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Freitag, 9. Dezember 2011

Wie Clint Eastwood die Welt rettet - Punkt 4: Krisenmanagement

Krisen - es gibt sie wohl schon seit Menschengedenken, wahrscheinlich wird eine der ersten Krisen darin bestanden haben, dass die Steinzeitmenschen nicht wussten, wie sie sich vor jeglichem Wechsel des Wetters schützen sollen. Der Zustand der Krise hat sich immer mal wieder individuell oder flächendeckend in unser Leben geschlichen, alljährlich auch kurz vor Weihnachten. Selten sind die Menschen verzweifelter als zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich überlegen müssen, was sie ihren Liebsten schenken müssen. Es sind zwar noch gut zwei Wochen bis zum Fest, aber für die Panik, nicht mehr das Richtige für die Richtigen zu bekommen, ist es nie zu früh! Gerade in diesen Zeiten dürfte es dem Normalbürger nicht schwerfallen zu verstehen, was es bedeutet, in einer Krise zu stecken; und damit müsste auch das Verständnis für die Politiker europa- bzw. weltweit auf einem ganz hohen Level sein, wenn man sich anguckt, was diese in Krisenzeiten so alles stemmen sollen: die Welt soll vor allem gerettet werden, vor Finanz- wie Klimakatastrophen. Die Politik wird immer mehr zu dem Leim, der das wacklige Konstrukt unserer Gesellschaft zusammenhalten soll. Es gibt 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten und ein paar Tausend Politiker sollen das regeln, wofür eigentlich jeder einzelne von uns zuständig wäre - kann so etwas überhaupt funktionieren? Warum sollte nicht gleich ein Mann ganz allein das Kindchen schaukeln?

Nun, ich bin schon mehrfach für meinen Vorschlag, Clint Eastwood diese Welt (oder speziell Deutschland) retten zu lassen, kritisiert worden - was hat Clint Eastwood bitte mit Politik zu tun? Für alle Unwissenden: Clint Eastwood war bereits Politiker, zwar nur als Bürgermeister tätig, aber diesen Job hat er weitaus besser gemacht als Adolf Sauerland in Duisburg. Zugegeben, die Latte, die Herr Sauerland hingelegt hat, ist nicht sonderlich hoch und die Unverschämtheit, nach der Katastrophe bei der letzten Love Parade 2010 nicht zurückzutreten und auf dem Chefsessel kleben zu bleiben, ist derart unglaublich, dass man im Schockzustand nicht einmal mehr den Kopf darüber schütteln kann. Es gibt eben Menschen, die unverschämter sind als andere; meist sind das Menschen, die für die Politik so gar nicht geeignet sind. Wenn man das allerdings hochrechnet, sind rund 75% aller Politiker für ihre Jobs ungeeignet. Aber ob Clint Eastwood dazugehört, wage ich stark zu bezweifeln. Wenngleich er als Repräsentant der Republikanischen Partei Bürgermeister war und es meiner Meinung nach schon ein Kapitalverbrechen ist, diese Partei überhaupt zu sympathisieren. Im Ende kommt es immer darauf an (wie bei allen Dingen im Leben), was unterm Strich dabei herauskommt. Und an dieser Stelle hat Eastwood in seiner knapp zweijährigen Politikerkarriere seinen Job nicht schlecht gemacht. Aber genug der Erklärungen und der Schleichwerbung für Herrn Eastwood, es gibt Krisen von einem zum anderen Ende des Raumes zu schieben!

Diese Woche fand in Durban in Südafrika eine Klimakonferenz statt. Die Sorgen waren schon im vorneherein groß, da das Kyoto-Protokoll ausläuft und eine neue Lösung zur Rettung des ökologischen Gleichgewichts hermusste, damit die Erde überhaupt gerettet werden kann. Machen wir uns indes nichts vor: die Erde ist lange nicht mehr zu retten, denn eine Rettung à la Hollywood würde "...and they lived happily ever after" (auf gut Deutsch: und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage) bedeuten. Der Schaden, den die Menschheit in den letzten 150 Jahren allerdings verursacht hat, ist durch keine Kehrtwende mehr auszugleichen, keine Lösung kann den Planeten wieder so reinigen, dass er jungfräulich in neuem Glanz erstrahlt. Wie mit allem ist es auch hier: wenn die Unschuld erstmal weg ist, ist sie weg. Deswegen sollte man sich auch sehr gut überlegen, ob man die Unschuld aufgeben möchte. Und über die Unschuld der Erde wurde schon vor Generationen entschieden, vielleicht naiv und ohne an Morgen zu denken, aber es wurde entschieden. Zupf und weg war sie, die Reinheit und Unschuld des Planeten Erde! Und nun sitzen Politiker und Experten aus aller Welt in Durban und diskutieren... und diskutieren... und diskutieren. Die Frage ist nur: wohin? Und ist Gretchen nicht längst verloren, weil Faust den Pakt mit Mephisto lange geschlossen hat?

Das Problem des Klimawandels ist lange bekannt und vor allem flächendeckend bekannt. Jeder, der heute noch so tut, als gäbe es den Klimawandel nicht oder als hätte er vorher noch nie davon gehört, kann ohne Zögern als Lügner bezeichnet werden. Die Welt wird stetig wärmer, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen wie das eigene Gefühl, wenn man aus der Haustüre tritt. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich beklagen, dass es zur Zeit trotzdem ar***kalt ist, aber... es müsste allen bewusst sein, dass wir Dezember haben, nicht Juni! Der Spätherbst an sich hat nunmal die Eigenschaft kalt zu sein... und nass! Obwohl, zweiteres ging im November ja mächtig daneben. Die Flusspegel sanken auf ein Rekordtief und kein Wettertief war in Sicht, die Regenschirme waren arbeitslos, es war einerseits traumhaft für alle Wasserphobiker und gleichzeitig katastrophal für die Umwelt. Freigelegte Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg waren da noch das kleinste Problem. Plötzlich war von Waldbränden die Rede, die es sonst nur im Hochsommer bei knapp 40°C Hitze gab. Passend dazu gibt es immer wieder aufs Neue die Diskussionen um die Wasserknappheit auf diesem Planeten. Laut WWF hatte sich der UN-Klimagipfel in Johannesburg 2002 das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu Trinkwasser haben, um die Hälfte zu reduzieren bis zum Jahr 2015. Nun, es ist bald 2015, aber hat sich etwas geändert? Leider erschreckend wenig. Das Wasserkonsumverhalten in den Industriestaaten hat sich nicht geändert, jeder Deutsche verbraucht immer noch im Schnitt über 120 Liter Trinkwasser am Tag, in anderen Ländern liegt die Zahl sogar noch höher. Geredet wird viel über diese Tatsache und alle sind sich einig, dass wir vorsichtiger mit dem Rohstoff Wasser umgehen müssen, da dieser sonst bald ähnlich umkämpft sein wird wie Erdöl. Aber passiert irgendetwas? Nee, warum auch? In einer Welt, in der man Überfluss gewohnt ist, fällt es sehr schwer, einen Gang zurückzuschalten. Damit ist der Effekt ähnlich wie beim Rasen auf der Autobahn: wenn man erst einmal die 200 km/h erreicht hat ist es für die Meisten nicht mehr erstrebenswert, langsamer zu fahren.

Damit wird dann auch klar, wieviel wert so eine Klimakonferenz eigentlich hat. Es ist schön, wenn sich kluge (oder vermeintlich kluge) Köpfe selbige zerbrechen, wie man den Klimawandel abbremsen kann (von aufhalten spricht keiner mehr!). Fraglich bleibt allerdings, wieviel dieses Kopfzerbrechen bringt, denn es gibt zu viele Uneinsichtige, die von den 200 km/h nicht runterkommen, sogar noch beschleunigen wollen. In diesem Fall sind die Inder und Chinesen wieder die beliebtesten Buhmänner - beide Nationen (plus Brasilien) zählen zu den Neumächten der Wirtschaft, beim Anblick ihres stetigen Wachstums können die Europäer in der Eurokrise nur mit den Ohren schlackern, aber es ist wohl klar, dass es bei diesem Wirtschaftsaufschwung mehr als ein Opfer gibt. Dabei handelt es sich nicht nur um menschliche Opfer wie Wanderarbeiter, die bis zum Letzten zum Wohl einiger weniger Superreiche ausgebeutet werden, sondern auch um umweltpolitische. Ökologie und Ökonomie gingen noch nie zusammen, auch wenn sie genauso ähnlich klingen wie die Namen Schmidt und Schmitt - es mag so gut wie gleich aussehen und trotzdem liegen Welten dazwischen. Umweltpolitik ist teuer, sie ist mühevoll und sie bringt im Drogenrausch der geputschten Wirtschaft nur sehr wenig. Deswegen verzichten viele Nationen auch auf sie; dass nun aber die Wirtschaftsneumächte China, Indien und Brasilien an allem Schuld sein sollen ist im Hinblick auf den Rest der Welt fast lächerlich.

