Erst einmal möchte ich dir heute morgen, etwa 2 Stunden nachdem du die gute Nachricht erhalten hast, zu deinem Sieg gratulieren. Er ist wohlverdient und die wohl einzig richtige Entscheidung für die gottgesegneten Vereinigten Staaten von Amerika. Unter uns: Mitt Romney und Paul Ryan wären einem vierjährigen Sturm "Sandy" gleichgekommen! Ausgerechnet "Sandy" war wohl auch (wenn auch nur zu einem geringen Anteil) deine ganz persönliche Wahlhelferin: selten hat ein Sturm an der Ostküste solch einen Schaden angerichtet und du hast wahre Größe bewiesen, indem du dich (wie es sich für einen guten Staatsmann gehört!) um die Opfer und die Geschädigten gekümmert, du hast umarmt, Trost gespendet und warst allein deswegen der Einzige, der die USA in den nächsten vier Jahren leiten soll.
Es steht dir einiges bevor, nicht nur innenpolitisch, immerhin sind die USA (und das hat diese Wahl gezeigt) mehr gespalten als je zuvor. Ein denkbar knappes Wahlergebnis wurde prognostiziert... so knapp ist es dann doch nicht geworden, wohl allein schon wegen der Schicht der Ärmsten in den USA. Obwohl du in den letzten vier Jahren nicht genug getan hast, um mehr Wohlstand in diese Schicht zu bringen. Im Ende spielte diese Schicht (gerade auch die Latinos) eine große Rolle bei dieser Wahl, auch wenn ihre Stimmen im Wahlkampf fast stumm waren im Gegensatz zu dem 1% Oberschicht, die plärrten und nach Veränderung durch Romney schrieen. Mit Schrecken dachte die ganze Welt bereits darüber nach, was wohl geschehen würde, wenn Romney wirklich ins Weiße Haus eingezogen wäre. Die Beziehungen zu Russland hätten sich wohl drastisch verschlechtert, die Konflikte im Nahen Osten wären mit Sicherheit außer Kontrolle geraten und der Iran, ja, der Iran... wahrscheinlich hätte Romney direkt seinen ersten Krieg begonnen Anfang 2013. Wirst du es besser machen? Man weiß es nicht, keiner kann jetzt wissen, wie schwierig die politischen Situationen in den nächsten vier Jahren werden. Eins kann man aber mit Sicherheit sagen: dein Auftreten ist im Gegensatz zu Romneys staatsmännischer, international sicherer und damit für die internationalen Beziehungen weitaus positiver als dein republikanischer Gegner.
Trotzdem: es wird wohl ein hartes Stück Arbeit vor dir stehen, national, international und darüber hinaus (bis zur nächsten Milchstraße im schlimmsten Fall!). Die USA, dein Land, ist politisch gespalten, zum großen Teil enttäuscht von deiner ersten Amtszeit. Ich bin davon überzeugt, Romney hätte für eine weitaus tiefere Spaltung gesorgt. Nun liegt es an dir, der Friedensstifter zu sein, für den du immer gehalten wirst. Zeig deinem Land und der ganzen Welt, dass du in der Lage bist, alle dazu zu bringen, an einem Strang zu ziehen, Republikaner, Demokraten, sogar Tea-Party Anhänger. Ich denke, es ist möglich, denn du hast das Charisma, das Wissen und die Führungsstärke, die Leute zu vereinen statt zu spalten. Die einzige Bedingung für vier erfolgreiche Jahre ist wohl nur mehr Tun statt Reden, mehr Tatendrang statt schöner Reden vor TV Kameras. Das wird wohl nicht leicht sein, denn Politiker sind schöne Reden gewohnt, die Taten regeln sich meistens fast im Alleingang. Leider leben wir aber inzwischen in Zeiten von einer drohenden Weltwirtschaftskrise (und nein, noch sind wir nicht drin, nicht einmal ansatzweise!) und wir müssen mehr tun, als nur schön zu reden, um die Welt zu verändern und zum Positiven zu wenden.
Ich bin mir sicher, was du dir vornimmst, wird dir gelingen. Die Menschen stehen hinter dir, das hat diese Wahlnacht gezeigt, die Menschen hoffen auch noch, dass du in der Lage bist, die Welt (speziell die amerikanische!) ein Stückchen besser zu machen. Es liegt nun an dir, etwas daraus zu machen, genug Zeit hast du ja. Vier Jahre können eine verdammt lange Zeit sein... zumindest, wenn man sie ungenutzt verstreichen lässt!
