Nahtloser Übergang zum zweiten "Tages"ordnungspunkt in der Vorweihnachtsserie (schließlich hat der gute Clint hier einiges zu tun!). Und in gewissem Maße ist der 2. Punkt mit dem 1. anverwandt, nur geht es diesmal um weit mehr als nur um das Problem rechts oder links oder "rechts vor links" oder "links über rechts" - heute steuern wir auf die Wurzel eigentlich aller Probleme zu. Deswegen befasse ich mich mal ein wenig näher mit der Demografie Deutschlands. Demo... was? Nein, es geht zwar schon ein wenig auch um Zuwanderung in diesem Blog, aber wir demonstrieren jetzt nicht gegen Rechts, das ist nämlich die "Demonstration". Und mit der Staatsform, in der wir leben, hat es auch nichts zu tun - diese nennt sich (falls es einige noch nicht wussten!) "Demokratie".
Also, es geht um die Demografie - die Wissenschaft, die sich mit statistischen Veränderungen eines Staates beschäftigt. Will heißen? Wieviele Menschen werden geboren, wieviele sterben, welche von denen, die noch leben, entscheiden sich für's Landleben und welche wollen lieber in abgasverseuchten Ballungsgebieten leben. Es geht um die Zuwanderung (also, wieviele kommen, wieviele gehen im Gegenzug) und anhand all der Daten werden Lebenserwartungen errechnet und es wird geprüft, was, wo, wie und warum gebraucht wird - ein Teil dieser Wissenschaft ist damit auch die Volkszählung, die wir dieses Jahr über uns ergehen lassen durften. Aus dieser (wie aus den vorherigen, Plus vielen kleinen, gemeinen Stichproben, die quer durch die Bevölkerung geführt werden) entstehen Daten, die im Ende unser aller Leben erleichtern sollen. Sollen! Ob sie es nämlich wirklich tun, ist eine andere Sache.
In weit mehr Fällen sorgt die Demografie immer wieder für Sorgen. Es wird angeprangert, wir alle bekämen zu wenig Nachwuchs, die Leute werden alle eh zu alt etc pp. Nun, Deutschland ist einerseits ein sehr erfolgreiches Volk, auf der anderen Seite allerdings haben wir viel zu wenig Kinder - laut einer Werbung vor einigen Jahren bekommt jeder Deutsche im Schnitt 1,3 Kinder (und immer noch wird sich ein Großteil der Bevölkerung fragen, wie wohl 0,3 Kinder aussehen mögen!). Schwamm drüber! Deutschland ist schließlich ein Volk, das vom Erfolg verwöhnt ist (oder noch vom Erfolg verwöhnt ist... man weiß ja nie, was morgen sein wird in Zeiten der Eurokrise!). Und als "Siegervolk" wird es wohl auch Lösungen geben, die helfen, die Fruchtbarkeit Deutschlands in die Höhe zu treiben.
Vor zwei Wochen sprach ich an dieser Stelle von Subventionen - und ich habe angekündigt, dass sich die Vorweihnachtsserie weiter um dieses Thema drehen wird. Was viele Menschen nämlich nicht verstehen: wir werden mehr oder weniger alle subventioniert - einige auf legitime Art und Weise (mit anderen Worten, es ist richtig, weil es laut subjektiver Meinung richtig ist) und andere auf eine nicht legitime Weise (bezeichnet die Wege, bei denen sich die meisten Menschen über die Unterstützung für andere aufregen). Um nun das Kinderkriegen in Deutschland anzukurbeln, wurde irgendwann das Kindergeld eingeführt. Zuerst war dies die Idee der Nationalsozialisten (ja, leider ist alles auf die zurückzuführen!), um die Motivation zur Geburt von mehr Kanonenfutter zu steigern. Später dann (ab 1975) gab es das Kindergeld für jeden, ab dem ersten Kind. Damals waren das noch lächerliche 26 Euro (oder 50 Deutsche Mark). Bis zum Jahr 2011 hat sich dieser Betrag auf 184 Euro gesteigert. Bemerkenswert, denn immerhin ist Kinder kriegen die natürlichste Sache der Welt (wenn wir mal ganz vereinfacht uns auf den Sinn unseres Daseins beschränken).
Aber natürlich ist das Kindergeld nicht ein Anreiz, einfach locker aus der Hüfte ein paar Kinder auf die Welt zu bringen. Wenigstens die meisten Menschen dieser Bevölkerung wissen, dass Kindergeld nicht unbedingt beim eigentlichen Problem, ein Kind zu haben, hilft: die Erziehung und die Fürsorge, die man einem Kind zuteil kommen lassen muss! Diese Faktoren sind mit Geld nämlich nicht auszugleichen. Trotzdem ist auch das Kindergeld eine Art Subvention, Eltern werden unterstützt, damit sie sich überhaupt noch motiviert fühlen, ein Kind in die Welt zu setzen. Einfach so ein Kind kriegen? Wozu soll das denn gut sein? So denken die meisten Menschen ohnehin, wenn allerdings sämtliche Subventionen wegfallen würden (sprich: Kindergeld, Elterngeld, Betreuungsgeld etc) hätten wir in Deutschland wahrscheinlich noch weniger Kinder.
Die Frage, die da allerdings übrig bleibt ist wohl die Folgende: brauchen wir wirklich so viele Kinder in Deutschland? Ja, richtig gelesen, so viele! Okay, ich gebe zu, wir haben (verglichen mit der Zahl der Erwachsenen) weit weniger Kinder als vor 60 Jahren. Nur: wir haben inzwischen 7 Milliarden Erdenbewohner auf diesem Planeten, die meisten Rohstoffressourcen sind aufgebraucht, also gibt es nicht wirklich einen Grund, noch mehr Menschen in diese Welt zu setzen, die immer mehr Rohstoffe brauchen, die faktisch gar nicht mehr existieren. Desweiteren besitzen die Kinder 2011 in ihrem Ego bereits einen Dreifachwert, also besitzen so viel Selbstbewusstsein und beanspruchen so viel Raum für sich allein wie früher drei Kinder zusammen. Damit ist es fast schon blasphemisch, noch mehr Kinder in Deutschland zu gebären - das Land ist eh schon viel zu klein für so viel Ego. Jedoch hat der Wunsch der Regierung nach mehr und noch mehr Kinder einen Grund, ähnlich wie bei den Nationalsozialisten 1935.
Auch heute sollen die Kinder (also die Erwachsenen der Zukunft) eine Art Kanonenfutter sein. Nur in den Krieg müssen sie (noch!) nicht ziehen. Viel mehr geht es um die Rentenfrage bei all den Kindern, die potenziell geboren werden sollen. Deutschland hat (in all seinem Siegeswahn) ein entscheidendes Problem: die Menschen werden eindeutig zu alt, sind zu gut ernährt, halten sich im Vergleich zu früher viel zu gesund und wollen lieber 70 Jahre wie 20 aussehen, als mit 50 zu sterben. Es gilt als Katastrophe, wenn man heutzutage vor Eintritt des Rentenalters stirbt. Aber bei all der Euphorie, dass wir alle steinalt werden... genau dadurch haben wir heute (und in Zukunft noch mehr) Probleme, das Sozialsystem aufrecht zu erhalten.