Die United States of (wonderful!) America sind die Vorreiter der Umweltverschmutzung und Rücksichtslosigkeit, wenn man die Vergleichswerte der Industrienationen betrachtet. Schlimmer noch: die USA sind schon lange dabei, die Welt zu zerstören, ihre Gier nach Rohstoffen und ihre gleichzeitige Wegwerfgesellschaft sind das Schlimmste, was der Welt passieren kann. Einsicht? Fehlanzeige! Hört man den Experten dieser Länder zu, sind laut USA die Chinesen Schuld und laut Chinesen die USA. Alle sind Schuld, aber keiner will's im Ende gewesen sein. Aber liegt das wirklich nur daran, dass diese Politiker nicht wissen, was umweltpolitisch in den letzten Jahren geschieht? Man muss sich vor Augen führen, an dieser Konferenz nehmen hauptsächlich umweltpolitische Experten teil, also nicht Hintz und Kuntz aus Buxtehude. Doch es geht nicht nur um Expertenwissen, das Wichtigste bei solchen Konferenzen ist die Interessenvertretung der Bürger des jeweiligen Staates, sprich uns allen. Und wenn wir nicht bereit sind etwas zu ändern (jeder Einzelne!), dann werden die Experten einen Teufel tun, Dinge zu versprechen, die die Bürger des jeweiligen Landes nicht einhalten wollen. Gerade in diesem Gesichtspunkt liegt die Ignoranz der US-Amerikaner weit vor der der Chinesen oder Inder.

Durch das Verhalten jedes Menschen auf diesem Planeten wird auch erst deutlich, warum der Klimawandel nicht aufgehalten werden kann. Alle Menschen brauchen alles - und das am Besten vorgestern! Ein Haus, ein Auto, ein Pferd - nun, letzteres ist nicht mehr so dringend, trotzdem gerne gesehen. Zwar sind in Deutschland alle sehr bemüht, beim Auto und Haus auf erneuerbare Energien zu setzen, trotzdem vertraut der Konsument auch hier auf die Verpackung und die Werbung, die für diese Produkte gemacht wird. Eine trügerische Sicherheit, denn Werbung hat immer gewaltig viel mit Manipulation und nur sehr wenig mit Wahrheit zu tun - gerade, wenn sie aus politischem Hause kommt, sollte man bei Werbung sehr vorsichtig sein. Erneuerbare Energien sind gut für die Umwelt? Jein, denn Windräder in der Nord- und Ostsee richten auch Schaden an der Umwelt an, wenn auch in einem anderen Sinne. Es ist nicht klar, ob die Geräuschskulisse der Windräder auf Dauer den Meeresbewohnern schaden wird, es ist nicht abzusehen, inwieweit die Herstellung von Voltaikanlagen der Umwelt schadet. Tatsache ist, dass die Welt sich zu gerne auf die erstbeste Lösung verlässt, die ihnen über den Weg läuft, wenn es um das Thema Umwelt geht. Und wieso? Weil alle (Politik wie Wirtschaft) jahrzehntelang gepennt haben, als Experten Alarm schlugen und vor dem Klimawandel warnten, wenn die Entwicklung in den Industriestaaten so weitergehen würde.

Ähnlich sah es auch mit dem Rohöl aus. Es war allen lange bewusst, dass Erdöl als Energielieferant irgendwann nicht mehr vorhanden sein würde, dass die Erde ausblutet und (ähnlich wie ein menschlicher Körper) leergepumpt sein würde. Trotzdem haben Politiker wie Erdölmagnaten die Warnrufe zu gerne auf Kosten des schnellen Profits ignoriert. Schlimmer als die Profitgier ist in diesem Zusammenhang nur der Effekt auf die Umwelt, die von verseuchten Weltmeeren bis zu astronomischen CO2-Ausstößen reicht. Hinzu kommen andere Rohstoffe, die ohne Rücksicht auf Verluste beschafft werden (wie z.B. Holz). All das bringt die Erde an den Rande eines Herzinfarkts - alles bricht zusammen, zuerst sämtliche Landschaften wie Wälder und Meere, dann sterben pro Tag laut Artenschutzorganisationen täglich (!) 150 Tierarten aus. Das heißt, dass es diese Tierarten effektiv nicht mehr geben wird, viele davon sind bis zum heutigen Tag unentdeckt geblieben. An dieser Stelle würden Fortgeschrittene im Zynismus wohl sagen: "Was man nicht weiß, macht einen auch nicht heiß! Und eine Tierart, die keiner kennt, wird wohl keiner vermissen!"

Wenn man das Thema Klimawandel einmal von allen Seiten betrachtet und die Einstellung aller Menschen zu dieser Thematik sieht, wird man feststellen, wie festgefahren der Karren in Wirklichkeit ist. Die Konferenz in Durban lebt vom Optimismus, dass Abkommen geschlossen werden können, die die Länder zur Einhaltung von ökologisch sinnvollen Einschränkungen überreden. Die Wahrheit ist jedoch, dass das Problem Klimawandel weitaus tiefergehend ist als das der umweltverschmutzenden Wirtschaft. Sicher, wir leben alle von der Wirtschaft und der Verbrauch in der Wirtschaft durch Produktionen ist gigantisch - trotzdem leistet jeder Einzelne von uns seinen eigenen Beitrag, den Planeten zu zerstören, Tag für Tag. Doch heißt das jetzt, wir sollen uns aller bösen Übel entledigen und im Wald im Einklang mit der Natur leben? Um Gottes Willen, nicht doch! Das wäre katastrophal - für den Wald zumindest. Die Strukturen, die die Welt sich aufgebaut hat, sind im Ansatz richtig - trotzdem werden falsche Wege gegangen, ob nun aus Bequemlichkeit oder Sturheit. Vielleicht liegt es auch nur am "bockigen Kinde" in uns allen, dass gar nicht einsieht, dass Dinge zum Wohle des Planeten geändert werden müssen.

Hoffnungen wurden indes diese Woche geschürt, dass die Verschwendungssucht der Menschen noch belohnt werden könnte, als das US-Teleskop den erdenähnlichen Planeten namens "Kepler 22b" entdeckt hat. Man könnte nun bereits Gerüchte schüren, die ersten Milliardäre, die sonst nichts mit ihrem Geld vorhaben, haben bereits Grundstücke auf dem Planeten gekauft und sind schon beim Einwohnermeldeamt, um ihren Wohnsitz zu ändern. Es ist auch zu verführerisch, ein Planet, auf dem Leben möglich sein könnte, konstante 22°C und wahrscheinlich ähnliches Rohstoffvorkommen wie auf der Erde. Das passt doch zu gut in das Konsumdenken: wenn etwas verbraucht ist, trennt man sich davon und sucht sich etwas Neues. Und wenn eine Erde verbraucht ist, wird einfach eine neue gesucht. So einfach und doch so bescheuert, denn der Mensch lebt unablässig in dieser Hoffnung und wird sie wohl doch nicht erfüllt bekommen. Selbst wenn Leben auf einem anderen Planeten möglich wäre (und ich hoffe nicht, dass sich ein Planet wirklich einfallen lässt, uns als Bewohner haben zu wollen!), macht es das Unrecht, das wir diesem Planeten hier und jetzt zufügen nicht ungeschehen. Frei nach dem Motto "Two wrongs don't make a right" wird die Sache nicht besser, wenn man einfach noch mehr im Umweltschutz falsch macht in der Hoffnung, ein neuer Planet wird uns schon retten.

Allerdings, bei allem Predigen, es soll den Leuten nicht die Freude am Weihnachtsfest und dem damit verbundenen Konsum verdorben werden. Deswegen werden in Brüssel in der Eurokrise wie in Durban in der Krise um den Klimawandel nach Lösungen gesucht und unter Hochdruck Päckchen für den globalen Weihnachtsbaum geschnürt. Unterschied zu wirklich gewollten Geschenken ist hier nur, dass bei diesen Päckchen nichts rauskommen wird, worauf sich die Menschen freuen werden: Verzicht, um die Umwelt zu schonen... Geld sparen, um den Euro zu retten. Wer hat schließlich gesagt, es würde einfach werden, die Welt zu retten? Clint Eastwood hat nie gesagt, es würde einfach werden - vielleicht deswegen wollte er selbst seinen Bürgermeisterjob nach zwei Jahren nicht mehr. Es ist schlichtweg zu anstrengend, die Welt vor Unheil zu schützen. Selbst die höchste und flächendeckendste Bildung kann nicht verhindern, dass die meisten Menschen unwissend sind in Krisenzeiten, weil das Meiste dieser Bildung nicht in den Köpfen ankommt.

Krisen über Krisen - es gibt noch weitere Krisen, über die es sich zu Reden lohnen würde, außer die offensichtlichste des Klimawandels. Die Krise um den Euro beherrscht die Nachrichten schließlich weitaus mehr als sämtliche Umweltkrisen - es ist den Menschen immer noch wichtiger, Geld zu haben als das eigene Leben scheint es. Merkwürdig, wenn man bedenkt, dass das Letzte, was der Mensch braucht, das Geld ist ... zumindest, wenn er kein Leben mehr hat!

In diesem Sinne, allen Lesern noch viel Vergnügen beim Vorweihnachtswahnsinn und Clint Eastwood hat jetzt endgültig Feierabend, der Mann arbeitet schließlich schon hart genug. Man sollte das Ganze nicht überstrapazieren und jede Vorweihnachtsserie hat auch mal ein Ende. Superhelden brauchen auch mal eine Pause, also sei sie ihm gegönnt.

Der Blog geht allerdings weiter; nächsten Freitag, gleiche Stelle, gleiche Welle. Damit allen ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Freitag.

LG Gene :-)

Freitag, 2. Dezember 2011

Wie Clint Eastwood die Welt rettet - Punkt 3: Arbeitsrecht/-pflicht

Angekommen in der Adventszeit macht sich die "Vorweihnachtsserie 2011" gleich noch ein wenig besser als zuvor. Besser gesagt: die Weihnachtsstimmung steigert sich unweigerlich dem alljährlichen Höhepunkt und damit steigt auch der "gefühlte Rinderwahnpegel" deutlich an, wenngleich es bis jetzt noch relativ harmlos zugeht. Weihnachtsmärkte, dekorierte Schaufenster, blablabla... alles schon gesehen, im Westen nix Neues. Und wenn die Weihnachtsfront nichts spektakulär Neues zu bieten hat, dann zumindest dieser Blog, wenn auch nur mit einem neuen Eintrag.