Von den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland verspreche ich mir im Übrigen nichts ... oder sagen wir besser, keine Veränderung wäre schön. Es wäre gut, wenn alles so bleibt, wie es ist. Und dabei sollte es egal sein, ob Mutti Merkel noch einmal gewählt wird im nächsten Jahr, oder ob du mit Papa Peer Steinbrück einen neuen Verhandlungspartner bekommst. In jedem Fall wird es wichtig sein, die Beziehungen stabil zu halten, gerade bei den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen wir gegenüberstehen. Eine enge Zusammenarbeit im Zeichen der Demokratie soll den Menschen neuer, junger Demokratien zeigen, wie wichtig es ist, in einem Staat zu leben, der vom Volk gewählt wird statt einer autoritären Regierung, die sich durch Putschversuche und Korruption, Gewalt und Tod verdient macht.
Eine Bitte habe ich dann doch noch: ich weiß, du bist ein Showman, hast Musik im Blut, weißt, wie man Stimmung macht. Das Leben (könnte man meinen!) ist für dich und deine Familie eine einzige Party. Was eine schöne Sache ist, wenn es zur richtigen Zeit kommt. Auch deine Frau Michelle kann einfach wunderbar menschennah handeln und ist wohl eine der besten First Ladies, die das Land je gesehen hat. Ein kleines "aber" muss ich dann aber doch einfügen: wäre es möglich, dass ihr nicht in jeder Talkshow auftretet und stattdessen mehr aktiv für euer Volk arbeitet? Die Menschen der Unterschicht in den USA können so wenig mit einem Talkshowauftritt bei "Ellen" anfangen, auch wenn solch ein öffentlicher Auftritt mehr Menschen für den ersten Moment erreichen mag. PR ist wichtig, das höre ich immer wieder, ich erlebe es auch immer wieder - allerdings: ich bin kein "Believer" von PR, ich finde nicht, dass die Menschen immer Werbung machen müssen, damit sie in einem guten Licht stehen. Es kann ab und zu hilfreich sein, ich sehe auch ein, dass in einem Wahlkampf viel Werbung gemacht werden muss; wer Präsident werden will, muss sich selbst den Heiligenschein anbringen, um die Massen anzuziehen. Wenn man dann aber gewählt ist, geht es um die Arbeit, das gilt auch für die First Lady. Ein wenig PR schadet nie, aber zuviel führt dazu, dass man sich nicht mehr um seine eigentlichen Aufgaben kümmern kann (der Tag hat immerhin nur 24 Stunden). Mit anderen Worten: den Worten Taten folgen lassen statt weiterer Worte in noch mehr Talkshows. Das wäre die einzige Bitte, die ich an dich und deine Frau habe.
In diesem Sinne, noch einmal einen herzlichen Glückwunsch an dich und an alle Bürger der USA, auch wenn sie gegen dich sind. Sie werden irgendwann sehen, dass diese Wahl die einzig richtige war... zumindest aus heutiger Sicht.
LG Gene :-)
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Mittwoch, 7. November 2012
Montag, 29. Oktober 2012
The World Wrestling Federation presents: Obama vs. Romney oder: Die Entscheidung zwischen "schlimm" oder "schlimmer"?
Der "heiße Herbst" kommt in seine nächste Phase, während die Menschen in Deutschland sich noch über ein paar "goldene Tage" im Oktober freuen. Es stehen große Ereignisse an, nicht direkt in Deutschland (auch wenn man das angesichts der Aufmerksamkeit meinen könnte!), sondern in den USA. Der Präsident der Vereinigten Staaten wird wieder einmal gewählt: nach vier Jahren Barack Obama, dem "Messias", dem "Wunderkind für die amerikanische Politik", wird sich nun entscheiden, ob Mr Obama die "mächtigste Nation der Welt" noch weitere vier Jahre regieren darf oder ob er in den "politischen Ruhestand" geschickt wird. Die Republikaner würden am Liebsten zweiteres Szenario erleben und haben mit Mitt Romney den wohl einzigen Kandidaten ins Rennen geschickt, der es schafft, mehr Unentschiedene im Wahlkampf auf seine Seite zu ziehen.
Wer den amerikanischen Wahlkampf verstehen möchte, muss sich die Struktur des letzten halben Jahres vor dem Wahltag anschauen: die Show, die endlosen Wahlkampfreisen, die Volontäre, die von Tür zu Tür laufen und jeden virtuellen und real existierenden Briefkasten zuspammen... all diese Elemente beherrschen die Amerikaner mit einer solchen Perfektion, dass sie als Vorbild für Wahlkämpfe auf der ganzen Welt gelten. Nirgends wird so eine große Show gemacht, als in den United States of (God bless) America und in keinem demokratischen Land der Welt scheint die Bevölkerung offener für Märchenonkel zu sein als im Land des "Stars & Stripes-Banner". Die Show macht den Präsidenten ist die entscheidende Parole: wer nicht mit Überzeugung und Charisma den Wähler anlügt, wird die Wahl im Jobrennen des "mächtigsten Mannes der Welt" nicht gewinnen. Gerade das macht jedes Mal aufs Neue den Wettkampf ums Weiße Haus so spannend.