Auch das Rentensystem gehört zum lieben Subventionssystem der Industriestaaten dazu. Sicher, keiner sieht das wirklich ein, denn alle (sowohl die, die sie bereits kriegen als auch die, die sie irgendwann kriegen werden) freuen sich über die Rente. Das Prinzip ist ähnlich dem Verhältnis Kind zur Schule: jeden Sommer sind die Kinder froh, wenn die Schule vorbei ist. Schon Alice Cooper sang "School's out... forever!" Und ähnlich geht es mit den Erwachsenen weiter. Irgendwann kommt der Punkt (früher gesetzlich verordnet mit 65, inzwischen auf 67 angehoben), da haben die Erwachsenen ihren letzten Arbeitstag und rufen "Work's over... forever!". Der Mensch freut sich, wenn er mal nichts mehr zu tun hat - oder besser gesagt: wenn er nichts mehr zu tun hat, was ihm von einem anderen vorgeschrieben wurde. Denn Rentner sind immer sehr bemüht der Welt zu erzählen, wie fleißig sie doch sind, wieviel Arbeit sie doch jeden Tag ihres Rentnerlebens haben. Zugegeben, das Rentnerleben ist anstrengend - durch Subventionen künstlich am Leben gehalten zu werden ist eine Pein, die man eigentlich keinem gönnen mag, würde man nur nicht selbst irgendwann auf die Aussicht auf Rente schielen und dabei feuchte Augen bekommen.
Der Mensch sieht das Leben gerne als Spaß und freut sich in all der Pflichten, die er zu erfüllen hat, irgendwann von sämtlichen Pflichten befreit zu sein. Vielleicht war genau das der Grundgedanke bei der Rente. Aber es gibt auch andere - der Nachwuchs soll seine Chance auf Arbeit bekommen (allein aus diesem Grund wurden jahrelang noch rüstige Arbeitnehmer mit Mitte 55 ausgemustert), außerdem sollte die Rente eine Sicherheit für die Menschen sein, im Alter auch bei körperlicher oder allgemein gesundheitlicher Einschränkung noch in der Lage zu sein zu überleben. Aus rein naturgemäßen Gründen hat der Mensch immer Angst, irgendwann einmal nicht mehr versorgt zu sein und wie ein Tier im Alter elendig durch Hunger und Kälte zu sterben. Merkwürdigerweise haben Tiere damit viel weniger ein Problem als Menschen, die wissen wenigstens, wann es vorbei ist. So überspitzt könnte man die Situation auch darstellen. Aber nun gut, ich will ja nicht alle Leser dieses Blogs hier in Missstimmung versetzen.
Fakt ist, die Rente funktioniert nicht mehr - und zwar gar nicht mehr! Da können noch 20 Vorschläge à la Riester ins Leben gerufen werden, insgeheim wissen die Arbeitnehmer von heute, dass für sie im Rentenalter nichts mehr übrigbleiben wird. Immerhin müssen die Arbeitnehmer von heute mit der Angst leben, dass es nicht nur fast keine Nachfolger für ihre Jobs geben wird, sondern dass die Renter, die sie heute bezahlen, bis zum eigenen Rentenalter immer noch nicht den Löffel abgegeben haben. Die deutsche Gesellschaft vergreist, Pillenknick und das "ewige Leben" sei Dank. Irgendwann werden die Rentner alle "unter sich" sein, wollen aber gleichzeitig noch die Bezüge kassieren, die sie heute auch kassieren. Subventionen bis zum Tod. Und keiner sieht ein, dass es so nicht weitergehen kann, wie ein bockiges Kind, dem man seinen Lolli wegnehmen möchte, damit es kein Karies bekommt. Das Kind bevorzugt die Karieserkrankung, weil es sich über die Folgen gar nicht im Klaren ist - aber der Lolli schmeckt nunmal so gut, wer möchte darauf freiwillig verzichten?
Vor allem aber: welche Alternativen gibt es zum heutigen Rentensystem? Oder zur Massensubventionierung beim Kinderkriegen? Kinder freiwillig kriegen funktioniert nicht, weil den Menschen bewusst wird, wie anstrengend es ist, Kinder zu kriegen, wieviel Opferbereitschaft man leisten muss, um ein Kind großzuziehen. Da bleibt der eigene Egotrip schnell auf der Strecke. Und mit der Rente? Es ist wohl keine Alternative für die Leute, einfach auf die Rente zu verzichten und sich freiwillig im Dezember in den kalten Wald zu legen, um zu sterben. Hätte zwar was Poetisches für sich, aber es ist wohl keine Lösung.
Die Alternative kann nur (wie es auch die Regierung umsetzt) in der Arbeit liegen. Da wir immer mehr Menschen sind, die immer älter werden, müssen wir auch länger arbeiten, damit wir uns auch so richtig die Rente verdienen. Arbeiten, bis dass der Arzt kommt! Super Idee, funktioniert aber selbstverständlich nicht bei allen Berufen. Handwerker und körperlich anstrengende Berufe sind wohl kaum bis knapp 70 durchführbar, Bürojobs hingegen schon! Aber das sehen wiederum die Hengste aus dem Büro nicht ein, die wollen mit ihrer langen Lebenszeit selbst entscheiden dürfen was geschieht und was nicht. Der freie Wille des Menschen macht auch an dieser Stelle sämtliche Vorschläge zu einer guten Strukturierung des Rentensystems wieder kaputt. Andererseits: wenn die Regierung etwas mehrheitlich entscheiden würde, hätten die Meckerer der Republik auch nicht mehr viel zu lachen. Ähnlich ging es uns ja bereits mit der Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre.
Nur die Lösung "länger arbeiten & früher sterben" wird allerdings nicht reichen, um die Defizite im Staatshaushalt auszugleichen. Erst in dieser Woche hieß es in einer Meldung, dass die Staatsschulden eines jeden Deutschen bis zum Jahr 2060 auf 2,6 Millionen Euro (!) ansteigen werden (zum Vergleich: heute sind es "nur" 25 000 Euro). Und angeblich liegen die eigentlichen Staatsschulden insgesamt eh bei 8 Billionen statt 2... bei solchen Zahlen muss einem zwangsläufig schwindlig werden! Und genau aus dem Grund der hohen Staatsverschuldung ist es dringend notwendig, dass auch am Kuchenstück an sich geschmälert wird. Beamte und Witwen, die hohe Renten für's Nichtstun kassieren, sind schon lange ein Dorn im Auge der Arbeitergesellschaft, die im hohen Alter nicht weiß, wie sie über die Runden kommen soll. Wie es sein kann, dass ein Beamter Rente kassiert, der nie in die Rentenkasse eingezahlt hat, ist mir persönlich sowieso ein Rätsel. Wie kann ein Mensch, der in einen Gemeinschaftspott (und was anderes ist die Rentenkasse nicht!) nie etwas eingezahlt hat, trotzdem seinen Anteil herausbekommen? Schlimmer noch: einen wesentlich höheren Anteil als die Menschen, die ein Arbeiterleben lang ehrlich eingezahlt haben?
Doch nicht nur wegen dieser Ungerechtigkeit funktioniert das Rentensystem (genau wie die meisten Sozialsysteme Deutschlands) nicht. Wie kann es schließlich sein, dass wir einige Jahrzehnte einen relativ geringen Beitrag im Monat leisten, um dann im Rentenalter noch einige Jahrzehnte weiterzuleben und dabei eine weitaus höhere Summe zu kassieren als die, die wir eingezahlt haben? Mit anderen Worten: wenn man vor einigen Jahrzehnten 40 Euro im Monat eingezahlt hat und später dann 200 Euro dafür monatlich ausbezahlt bekommt hat man rein rechnerisch ein gewaltiges Problem. Denn woher soll das Geld kommen (es bekommt schließlich genauso ungern Kinder wie die Deutschen!)? Damit ist wohl auch logisch, dass die Staatsschulden weiterhin in die Höhe galoppieren werden. Selbst bei noch so angestrengten Versuchen, mit Riester-Rente den Schlamassel auszugleichen, es wird nicht gelingen, solange die Menschen weniger in die Rentenkasse einzahlen, als sie im Ende herausbekommen. Nebenbei bemerkt ist die Riester-Rente eh zu einem lukrativen Geschäft mutiert - für alle, nur nicht für den zukünftigen Rentner!