Clint Eastwood hat ja schon einiges zu tun gekriegt in den letzten zwei Wochen - er soll die Integration endlich zum Funktionieren bringen (und ohne Zweifel traut man ihm das eher zu als Thilo Sarazzin), dann soll er sich noch um die Kinder und Alten kümmern... gleichzeitig! Als wäre er damit nicht schon überfordert genug, gibt es im Staatsapparat Deutschland viele weitere kleine und größere Problemgruppen, denen geholfen werden muss. Und wenn jede Hilfe nicht mehr fruchtet, kann "Harry Callahan" immer noch seine Waffe zücken. Aber wie gesagt, Callahan zieht seine Waffe nur im Kampf gegen das Unrecht, nicht gegen Volksgruppierungen, die die Eliteschicht gerne los wäre.

Eine Gruppierung, die in diese Kategorie eindeutig fällt, sind die Arbeitslosen. Über nichts wird sich so gerne echauffiert, wie über Menschen, die keinen Job haben. Eine Arbeit haben heißt schon immer nicht nur, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern auch einen Lebensinhalt zu haben. 8 Stunden des Tages allein damit verbringen zu arbeiten ist praktisch, immerhin muss man in der Zeit nicht darüber nachdenken, wie man die Zeit sonst verstreichen lassen sollte. Die Menschen mit Arbeit sehen dieses "Privileg" allerdings immer noch als Pein, es heißt immer, sie "müssen" arbeiten gehen, womit sie glatt so tun, als würden sie wie in einem Arbeitslager zur Arbeit gezwungen werden. Natürlich ist der Mensch in gewisser Hinsicht gezwungen zur Arbeit, allerdings weitaus mehr von sich selbst aus als von einem Zwang von außen.

Genau das macht es fast noch unverständlicher, warum Menschen als wesentliches Thema zum Zerfleischen von Mitmenschen die Arbeitslosen aussuchen. Keiner sagt, dass Arbeitslose ach so arme Menschen sind, die nichts dafür können, dass sie arbeitslos sind, wenngleich genau das auf viele dieser Bevölkerungsschicht zutrifft! Und gerade jetzt, in Zeiten des "wirtschaftlichen Aufschwungs", müssten die Menschen alle begeistert zu jedem x-beliebigen Arbeitgeber laufen und um einen Job betteln, auf Knien rutschend und flehend, sich an der Arbeitswelt beteiligen zu dürfen. Aber geschieht das? Nicht wirklich, der Enthusiasmus, arbeiten zu gehen, hat nicht gerade zugenommen, es ist fast umgekehrt. Doch woher kommt's?

Die Arbeitslandschaft, wie die Menschen sie vielleicht kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kannten, existiert nicht mehr. In Zeiten des Wirtschaftwunders kamen die Leute so schnell in die Vollzeitbeschäftigung, dass sie sich schon selbst kneifen mussten, um zu spüren, dass sie nicht träumten. Die Bezahlungen waren entsprechend gut und damit wurde der Konsum schön angekurbelt. Mit den Jahrzehnten gewöhnten sich die Wirtschaftswunderkinder an den reichhaltigen Konsum und damit war der Anfang der Katastrophe eigentlich schon vorprogrammiert. Den Menschen wurde immer mehr vorsuggeriert, sie bräuchten alle möglichen Konsumgüter zum Überleben in der Gesellschaft. Es zählte nicht mehr das rein physische überleben, sondern das Prestigedenken wurde in jedem einzelnen Menschen gezüchtet. Vorher war Prestige ein Luxusgut für Adelige oder die "oberen Zehntausend", später wurde daraus ein Massengut, dass sich sogar Lieschen Müller leisten konnte, wenn nicht gar musste oder sollte. Der Druck wuchs zwangsläufig bei all diesem Denken, ähnlich wie bei der Panik beim Weihnachtsgeschenkekaufen. Es geht schließlich nicht nur darum, irgendetwas zu kaufen, es soll das Richtige, das Beste und das Größte sein, was man kriegen kann. Irgendwas kann schließlich jeder und in unserem Individualismus sind wir immer danach bestrebt, uns von der grauen Masse abzuheben. Ähnlich ging es in der Arbeitswelt zu: gute Löhne wurden gezahlt, und sie mussten auch wieder ausgegeben werden. Der Kreislauf der Konsumgesellschaft! Problematisch wurde die Sache erst, als die Menschen plötzlich weniger oder gar keine Arbeit mehr hatten, in die Arbeitslosigkeit abrutschten aufgrund von Wirtschaftsflaute; da trennte sich dann die Spreu vom Weizen. Plötzlich war es "Glück" (oder schlicht "Können", wie die Betroffenen sagen würden!), wenn jemand Arbeit hatte und sich damit weiterhin immer mehr leisten konnte. Die Anderen hingegen (die Arbeitslosen) waren der Schandfleck der Gesellschaft, bekamen (dank einer Hardcorefront, die das lustig im Fernsehen vorlebte) Klischees aufs Auge gedrückt, die ihnen wie brandneue Lackpumps passen sollten.

Die Realität eines Arbeitslosen sieht jedoch weit anders aus als das, was die Schrottsender RTL oder Sat.1 uns auftischen wollen. In deren Welt sind Arbeitslose allesamt Messies, verschuldet bis zum Haaransatz und chronisch faul. Das diese Faktoren eigentlich Probleme aller Gesellschaftsschichten sind, sieht kaum noch einer; vielleicht ist es auch nur schlichtweg bequemer, den Arbeitslosen diese Probleme in die Schuhe zu schieben, weil es so wunderbar zu ihnen passt. Nichts arbeiten heißt also nicht nur nichts sein, es heißt sogar, dass man nur zum Schlechten zu gebrauchen ist. Als Arbeitsloser ist der Mensch nur dazu fähig, der Gesellschaft Schaden zuzufügen, wirtschaftlich und allein schon mit ihrer bloßen Anwesenheit.

Seit der Wirtschaftsmotor wieder auf voller Kraft läuft, ist dieses Denken sogar noch schlimmer geworden. Jeder Arbeitnehmer ist der Meinung: "Wer Arbeit will, der kriegt auch welche!" Wie wahr, wie wahr, dafür müssen sich die Weisen aus dem Morgenland doch verdammt angestrengt haben, solch eine Weisheit aus den Rippen zu schneiden. Es stimmt, wenn man wirklich unbedingt arbeiten möchte, kann man das. Andererseits: wenn man wirklich seinem Leben ein Ende setzen möchte, geht das auch. Und wenn man unbedingt an einem anderen Ort sein möchte, ist das auch möglich. Im Prinzip ist alles möglich, wenn man es nur möchte, denn den Möglichkeiten sind nicht nur in den USA keine Grenzen gesetzt. Die Frage ist nur: möchte man wirklich für einen Hungerlohn arbeiten gehen, damit man das gute Gefühl hat, dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen? Und dazu bemerkt: klappt das überhaupt? Denn wenn es wirklich so einfach wäre, gäbe es noch viel weniger Grund zur Diskussion.

Der Arbeitsmarkt ist inzwischen weit komplizierter als je zuvor. Eine Arbeit haben heißt längst nicht mehr überleben, es heißt einfach, man leistet einen Beitrag - irgendeinen. Man tut quasi so, als wäre man ein vollständiges Mitglied der Gesellschaft. Fakt ist allerdings: von "2,7 Millionen Arbeitslosen" kann in diesem Land keine Rede sein. Es gibt so viele Menschen, die arbeiten gehen und weiterhin von Hartz IV und ähnlichem abhängig sind, damit sie überhaupt mit ihrem Geld hinkommen. Gehören diese Menschen auch zur Schmuddelgruppe, die zu faul zum Arbeiten ist? Warum entscheiden sich diese Menschen dazu, so wenig Geld zu verdienen? Die Antwort ist ganz einfach: weil die Entscheidung längst nicht mehr in ihrer Hand liegt! Jahrelang war die Politik so bemüht, die Arbeitslosen zu eliminieren, ohne sie in einer Fleischfabrik zu Industriefraß zu verarbeiten (wie im Film "…Jahr 2022… die überleben wollen" mit Charlton Heston gezeigt), dass ihnen jedes Mittel dazu Recht war. Mord ging wie gesagt schlecht, weil leider illegal, also mussten die Menschen zu Lohn und Brot kommen. Und frei nach der Prämisse "Besser irgendeine als gar keine Arbeit!" wurde die Arbeitsmodelle "geringfügige Beschäftigung" und "Zeitarbeit" ins Leben gerufen. Ausgerechnet der ehemalige "Superminister" Wolfgang Clement vertrat die Haltung, dass es noch mehr Zeitarbeitsfirmen und noch mehr geringfügige Beschäftigungen geben müsste, um die Menschen zum Arbeiten zu bewegen. Aus reiner Nächstenliebe hat er das nicht getan, auch nicht, um die Arbeitslosen aus ihrer Depression zu locken; es stellte sich nach dem Regierungswechsel und seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt schnell heraus, dass er in erster Linie im eigenen Interesse gehandelt hat. Inzwischen sitzt er im Aufsichtsrat des fünftgrößten deutschen Zeitarbeitsunternehmens "DIS"; seine Bewerbung muss für diesen Posten glänzend verlaufen sein, immerhin hat er doch die Lockerung der Gesetze zur Zeitarbeit herbeigeführt.