Vielleicht ist auch dies der Grund für das breite Interesse aus Deutschland an den Wahlen in den Vereinigten Staaten: man weiß nie, wer gewinnen wird, egal wie die Umfragen aussehen, es gibt nichts Unberechenbareres als den amerikanischen Wähler. Es gibt wohl kaum eine Wählerschaft auf diesem Planeten, die kurzfristiger und mit mehr Gefühlsleben ihr Kreuzchen setzt. Die Amerikaner wählen somit ihren Präsidenten, den wichtigsten Mann in der Weltpolitik, aus dem Bauch heraus. Was für eine gute Idee, vor allem, wenn man bedenkt, wie abhängig nicht nur knapp 380 Millionen Einwohner der Vereinigten Staaten, sondern auch die ganze Welt von dieser Entscheidung ist. Wichtiger als die innerpolitischen Entscheidungen in den USA sind immer noch die außenpolitischen, der Präsident entscheidet über das Schicksal ganzer Nationen, wenn er den Kriegsbefehl gibt oder interveniert. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso, wie wir gerade in Syrien miterleben dürfen.
Vier Jahre Obama, was haben sie gebracht? Ende 2008, als der Hype um den ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten am Größten war gab es niemanden, der ihm hätte gefährlich werden können. Die "Yes we can"-Welle schwappte über den Atlantik einmal um die ganze Welt. Menschen in aller Welt trugen T-Shirts mit dem Konterfei des jetzigen US-Präsidenten, es gab sogar Wahlpartys in der Wahlnacht in deutschen Großstädten! Groß war die Euphorie um Obama, viele Hoffnungen rankten sich um ihn und seine Vision einer besseren Welt. Man hätte sogar denken können, Martin Luther King sei endlich wiederauferstanden. Endlich gibt es einen Mann, der die Probleme der Menschen versteht, die Schwachen versteht und unterstützt, sie sogar rettet. Super-Obama fehlte nur noch das passende Cape statt des Designeranzuges und die Illusion eines neuen Superhelden wäre perfekt gewesen. Zur gleichen Zeit wurde dem Newcomer und Popstar der schönen, neuen Politik sogar der Friedensnobelpreis verliehen. Was damals schon unter Kritikern als "Witz" galt, sollte sich aus heutiger Sicht leider bestätigen.
Die Amtsperiode Obamas war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. So hatte man vor allem in den ersten zwei Jahren den Eindruck, Obama sei zu untätig umgegangen mit dem politischen Vorteil, die demokratische Mehrheit auch im Repräsentantenhaus zu besitzen. Viele Gesetze, die Obama durchsetzen wollte, scheiterten auch durch innerparteiliche Streitigkeiten und Unstimmigkeiten. Besonders groß war in der ersten Zeit vor allem die Enttäuschung über das gebrochene Versprechen, das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base des amerikanischen US-Stützpunktes auf der Insel Kuba zu schließen. Immerhin war dies ein großes, den Wahlkampf dominierendes Versprechen Obamas. Im Ende sollte auch dieses Versprechen sich mehr oder weniger in Wohlgefallen auflösen, auch wenn Obama im Jahr 2009 die Schließung des Gefangenenlagers beschlossen hatte.
Nicht nur dort allerdings ist Obama gescheitert. Ein weiteres, die gesamte Amtsperiode beeinflussendes Thema war die Krankenversicherung für alle. Bereits Bill und Hillary Clinton waren in ihrer Amtszeit gescheitert, ein einheitliches System auch für die Schwachen der Gesellschaft durchzusetzen. Die Situation wurde vor allem im Jahr 2010 nach den Repräsentantenwahlen deutlich schwerer, denn von diesem Zeitpunkt ab hatten die Republikaner die Mehrheit gemeinsam mit der radikaleren Tea Party und versuchten nach Kräften, die Pläne Obamas zu durchkreuzen. Obama hatte trotzdem einen großen Erfolg, das Gesetz zum Gesundheitswesen wurde nach mehrfachen Korrekturen doch durchgesetzt. Fraglich ist in diesem Zusammenhang nur, ob die einheitliche "health care" der unteren Sozialschicht wirklich hilft, denn mehr oder weniger verpflichtet das Gesetz die Menschen, eine Krankenversicherung abzuschließen. Diese Lösung hilft den Menschen, die Geringverdiener sind, allerdings so gut wie gar nichts. Die Befürchtungen gingen sogar so weit, dass sie sich um ihre Existenz sorgten für den Fall, dass sie zu einer Krankenversicherung verpflichtet würden.