Also, was tun mit all den Subventionen vom Kreissaal bis zur Leichenhalle? Clint Eastwood muss wohl erneut ran. Harry Callahan ist wiederum eine schlechte Idee, denn die Kinder zu beschützen und ihnen ein weniger anstrengendes Leben zu ermöglichen, indem man alle Menschen über 70 erschießt, damit das Rentensystem wieder aufgeht, ist doch arg diskriminierend. Und ja, auch das gibt es: Altersdiskriminierung und nicht nur die, die sich gegen das Geschlecht, die Rasse oder die Religion richtet. Auch wenn FDP-Politiker gerne davon reden, dass die Alten langsam aber sicher "den Löffel abgeben" sollten (Zitat Jan Dittrich, ehemaliger Vorsitzende der JungLiberalen). Bei immer mehr Rentnern macht man sich mit solchen Sprüchen so unbeliebt, dass das Einzige, was dabei stirbt, die eigene Karriere ist und nicht der Rentner an sich.
Die einzige Lehre, die wir aus Eastwood ziehen können, ist die des Arbeitens bis zum Umfallen. Nicht, weil man muss oder unter Zwang, sondern weil man möchte. Clint Eastwood ist mittlerweile über 80, arbeitet aber trotzdem fleißig weiter. Warum? Bestimmt nicht, weil er finanzielle Sorgen hat. Auch nicht, weil er so privilegiert ist, weiterhin zu arbeiten. Er hätte schon lange sagen können, dass er seine Berufe an den Nagel hängt. Aber (wie es auch viele andere Menschen im Rentenalter auch in Deutschland tun!) herrscht wohl bei ihm die Einsicht, dass Arbeit das Leben lebenswerter macht. Nicht, weil man sich gerne den Buckel krumm arbeitet, aber weil Arbeit bedeutet, an der Gesellschaft teilzunehmen. Ein Mensch, der nicht mehr arbeitet und sich seinem Egotrip hingibt, endet früher oder später in der Einsamkeit, zumindest allerdings werden ihn die Gefühle von Nutzlosigkeit oder Langeweile beschleichen. Der Mensch braucht seine Aufgaben im Leben, auch seine Verpflichtungen. Nur sich diese selbst zu stellen und damit sein Leben frei zu gestalten (mit Aufgaben und Verpflichtungen) fällt den Meisten sehr schwer. Gerade für diese Menschen gilt, dass ihnen die Möglichkeit geboten werden muss, in Arbeit zu bleiben, wenn sie das wünschen.
Und die Kinder? Die können von Eastwood (und allen anderen Menschen jenseits der 60) lernen, dass man nicht von Geburt an schlau und weise ist und es einige Zeit braucht, bis man einen gewissen Überblick über das Leben und seine täglichen Aufgaben erlangt hat. Sicher, wir lernen von unseren Eltern alles, was wir für's Leben brauchen... und denken, mit 18 Jahren haben wir die Weisheit mit Löffeln gefressen. Aber was ist ein Kind wert, das schon in frühester Kindheit (unterstützt durch egoistische Eltern) meint, es wüsste alles und müsste nichts mehr hinzulernen? Sicher, die Erwachsenen (und auch die Alten, auch die der Vorgenerationen) bauen Mist und zeichnen sich durch unverzeihliche Fehler aus. Doch gerade aus denen können die Kinder von heute und zukünftigen Gesellschaftskräfte von Morgen, die die Welt auf ihren Schultern tragen werden, lernen, um wenigstens ein paar Dinge besser zu machen. In diesem Zusammenhang wohl nur eins: die Erkenntnis, dass die Sozialsysteme für die Rente und die Kindersubventionen wenig bis gar nicht funktionieren und neue Lösungen geschaffen werden müssen.
Ob allerdings die Lösung, die ich vorgeschlagen habe, auf große Begeisterung bei der nächsten Generation stoßen wird, ist fraglich. Schon die heutige Generation ist resistent gegen jegliche Änderung, wie sollte es bei der Generation danach anders sein? Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt - nachdem sie lange genug Rente kassiert hat.
In diesem Sinne, allen Lesern ein gutes Wochenende, eine schöne Woche und bis zum nächsten Eintrag am nächsten Freitag.
LG Gene :-)
PS: für alle, die sich eingehender mit der Problematik des Rentensystems beschäftigen wollen, dem sei der Artikel "Vor der Rentenkatastrophe: 25 Jahre hat die Politik schon verschlafen" von Martin R. Textor empfohlen.
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Freitag, 25. November 2011
Freitag, 1. Juli 2011
"Die aktuelle Sündenwoche" - 3. Tag: Mittwochswissen
Es soll sie tatsächlich geben - Leute, die meinen Blog lesen! Nun, ich gebe mich da etwas zu bescheiden, denn inzwischen ist der Leserkreis doch nicht mehr an einer Hand abzuzählen. Und ich bin auch immer wieder dankbar, wenn mich Leser auf Fehler aufmerksam machen. An dieser Stelle ist mir die letzten zwei Wochen ein gar unverzeihlicher und peinlicher Fehler passiert: ich habe der "Großen Seele" Gandhi einen falschen Namen gegeben! Das h im Namen ist doch um ein paar Stellen zu weit nach vorne gewandert. Also, ich entschuldige mich bei Mohandas Karamchad Gandhi in aller Form posthum und schwöre, das h immer an die richtige Stelle zu setzen.
Womit wir schon wieder beim Thema wären, denn das Sommerloch frisst sich ja weiterhin gut durch die schönste Jahreszeit. Aber: die Hälfte ist ja (laut Sommerlochserie) fast erreicht. Heute kommen wir zum dritten Tag, dem Sommerlochmittwoch. Und hier geht es um ein Thema, das teilweise doch sehr persönlich anzusiedeln ist. Auf der Gandhi-Agenda steht zum Thema die Todsünde: "Wissen ohne Charakter".
Es klingt eigentlich einleuchtend, dass es eine Sünde ist, charakterlos zu sein, aber über Wissen zu verfügen. Oder Wissen zu verbreiten und sich dabei wie ein Egomane aufzuführen... da wären wir ja schon fast wieder beim Thema "Narzissmus". Aber so ganz einfach ist es ja nicht. Nur, weil man selbstverliebt ist, ist man längst nicht charakterlos; man ist auf dem besten Weg dahin, aber am Ziel "Charakterlosigkeit" längt nicht angekommen.
In dieser Woche gab es bei mir einige hitzige Diskussionen zum Thema "Sinn und Unsinn moderner Techniken". Dabei ging es hauptsächlich um den Nutzen von immer mehr technischem Schnickschnack in unserem Leben. Alle Geräte werden inzwischen so sehr in den Leben der meisten Menschen benötigt, dass sie sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen können. Dabei ist der Computer (inklusive dem Internet) eine Selbstverständlichkeit. Selbst in Schulen wird schon erwartet, dass den Kindern zu Hause ein Computer und ein Internetanschluss zur Verfügung steht; ob sich die Eltern überhaupt so etwas für sich selbst, geschweige denn für ihre Kinder leisten können, steht dabei auf einem anderen Blatt. Schließlich geht es ja um die "Bildung der Kinder" bei dieser Idee. Wenn ein Kind einen Computer und Internetzugang hat, kann es sich mehr Wissen aneignen, für seine Hausaufgaben besser recherchieren und so weiter... ein Schelm, wer einen bösen Gedanken wie den folgenden zusammenfasst: "Durch das Internet wird es für die Kinder leichter, Informationen zu finden - um sie gleich darauf wieder zu vergessen!"