Der Fakt bleibt: Menschen sind nicht unbedingt aus dem Schneider, wenn sie Arbeit haben. Solange sie nicht Minister sind und ihnen damit jede Tür in der Wirtschaft offensteht, haben sie es schwer, überhaupt Arbeit zu finden, die sich noch lohnt. 400 Euro im Monat? Wie weit kommt ein Mensch mit 400 Euro? Wenn man aus dem Studentenalter raus ist und bereits Kinder hat, wohl nicht einmal über die erste Woche des Monats. Und am Ende des Geldes ist immer noch zuviel Monat übrig - was für ein weiser Spruch der Neuzeit, denn er trifft genau, wohin uns die Konsumgesellschaft und das Wirtschaftshoch führt, nämlich schnurstracks in die Pleite.

"Jedes Hoch führt zum nächsten Tief" wäre vielleicht noch ein schlauer Spruch in dieser Hinsicht. Die Eurokrise, die derzeit wie ein Geier über Europa fliegt, ist nur ein erstes Anzeichen für das nächste Wirtschaftstief. Keiner ist sich darüber wirklich bewusst, es redet zwar jeder darüber, aber die nächste Krise ist (wie der Weltuntergang oder der Klimawandel) noch so weit weg. Solange sich die Menschen noch alles, was sie "benötigen", leisten können, ist für sie die Welt eh in Ordnung, auch wenn sie längst am Auseinanderbröckeln ist. Nur die Niedriglöhner, die staatliche Unterstützung brauchen, um auf den Mindestsatz zur Lebensgrundlagensicherung zu kommen, kennen die Krise bereits. Für sie ist sie tägliche Realität.

Dann gibt es allerdings immer noch die 2,7 Millionen, über die sich Deutschland genauso aufregt wie vor einigen Jahren über die 5 Millionen Vollzeitarbeitslosen. Eine Abnahme der Zahl um knapp die Hälfte hat nicht dazu geführt, dass die Menschen über die restlichen Arbeitslosen eine bessere Meinung haben, das Gegenteil ist der Fall: die Gesellschaft ist beim Rest davon überzeugt, dass sie chronische Arbeitsverweigerer sind, die von astronomischen Gehältern fürs Nichtstun träumen. Zwei Dinge müssen dazu allerdings gesagt werden: 1. Wer sagt, dass diese Arbeitslosen wirklich unrealistische Vorstellungen von Gehältern haben? und 2. Selbst wenn sie diese haben, wer kann es ihnen im Zeitalter von astronomisch hohen Bonis für Banker und Manager eigentlich verübeln? Seit wir in einer Gesellschaft leben, in der Jeder alles erreichen kann, gibt es keine Gründe mehr für irgendeine Bevölkerungsschicht zu glauben, dass etwas unmöglich ist. Wir leben nicht mehr in Zeiten von Kasten oder von Geburt aus Privilegierten (zumindest ist deren Anzahl auf ein Minimum geschrumpft), also kann auch von niemandem mehr verlangt werden, dass er sich stumm in sein Schicksal einfügt. Das gilt sowohl für die Arbeitslosen wie für die Arbeitnehmer, die hemmungslos über Arbeitslose meckern.

Bei all dem Meckern muss nur eins bedacht werden: wir leben in einer Sozialgesellschaft, das heißt einer unterstützt den anderen, soweit es geht. Zumindest ist das die Meinung der Menschen, wenn es um Arbeitslose geht. Jeder denkt, er bezahlt mit seinem sauer verdienten Geld den Lebensunterhalt für alle Arbeitslose, die es gibt. Das stimmt allerdings nur zum Teil; in erster Linie gilt der Beitrag der Arbeitslosenversicherung als eigene Absicherung im Fall der Arbeitslosigkeit, nicht die der Menschen, die gerade arbeitslos sind. Diese werden zwar für den Moment aus diesem Topf bezahlt, doch wenn sie arbeiten gehen, müssen sie einzahlen für die nächsten Arbeitslosen - oder die, die es immer noch sind. Klar, wir sind uns alle einig, Arbeitslose, die wirklich zum Schrott-TV Klientel gehören und partout nicht arbeiten gehen wollen, sind uns allen ein Dorn im Auge. Wahrscheinlich weil wir wissen, wie hart es ist, für einen Lebensunterhalt aufzukommen und wir gar nicht einsehen, warum wir für diese Leute mitbezahlen sollten. Andererseits: wenn die Anzahl derer, die nicht arbeiten gehen will, so bleibt, wie sie heute ist, haben wir finanziell kein Problem. Es ist ähnlich wie mit der Rente: zur Zeit der Weimarer Republik hat die auch noch prima funktioniert, weil die Menschen nicht alt genug wurden und nur wenige wirklich Rente kassiert haben. Deren Rente musste dann von vielen Arbeitnehmern getragen werden, dadurch erschien es denkbar leicht, dieses Solidaritätsprinzip aufrecht zu erhalten.

Heute sieht das alles anders aus in der Rente (was wir ja schon letzte Woche erläutert haben!). Die Angst, dass es mit dem Arbeitslosensystem genauso gehen wird, ist nicht unbegründet... eine Wirtschaftskrise reicht und wir sind genau an dem Punkt angelangt, an dem nix mehr geht und die große Masse an Arbeitslosen von wenigen Arbeitnehmern finanziert werden muss. Allgemein liegt genau darin das größte Problem: die Masse der Menschen, die wirklich Vollzeit arbeiten geht (und vollen Steuersatz bezahlt!) liegt in Deutschland zahlenmäßig bei 27 Millionen Menschen. Zur Erinnerung: es leben 82 Millionen in diesem "gelobten Land", insgesamt sind rund die Hälfte überhaupt in Beschäftigung. Aber bei dieser Anzahl auf die Arbeitslosen zu gucken, die offiziell bei 2,7 Millionen liegen, ist nicht wirklich die Wurzel aller Probleme. Knapp 3 Millionen erklären nicht 40 Millionen, die nicht in Vollzeitbeschäftigungen oder fünf Teilzeitjobs gleichzeitig hängen. Sicher muss man viele Faktoren in diesen 40 Millionen berücksichtigen, was bleibt ist die Tatsache, dass zu viele Menschen vom Subventionsapparat sozialen Denkens in Deutschland abhängig sind, auch wenn sie nicht das Arbeitslosengeld I und II empfangen.

Also, was macht Clint Eastwood jetzt damit? Einmal die Schrottpresse anwerfen und alle Arbeitslosen munter reinwerfen? Wohl kaum der Stil, dem man ihm zutrauen würde. Es wäre wohl eher der Stil aus "The Good, The Bad and The Ugly" angebracht, der wortkarge Held, der aber immer Gutes tut, auch wenn andere noch so sehr versuchen, ihn übers Ohr zu hauen, gerecht, aber auch hart, wenn ihm jemand in die Quere kommt. Vielleicht braucht Deutschland etwas mehr Gerechtigkeitsdenken, nicht nur für sich individuell (wir sind ja schließlich keine Superminister!), sondern mehr solidarisches Denken zur Stärkung aller. Diese Solidarität sollte allerdings weniger als Subventionsspritze geschehen, sondern vielmehr durch Einbindung Arbeitsloser in die Gesellschaft. Nix mit Arbeitsmaßnahmen in Agenturen, die die Teilnehmer zum Muschelsammeln an den Strand schicken oder sinnlose Zeitarbeitstätigkeiten... es muss (gerade in einem wirtschaftlich gut dastehenden Land) nach Lösungen gesucht werden. Gerade die Wirtschaft muss in diesem Punkt härter rangenommen werden - es kann nicht sein, dass Firmen lieber 10 geringfügige Stellen ausschreiben als eine Vollzeitstelle, nur damit sie weniger Steuern bezahlen müssen. Die 10 Stellen bekommen sie meist eh nicht besetzt, aber Hauptsache das lästige Zahlen von Sozialversicherungen bleibt ihnen erspart! Welch ein großartiges Gedankengut, wird sich man einer denken und dabei die Frage aufwerfen, ob es nicht gerade die Wirtschaftsriesen sind, die die wahren "Zecken Deutschlands" sind.

Ein Mensch, der auf einem Existenzminimum von 710 Euro lebt mag nicht gerade zur Elite der Gesellschaft gehören und das "Prädikat wertvoll" erhalten. Fraglich ist jedoch, warum die Menschen, die ungerechtfertigterweise Millionen Euro an Gehälter und Bonis auf dem Rücken und der Arbeitskraft anderer verdienen, als wertvolle Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden. Gerade in puncto "sozialer Ungerechtigkeit" müsste viel stärker nachgehakt werden, auch wenn wir uns darin nichts vormachen dürfen: die Meisten würden ihr Maul nie gegen die "da oben" aufmachen - immerhin wollen sie selbst dort hin! Nur Menschen, die eine Gesellschaft und ihre Funktionsweise verstehen, sehen die Gefahren sozialer Ungerechtigkeit. Dafür muss man nicht einmal Miglied bei den "Linken" sein oder unrealistische Vorstellungen von sozialer Marktwirtschaft und Mindestlöhnen haben. Gesunder Menschenverstand reicht völlig aus zu erkennen, dass Mindestlöhne, die gesetzlich festgelegt sind, dringend ausgearbeitet werden müssten und die Beschäftigung in Deutschland sich wahrhaftig wieder lohnen muss (was allerdings nicht bei 405 Euro beginnt, wie die Politiker zur Zeit denken mögen!).

Viele Dinge, über die sich Clint Eastwood und wir alle Gedanken machen können... ich gebe allen Lesern hiermit genau eine Woche Zeit dazu. Bis zum nächsten Blogeintrag am nächsten Freitag, ein schönes Wochenende und eine gute neue Woche!