Doch wie in allen Dingen im Leben, ist Obama auch nicht nur ein Beispiel für die reine Enttäuschung. Immerhin hat Obama viel erreicht, im Vordergrund steht vor allem die Eliminierung von Osama bin Laden im Jahr 2011. Bin Laden galt als "Stachel im Fleisch" der USA, der Mann, der für die Anschläge des 11. September hauptverantwortlich war. Die Republikaner werden wohl für immer einen Groll in sich tragen, dass Obama in einer Amtszeit geschafft hat, was George W. Bush jr. in 8 Jahren nicht gelang. Nichts desto trotz, in all den Jahren, in denen es um die Ergreifung bin Ladens ging, gab es keine tiefen Gräben zwischen den Demokraten und den Republikanern. Anders sah das Ganze bei den Anschlägen in Libyen auf die US-Botschaft aus, bei der drei Menschen starben und die eine Welle von weiteren Anschlägen durch Extremisten auslöste. In diesen Tagen im September hat sich vor allem Mitt Romney einige Blessuren zugezogen, indem er direkt gegen Obama und die demokratische Regierung schoss, wenngleich es für das gesamte amerikanische Volk eindeutig ist, dass in solch schwierigen Krisen vor allem der Zusammenhalt gilt, sogar über parteiliche Grenzen hinaus.
Es war spätestens in dieser Situation klar, dass der Wahlkampf in den USA auf Hochtouren lief, weit vor dem ersten Fernsehduell zwischen Romney und Obama. Und es war klar, dass dieser Wahlkampf dreckiger und heftiger als viele andere Wahlkämpfe werden würde, denn die Republikaner wollen das Ruder wieder übernehmen. Nach acht Jahren Bush und einer republikanischen Machtunterbrechung durch Obama für vier Jahre meinen die Konservativen des Landes, es wäre wieder Zeit für die Allheilbringung durch die Republikaner. Doch den Republikanern stehen seit 2010 schwere Zeiten bevor, denn die radikale Tea-Party hat immer mehr Anhänger dazugewonnen. Die Gründe für den Ansturm bei einer absoluten schwachsinnigen Partei sind vielfältig, vor allem aber empfanden die Menschen die konservative republikanische Partei einfach nicht mehr als konservativ genug. Mit einem Mal wollten die Menschen mehr Konservatismus, mehr reaktionäre Strukturen als die Republikaner als weltoffen oder gar liberal zu sehen. Soziale Strukturen? Wer in einer amerikanischen Partei das Wort "sozial" überhaupt in den Mund oder gar in das Parteiprogramm aufnimmt, ist für den konservativen Flügel längst im Kommunismus angekommen. Sozial = linksextrem? Europa weiß, dass es zwischen diesen Extremen auch Farbschattierungen gibt und nicht nur Schwarz oder Weiß.
Wenn die Amerikaner eins genauso gut, vielleicht sogar besser beherrschen als die Chinesen (und die sind bereits Spitze darin), dann ist es die Polemik und die Übertreibung. Etwas, was gar nicht so extrem in eine bestimmte Richtung gehört, wird durch Wahlkampfreden oder diffamierende Wahlkampfspots so weit in eine extreme Ecke gedrängt, dass es jeder glaubt. Wahlkampfspots und Wahlkampfreden - beide Elemente leben vor allem von der Darstellung oder von dem "Wie verkaufe ich mich am Besten?"-Prinzip. Die Präsidentschaftskandidaten sind am Ende des Tages keine Politiker, die die Welt retten möchten, sie sind Staubsaugervertreter und wollen vor allem eins: ihr Produkt (= sich selbst) verkaufen. Dies gilt sowohl für die Republikaner als auch für die Demokraten, für Romney wie für Obama gleichermaßen.