Wie gesagt, Computer und Internet haben inzwischen fast den Standardgedanken des Fernsehers oder Radios eingenommen. Jeder braucht diese Dinge, um informiert zu sein, über das Weltgeschehen... und um Informationen anderer Art zu ergattern. Doch der moderne Zivilisationsmensch geht noch weiter: da braucht er dann ein Mobiltelefon und einen Tabletcomputer. Ein normaler Laptop oder ein sperriger Rechner scheinen schon derart unkomfortabel zu sein wie die Entscheidung "Mit dem Bus oder dem eigenen Auto zur Arbeit fahren".
Selbstredend müssen diese Accessoires modernen Lebens von der Innovationsfirma mit dem angebissenen Apfel stammen. Weil wer kein iPhone und kein iPad hat, hat nicht nur diese Sachen nicht (wie die Werbung wunderbar sinnig in Szene setzte!) sondern ist auch nicht hip, im Trend - nicht angesagt. Wer sich früher über die Oberflächlichkeit der Frauen beschwerte, nur Handtaschen von Luis Vuitton oder Chanel haben zu wollen, sollte sich die Oberflächlichkeit der Männer in diesem Punkt besser schenken. Denn sie ist weitaus schlimmer und in ihrer Verbohrtheit gehen die Männer derart weit zu behaupten, es sei wichtig, diese Dinge zu besitzen, damit die Menschen sich weiterentwickeln.
An diesem Punkt habe ich mich unwillkürlich (als Verfechter der "Bin dagegen"-Bewegung) gefragt: "Wo entwickeln wir uns weiter mit technischem Schnickschnack?" Meiner Meinung nach werden die Menschen tendenziell fauler durch Technik - ein Punkt, den viele Menschen nicht einsehen.
Dabei würde ich der Technik nie die Vorteile absprechen, die sie durchaus hat: 1. wir können alles bequemer erledigen (zumindest, ohne uns ein Bein auszurenken!), 2. wir können alles wesentlich schneller machen (was bedeutet, mehr Freizeit für alle!) und 3. wir haben mehr Effektivität in unserem Leben (weil viele Dinge in mehrere Richtungen recherchiert oder erledigt werden können und damit mehr potenzielle Aufgaben des Lebens abgedeckt werden).
Soweit so gut, das haben wir alle soweit eingesehen. Aber braucht man dafür wirklich ein iPad bzw. einen Tablet-PC? Es ist eine nette Spielerei, das sehe ich auch, wenn ich mir die Fernsehwerbung angucke. Doch der Impuls, dafür rund 700 Euro auszugeben, ist in mir nicht wirklich aufgetaucht.
Die Diskussion um "Sinn oder Unsinn von Tablet-PC's" nahm allerdings schier makabere Züge an, als der Befürworter meinte, Kinder würden sich durch einen Tablet-PC besser entwickeln und intelligenter werden. "Schließlich müsste man ja mit der Technik gehen und sich weiterentwickeln!"
Ganz konträr zu diesem Gedanken musste ich an die Schlagzeilen dieser Woche denken, dass zig tausende von Ausbildungsplätzen noch frei sind und nicht besetzt werden können. Dazu dann die Aussage eines Vorsitzenden der DIHK, der sagte, dass 20% der Schulabgänger "nicht ausbildungsfähig" seien. Nun kann man sich fragen: "Wäre das mit einem Tablet-PC im Alltagsgebrauch nicht passiert?"
Man kann es zu bezweifeln wagen. So nützlich die Technik im Ende ist, sie macht (wie schon erwähnt) bequem. Und je früher sich der Mensch an die Technik gewöhnt (sprich: im Kindesalter), umso bequemer wird er. Die Tendenz, sich auf Dinge zu verlassen, die man von der Kindheit an kennt, ist sehr groß. Das kann man auch an sich persönlich beobachten. Alles, was man von der Kindheit her kennt, ist einem als Erwachsener so selbstverständlich, dass man nie und nimmer darauf verzichten könnte - auch wenn es Generationen vor uns durchaus konnten. Wenn man dabei in Extremen denkt könnte man nicht nur den Computer, den Fernseher oder das Telefon erwähnen, sondern sogar den Strom an sich oder die Zentralheizung.
Ähnlich geht es uns dieser Tage mit dem "Smartphone" und dem Tablet-PC. Wenn Kinder mit diesen Spielereien aufwachsen, ohne selbst aktiv zu werden, wenn es um die Informationsbeschaffung geht, werden die Kinder in ihren Köpfen zwar vermeintlich schlauer, aber auch immer träger und sind später nicht in der Lage, auch mal ohne diese Wissensbeschaffungsquellen nach Informationen zu suchen.
Aber nicht nur die zukünftigen Generationen haben dieses Problem, denn erschreckend schnell haben sich die Erwachsenen bereits an diese Entwicklung gewöhnt. Es scheint außer den Höhen des Himalayas fast keinen Ort mehr zu geben, an denen es nicht mindestens eine Person gibt, die mit dem Zeigefinger nervös über einen kleinen oder größeren Bildschirm wischt. Und an der Stelle teilt sich das Wissensmeer in zwei Lager: die eine Seite ist die eigentlich gut erdachte und gemeinte, die zur Informationsbeschaffung und zur Bildung beitragen soll; die andere Seite ist die tatsächlich genutzte, auf Unterhaltung, Chatting und facebook-Updates ausgerichtete. Und zweitere ist die weitaus stärker genutzte, man kann inzwischen sagen, dass sich mindestens 80% der Freizeitgestaltung im Internet auf soziale Netzwerkseiten oder private Kommunikation beschränkt. Wer begibt sich im Internet denn noch freiwillig auf Wissensbildung und -erweiterung?
Doch der Spagat zwischen immer mehr Bildung im Gegensatz zu immer wengier Bildungsbereitschaft ist nicht das einzige Problem. Es ging doch um das Thema "Wissen ohne Charakter". Dieser Titel könnte vieles bedeuten, eindeutig wäre zu sagen, dass einem das größte Wissen nichts nützen mag, wenn man dafür einen schlechten oder gar keinen Charakter hat.
Die Verbreitung von Wissen geschieht heutzutage primär aus zwei Gründen: Reichtum und Ruhm (okay, mit zweiterem ist ersteres ebenfalls verknüpft, allerdings nicht ausschließlich!).
Jeder Mensch süchtet mit immer größerer Bildung und immer höheren Bildungsansprüchen danach, gesehen und wahrgenommen zu werden mit dem, was er zu sagen hat. Selbst wenn er nichts zu sagen hat, er will gesehen und wahrgenommen werden. Doch angenehmer ist es, wenn der Aufmerksamkeitssüchtige etwas zu sagen hat.
In diesem Punkt leben wir doch in einer tollen Gesellschaft. Jedem Kind wird eine Schulbildung (unabhängig von sozialer Herkunft, Religion oder Rasse) zugestanden. Was die Kinder (bzw. ihre Eltern) nun daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Ob nun Immigranten ihren Kindern zu Hause untersagen, die deutsche Sprache zu sprechen und damit indirekt der Bildung des Kindes in Deutschland im Wege stehen, steht gar nicht in diesem Zusammenhang auf dem Blatt. Oder ob es Eltern wirklich gelingt, ihr Kind bei den Hausaufgaben zu helfen. Oder wieviel Nachhilfe und Unterstützung Kinder in der Bildung brauchen, damit sie möglichst weit im Bildungssystem kommen. Am Anfang steht nur der Fakt, dass jedem Kind eine Schulbildung zusteht. Und das ist nicht in jedem Land selbstverständlich.
