Freitag, 25. Februar 2011

Zur Kasse, Schätzchen!

Allgemein fällt es schwer, sich eine Welt ohne Geld vorzustellen. So sehr man es auch versucht, es scheint, schon wenn man seine Beine aus dem Bett schwingt, geht es doch im Ende nur um das Eine. Sex? Ersetzbar. Liebe? Überbewertet! Frische Luft? Luft in Dosen wird irgendwann auch noch erfunden.

Aber Geld... wer kann schon ohne Geld leben? Wir leben nur, atmen nur, arbeiten nur für den schnöden Mammon. Denn Geld heißt nicht nur schönes buntes Papier mit wichtigen Persönlichkeiten oder Gebäuden drauf, es heißt vor allem, dass man sich Stück für Stück von der Armut weg hin zum Reichtum bewegt. Man tut alles, damit man nicht so endet wie die Kinder in Afrika, die unter der erbarmungslosen Wüstensonne an verschiedensten Krankheiten erkranken und elendig sterben. Im Elend sterben ist undenkbar in unserer Gesellschaft - es kommt zwar immer wieder vor, aber dabei handelt es sich nunmal um die "Verlierer der Gesellschaft". Die Meisten sagen dann: "Er hat's halt einfach nicht geschafft!" - "Er war nicht konkurrenzfähig!" usw. Und noch nie wurde so hart gekämpft, intrigiert, nach unten getreten und nach oben geleckt wie heute.

Warum? Weil wir alles wollen. Alles oder nichts - aber am Besten alles, weil nichts wäre doch schlecht. Und darum dreht sich unser ganzes Leben nur noch um die kleinen und größeren Scheinchen, die jedem Einkauf (und sei er noch so klein) ein Gesicht geben. Wenn es eine Castingshow gäbe, an denen die Euroscheine mit Namen "5" bis "500" teilnehmen dürften, sie würden jede Konkurrenz, sei sie noch so schön und intelligent, in den Schatten stellen. Die Masse gewinnt eben - und die Euroscheine (oder Dollar oder Yen oder was für eine Währung auch immer bevorzugt wird) sind massentauglich. Schlimmer noch: wir BRAUCHEN Geld. Längst ist die Hure nicht mehr von uns abhängig, sondern wir hängen an ihrer Nadel. Für Geld tun wir einfach alles - wir verkaufen unser Haus, unser Auto, unsere Familie und unsere eigene Ehre, wenn wir Geld benötigen. Natürlich nur, um uns ein besseres Haus, ein besseres Auto und eine bessere Familie zu kaufen. Wir sind zwar von der Eurohure abhängig, aber wir wollen sie (ähnlich schnell wie eine echt Prostituierte nach vollrichteter Arbeit) wieder loswerden.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel - nicht jeder will sein Geld wieder für schöne Güter oder gewinnbringend loswerden. Der altmodische Rentner (oder der Multimilliardär der Angst hat, noch einmal im Leben zu verarmen) legt sein Geld auf die hohe Kante - so hoch, dass das Geld, könnte es denken, glatt an Höhenangst leiden könnte. Dort soll es alleingelassen sich vermehren. Und ja, ich könnte jetzt eine romantische Episode schreiben, wie das Geld sich dort auf der hohen Kante kennenlernt, sich sympatisch findet und dort, in luftiger Höhe, Nachwuchs zeugt. Aber diese Vorstellung überlasse ich lieber dem Leser für's Erste. Denn mir geht es eigentlich um etwas ganz anderes bei der "hohen Kante".