Welche Entscheidung ist am 6. November nun die Richtige? Die viel quälendere Frage dürfte wohl lauten: gibt es überhaupt eine richtige Entscheidung in Bezug auf die Präsidentschaftswahl? An dieser Erkenntnis krankt wohl die gesamte Wahl: die Unzufriedenheit mit Obamas Leistungen in den letzten vier Jahren hat die Menschen so verunsichert, dass sie nun nicht mehr wissen, was sie überhaupt wählen sollen. Vor allem die Unterschicht gehört bei dieser Wahl zu den Verlierern: schön und gut, wenn sie nicht mit Obama zufrieden sind, doch jeder in der Unterschicht weiß, dass Romney keine Alternative für die Ärmsten der Armen darstellt. Romney steht für das 1% in Amerika, das Prozent der superreichen Bevölkerung in den USA, und die können sich dumm und dämlich freuen, dass bei einer Wahl Romneys die Steuerabgaben für sie wieder kräftig gesenkt werden. Warum? In der Hoffnung, dass die Superreichen mit den gesparten Steuern Arbeitsplätze schaffen. Es ist allerdings ein offenes Geheimnis, dass dieser Schuss gewaltig nach hinten losgehen wird, denn die Superreichen sind nicht gerade dafür bekannt, Samariter zu sein. Also lautet für sie die Devise: "Geld sparen? Gerne! Geld wieder ausgeben? Nicht so gerne!"
Es steht wohl nur eins fest bei den anstehenden Wahlen: es wird sich entscheiden, ob alles im Mittelmaß schlecht bleibt oder ob es in Zukunft noch schlechter wird. Die Karten stehen im Moment unentschieden, passieren kann eigentlich alles am 6. November. Erschreckender wären nur die Aussichten, wenn der Wechsel hin zu Romney nun wirklich stattfinden würde, gerade mit Ryan als Vizepräsidenten. Dann könnte man sich auf die Abschaffung des mühsam eingeführten health care-Programms einstellen, die Verhärtung der Beziehungen zu Russland (bei denen teilweise sogar schon von einem neuen Kalten Krieg die Rede ist) und das Auseinanderdriften der Schichten Reich und Arm.
Der letzte Akt im amerikanischen Wahlkampf war wohl das dritte TV-Duell zwischen Obama und Romney, in dem es vor allem um die außenpolitische Rolle der USA geht. Gerade die angespannte Situation in Syrien zeigte, wie untätig die einst "mächtigste Nation der Welt" diesem Konflikt gegenübersteht. Einzig Hillary Clinton schien nach Kräften bemüht, überhaupt etwas gegen das Assad-Regime zu unternehmen, auch wenn ihre Bemühungen äußerst schwach waren. Ich persönlich bin in diesem ganzen Krieg in Syrien immer wieder erstaunt, wie wenig die Vereinten Nationen oder die Vereinigten Staaten unternehmen, um das Blutvergießen zu stoppen. Keiner weiß, wie es weitergehen soll, schon gar nicht nach der Wahl, ob Obama mehr tätig wird oder ob Romney überhaupt etwas tun wird bleibt offen. Fest steht nur eins: bei einer Wiederwahl Obamas steht Hillary Clinton, die in den letzten vier Jahren wesentlich für außenpolitisch stabile und wiederaufgebaute Beziehungen zuständig war, nicht mehr zur Verfügung. Damit hat Obama nun ein weiteres Zugpferd seiner Regierung verloren, was seinen Wahlkampf wiederum schwächen dürfte.
Die Folgen der Präsidentschaftswahl 2012 können nicht im Voraus bestimmt werden, keiner kann sagen, was nun wirklich besser oder schlechter wird, egal wer gewählt wird. Ob Obama nun seine Sache in der zweiten Amtszeit besser machen wird oder Romney den Karren wirklich gegen die Wand fahren wird für den Fall, dass er gewählt wird? Es bleibt alles abzuwarten. Fest steht, solange es keine entscheidenden Reformen gibt, um die sozialen Unterschiede und das "wer nicht gewinnt, hat nun einmal verloren"-Prinzip abzuschaffen, wird sich die Situation in den USA nicht ändern. Damit wird sich auch die Situation in der Eurozone nicht wirklich verbessern, immerhin bleibt die USA der Vorreiter sowohl guter wie auch schlechter Prognosen. Frei nach dem Motto: geht es den Vereinigten Staaten schlecht, geht es uns allen schlecht. Mit allen Konsequenzen.
In diesem Sinne hoffe ich, die Bürger der USA werden die richtige Entscheidung treffen. Sowohl für sich selbst, wie auch für die gesamte Weltbevölkerung. Allen Lesern des Blogs eine schöne Woche und offene Augen für das Geschehen in der Weltgeschichte.