LG Gene :-)

Freitag, 25. November 2011

"Wie Clint Eastwood die Welt rettet" - Punkt 2: Demografie

Nahtloser Übergang zum zweiten "Tages"ordnungspunkt in der Vorweihnachtsserie (schließlich hat der gute Clint hier einiges zu tun!). Und in gewissem Maße ist der 2. Punkt mit dem 1. anverwandt, nur geht es diesmal um weit mehr als nur um das Problem rechts oder links oder "rechts vor links" oder "links über rechts" - heute steuern wir auf die Wurzel eigentlich aller Probleme zu. Deswegen befasse ich mich mal ein wenig näher mit der Demografie Deutschlands. Demo... was? Nein, es geht zwar schon ein wenig auch um Zuwanderung in diesem Blog, aber wir demonstrieren jetzt nicht gegen Rechts, das ist nämlich die "Demonstration". Und mit der Staatsform, in der wir leben, hat es auch nichts zu tun - diese nennt sich (falls es einige noch nicht wussten!) "Demokratie".

Also, es geht um die Demografie - die Wissenschaft, die sich mit statistischen Veränderungen eines Staates beschäftigt. Will heißen? Wieviele Menschen werden geboren, wieviele sterben, welche von denen, die noch leben, entscheiden sich für's Landleben und welche wollen lieber in abgasverseuchten Ballungsgebieten leben. Es geht um die Zuwanderung (also, wieviele kommen, wieviele gehen im Gegenzug) und anhand all der Daten werden Lebenserwartungen errechnet und es wird geprüft, was, wo, wie und warum gebraucht wird - ein Teil dieser Wissenschaft ist damit auch die Volkszählung, die wir dieses Jahr über uns ergehen lassen durften. Aus dieser (wie aus den vorherigen, Plus vielen kleinen, gemeinen Stichproben, die quer durch die Bevölkerung geführt werden) entstehen Daten, die im Ende unser aller Leben erleichtern sollen. Sollen! Ob sie es nämlich wirklich tun, ist eine andere Sache.

In weit mehr Fällen sorgt die Demografie immer wieder für Sorgen. Es wird angeprangert, wir alle bekämen zu wenig Nachwuchs, die Leute werden alle eh zu alt etc pp. Nun, Deutschland ist einerseits ein sehr erfolgreiches Volk, auf der anderen Seite allerdings haben wir viel zu wenig Kinder - laut einer Werbung vor einigen Jahren bekommt jeder Deutsche im Schnitt 1,3 Kinder (und immer noch wird sich ein Großteil der Bevölkerung fragen, wie wohl 0,3 Kinder aussehen mögen!). Schwamm drüber! Deutschland ist schließlich ein Volk, das vom Erfolg verwöhnt ist (oder noch vom Erfolg verwöhnt ist... man weiß ja nie, was morgen sein wird in Zeiten der Eurokrise!). Und als "Siegervolk" wird es wohl auch Lösungen geben, die helfen, die Fruchtbarkeit Deutschlands in die Höhe zu treiben.

Vor zwei Wochen sprach ich an dieser Stelle von Subventionen - und ich habe angekündigt, dass sich die Vorweihnachtsserie weiter um dieses Thema drehen wird. Was viele Menschen nämlich nicht verstehen: wir werden mehr oder weniger alle subventioniert - einige auf legitime Art und Weise (mit anderen Worten, es ist richtig, weil es laut subjektiver Meinung richtig ist) und andere auf eine nicht legitime Weise (bezeichnet die Wege, bei denen sich die meisten Menschen über die Unterstützung für andere aufregen). Um nun das Kinderkriegen in Deutschland anzukurbeln, wurde irgendwann das Kindergeld eingeführt. Zuerst war dies die Idee der Nationalsozialisten (ja, leider ist alles auf die zurückzuführen!), um die Motivation zur Geburt von mehr Kanonenfutter zu steigern. Später dann (ab 1975) gab es das Kindergeld für jeden, ab dem ersten Kind. Damals waren das noch lächerliche 26 Euro (oder 50 Deutsche Mark). Bis zum Jahr 2011 hat sich dieser Betrag auf 184 Euro gesteigert. Bemerkenswert, denn immerhin ist Kinder kriegen die natürlichste Sache der Welt (wenn wir mal ganz vereinfacht uns auf den Sinn unseres Daseins beschränken).

Aber natürlich ist das Kindergeld nicht ein Anreiz, einfach locker aus der Hüfte ein paar Kinder auf die Welt zu bringen. Wenigstens die meisten Menschen dieser Bevölkerung wissen, dass Kindergeld nicht unbedingt beim eigentlichen Problem, ein Kind zu haben, hilft: die Erziehung und die Fürsorge, die man einem Kind zuteil kommen lassen muss! Diese Faktoren sind mit Geld nämlich nicht auszugleichen. Trotzdem ist auch das Kindergeld eine Art Subvention, Eltern werden unterstützt, damit sie sich überhaupt noch motiviert fühlen, ein Kind in die Welt zu setzen. Einfach so ein Kind kriegen? Wozu soll das denn gut sein? So denken die meisten Menschen ohnehin, wenn allerdings sämtliche Subventionen wegfallen würden (sprich: Kindergeld, Elterngeld, Betreuungsgeld etc) hätten wir in Deutschland wahrscheinlich noch weniger Kinder.

Die Frage, die da allerdings übrig bleibt ist wohl die Folgende: brauchen wir wirklich so viele Kinder in Deutschland? Ja, richtig gelesen, so viele! Okay, ich gebe zu, wir haben (verglichen mit der Zahl der Erwachsenen) weit weniger Kinder als vor 60 Jahren. Nur: wir haben inzwischen 7 Milliarden Erdenbewohner auf diesem Planeten, die meisten Rohstoffressourcen sind aufgebraucht, also gibt es nicht wirklich einen Grund, noch mehr Menschen in diese Welt zu setzen, die immer mehr Rohstoffe brauchen, die faktisch gar nicht mehr existieren. Desweiteren besitzen die Kinder 2011 in ihrem Ego bereits einen Dreifachwert, also besitzen so viel Selbstbewusstsein und beanspruchen so viel Raum für sich allein wie früher drei Kinder zusammen. Damit ist es fast schon blasphemisch, noch mehr Kinder in Deutschland zu gebären - das Land ist eh schon viel zu klein für so viel Ego. Jedoch hat der Wunsch der Regierung nach mehr und noch mehr Kinder einen Grund, ähnlich wie bei den Nationalsozialisten 1935.

Auch heute sollen die Kinder (also die Erwachsenen der Zukunft) eine Art Kanonenfutter sein. Nur in den Krieg müssen sie (noch!) nicht ziehen. Viel mehr geht es um die Rentenfrage bei all den Kindern, die potenziell geboren werden sollen. Deutschland hat (in all seinem Siegeswahn) ein entscheidendes Problem: die Menschen werden eindeutig zu alt, sind zu gut ernährt, halten sich im Vergleich zu früher viel zu gesund und wollen lieber 70 Jahre wie 20 aussehen, als mit 50 zu sterben. Es gilt als Katastrophe, wenn man heutzutage vor Eintritt des Rentenalters stirbt. Aber bei all der Euphorie, dass wir alle steinalt werden... genau dadurch haben wir heute (und in Zukunft noch mehr) Probleme, das Sozialsystem aufrecht zu erhalten.

Auch das Rentensystem gehört zum lieben Subventionssystem der Industriestaaten dazu. Sicher, keiner sieht das wirklich ein, denn alle (sowohl die, die sie bereits kriegen als auch die, die sie irgendwann kriegen werden) freuen sich über die Rente. Das Prinzip ist ähnlich dem Verhältnis Kind zur Schule: jeden Sommer sind die Kinder froh, wenn die Schule vorbei ist. Schon Alice Cooper sang "School's out... forever!" Und ähnlich geht es mit den Erwachsenen weiter. Irgendwann kommt der Punkt (früher gesetzlich verordnet mit 65, inzwischen auf 67 angehoben), da haben die Erwachsenen ihren letzten Arbeitstag und rufen "Work's over... forever!". Der Mensch freut sich, wenn er mal nichts mehr zu tun hat - oder besser gesagt: wenn er nichts mehr zu tun hat, was ihm von einem anderen vorgeschrieben wurde. Denn Rentner sind immer sehr bemüht der Welt zu erzählen, wie fleißig sie doch sind, wieviel Arbeit sie doch jeden Tag ihres Rentnerlebens haben. Zugegeben, das Rentnerleben ist anstrengend - durch Subventionen künstlich am Leben gehalten zu werden ist eine Pein, die man eigentlich keinem gönnen mag, würde man nur nicht selbst irgendwann auf die Aussicht auf Rente schielen und dabei feuchte Augen bekommen.

Der Mensch sieht das Leben gerne als Spaß und freut sich in all der Pflichten, die er zu erfüllen hat, irgendwann von sämtlichen Pflichten befreit zu sein. Vielleicht war genau das der Grundgedanke bei der Rente. Aber es gibt auch andere - der Nachwuchs soll seine Chance auf Arbeit bekommen (allein aus diesem Grund wurden jahrelang noch rüstige Arbeitnehmer mit Mitte 55 ausgemustert), außerdem sollte die Rente eine Sicherheit für die Menschen sein, im Alter auch bei körperlicher oder allgemein gesundheitlicher Einschränkung noch in der Lage zu sein zu überleben. Aus rein naturgemäßen Gründen hat der Mensch immer Angst, irgendwann einmal nicht mehr versorgt zu sein und wie ein Tier im Alter elendig durch Hunger und Kälte zu sterben. Merkwürdigerweise haben Tiere damit viel weniger ein Problem als Menschen, die wissen wenigstens, wann es vorbei ist. So überspitzt könnte man die Situation auch darstellen. Aber nun gut, ich will ja nicht alle Leser dieses Blogs hier in Missstimmung versetzen.