Wie weit das deutsche Kind dann von der Grundschule aus mit seinem Wissen kommt, sei dahingestellt. Ob es je ein Gymnasium von innen sieht, ist leider immer noch in erster Linie eine Frage des Geldes. Kinder von Eltern mit gutbezahlten Berufen erreichen viel häufiger das Gymnasium als Kinder aus sozial schwachen Familien. Ist das ungerecht? Natürlich ist es das. Die Frage ist im Ende allerdings, ob Kinder, die am Gymnasium ihre Bildung erhalten, wirklich die besseren, weil gebildeteren Menschen werden. Womit man noch tiefer greifen dürfte: ist Bildung wirklich im Ende gleich Wissen? Oder anders gefragt: wieviel weiß ich zehn bis zwanzig Jahre später noch von meiner Bildung?
Wahrscheinlich recht wenig. Ich persönlich kann mich nur an sehr wenige Themen erinnern, die ich in der Schule wochenlang quälend durchgekaut habe. Vielleicht ist das ein weiteres Problem des Bildungssystems: viele Themen werden einem als derart trockene Materie serviert, dass man sie stur auswendig lernt, ohne wirklich Interesse zu haben. Allein der Note wegen. Damit beginnen Kinder allerdings nur, was sie als Erwachsene weiterführen: Dinge ausführen, die man nicht wirklich mag oder tun will. Nur macht man dies später nicht für die Note, sondern schlicht für's Geld.
Aber wie gesagt: Wissen ist nicht mit Bildung gleichzusetzen. Oft bin ich Menschen begegnet, die einen sehr hohen Bildungsgrad vorweisen konnten, deren Intelligenz sich aber meist auf auswendig gelernte Formeln beschränkte. Wissen an sich zeichnet sich hingegen doch dadurch aus, dass es jeder haben kann - und das auf erschreckend einfach Art und Weise. Doch dazu später mehr.
Wie gesagt, es gibt Menschen, die ihre Intelligenz mehr auf das Auswendiglernen von Formeln oder Definitionen beschränken. Solch einen Fall hatte ich erst vor einigen Wochen. Dieser Mann war der Ansicht, dass man jeden Begriff (von "Motivation" über "Innovation") quälend in einzelne Theorien zerpflücken und interpretieren musste, dass eine Konversation mit ihm sehr schwer viel. Okay, ich will jetzt nicht zu weit in diese Konversation greifen, doch mir wurde in dem Moment eins schnell klar: es mag zwar auf den ersten Blick wirken, als sei ein Mensch intelligent, weil er in Dinge bestimmte Theorien und Meinungen hineininterpretieren kann, aber ob er das im Ende wirklich ist, kann nicht mit Sicherheit und objektiv bewertet werden.
Bildung ist im Ende nicht der Schlüssel zur Intelligenz oder zum allumfassenden Wissen, er kann nur eine Stütze sein. Wenn ein Kind Jahr für Jahr Bestnoten in der Schule schreibt, weil es besonders gut auswendig lernt, hat das wenig mit Intelligenz zu tun, sondern mehr mit einem guten Kurzzeitgedächtnis. Würde man dieses Kind einige Jahre später den gleichen Stoff abfragen, stünde es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Schlauch. Aber über die Bestnoten, die das Kind erreicht, erlangt es später einen guten Abschluss und damit eine Ausbildung oder einen Studienplatz, über den es dann später Spitzengehälter kassiert.
Das ist wohl das Einzige, was Bildung und Wissen gemein haben: wir benutzen beides, um ans große Geld zu kommen. Und von dem Vorwurf kann sich keiner freisprechen, denn jeder Mensch träumt von seinem finanziell sicheren Leben. Doch was ist Wissen nun genau? Und ab wann wird Wissen zur Todsünde?
Wissen ist Macht, heißt es im Volksmund. Und wenn Wissen wenig mit Bildung zu tun hat, so hat es mehr mit Intelligenz zu tun, da es nicht nur um Informationen geht, die man erlernt, sondern auch um die Kombinationsfähigkeit der einzelnen Informationen zu einem Machtgeflecht.
An dieser Stelle gibt es zwei Sorten von Wissensmenschen: die einen, die ihr Wissen aus Herzensgüte weitergeben, damit der Empfänger etwas aus dem Wissen des Gebers lernt. Und diejenigen, die ihr Wissen weitergeben, um einen möglichst großen Vorteil zu erlangen.
Wahrscheinlich kann man bei zweiterer Kategorie von der Todsünde "Wissen ohne Charakter" sprechen. Ein Mensch, der sein Wissen nur als Waffe einsetzt, den größtmöglichen Vorteil daraus zu ziehen, ist meist auch ein Mensch, der über wenig bis gar keinen Charakter verfügt. Was nutzt ein Mensch, der vermeintlich viel weiß, aber im Ende seinen Wissensvorsprung dazu nutzt, andere Menschen vorzuführen oder zu demütigen? Oder ein Mensch, der nur sehr viel weiß, es aber nicht einsetzt, um anderen Menschen zu helfen, sondern wartet, bis in einem Problem das Kind in den Brunnen gefallen ist... nur damit er dann später als "Superman" im Supercape auftreten kann und auf die billigste Tour den Karren aus dem Dreck zieht?
Doch wo verliert ein Mensch seinen Charakter? Beim Geld, würden die meisten Menschen schnell vermuten. Nur verliert ein Mensch nicht nur seinen Charakter durch das Geld, es steckt weit mehr dahinter. Wie groß ist der Wunsch, gleichzeitig Donald Trump und Mutter Theresa zu verkörpern? Leider ist beides nicht möglich (was man am unterschiedlichen Verhalten dieser beiden Persönlichkeiten sehen kann!). Ein Mensch muss sich ab einem gewissen Punkt entscheiden, wohin ihn sein Wissen tragen soll: zur Hilfe anderer oder zur Eigenhilfe.
Noch ein Punkt mag beim Thema "Wissen" wichtig sein: Meinungsbildung und -vertretung. Und da trennt sich in der heutigen Zeit so gewaltig die Spreu vom Weizen, dass es weh tut. Um auf das Thema "Tablet-PC's und Technik" zurückzukommen: selten war der große Teil der Bevölkerung so gut informiert wie heute. Gleichzeitig war es im Vergleich so selten, dass Menschen eine fundierte und ausführliche Meinung zum Zeitgeschehen haben. Auch das kann zur Charakterlosigkeit zählen: den Mund nicht aufzumachen, obwohl einen etwas stört und einfach mit dem Strom schwimmen statt gegen ihn. Wie bei den Lemmingen, aber das Thema hatten wir ja bereits!
Was ich damit sagen will: die Informationsflut der heutigen Zeit ermutigt aktiv, dass der Mensch sich selbst einen Reim auf die Gesellschaft und ihre Probleme macht. Trotzdem ist der Widerstand der Massen so weich wie Butter, die eine Stunde in praller Sonne gestanden hat. Bis auf die Demonstrationen in den nordafrikanischen Staaten, die teilweise immer noch anhalten und unter Militäreinsatz blutig niedergeschlagen werden, ist der "Widerstand des Volkes" sehr gering.
Zuletzt konnte man in Deutschland zwei Phänomene von Demonstrationen beobachten: eins ist (immer noch aktuell) der Widerstand gegen den Bau von "Stuttgart 21". Die andere Demonstrationswelle liegt dagegen schon wieder Jahre zurück und richtete sich gegen die Einführung von Hartz IV. So erfolglos die Demonstrationen waren, so stumm sind die Leute inzwischen auch. Wenn es mit der Demonstration nicht klappt, Pech gehabt... dann akzeptieren wir einfach die Dinge so, wie sie sind.