LG Gene :-)
Wer den amerikanischen Wahlkampf verstehen möchte, muss sich die Struktur des letzten halben Jahres vor dem Wahltag anschauen: die Show, die endlosen Wahlkampfreisen, die Volontäre, die von Tür zu Tür laufen und jeden virtuellen und real existierenden Briefkasten zuspammen... all diese Elemente beherrschen die Amerikaner mit einer solchen Perfektion, dass sie als Vorbild für Wahlkämpfe auf der ganzen Welt gelten. Nirgends wird so eine große Show gemacht, als in den United States of (God bless) America und in keinem demokratischen Land der Welt scheint die Bevölkerung offener für Märchenonkel zu sein als im Land des "Stars & Stripes-Banner". Die Show macht den Präsidenten ist die entscheidende Parole: wer nicht mit Überzeugung und Charisma den Wähler anlügt, wird die Wahl im Jobrennen des "mächtigsten Mannes der Welt" nicht gewinnen. Gerade das macht jedes Mal aufs Neue den Wettkampf ums Weiße Haus so spannend.
Vielleicht ist auch dies der Grund für das breite Interesse aus Deutschland an den Wahlen in den Vereinigten Staaten: man weiß nie, wer gewinnen wird, egal wie die Umfragen aussehen, es gibt nichts Unberechenbareres als den amerikanischen Wähler. Es gibt wohl kaum eine Wählerschaft auf diesem Planeten, die kurzfristiger und mit mehr Gefühlsleben ihr Kreuzchen setzt. Die Amerikaner wählen somit ihren Präsidenten, den wichtigsten Mann in der Weltpolitik, aus dem Bauch heraus. Was für eine gute Idee, vor allem, wenn man bedenkt, wie abhängig nicht nur knapp 380 Millionen Einwohner der Vereinigten Staaten, sondern auch die ganze Welt von dieser Entscheidung ist. Wichtiger als die innerpolitischen Entscheidungen in den USA sind immer noch die außenpolitischen, der Präsident entscheidet über das Schicksal ganzer Nationen, wenn er den Kriegsbefehl gibt oder interveniert. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso, wie wir gerade in Syrien miterleben dürfen.
Vier Jahre Obama, was haben sie gebracht? Ende 2008, als der Hype um den ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten am Größten war gab es niemanden, der ihm hätte gefährlich werden können. Die "Yes we can"-Welle schwappte über den Atlantik einmal um die ganze Welt. Menschen in aller Welt trugen T-Shirts mit dem Konterfei des jetzigen US-Präsidenten, es gab sogar Wahlpartys in der Wahlnacht in deutschen Großstädten! Groß war die Euphorie um Obama, viele Hoffnungen rankten sich um ihn und seine Vision einer besseren Welt. Man hätte sogar denken können, Martin Luther King sei endlich wiederauferstanden. Endlich gibt es einen Mann, der die Probleme der Menschen versteht, die Schwachen versteht und unterstützt, sie sogar rettet. Super-Obama fehlte nur noch das passende Cape statt des Designeranzuges und die Illusion eines neuen Superhelden wäre perfekt gewesen. Zur gleichen Zeit wurde dem Newcomer und Popstar der schönen, neuen Politik sogar der Friedensnobelpreis verliehen. Was damals schon unter Kritikern als "Witz" galt, sollte sich aus heutiger Sicht leider bestätigen.
Die Amtsperiode Obamas war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. So hatte man vor allem in den ersten zwei Jahren den Eindruck, Obama sei zu untätig umgegangen mit dem politischen Vorteil, die demokratische Mehrheit auch im Repräsentantenhaus zu besitzen. Viele Gesetze, die Obama durchsetzen wollte, scheiterten auch durch innerparteiliche Streitigkeiten und Unstimmigkeiten. Besonders groß war in der ersten Zeit vor allem die Enttäuschung über das gebrochene Versprechen, das Gefangenenlager der Guantanamo Bay Naval Base des amerikanischen US-Stützpunktes auf der Insel Kuba zu schließen. Immerhin war dies ein großes, den Wahlkampf dominierendes Versprechen Obamas. Im Ende sollte auch dieses Versprechen sich mehr oder weniger in Wohlgefallen auflösen, auch wenn Obama im Jahr 2009 die Schließung des Gefangenenlagers beschlossen hatte.