Fakt ist, die Rente funktioniert nicht mehr - und zwar gar nicht mehr! Da können noch 20 Vorschläge à la Riester ins Leben gerufen werden, insgeheim wissen die Arbeitnehmer von heute, dass für sie im Rentenalter nichts mehr übrigbleiben wird. Immerhin müssen die Arbeitnehmer von heute mit der Angst leben, dass es nicht nur fast keine Nachfolger für ihre Jobs geben wird, sondern dass die Renter, die sie heute bezahlen, bis zum eigenen Rentenalter immer noch nicht den Löffel abgegeben haben. Die deutsche Gesellschaft vergreist, Pillenknick und das "ewige Leben" sei Dank. Irgendwann werden die Rentner alle "unter sich" sein, wollen aber gleichzeitig noch die Bezüge kassieren, die sie heute auch kassieren. Subventionen bis zum Tod. Und keiner sieht ein, dass es so nicht weitergehen kann, wie ein bockiges Kind, dem man seinen Lolli wegnehmen möchte, damit es kein Karies bekommt. Das Kind bevorzugt die Karieserkrankung, weil es sich über die Folgen gar nicht im Klaren ist - aber der Lolli schmeckt nunmal so gut, wer möchte darauf freiwillig verzichten?

Vor allem aber: welche Alternativen gibt es zum heutigen Rentensystem? Oder zur Massensubventionierung beim Kinderkriegen? Kinder freiwillig kriegen funktioniert nicht, weil den Menschen bewusst wird, wie anstrengend es ist, Kinder zu kriegen, wieviel Opferbereitschaft man leisten muss, um ein Kind großzuziehen. Da bleibt der eigene Egotrip schnell auf der Strecke. Und mit der Rente? Es ist wohl keine Alternative für die Leute, einfach auf die Rente zu verzichten und sich freiwillig im Dezember in den kalten Wald zu legen, um zu sterben. Hätte zwar was Poetisches für sich, aber es ist wohl keine Lösung.

Die Alternative kann nur (wie es auch die Regierung umsetzt) in der Arbeit liegen. Da wir immer mehr Menschen sind, die immer älter werden, müssen wir auch länger arbeiten, damit wir uns auch so richtig die Rente verdienen. Arbeiten, bis dass der Arzt kommt! Super Idee, funktioniert aber selbstverständlich nicht bei allen Berufen. Handwerker und körperlich anstrengende Berufe sind wohl kaum bis knapp 70 durchführbar, Bürojobs hingegen schon! Aber das sehen wiederum die Hengste aus dem Büro nicht ein, die wollen mit ihrer langen Lebenszeit selbst entscheiden dürfen was geschieht und was nicht. Der freie Wille des Menschen macht auch an dieser Stelle sämtliche Vorschläge zu einer guten Strukturierung des Rentensystems wieder kaputt. Andererseits: wenn die Regierung etwas mehrheitlich entscheiden würde, hätten die Meckerer der Republik auch nicht mehr viel zu lachen. Ähnlich ging es uns ja bereits mit der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre.

Nur die Lösung "länger arbeiten & früher sterben" wird allerdings nicht reichen, um die Defizite im Staatshaushalt auszugleichen. Erst in dieser Woche hieß es in einer Meldung, dass die Staatsschulden eines jeden Deutschen bis zum Jahr 2060 auf 2,6 Millionen Euro (!) ansteigen werden (zum Vergleich: heute sind es "nur" 25 000 Euro). Und angeblich liegen die eigentlichen Staatsschulden insgesamt eh bei 8 Billionen statt 2... bei solchen Zahlen muss einem zwangsläufig schwindlig werden! Und genau aus dem Grund der hohen Staatsverschuldung ist es dringend notwendig, dass auch am Kuchenstück an sich geschmälert wird. Beamte und Witwen, die hohe Renten für's Nichtstun kassieren, sind schon lange ein Dorn im Auge der Arbeitergesellschaft, die im hohen Alter nicht weiß, wie sie über die Runden kommen soll. Wie es sein kann, dass ein Beamter Rente kassiert, der nie in die Rentenkasse eingezahlt hat, ist mir persönlich sowieso ein Rätsel. Wie kann ein Mensch, der in einen Gemeinschaftspott (und was anderes ist die Rentenkasse nicht!) nie etwas eingezahlt hat, trotzdem seinen Anteil herausbekommen? Schlimmer noch: einen wesentlich höheren Anteil als die Menschen, die ein Arbeiterleben lang ehrlich eingezahlt haben?

Doch nicht nur wegen dieser Ungerechtigkeit funktioniert das Rentensystem (genau wie die meisten Sozialsysteme Deutschlands) nicht. Wie kann es schließlich sein, dass wir einige Jahrzehnte einen relativ geringen Beitrag im Monat leisten, um dann im Rentenalter noch einige Jahrzehnte weiterzuleben und dabei eine weitaus höhere Summe zu kassieren als die, die wir eingezahlt haben? Mit anderen Worten: wenn man vor einigen Jahrzehnten 40 Euro im Monat eingezahlt hat und später dann 200 Euro dafür monatlich ausbezahlt bekommt hat man rein rechnerisch ein gewaltiges Problem. Denn woher soll das Geld kommen (es bekommt schließlich genauso ungern Kinder wie die Deutschen!)? Damit ist wohl auch logisch, dass die Staatsschulden weiterhin in die Höhe galoppieren werden. Selbst bei noch so angestrengten Versuchen, mit Riester-Rente den Schlamassel auszugleichen, es wird nicht gelingen, solange die Menschen weniger in die Rentenkasse einzahlen, als sie im Ende herausbekommen. Nebenbei bemerkt ist die Riester-Rente eh zu einem lukrativen Geschäft mutiert - für alle, nur nicht für den zukünftigen Rentner!

Also, was tun mit all den Subventionen vom Kreissaal bis zur Leichenhalle? Clint Eastwood muss wohl erneut ran. Harry Callahan ist wiederum eine schlechte Idee, denn die Kinder zu beschützen und ihnen ein weniger anstrengendes Leben zu ermöglichen, indem man alle Menschen über 70 erschießt, damit das Rentensystem wieder aufgeht, ist doch arg diskriminierend. Und ja, auch das gibt es: Altersdiskriminierung und nicht nur die, die sich gegen das Geschlecht, die Rasse oder die Religion richtet. Auch wenn FDP-Politiker gerne davon reden, dass die Alten langsam aber sicher "den Löffel abgeben" sollten (Zitat Jan Dittrich, ehemaliger Vorsitzende der JungLiberalen). Bei immer mehr Rentnern macht man sich mit solchen Sprüchen so unbeliebt, dass das Einzige, was dabei stirbt, die eigene Karriere ist und nicht der Rentner an sich.

Die einzige Lehre, die wir aus Eastwood ziehen können, ist die des Arbeitens bis zum Umfallen. Nicht, weil man muss oder unter Zwang, sondern weil man möchte. Clint Eastwood ist mittlerweile über 80, arbeitet aber trotzdem fleißig weiter. Warum? Bestimmt nicht, weil er finanzielle Sorgen hat. Auch nicht, weil er so privilegiert ist, weiterhin zu arbeiten. Er hätte schon lange sagen können, dass er seine Berufe an den Nagel hängt. Aber (wie es auch viele andere Menschen im Rentenalter auch in Deutschland tun!) herrscht wohl bei ihm die Einsicht, dass Arbeit das Leben lebenswerter macht. Nicht, weil man sich gerne den Buckel krumm arbeitet, aber weil Arbeit bedeutet, an der Gesellschaft teilzunehmen. Ein Mensch, der nicht mehr arbeitet und sich seinem Egotrip hingibt, endet früher oder später in der Einsamkeit, zumindest allerdings werden ihn die Gefühle von Nutzlosigkeit oder Langeweile beschleichen. Der Mensch braucht seine Aufgaben im Leben, auch seine Verpflichtungen. Nur sich diese selbst zu stellen und damit sein Leben frei zu gestalten (mit Aufgaben und Verpflichtungen) fällt den Meisten sehr schwer. Gerade für diese Menschen gilt, dass ihnen die Möglichkeit geboten werden muss, in Arbeit zu bleiben, wenn sie das wünschen.

Und die Kinder? Die können von Eastwood (und allen anderen Menschen jenseits der 60) lernen, dass man nicht von Geburt an schlau und weise ist und es einige Zeit braucht, bis man einen gewissen Überblick über das Leben und seine täglichen Aufgaben erlangt hat. Sicher, wir lernen von unseren Eltern alles, was wir für's Leben brauchen... und denken, mit 18 Jahren haben wir die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber was ist ein Kind wert, das schon in frühester Kindheit (unterstützt durch egoistische Eltern) meint, es wüsste alles und müsste nichts mehr hinzulernen? Sicher, die Erwachsenen (und auch die Alten, auch die der Vorgenerationen) bauen Mist und zeichnen sich durch unverzeihliche Fehler aus. Doch gerade aus denen können die Kinder von heute und zukünftigen Gesellschaftskräfte von Morgen, die die Welt auf ihren Schultern tragen werden, lernen, um wenigstens ein paar Dinge besser zu machen. In diesem Zusammenhang wohl nur eins: die Erkenntnis, dass die Sozialsysteme für die Rente und die Kindersubventionen wenig bis gar nicht funktionieren und neue Lösungen geschaffen werden müssen.