Immer mehr Menschen werden immer reicher, während eine noch viel größere Masse an Menschen nur knapp über dem Existenzminimum existiert (oder haarscharf darunter, das ist dann die "Pech gehabt!"-Generation für diejenigen, die sich grad noch drüber befinden). Wer aber jetzt glaubt, ein reicher Mensch hätte es leichter als ein armer, der hat noch nie die Sonne aufgehen sehen und glaubt auch, dass Milka wirklich die Milch für die Schokolade von lila Kühen bekommt. Ein reicher Mensch hat nämlich ein ganz gravierendes Problem: er will nicht nur reich sein - er möchte es auch möglichst bis in die nächsten fünf Reinkarnationen bleiben! Also, was tun? Investieren? Das war zumindest früher das Credo: Wenn du das Geld hast, bring es wieder in Umlauf, stampf noch eine Firma aus der Erde, damit ein paar hundert Menschen Arbeit (und du noch viel mehr Geld) bekommen. Doch die Vergangenheit hat oft gezeigt: Großunternehmen gehen auch mal gerne Pleite, das Investment in Immobilien ist seit der US-Immobilienkrise von 2007 auch mehr als unsicher und worin soll der Ölmilliardär noch investieren? Blutdiamanten? Leider illegal und verdammt schwer bestraft, wenn man erwischt wird. Kaugummi? Im Gegensatz zu den Blutdiamanten viel zu unspektakulär und damit langweilig. Ein Milliardär soll schließlich nicht an Langeweile sterben. Und das Investment in private Reichtümer? Der neueste Jet ist auch schnell wieder ein Altmodell, dass man später nur noch gegen ein paar Turnschuhe tauschen kann, wenn man Pech hat.
Aus all diesen (und viel mehr Gründen) hat der gemeine Reiche angefangen, auf stur zu schalten. Ihr wollt mir mein Geld wegnehmen? Dann geb ich es einfach nicht mehr aus und fertig! Immerhin (das weiß auch jeder Sparfuchs) wenn man eins kriegt bei stillliegendem Geld, dann sind es Zinsen. Und von denen kann der Reiche mehr als bequem leben.

Das Problem an der ganzen Sache? Die Allgemeinheit muss noch mehr kämpfen, treten und lecken, um überhaupt noch an genug Geld zum Überbrücken eines Monats zu kommen. Denn je mehr Geld gebunkert wird und je weniger im wirtschaftlichen Umlauf ist, umso schwieriger wird es, an das verbliebene Geld zu kommen. Und aus Armut und Konkkurrenzkampf ist eine neue perverse Idee der Reichen geboren, die zwar nicht neu ist, aber ihre Reinkarnation wieder feiert: denn das Einzige, was man dauerhaft kaufen kann mit Geld, ist ein Mensch. Ein Mensch mag zwar nicht auf einem Fleck stehen und stillhalten, aber er wird weitestgehend zum Äffchen: nur ein großzügiger Scheck ist nötig, und der Mensch macht, was das reiche Herrchen ihm befielt.

Wenn man jetzt einen ganz makaberen Humor anschlagen wollte, könnte man glatt behaupten, diese Verhältnis beschreibt auch jedes Arbeitsverhältnis weltweit. Leider sind wir aus der Not geboren für alles käuflich, wir machen so ziemlich jede Tätigkeit, wenn die Bezahlung stimmt. Immerhin haben wir zwei gesunde Arme und Beine, dazu noch den einen oder anderen klugen Kopf (und selbst wenn der fehlt, man hat immer noch die Arme und Beine!) und fertig ist die Arbeiterameise, die treu arbeitet, um das eigene Überleben zu sichern. Natürlich möchten jetzt einige aufschreien und so viel mehr Gründe dafür nennen, warum der Mensch arbeiten geht (Sozialisierung, das Netzwerk, in denen alle leben, als Teil des Ganzen zusammenzuhalten etc) und ich akzeptiere jeden einzelnen dieser Gründe. Aber sind wir wirklich so nobel in unserem Denken? Wo wir doch zu gerne unsere Mitmenschen bei nächster Gelegenheit in die Pfanne hauen wollen, wie das Fernsehen uns so gerne glauben lässt. Wir arbeiten in erster Linie für Geld! Und wir tun es doch soooooo gerne, oder?

Nun, inzwischen muss aber doch die Frage gestellt werden (und sie wurde in der Vergangenheit mindestens einmal erfolgreich gestellt): wieviel Geld ist ein Menschenleben wert? Wieviel ist Derjenige, der morgens um 5 Uhr die Beine aus dem Bett schwingt, sich müde und schlecht gelaunt zur Arbeit bewegt und mindestens 40 Jahre jeden Tag (außer am Wochenende) 8 Stunden arbeitet, eigentlich in einer Geldsumme ausgedrückt wert? Vor einiger Zeit hatte der Buchautor Jörn Klare sich diese Frage gestellt und die abenteuerlichsten Recherchen zum Thema angestellt, alle Faktoren mit einbezogen und ist von den körperlichem Wert (Wert der Organe, Knochen etc) und geistigen (die Produktivität, die theoretische Wirtschaftleistung, die ein Mensch in seinem Leben erbringt etc) und daraus ergibt sich dann eine bestimmte Summe.