Nicht nur dort allerdings ist Obama gescheitert. Ein weiteres, die gesamte Amtsperiode beeinflussendes Thema war die Krankenversicherung für alle. Bereits Bill und Hillary Clinton waren in ihrer Amtszeit gescheitert, ein einheitliches System auch für die Schwachen der Gesellschaft durchzusetzen. Die Situation wurde vor allem im Jahr 2010 nach den Repräsentantenwahlen deutlich schwerer, denn von diesem Zeitpunkt ab hatten die Republikaner die Mehrheit gemeinsam mit der radikaleren Tea Party und versuchten nach Kräften, die Pläne Obamas zu durchkreuzen. Obama hatte trotzdem einen großen Erfolg, das Gesetz zum Gesundheitswesen wurde nach mehrfachen Korrekturen doch durchgesetzt. Fraglich ist in diesem Zusammenhang nur, ob die einheitliche "health care" der unteren Sozialschicht wirklich hilft, denn mehr oder weniger verpflichtet das Gesetz die Menschen, eine Krankenversicherung abzuschließen. Diese Lösung hilft den Menschen, die Geringverdiener sind, allerdings so gut wie gar nichts. Die Befürchtungen gingen sogar so weit, dass sie sich um ihre Existenz sorgten für den Fall, dass sie zu einer Krankenversicherung verpflichtet würden.
Doch wie in allen Dingen im Leben, ist Obama auch nicht nur ein Beispiel für die reine Enttäuschung. Immerhin hat Obama viel erreicht, im Vordergrund steht vor allem die Eliminierung von Osama bin Laden im Jahr 2011. Bin Laden galt als "Stachel im Fleisch" der USA, der Mann, der für die Anschläge des 11. September hauptverantwortlich war. Die Republikaner werden wohl für immer einen Groll in sich tragen, dass Obama in einer Amtszeit geschafft hat, was George W. Bush jr. in 8 Jahren nicht gelang. Nichts desto trotz, in all den Jahren, in denen es um die Ergreifung bin Ladens ging, gab es keine tiefen Gräben zwischen den Demokraten und den Republikanern. Anders sah das Ganze bei den Anschlägen in Libyen auf die US-Botschaft aus, bei der drei Menschen starben und die eine Welle von weiteren Anschlägen durch Extremisten auslöste. In diesen Tagen im September hat sich vor allem Mitt Romney einige Blessuren zugezogen, indem er direkt gegen Obama und die demokratische Regierung schoss, wenngleich es für das gesamte amerikanische Volk eindeutig ist, dass in solch schwierigen Krisen vor allem der Zusammenhalt gilt, sogar über parteiliche Grenzen hinaus.
Es war spätestens in dieser Situation klar, dass der Wahlkampf in den USA auf Hochtouren lief, weit vor dem ersten Fernsehduell zwischen Romney und Obama. Und es war klar, dass dieser Wahlkampf dreckiger und heftiger als viele andere Wahlkämpfe werden würde, denn die Republikaner wollen das Ruder wieder übernehmen. Nach acht Jahren Bush und einer republikanischen Machtunterbrechung durch Obama für vier Jahre meinen die Konservativen des Landes, es wäre wieder Zeit für die Allheilbringung durch die Republikaner. Doch den Republikanern stehen seit 2010 schwere Zeiten bevor, denn die radikale Tea-Party hat immer mehr Anhänger dazugewonnen. Die Gründe für den Ansturm bei einer absoluten schwachsinnigen Partei sind vielfältig, vor allem aber empfanden die Menschen die konservative republikanische Partei einfach nicht mehr als konservativ genug. Mit einem Mal wollten die Menschen mehr Konservatismus, mehr reaktionäre Strukturen als die Republikaner als weltoffen oder gar liberal zu sehen. Soziale Strukturen? Wer in einer amerikanischen Partei das Wort "sozial" überhaupt in den Mund oder gar in das Parteiprogramm aufnimmt, ist für den konservativen Flügel längst im Kommunismus angekommen. Sozial = linksextrem? Europa weiß, dass es zwischen diesen Extremen auch Farbschattierungen gibt und nicht nur Schwarz oder Weiß.
Wenn die Amerikaner eins genauso gut, vielleicht sogar besser beherrschen als die Chinesen (und die sind bereits Spitze darin), dann ist es die Polemik und die Übertreibung. Etwas, was gar nicht so extrem in eine bestimmte Richtung gehört, wird durch Wahlkampfreden oder diffamierende Wahlkampfspots so weit in eine extreme Ecke gedrängt, dass es jeder glaubt. Wahlkampfspots und Wahlkampfreden - beide Elemente leben vor allem von der Darstellung oder von dem "Wie verkaufe ich mich am Besten?"-Prinzip. Die Präsidentschaftskandidaten sind am Ende des Tages keine Politiker, die die Welt retten möchten, sie sind Staubsaugervertreter und wollen vor allem eins: ihr Produkt (= sich selbst) verkaufen. Dies gilt sowohl für die Republikaner als auch für die Demokraten, für Romney wie für Obama gleichermaßen.