Ob allerdings die Lösung, die ich vorgeschlagen habe, auf große Begeisterung bei der nächsten Generation stoßen wird, ist fraglich. Schon die heutige Generation ist resistent gegen jegliche Änderung, wie sollte es bei der Generation danach anders sein? Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt - nachdem sie lange genug Rente kassiert hat.

In diesem Sinne, allen Lesern ein gutes Wochenende, eine schöne Woche und bis zum nächsten Eintrag am nächsten Freitag.

LG Gene :-)

PS: für alle, die sich eingehender mit der Problematik des Rentensystems beschäftigen wollen, dem sei der Artikel "Vor der Rentenkatastrophe: 25 Jahre hat die Politik schon verschlafen" von Martin R. Textor empfohlen.

Freitag, 18. November 2011

"Wie Clint Eastwood die Welt rettet" - Punkt 1: Integration

Fast hätte es in dieser Woche den Bruch eines Versprechens hier in diesem Blog gegeben, denn ich wusste nicht, wie ich die Geschehnisse der vergangenen Woche behandeln sollte. Ob ich sie zugunsten der Vorweihnachtsserie komplett ausklammern oder die Vorweihnachtsserie einfach verschieben sollte. Aber (wie es nun einmal auch in der Diplomatie zugeht) es geht um den Kompromiss. Und als ich es näher betrachtete wurde mir bewusst, dass die beiden Themen besser zueinander passen, als auf den ersten Blick angenommen.

Also, wie versprochen heute nun der Beginn der Vorweihnachtsserie 2011. Für diese Serie habe ich wieder einmal ein prominentes Gesicht "zurate" gezogen, auch wenn es nicht solch eine politisch wertvolle, schillernde Persönlichkeit ist. Trotzdem hat Clint Eastwood so einiges geleistet in seinem Leben, in seiner Filmkarriere wie auch in seiner kurzen Politikerkarriere als Bürgermeister. Vielleicht ist er gerade deswegen auch so geeignet, in einer zugegebenermaßen scherzhaften Art und Weise als neuer Heilsbringer der Menschheit (oder zumindest des deutschen Volkes) betitelt zu werden.

Oft betrachte ich die Entscheidungen und Vorgehensweisen (nicht nur in Deutschland) mit Kopfschütteln. Und manchmal fange ich an zu philosophieren, wie "Dirty Harry" diese Sachen angehen würde - Harry Callahan im Kampf gegen die politischen Unfähigkeiten dieses Planeten. "Einfach die Pistole gezückt und los geht's!" Gut, ich gebe zu, die "Dirty Harry"-Reihe ist wahnsinnig flach, was die Lösungsansätze für Problemfälle betrifft. Denn dass Gewalt nicht die Antwort auf Ungerechtigkeit sein kann, dürfte jedem einigermaßen zivilisierten Menschen bewusst sein. Allerdings, ob Harry Callahan so zivilisiert war, kann man auf unterschiedliche Weise sehen, wenn man sich die Filme anguckt.

Nun, es geht hier allerdings nicht um die berühmteste Figur, die Clint Eastwood je verkörpert hat, wenn es auch ein guter Einstieg ist. Aber "Dirty Harry" ist kaum der Grund, warum ich Clint als Titelfigur der Vorweihnachtsserie 2011 gewählt habe. Aber nun mal der Reihe nach.

Letzten Freitag um die gleiche Zeit war es schon klar, dass der Fall um den Suizid zweier Männer in einem Wohnwagen Ausmaße angenommen hatte, die weit über die üblichen "Eintagsfliegen"-Nachrichten hinausgingen. Die Umstände waren zunächst mysteriös, dann wurden Tatwaffen gefunden, die als Dienstwaffe der ermordeten Heilbronner Polizistin Michele Kiesewetter zugeschrieben wurde. Dann später fanden sich in der Wohnung der Männer die Waffen, die als Tatwaffen im Zusammenhang mit den "Döner-Morden" identifiziert wurden. Und damit Peng! - die Sensation war perfekt. Schlimmer noch: Deutschland hat wieder ein Thema, über das jeder reden konnte und zu dem jeder eine Meinung hat. Aus einem einfachen Doppelsuizid hatte sich innerhalb von zwei Tagen eine endlich aufgeklärte Mordserie und die neue Wahrnehmung des rechtsradikalen Terrorsumpfs entwickelt. Fast scheint es, als hätten wir mal ein anderes Thema statt der Finanzkrise gebraucht - auch wenn jeder zugeben muss, es hätte bessere Themen gegeben, um mal nicht mehr nur ans Geld zu denken!

Die Diskussionen zum Thema "Bekämpfung Rechtsradikaler" überschlagen sich, die Politik packt sogar wieder das Thema "NPD-Verbot" auf den vorweihnachtlichen Gabentisch. Nur, wenn man das Thema mal ganz genau betrachtet, stellt sich die Frage, warum wir erst jetzt bemerken, dass dieses Problem existiert? Brauchte es wirklich diese "Initialzündung", damit wir verstehen, dass Rassenhass kein Thema graubrauner Vergangenheit ist?

Ich gebe zu, selbst ich war lange genug verführt zu glauben, die Menschheit sei zivilisiert und gebildet genug, nicht mehr das Märchen von der "reinen" Rasse zu glauben. Rechtsradikalität tauchte in den letzten Jahren nur als schlechter Scherz bei irgendwelchen Landtagswahlen (vorzugsweise in den neuen Bundesländern) auf. Und selbst da glaubte man oft, dass die Mehrheit dieser Wähler einfach Frustwähler sind, Menschen, die aus Protest einfach mal das Schlechteste oder Radikalste wählen, damit sie dem Rest der Politik beweisen können, wieviel Mist diese in ihren Regierungszeiten baut.
Seit dieser Woche plötzlich ist das Thema "Kampf der rechten Szene" wieder salonfähig geworden, es brennt den Menschen förmlich unter den Fingernägeln. Nicht, dass sonst NIE über das Thema geredet würde, aber in dieser Woche wirkt es oft so, als wäre dieses Thema noch nie so wirklich ernsthaft diskutiert worden, als gäbe es jetzt den Bedarf, Rechtsradikalismus als größtes Problem auf diesem Planeten darzustellen und zu verteufeln.

Der Mensch neigt nun einmal zur Übertreibung - erst beachtet er ein Thema gar nicht, vernachlässigt es wie ein Kind, dass unbedingt einen Hamster wollte, sich aber nach drei Wochen von dem neuen Haustier furchtbar gelangweilt fühlt. Und dann? Wird das Tier zu Tode gefüttert und gestreichelt, weil unbedingt ausgeglichen werden muss, wie schlecht man es vorher behandelt hat. Um es auf das Thema dieser Woche anzuwenden: erst wird die Naziszene stumm mit einem Argusauge im Hinterkopf betrachtet, dann wird mit scharf und erbarmungslos geschossen. Bevor mich hier irgendjemand falsch versteht: ja, die rechte Szene muss bekämpft werden und das erbarmungslos (wie jede Szene, die Gewalt gegen bestimmte Bevölkerungsschichten predigt und menschenverachtend reagiert!). Doch während die Politik nur davon redet, wie rechtsradikale Parteien (speziell die NPD) verboten werden können und man sich fünf Minuten später einig ist, dass ein Verbot gar nicht durchzusetzen ist, sollte dieses Thema weitaus tiefer angegangen werden, als es Pauschallösungen derzeit tun. "Menschliche Probleme bedürfen menschlicher Lösungen" so pathetisch und (leider!) fast schon christlich könnte mal es zusammenfassen.

Im Film "Gran Torino" spielt Clint Eastwood einen Kriegsveteranen, der chronisch rassenfeindlich ist. Dummerweise ziehen in seine Wohngegend immer mehr Asiaten, die selbst Flüchtlinge sind und aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Im Laufe der Zeit entwickelt Walt Kowalski (die Figur, die von Clint Eastwood verkörpert wird) eine Freundschaft zu der benachbarten koreanischen Familie, die er anfangs nicht ausstehen konnte (wie alles, was nicht amerikanisch ist). Selbstverständlich ist der Film (gerade zum Schluss hin) fast schon zu patriotisch, doch im Kern trifft er die Thematik sehr gut, die uns alle dank der Lösung zu den "Döner-Morden" beschäftigt.

Wenn man nach der Lösung gegen Rechts sucht, wird schnell klar, dass politisch klug ausgefeilte Taktiken nicht wirklich helfen. Rechtsradikal ist schließlich keine Modeerscheinung oder ein Accessoire, das sich schnell mit kleinen Zusatzparagraphen lösen lässt... es ist (für die, die daran glauben) eine Lebenseinstellung, ähnlich einer Religion oder einer politisch tief verwurzelten Überzeugung. Katholik? Moslem? Nee, Nazi! So oder so ähnlich könnte die Gleichung aussehen. Denn Menschen, die denken, dass Rassenhass gut und richtig ist, sind nicht so leicht von ihrer Überzeugung wieder abzubringen. Das wiederum ist nur möglich, da die Menschen in ihren Verhaltensweisen dazu beitragen, dass sich sowohl gute wie auch abgrundtief schlechte Strukturen entwickeln.

Seit wir in Zeiten der Globalisierung leben und die Menschen selbst entscheiden können, wo sie leben wollen, wird die Zahl derer, die ihr Heimatland (zum Großteil aus wirtschaftlichen Gründen) verlassen, immer größer. Sie lassen sich in anderen Ländern nieder, suchen sich Arbeit und gestalten ihr Leben neu. Obwohl, nicht so ganz - und oft liegt dort auch der Knackpunkt. Der Spagat, eine neue Heimat zu haben und die alte gleichzeitig im Herzen weiterleben zu lassen, ist anstrengend ... oft zu anstrengend. Jeder, der einmal im Ausland für einen längeren Zeitraum war, wird das Problem kennen: so wirklich kann (und will!) man seine Heimat nicht aufgeben, weil das Herz eben doch dort schlägt, wo man geboren und aufgewachsen ist. Strukturen, Traditionen und Verhaltensweisen haben sich in Kopf und Herz festgesetzt... und diese kann man auch nur schlecht loslassen.