Wenn sich die Demonstranten in Tunesien, Libyen, Ägypten oder Syrien benehmen würden, hätten die Aufstände es wohl nie ins Fernsehen geschafft. Man kann im Vergleich behaupten, dass die Demonstranten dieser Länder ihr Wissen zumindest nutzen, um für die Freiheit der Masse zu kämpfen, sich wehren gegen die Umstände, die ihnen nicht gefallen. Und im Hinterkopf das Wissen innehaben, Lösungsvorschläge zu präsentieren.
Die Frage ist, was der Deutsche mit all seinem Wissen, dass er haben könnte über den technischen Fortschritt und die demokratische Meinungsvielfalt, machen soll. Laut Gandhi müsste er Charakter entwickeln; genug Charakter, sein Wissen nicht nur zum eigenen Vorteil einzusetzen. Genug Charakter, um sein Wissen nicht meistbietend zu verkaufen. Und genug Wissen, mindestens zu einer eigenen Meinungsbildung fähig zu sein.
Solange der Großteil der Deutschen allerdings seine Meinung über die Zeitung mit den vier Großbuchstaben bildet, habe ich da so meine Zweifel, ob da nicht reihenweise weiterhin Todsünden begangen werden. Aber nicht nur in diesem Bereich werden tagtäglich Todsünden begangen.
Wie ich sagte, Wissen lässt sich durch eine erschreckend einfache Art und Weise aneignen. Dabei geht es nicht primär darum, brav auswendig zu lernen oder Wissen teuer zu erkaufen. Auch Wissen vorheucheln (wie Menschen, die sich ihren Doktortitel erkaufen!) ist nicht der Weg, der zu wählen ist.
Wissen ist laut dem Philosophen Platon als "wahre, gerechtfertigte Meinung" definiert und diskutiert. Was man da nun hineininterpretieren will, könnte mehr als nur ein Buch füllen. Doch in einem muss sich die Menschheit einig sein: um eine Meinung zu haben, braucht es Erfahrung. Wieviel Erfahrung das ist, bleibt dahingestellt - manche Menschen machen in 5 Tagen mehr Erfahrungen als andere in 30 Jahren. Aber nur aus Erfahrungen und dem Öffnen für Erfahrungen und den dadurch gewonnen Informationen kann man Wissen formen. Sicher ist ein wenig Bildung nicht unnütz... doch der ständige Lernprozess des Lebens und die Bereitschaft, immer weiter lernen und Erfahrungen machen zu wollen machen im Ende einen Menschen mit genug Wissen aus, um eine wahre, gerechtfertigte Meinung zu formen.
In diesem Sinne - auf das wir alle in der kommenden Woche viele Erfahrungen machen und daraus auch lernen.
Ein schönes Wochenende und bis nächsten Freitag - LG Gene :-)
Womit wir schon wieder beim Thema wären, denn das Sommerloch frisst sich ja weiterhin gut durch die schönste Jahreszeit. Aber: die Hälfte ist ja (laut Sommerlochserie) fast erreicht. Heute kommen wir zum dritten Tag, dem Sommerlochmittwoch. Und hier geht es um ein Thema, das teilweise doch sehr persönlich anzusiedeln ist. Auf der Gandhi-Agenda steht zum Thema die Todsünde: "Wissen ohne Charakter".
Es klingt eigentlich einleuchtend, dass es eine Sünde ist, charakterlos zu sein, aber über Wissen zu verfügen. Oder Wissen zu verbreiten und sich dabei wie ein Egomane aufzuführen... da wären wir ja schon fast wieder beim Thema "Narzissmus". Aber so ganz einfach ist es ja nicht. Nur, weil man selbstverliebt ist, ist man längst nicht charakterlos; man ist auf dem besten Weg dahin, aber am Ziel "Charakterlosigkeit" längt nicht angekommen.
In dieser Woche gab es bei mir einige hitzige Diskussionen zum Thema "Sinn und Unsinn moderner Techniken". Dabei ging es hauptsächlich um den Nutzen von immer mehr technischem Schnickschnack in unserem Leben. Alle Geräte werden inzwischen so sehr in den Leben der meisten Menschen benötigt, dass sie sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen können. Dabei ist der Computer (inklusive dem Internet) eine Selbstverständlichkeit. Selbst in Schulen wird schon erwartet, dass den Kindern zu Hause ein Computer und ein Internetanschluss zur Verfügung steht; ob sich die Eltern überhaupt so etwas für sich selbst, geschweige denn für ihre Kinder leisten können, steht dabei auf einem anderen Blatt. Schließlich geht es ja um die "Bildung der Kinder" bei dieser Idee. Wenn ein Kind einen Computer und Internetzugang hat, kann es sich mehr Wissen aneignen, für seine Hausaufgaben besser recherchieren und so weiter... ein Schelm, wer einen bösen Gedanken wie den folgenden zusammenfasst: "Durch das Internet wird es für die Kinder leichter, Informationen zu finden - um sie gleich darauf wieder zu vergessen!"
Wie gesagt, Computer und Internet haben inzwischen fast den Standardgedanken des Fernsehers oder Radios eingenommen. Jeder braucht diese Dinge, um informiert zu sein, über das Weltgeschehen... und um Informationen anderer Art zu ergattern. Doch der moderne Zivilisationsmensch geht noch weiter: da braucht er dann ein Mobiltelefon und einen Tabletcomputer. Ein normaler Laptop oder ein sperriger Rechner scheinen schon derart unkomfortabel zu sein wie die Entscheidung "Mit dem Bus oder dem eigenen Auto zur Arbeit fahren".
Selbstredend müssen diese Accessoires modernen Lebens von der Innovationsfirma mit dem angebissenen Apfel stammen. Weil wer kein iPhone und kein iPad hat, hat nicht nur diese Sachen nicht (wie die Werbung wunderbar sinnig in Szene setzte!) sondern ist auch nicht hip, im Trend - nicht angesagt. Wer sich früher über die Oberflächlichkeit der Frauen beschwerte, nur Handtaschen von Luis Vuitton oder Chanel haben zu wollen, sollte sich die Oberflächlichkeit der Männer in diesem Punkt besser schenken. Denn sie ist weitaus schlimmer und in ihrer Verbohrtheit gehen die Männer derart weit zu behaupten, es sei wichtig, diese Dinge zu besitzen, damit die Menschen sich weiterentwickeln.
An diesem Punkt habe ich mich unwillkürlich (als Verfechter der "Bin dagegen"-Bewegung) gefragt: "Wo entwickeln wir uns weiter mit technischem Schnickschnack?" Meiner Meinung nach werden die Menschen tendenziell fauler durch Technik - ein Punkt, den viele Menschen nicht einsehen.
Dabei würde ich der Technik nie die Vorteile absprechen, die sie durchaus hat: 1. wir können alles bequemer erledigen (zumindest, ohne uns ein Bein auszurenken!), 2. wir können alles wesentlich schneller machen (was bedeutet, mehr Freizeit für alle!) und 3. wir haben mehr Effektivität in unserem Leben (weil viele Dinge in mehrere Richtungen recherchiert oder erledigt werden können und damit mehr potenzielle Aufgaben des Lebens abgedeckt werden).
Soweit so gut, das haben wir alle soweit eingesehen. Aber braucht man dafür wirklich ein iPad bzw. einen Tablet-PC? Es ist eine nette Spielerei, das sehe ich auch, wenn ich mir die Fernsehwerbung angucke. Doch der Impuls, dafür rund 700 Euro auszugeben, ist in mir nicht wirklich aufgetaucht.