Welche Entscheidung ist am 6. November nun die Richtige? Die viel quälendere Frage dürfte wohl lauten: gibt es überhaupt eine richtige Entscheidung in Bezug auf die Präsidentschaftswahl? An dieser Erkenntnis krankt wohl die gesamte Wahl: die Unzufriedenheit mit Obamas Leistungen in den letzten vier Jahren hat die Menschen so verunsichert, dass sie nun nicht mehr wissen, was sie überhaupt wählen sollen. Vor allem die Unterschicht gehört bei dieser Wahl zu den Verlierern: schön und gut, wenn sie nicht mit Obama zufrieden sind, doch jeder in der Unterschicht weiß, dass Romney keine Alternative für die Ärmsten der Armen darstellt. Romney steht für das 1% in Amerika, das Prozent der superreichen Bevölkerung in den USA, und die können sich dumm und dämlich freuen, dass bei einer Wahl Romneys die Steuerabgaben für sie wieder kräftig gesenkt werden. Warum? In der Hoffnung, dass die Superreichen mit den gesparten Steuern Arbeitsplätze schaffen. Es ist allerdings ein offenes Geheimnis, dass dieser Schuss gewaltig nach hinten losgehen wird, denn die Superreichen sind nicht gerade dafür bekannt, Samariter zu sein. Also lautet für sie die Devise: "Geld sparen? Gerne! Geld wieder ausgeben? Nicht so gerne!"
Es steht wohl nur eins fest bei den anstehenden Wahlen: es wird sich entscheiden, ob alles im Mittelmaß schlecht bleibt oder ob es in Zukunft noch schlechter wird. Die Karten stehen im Moment unentschieden, passieren kann eigentlich alles am 6. November. Erschreckender wären nur die Aussichten, wenn der Wechsel hin zu Romney nun wirklich stattfinden würde, gerade mit Ryan als Vizepräsidenten. Dann könnte man sich auf die Abschaffung des mühsam eingeführten health care-Programms einstellen, die Verhärtung der Beziehungen zu Russland (bei denen teilweise sogar schon von einem neuen Kalten Krieg die Rede ist) und das Auseinanderdriften der Schichten Reich und Arm.
Der letzte Akt im amerikanischen Wahlkampf war wohl das dritte TV-Duell zwischen Obama und Romney, in dem es vor allem um die außenpolitische Rolle der USA geht. Gerade die angespannte Situation in Syrien zeigte, wie untätig die einst "mächtigste Nation der Welt" diesem Konflikt gegenübersteht. Einzig Hillary Clinton schien nach Kräften bemüht, überhaupt etwas gegen das Assad-Regime zu unternehmen, auch wenn ihre Bemühungen äußerst schwach waren. Ich persönlich bin in diesem ganzen Krieg in Syrien immer wieder erstaunt, wie wenig die Vereinten Nationen oder die Vereinigten Staaten unternehmen, um das Blutvergießen zu stoppen. Keiner weiß, wie es weitergehen soll, schon gar nicht nach der Wahl, ob Obama mehr tätig wird oder ob Romney überhaupt etwas tun wird bleibt offen. Fest steht nur eins: bei einer Wiederwahl Obamas steht Hillary Clinton, die in den letzten vier Jahren wesentlich für außenpolitisch stabile und wiederaufgebaute Beziehungen zuständig war, nicht mehr zur Verfügung. Damit hat Obama nun ein weiteres Zugpferd seiner Regierung verloren, was seinen Wahlkampf wiederum schwächen dürfte.
Die Folgen der Präsidentschaftswahl 2012 können nicht im Voraus bestimmt werden, keiner kann sagen, was nun wirklich besser oder schlechter wird, egal wer gewählt wird. Ob Obama nun seine Sache in der zweiten Amtszeit besser machen wird oder Romney den Karren wirklich gegen die Wand fahren wird für den Fall, dass er gewählt wird? Es bleibt alles abzuwarten. Fest steht, solange es keine entscheidenden Reformen gibt, um die sozialen Unterschiede und das "wer nicht gewinnt, hat nun einmal verloren"-Prinzip abzuschaffen, wird sich die Situation in den USA nicht ändern. Damit wird sich auch die Situation in der Eurozone nicht wirklich verbessern, immerhin bleibt die USA der Vorreiter sowohl guter wie auch schlechter Prognosen. Frei nach dem Motto: geht es den Vereinigten Staaten schlecht, geht es uns allen schlecht. Mit allen Konsequenzen.
In diesem Sinne hoffe ich, die Bürger der USA werden die richtige Entscheidung treffen. Sowohl für sich selbst, wie auch für die gesamte Weltbevölkerung. Allen Lesern des Blogs eine schöne Woche und offene Augen für das Geschehen in der Weltgeschichte.
LG Gene :-)
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