Im letzten Jahr kam in Deutschland der Bestseller "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarazzin auf den Markt, welcher sich so massig verkaufte, weil die Leute von den Thesen einerseits angewidert, andererseits fasziniert waren... und nicht wenige gaben ihm in seinen doch teilweise sehr kruden Themen Recht. Das Thema "Integration" ist indes auch ähnlich verworren wie das der rechtsradikalen Szene - und ist unmittelbar miteinander verknüpft.

Sarazzin warf der deutschen Gesellschaft vor (und speziell der Politik) vor, nicht genug für die Integration der Einwanderer zu tun. Wie wir aber alle wissen, ist es mehr als schwer, Menschen zu integrieren, gerade wenn es ihnen schwer fällt - ob nun unbewusst oder doch mit Absicht. Wenn ein Mensch kein Gemüse essen will, kann man ihn schließlich auch schwer dazu nötigen, es doch mal zu versuchen. Man kann es ihm schmackhaft machen, aber wer nicht will, will einfach nicht. Es klingt als Vergleich banal, aber mit der Integration verhält es sich ähnlich - wer nicht will, den kann man nicht zwingen. Das Problem bleibt aber, denn wer sich nicht in eine Gesellschaft eingliedert und die Vorgehensweisen in diesem Land akzeptiert und respektiert, der sorgt für dank Opportunismus für ein Ungleichgewicht.
Auf der anderen Seite der Integrationsmedaille stehen Menschen, die sich von der hiesigen Politik (und der Gesellschaft allgemein) im Stich gelassen fühlen. Menschen, die es nicht mögen, mit Misstrauen betrachtet zu werden, nur weil sie aus einem anderen Land stammen (oder schlimmer noch: weil ihre Vorfahren aus einem anderen Land stammen!). Manche von ihnen geben dann auf, wenn sie keine Hilfe bekommen und beschließen so zu leben, wie sie es eigentlich in ihrer Heimat tun würden - sie verweigern sich dann trotzig allem, was für die deutsche Gesellschaft steht. Und nicht oft fragt man sich dann, warum diese Menschen überhaupt in einem Land bleiben, das sie innerlich ablehnen.

Ob daraus nun Rassenhass entsteht, will ich nicht in den Raum stellen - es könnte eine der Ursachen sein, doch Rassenhass geht weitaus tiefer. Bei Rassenhass stellt sich nicht mehr die Frage nach Reviermarkierung, es geht um mehr: Rechtsradikale würden am liebsten Menschen anderer ethnischer Zugehörigkeit auslöschen. Denn bei Rechtsradikalismus geht es nur sehr wenig um Feindlichkeit gegen weiße Menschen aus anderen Ländern, die beliebtesten Opfer sind immer noch diejenigen, die eine komplett andere Kultur verbunden mit einer anderen Hautfarbe vertreten (auch wenn unbestritten ist, dass Nazis gerne ein Land voll arischer Bewohner hätten, die auch hier geboren wurden).
Die Frage, die sich die Gesellschaft und die Politik gleichermaßen stellen muss, wenn es um die Bekämpfung von rechts geht, ist die nach den Gründen für Rechtsradikalismus. Und die ist nun einmal bei jedem verschieden. Manche sind vom Umfeld so geprägt, von hoher Arbeitslosigkeit, andere wiederum aus dem Lustprinzip nach Gewalt und Zerstörung. Gründe gibt es viele so zu handeln, ob die allerdings gerechtfertigt sind, sei mal dahingestellt. Fest steht nur (und das weiß die Politik selbst!): der "braune Sumpf" lässt sich nur schlecht mit Pauschallösungen bekämpfen und mit der Gleichstellung zum Terrorismus ist es nicht getan. Der islam-radikale Terrorismus ist von den Beweg- und Hintergründen ein völlig anderer als der aus der rechten Szene. Daher muss er auch auf andere Weise behandelt werden.

"Thilo Sarazzin hat Recht!", diesen Satz durfte ich schon x-mal im Zusammenhang mit seinem Buch und dem Thema "Integration" lesen. Ob diese Zustimmung nur aus dem "braunen Sumpf" stammt, darf angezweifelt werden. Denn viele Menschen wissen, dass Integration ein wichtiges Thema ist und richtig angepackt werden muss - nicht nur von den betroffenen Einwanderern und denen, die politisch für sie zuständig sind. Doch ob abstruse Thesen über genetische Vorbestimmung durch ethnische Herkunft einen Lösungsansatz im Kampf gegen gescheiterte Integration sind, ist mehr als fraglich. Zu behaupten, dass gescheiterte Integration schlicht an den Genen liegt, ist schon weit hergeholter Humbug und da verwundert es auch nicht, dass viele Menschen vom Buch "Deutschland schafft sich ab" so gar nichts halten. Denn gerade durch solche Behauptungen (von denen sich der Autor inzwischen auch selbst beschämt distanziert hat) fühlen sich die Rechten in ihren dumpf-behämmerten Parolen bestätigt.

Seit der letzten Woche leben wir in einem Wust - die Rechten sind urplötzlich eine "tickende Zeitbombe" (als wären sie das nicht vorher auch schon gewesen!), die Integration ist plötzlich kein Thema mehr, nur noch der Schutz der Einwanderer (egal, wie die sich auch benehmen mögen). Statt beide Probleme anzupacken, wird wieder nur ein Thema vollends behandelt und der zweite Hamster darf im Käfig verhungern. Es wundert mich schon, wie Gesellschaften überhaupt noch funktionieren können, wenn Probleme nicht als Ganzes gesehen werden sondern nur nach Schlagzeilen immer nur wahlweise in Scheiben aus einer bestimmten Perspektive. Der allumfassende Rundblick fehlt den Menschen. Auf der anderen Seite, hätten die Menschen den 360°-Blick, hätten wir wahrscheinlich gar keine Probleme mehr auf diesem Planeten. Und da wir Probleme brauchen, ist auch die in dieser Woche entfachte Diskussion ein willkommenes Strohfeuer.

Diese Diskussion als Strohfeuer zu bezeichnen, ist bewusst von mir so gewählt. Denn mal ehrlich: wie jedes Thema in diesem Jahr, das heiß und leidenschaftlich diskutiert wurde, war genauso schnell wieder in Vergessenheit geraten. Und mit der jetzigen Diskussion wird es nicht anders gehen - der einzige Grund, warum das Thema "Rechts" so heiß diskutiert wird ist die Panik der Deutschen, wieder einmal flächendeckend als Altnazis zu gelten. Andererseits, seit dem Dritten Reich gelten wir sowieso als rechtsradikal im Ausland, immer mal wieder dann, wenn wir weltpolitisch anderer Meinung sind als der Rest. Die Hitler-Vergangenheit wird uns immer wieder vorgeworfen und wir nehmen diesen Vorwurf auch dankbar an, in gebückter Demutshaltung jedes Jahr aufs Neue. So wurde auch in der letzten Woche (wie passend!) der Reichsprogromnacht im Jahr 1938 gedacht, der Beginn des rechten Terrorismus.

Die Frage bleibt: wie würde Clint diese Krise um Integration und Rassenhass bekämpfen? Eher als Walt Kowalski, indem er nach Zögern und Ablehnung erkennt, wie wertvoll ein Mensch (auch wenn er nicht der gleichen Ethnie angehört) die ihm gereichte Hand annimmt oder wie Harry Callahan, der einfach um sich schießt und einfach alles niedermäht, was sich weigert, vernünftig und gerecht zu leben (womit dann sowohl Nazis als auch unwillige Einwanderer und Islam-Radikale gemeint sind)? Die Antwort gegen Gewalt kann (und muss) immer Frieden sein. Das einzige Problem: der Frieden ist keine Sache, die mit einem Schritt geschehen kann, denn jedes Individuum bedeutet einen Schritt. Es müssen viele kleine Schritte gemacht, jeder einzelne Gewaltbereite dazu bewegt werden, sich für den Frieden zu entscheiden, Toleranz zu entwickeln - und damit sind wieder beide Seiten gemeint! Es ist nicht gerade hilfreich, wenn in Vierteln, in denen vorwiegend Einwanderer leben, Tiraden geschwungen werden, wie schlimm das deutsche Volk mit ihnen umgeht, wie nachlässig bei den "Döner-Morden" ermittelt worden wäre und überhaupt: "Alles Scheiße, was die Deutschen machen, sind eh alles Nazis!" Auf diese Art kann kein Frieden geschlossen werden - Frieden kann nur dann herrschen, wenn ALLE die Waffen niederlegen. Hält nur ein Mensch an seiner Waffe fest, wird der Krieg weitergehen - ob der Krieg der Religionen, der Rassen oder schlicht der Finanzen.

Ob Clint Eastwood nun in die deutsche Regierung gehört oder nicht - es bleibt abzuwarten, ob die Diskussionen um die "rechte Brühe" zu einem Ergebnis führen oder in spätestens zwei Wochen kein Hahn mehr nach diesem Thema kräht. Vielleicht ist bis dahin ein neuer Virus entdeckt, vor dem wir uns in dieser Saison fürchten müssen - Vogelgrippe 2.0 oder so ähnlich.

Bis zum nächsten Blogeintrag an dieser Stelle ist es weit weniger weit, der folgt nämlich am nächsten Freitag. Allen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende.

LG Gene :-)

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