur von Rohkost ernähren (das MUSS an dieser Stelle auch mal erwähnt sein, denn die Erkenntnis, dass man ohne Fleisch fast besser leben kann als mit, glauben die Wenigsten... sie stimmt allerdings!). Ich habe festgestellt, dass die Menschen sich nur ungern ändern (mir inklusive!), den Meisten aber eine Änderung auch mal gut tun würde (mir inklusive!). Deswegen habe ich meine Neujahresvorsätze bereits jetzt in die Tat umgesetzt, mich von Menschen und Lebensweisen, die mir potenziell schaden, getrennt und mehr Zufriedenheit in mein Leben gebracht.
Sonst noch was? Ach ja, ich habe gelernt, dass ich mit Menschen, die mit der CDU was zu tun haben bzw. hatten, einfach nicht kann, egal, wie oft sie mir erklären wollen, die CDU sei eine "soziale Partei". Vielleicht stimmen die Vorurteile doch: Menschen unterschiedlicher Konfessionen können selten gut miteinander, genauso verhält es sich mit der Politik und Parteienzugehörigkeiten (dabei gehöre ich nichtmal einer Partei an!). Aber sagen wir mal so: solange diese Menschen von der CDU keine Heuchler sind, könnte ich theoretisch mit ihnen. Ich bin nur noch keinem Vertreter dieser Partei begegnet, der sich nicht als solcher entpuppt hätte! Aber dazu dient wohl das neue Jahr: damit wir wieder was Neues dazulernen! Und vielleicht wird die CDU im nächsten Jahr nicht zur "Partei non grata des Jahres" bei mir.

Ob man seine Vorsätze im neuen Jahr halten kann? Das kann ich kaum beurteilen. Einen Versuch ist es jedenfalls wert - und eins weiß ich: indem ich meine Vorsätze jetzt schon umgesetzt habe, bin ich den Neujahrsvorsätze-Umsetzer einen ganzen Monat voraus. So viel zur Psychologie der Zeit.
Egal, ich wünsche allen Lesern (auch wenn es wenige sind) einen guten Rutsch ins neue Jahr, eine gute Zeit für 2012, viele Gründe zur Freude, viele zum Lachen (hab ich auf einem Kalender gelesen, den Wunsch finde ich besonders nett und übernehme ich einfach mal!) und allgemein Zufriedenheit, Demut und neue Einsichten, die dann hoffentlich auch zu Änderungen führen. Für Veränderungen ist es schließlich nie zu spät, an keinem Tag des Jahres!

In diesem Sinne, einen guten Rutsch und bis zum nächsten Freitag an gleicher Stelle.

LG Gene :-)

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