Der Gedanke erschien mir bizarr, wenngleich er in der geldbezogenen Welt durchaus seine Berechtigung hat. Nicht nur das, die Frage MUSSTE ja irgendwann gestellt haben. Ob das Ergebnis befriedigend ist oder nicht. Ob wir nun sagen: eigentlich bin ich doch von meiner unschätzbaren Individualität unbezahlbar, keiner kann mich ersetzen (was übrigens nur zum Teil stimmt, aber dazu ein andermal!)... wir wollen doch ALLES beziffern können. Unser Leben, wie wir am Besten leben können, wieviel Geld kosten wir, wenn wir vernünftig leben wollen, wieviel Geld kosten wir, bis wir sterben - sogar die Frage, wieviel es kosten wird, uns unter die Erde zu kriegen, ist mehr als legitim (eine Beerdigung ist schließlich auch teuer, oder?).

Nun, das alles hat Jörn Klare dokumentiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er rund 1.2 Millionen Euro wert ist (alles in allem). Dabei hat er aber auch die tragischen Aspekte des Ganzen zutage gefördert: wieviel ein Mensch z. B. wert ist im Menschenhandel. Wie wird das beziffert und was muss ein Mensch dafür alles tun?

Ganz ehrlich, man kann jetzt auch fragen: was soll diese ganze Diskussion eigentlich? Dieses Thema ist allgegenwärtig und eigentlich keinen Blogeintrag wert, es gibt doch so viele schöne (und furchtbar dumme) Dinge, die man in einem Blog diskutieren, erörtern könnte. Ich habe einfach wieder einmal meinen Gedanken freien Lauf gelassen, wenn ich mir die derzeitige Weltpolitik angucke, was wir alles tun, um an die Macht zu kommen, um an der Macht zu bleiben. Zu Guttenberg rezitiert, ohne es entsprechend irgendwo anzukündigen, nur damit er sich selbst anschließend "Doktor" nennen darf. Warum? Weil er, wie er sagt, die "Quadratur des Kreises" versucht hat? Mitnichten! Es geht darum zu beweisen, wie schnell man ganz nach oben kommen kann, wieviel Macht man in einem Leben für sich einvernehmen kann - und im Ende darum, wieviel Geld man verdienen kann.

Die Debatte um die Plagiatsvorwürfe, der Aberkennung des Doktortitels und der Rücktrittsforderungen der politischen Diskussion sind müßig. Nur eine Frage geht mir bei Karl Theodor von und zu, hinter und forder Guttenberg nicht los: wieso ist dieser Kerl so beliebt? Was hat er als Politiker an sich, dass sich heute noch, auch nach der Affäre, mehr als 60% laut Politbarometer vorstellen könnten, dass er auch noch höhere politische Ämter erreichen könnte? Viele mögen mir zwar jetzt widersprechen, aber da wir ja schon beim Thema waren, denke ich, dass die Menschheit sich doch gewaltig von Menschen angezogen fühlt, die Geld im Überfluss haben. Der Geruch nach Geld verleiht manchen Menschen eine unglaubliche Macht - im wahrsten Sinne unglaublich, denn den Glauben an Gott könnten manche auch verlieren bei dem Geld, das manche Menschen haben.

Dass Politiker reich sind, ist kein Geheimnis. Und dass Politiker mit jedem höheren Amt, dass sie bekleiden, immer reichen werden, ist noch weniger ein Geheimnis (ganz zu schweigen von den Jobs, die sie NACH einer erfolgreichen Politikerkarriere einnehmen!). Gefährlich wird es dann erst, wenn Politiker den Bezug zu Zeit und Raum verlieren und meinen, sie könnten darüber bestimmen, wieviel ein Menschenleben wert ist. So geschehen in so vielen nordafrikanischen Staaten, in denen jetzt einer nach dem anderen die Revolution ausbricht. Alle die diktatorischen Staatschef dieser Staaten verfügen über eine nicht unbeträgliche Menge an Geld, die sie in harter Diktatur über Jahrzehnte von ihrem Volk akribisch geraubt haben. Und dieser Tage prallen nicht nur die Extreme "Reicher Diktator, armes Volk" aufeinander, sondern die Mittel scheinen immer härter und erbarmungsloser zu werden. Denn die Frage, ob sich Menschen für Geld wirklich alles bieten lassen und alles machen, stellt aktuell auch der lybische (Noch-)Staatschef Muammar al-Gaddaf. Denn er möchte Söldner für jeden Demonstranten, der nicht nur mund, sondern gleich ganz tot gemacht wird, 12 000 Dollar bezahlen.