Die Diskussion um "Sinn oder Unsinn von Tablet-PC's" nahm allerdings schier makabere Züge an, als der Befürworter meinte, Kinder würden sich durch einen Tablet-PC besser entwickeln und intelligenter werden. "Schließlich müsste man ja mit der Technik gehen und sich weiterentwickeln!"
Ganz konträr zu diesem Gedanken musste ich an die Schlagzeilen dieser Woche denken, dass zig tausende von Ausbildungsplätzen noch frei sind und nicht besetzt werden können. Dazu dann die Aussage eines Vorsitzenden der DIHK, der sagte, dass 20% der Schulabgänger "nicht ausbildungsfähig" seien. Nun kann man sich fragen: "Wäre das mit einem Tablet-PC im Alltagsgebrauch nicht passiert?"
Man kann es zu bezweifeln wagen. So nützlich die Technik im Ende ist, sie macht (wie schon erwähnt) bequem. Und je früher sich der Mensch an die Technik gewöhnt (sprich: im Kindesalter), umso bequemer wird er. Die Tendenz, sich auf Dinge zu verlassen, die man von der Kindheit an kennt, ist sehr groß. Das kann man auch an sich persönlich beobachten. Alles, was man von der Kindheit her kennt, ist einem als Erwachsener so selbstverständlich, dass man nie und nimmer darauf verzichten könnte - auch wenn es Generationen vor uns durchaus konnten. Wenn man dabei in Extremen denkt könnte man nicht nur den Computer, den Fernseher oder das Telefon erwähnen, sondern sogar den Strom an sich oder die Zentralheizung.
Ähnlich geht es uns dieser Tage mit dem "Smartphone" und dem Tablet-PC. Wenn Kinder mit diesen Spielereien aufwachsen, ohne selbst aktiv zu werden, wenn es um die Informationsbeschaffung geht, werden die Kinder in ihren Köpfen zwar vermeintlich schlauer, aber auch immer träger und sind später nicht in der Lage, auch mal ohne diese Wissensbeschaffungsquellen nach Informationen zu suchen.
Aber nicht nur die zukünftigen Generationen haben dieses Problem, denn erschreckend schnell haben sich die Erwachsenen bereits an diese Entwicklung gewöhnt. Es scheint außer den Höhen des Himalayas fast keinen Ort mehr zu geben, an denen es nicht mindestens eine Person gibt, die mit dem Zeigefinger nervös über einen kleinen oder größeren Bildschirm wischt. Und an der Stelle teilt sich das Wissensmeer in zwei Lager: die eine Seite ist die eigentlich gut erdachte und gemeinte, die zur Informationsbeschaffung und zur Bildung beitragen soll; die andere Seite ist die tatsächlich genutzte, auf Unterhaltung, Chatting und facebook-Updates ausgerichtete. Und zweitere ist die weitaus stärker genutzte, man kann inzwischen sagen, dass sich mindestens 80% der Freizeitgestaltung im Internet auf soziale Netzwerkseiten oder private Kommunikation beschränkt. Wer begibt sich im Internet denn noch freiwillig auf Wissensbildung und -erweiterung?
Doch der Spagat zwischen immer mehr Bildung im Gegensatz zu immer wengier Bildungsbereitschaft ist nicht das einzige Problem. Es ging doch um das Thema "Wissen ohne Charakter". Dieser Titel könnte vieles bedeuten, eindeutig wäre zu sagen, dass einem das größte Wissen nichts nützen mag, wenn man dafür einen schlechten oder gar keinen Charakter hat.
Die Verbreitung von Wissen geschieht heutzutage primär aus zwei Gründen: Reichtum und Ruhm (okay, mit zweiterem ist ersteres ebenfalls verknüpft, allerdings nicht ausschließlich!).
Jeder Mensch süchtet mit immer größerer Bildung und immer höheren Bildungsansprüchen danach, gesehen und wahrgenommen zu werden mit dem, was er zu sagen hat. Selbst wenn er nichts zu sagen hat, er will gesehen und wahrgenommen werden. Doch angenehmer ist es, wenn der Aufmerksamkeitssüchtige etwas zu sagen hat.
In diesem Punkt leben wir doch in einer tollen Gesellschaft. Jedem Kind wird eine Schulbildung (unabhängig von sozialer Herkunft, Religion oder Rasse) zugestanden. Was die Kinder (bzw. ihre Eltern) nun daraus machen, steht auf einem anderen Blatt. Ob nun Immigranten ihren Kindern zu Hause untersagen, die deutsche Sprache zu sprechen und damit indirekt der Bildung des Kindes in Deutschland im Wege stehen, steht gar nicht in diesem Zusammenhang auf dem Blatt. Oder ob es Eltern wirklich gelingt, ihr Kind bei den Hausaufgaben zu helfen. Oder wieviel Nachhilfe und Unterstützung Kinder in der Bildung brauchen, damit sie möglichst weit im Bildungssystem kommen. Am Anfang steht nur der Fakt, dass jedem Kind eine Schulbildung zusteht. Und das ist nicht in jedem Land selbstverständlich.
Wie weit das deutsche Kind dann von der Grundschule aus mit seinem Wissen kommt, sei dahingestellt. Ob es je ein Gymnasium von innen sieht, ist leider immer noch in erster Linie eine Frage des Geldes. Kinder von Eltern mit gutbezahlten Berufen erreichen viel häufiger das Gymnasium als Kinder aus sozial schwachen Familien. Ist das ungerecht? Natürlich ist es das. Die Frage ist im Ende allerdings, ob Kinder, die am Gymnasium ihre Bildung erhalten, wirklich die besseren, weil gebildeteren Menschen werden. Womit man noch tiefer greifen dürfte: ist Bildung wirklich im Ende gleich Wissen? Oder anders gefragt: wieviel weiß ich zehn bis zwanzig Jahre später noch von meiner Bildung?
Wahrscheinlich recht wenig. Ich persönlich kann mich nur an sehr wenige Themen erinnern, die ich in der Schule wochenlang quälend durchgekaut habe. Vielleicht ist das ein weiteres Problem des Bildungssystems: viele Themen werden einem als derart trockene Materie serviert, dass man sie stur auswendig lernt, ohne wirklich Interesse zu haben. Allein der Note wegen. Damit beginnen Kinder allerdings nur, was sie als Erwachsene weiterführen: Dinge ausführen, die man nicht wirklich mag oder tun will. Nur macht man dies später nicht für die Note, sondern schlicht für's Geld.
Aber wie gesagt: Wissen ist nicht mit Bildung gleichzusetzen. Oft bin ich Menschen begegnet, die einen sehr hohen Bildungsgrad vorweisen konnten, deren Intelligenz sich aber meist auf auswendig gelernte Formeln beschränkte. Wissen an sich zeichnet sich hingegen doch dadurch aus, dass es jeder haben kann - und das auf erschreckend einfach Art und Weise. Doch dazu später mehr.
Wie gesagt, es gibt Menschen, die ihre Intelligenz mehr auf das Auswendiglernen von Formeln oder Definitionen beschränken. Solch einen Fall hatte ich erst vor einigen Wochen. Dieser Mann war der Ansicht, dass man jeden Begriff (von "Motivation" über "Innovation") quälend in einzelne Theorien zerpflücken und interpretieren musste, dass eine Konversation mit ihm sehr schwer viel. Okay, ich will jetzt nicht zu weit in diese Konversation greifen, doch mir wurde in dem Moment eins schnell klar: es mag zwar auf den ersten Blick wirken, als sei ein Mensch intelligent, weil er in Dinge bestimmte Theorien und Meinungen hineininterpretieren kann, aber ob er das im Ende wirklich ist, kann nicht mit Sicherheit und objektiv bewertet werden.
Bildung ist im Ende nicht der Schlüssel zur Intelligenz oder zum allumfassenden Wissen, er kann nur eine Stütze sein. Wenn ein Kind Jahr für Jahr Bestnoten in der Schule schreibt, weil es besonders gut auswendig lernt, hat das wenig mit Intelligenz zu tun, sondern mehr mit einem guten Kurzzeitgedächtnis. Würde man dieses Kind einige Jahre später den gleichen Stoff abfragen, stünde es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Schlauch. Aber über die Bestnoten, die das Kind erreicht, erlangt es später einen guten Abschluss und damit eine Ausbildung oder einen Studienplatz, über den es dann später Spitzengehälter kassiert.
Das ist wohl das Einzige, was Bildung und Wissen gemein haben: wir benutzen beides, um ans große Geld zu kommen. Und von dem Vorwurf kann sich keiner freisprechen, denn jeder Mensch träumt von seinem finanziell sicheren Leben. Doch was ist Wissen nun genau? Und ab wann wird Wissen zur Todsünde?
Wissen ist Macht, heißt es im Volksmund. Und wenn Wissen wenig mit Bildung zu tun hat, so hat es mehr mit Intelligenz zu tun, da es nicht nur um Informationen geht, die man erlernt, sondern auch um die Kombinationsfähigkeit der einzelnen Informationen zu einem Machtgeflecht.
An dieser Stelle gibt es zwei Sorten von Wissensmenschen: die einen, die ihr Wissen aus Herzensgüte weitergeben, damit der Empfänger etwas aus dem Wissen des Gebers lernt. Und diejenigen, die ihr Wissen weitergeben, um einen möglichst großen Vorteil zu erlangen.
Wahrscheinlich kann man bei zweiterer Kategorie von der Todsünde "Wissen ohne Charakter" sprechen. Ein Mensch, der sein Wissen nur als Waffe einsetzt, den größtmöglichen Vorteil daraus zu ziehen, ist meist auch ein Mensch, der über wenig bis gar keinen Charakter verfügt. Was nutzt ein Mensch, der vermeintlich viel weiß, aber im Ende seinen Wissensvorsprung dazu nutzt, andere Menschen vorzuführen oder zu demütigen? Oder ein Mensch, der nur sehr viel weiß, es aber nicht einsetzt, um anderen Menschen zu helfen, sondern wartet, bis in einem Problem das Kind in den Brunnen gefallen ist... nur damit er dann später als "Superman" im Supercape auftreten kann und auf die billigste Tour den Karren aus dem Dreck zieht?
Doch wo verliert ein Mensch seinen Charakter? Beim Geld, würden die meisten Menschen schnell vermuten. Nur verliert ein Mensch nicht nur seinen Charakter durch das Geld, es steckt weit mehr dahinter. Wie groß ist der Wunsch, gleichzeitig Donald Trump und Mutter Theresa zu verkörpern? Leider ist beides nicht möglich (was man am unterschiedlichen Verhalten dieser beiden Persönlichkeiten sehen kann!). Ein Mensch muss sich ab einem gewissen Punkt entscheiden, wohin ihn sein Wissen tragen soll: zur Hilfe anderer oder zur Eigenhilfe.
Noch ein Punkt mag beim Thema "Wissen" wichtig sein: Meinungsbildung und -vertretung. Und da trennt sich in der heutigen Zeit so gewaltig die Spreu vom Weizen, dass es weh tut. Um auf das Thema "Tablet-PC's und Technik" zurückzukommen: selten war der große Teil der Bevölkerung so gut informiert wie heute. Gleichzeitig war es im Vergleich so selten, dass Menschen eine fundierte und ausführliche Meinung zum Zeitgeschehen haben. Auch das kann zur Charakterlosigkeit zählen: den Mund nicht aufzumachen, obwohl einen etwas stört und einfach mit dem Strom schwimmen statt gegen ihn. Wie bei den Lemmingen, aber das Thema hatten wir ja bereits!
Was ich damit sagen will: die Informationsflut der heutigen Zeit ermutigt aktiv, dass der Mensch sich selbst einen Reim auf die Gesellschaft und ihre Probleme macht. Trotzdem ist der Widerstand der Massen so weich wie Butter, die eine Stunde in praller Sonne gestanden hat. Bis auf die Demonstrationen in den nordafrikanischen Staaten, die teilweise immer noch anhalten und unter Militäreinsatz blutig niedergeschlagen werden, ist der "Widerstand des Volkes" sehr gering.
Zuletzt konnte man in Deutschland zwei Phänomene von Demonstrationen beobachten: eins ist (immer noch aktuell) der Widerstand gegen den Bau von "Stuttgart 21". Die andere Demonstrationswelle liegt dagegen schon wieder Jahre zurück und richtete sich gegen die Einführung von Hartz IV. So erfolglos die Demonstrationen waren, so stumm sind die Leute inzwischen auch. Wenn es mit der Demonstration nicht klappt, Pech gehabt... dann akzeptieren wir einfach die Dinge so, wie sie sind.
Wenn sich die Demonstranten in Tunesien, Libyen, Ägypten oder Syrien benehmen würden, hätten die Aufstände es wohl nie ins Fernsehen geschafft. Man kann im Vergleich behaupten, dass die Demonstranten dieser Länder ihr Wissen zumindest nutzen, um für die Freiheit der Masse zu kämpfen, sich wehren gegen die Umstände, die ihnen nicht gefallen. Und im Hinterkopf das Wissen innehaben, Lösungsvorschläge zu präsentieren.
Die Frage ist, was der Deutsche mit all seinem Wissen, dass er haben könnte über den technischen Fortschritt und die demokratische Meinungsvielfalt, machen soll. Laut Gandhi müsste er Charakter entwickeln; genug Charakter, sein Wissen nicht nur zum eigenen Vorteil einzusetzen. Genug Charakter, um sein Wissen nicht meistbietend zu verkaufen. Und genug Wissen, mindestens zu einer eigenen Meinungsbildung fähig zu sein.
Solange der Großteil der Deutschen allerdings seine Meinung über die Zeitung mit den vier Großbuchstaben bildet, habe ich da so meine Zweifel, ob da nicht reihenweise weiterhin Todsünden begangen werden. Aber nicht nur in diesem Bereich werden tagtäglich Todsünden begangen.
Wie ich sagte, Wissen lässt sich durch eine erschreckend einfache Art und Weise aneignen. Dabei geht es nicht primär darum, brav auswendig zu lernen oder Wissen teuer zu erkaufen. Auch Wissen vorheucheln (wie Menschen, die sich ihren Doktortitel erkaufen!) ist nicht der Weg, der zu wählen ist.
Wissen ist laut dem Philosophen Platon als "wahre, gerechtfertigte Meinung" definiert und diskutiert. Was man da nun hineininterpretieren will, könnte mehr als nur ein Buch füllen. Doch in einem muss sich die Menschheit einig sein: um eine Meinung zu haben, braucht es Erfahrung. Wieviel Erfahrung das ist, bleibt dahingestellt - manche Menschen machen in 5 Tagen mehr Erfahrungen als andere in 30 Jahren. Aber nur aus Erfahrungen und dem Öffnen für Erfahrungen und den dadurch gewonnen Informationen kann man Wissen formen. Sicher ist ein wenig Bildung nicht unnütz... doch der ständige Lernprozess des Lebens und die Bereitschaft, immer weiter lernen und Erfahrungen machen zu wollen machen im Ende einen Menschen mit genug Wissen aus, um eine wahre, gerechtfertigte Meinung zu formen.
In diesem Sinne - auf das wir alle in der kommenden Woche viele Erfahrungen machen und daraus auch lernen.
Ein schönes Wochenende und bis nächsten Freitag - LG Gene :-)
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