Das einzig Traurige an der Sache ist doch nur, dass sich wohl mehr als einer zu diesem mehr als nur "unmoralischen Angebot" hinreißen lassen wird. Wie gesagt - wir tun alles für's Geld. Und wir werden leider immer diejenigen unter uns bewundern, die mehr Geld haben als wir - nur den Unterschied zwischen Bewunderung und der Zusprache von Kompetenz, den müssten die Meisten erst noch lernen. Nur wer Geld hat, hat noch lange nicht das Recht, Macht auszuüben. Und kann sich nicht alles erlauben.

Wenn ich diesem Zusammenhang die Namen zu Guttenberg und Gaddafi zu nahe beieinander erwähnt habe, dem sollte gesagt sein, dass das Endprodukt das Gleiche ist - die Radikalität verharmlost nicht das Machtstreben. Die Verbrechen mögen unterschiedlich sein, wissentlich oder unwissentlich verübt worden sein, Menschen schaden oder im Ende nur sich selbst - aber dass wir Menschen eine zu große Plattform aufgrund der Finanzwelt geben, schneidet uns selbst mehr ins eigene Fleisch, als es gut tut. Ein kleiner Schnitt mag zum Verlust der Blutkörperchen führen, die eh unnötig waren; Blutauffrischung muss ab und zu sein. Aber wenn man die richtige Arterie trifft, hat sich das mit dem Geld schon fast wieder erledigt - dann darf man sich wirklich nur noch überlegen, wieviel man noch investieren muss, um vernünftig unter die Erde gebracht zu werden.

In diesem (und positiveren) Sinne - eine gute Zeit und bis zum nächsten Mal!

LG Gene :-)

Sonntag, 20. Februar 2011

Die Straftat, trivial zu sein

Lange ist mein letzter Blogeintrag her, hauptsächlich begründet darin, dass ich nur selten Lust und Zeit habe, einen Eintrag zu verfassen und das Zeitgeschehen inner- und außerhalb des Internets zu kommentieren. Aber seitdem wir im Jahr 2011 leben, gibt es doch so einige Auf- und Abreger, die und beschäftigen und auf Trab halten.

Gute Vorsätze hatten wir wohl alle, als am 31.12.2010 die Sektkorken und Silvesterkracher knallten und zum Gehörsturz führten ... "Same procedure as every year, James"... Richtig? Und was bleibt nach rund drei Wochen davon übrig? Heiße Luft, mit der man maximal sich selbst einheizen kann in der kalten Jahreszeit. Niemand hört wirklich auf zu rauchen, keiner nimmt soviel Gewicht ab, dass es sich sichtlich bemerkbar machen würde und niemand, aber auch wirklich niemand verzichtet auf Trivialität.

Trivi...was? Nun, erst einmal zur Worterklärung für alle, die sich nicht damit auskennen SOLLTEN. Ich denke schon, die Meisten von uns wissen, was gemeint ist, aber ich will an dieser Stelle doch unbedingt einmal Wikipedia ins Spiel bringen und deren Definition des Begriffs Trivialität zitieren:

"Als trivial (von lateinisch trivialis, „jedermann zugänglich“, „altbekannt“; enthält die Begriffe tres, „drei“ und via, „der Weg“) gilt ein Umstand, der als naheliegend, für jedermann ersichtlich oder leicht zu erfassen angesehen wird."

Soviel dazu. Verständlich ist das, wir wollen uns nicht groß anstrengen, es ist schon alles anstrengend genug, von der Geburt an (da strengen sich mehr unsere Mütter an, aber für uns selbst war auch einige Anstrengung involviert). Danach wachsen wir auf, wir lernen, was wir tun können, danach was wir tun sollen und wenn wir etwas tun wollen lernen wir, warum wir das nicht tun dürfen. Schließlich werden wir volljährig und denken noch in unserem jugendlichen Leichtsinn: "Jawohl, ich hab's geschafft!" Wir wähnen uns in dem Traum, wir könnten tun, was immer wir wollten.

Weit gefehlt! Die Verpflichtungen hören nicht mehr auf, das Vergnügen schrumpft pro Tag auf ein Minimum von zwei bis drei Stunden, der Rest der Zeit geht auf in der Pflicht, aus dem Bett erfolgreich und ohne Knochenbruch aufzustehen, sich zurechtzumachen und es bis zur Arbeit zu schaffen. Wer dort Glück hat, schläft den ganzen Tag auf seinem Bürosessel und kassiert einen riesigen Gehaltsscheck (und nein, ich spreche nicht primär von Politikern in diesem Fall, wenngleich sie nicht zu 100% ausgeschlossen werden sollten!). Wer eher Pech hat, der darf arbeiten, und das bis zum psychischen und physischen Schmerzempfinden und das nur, um abends totmüde auf der Couch zu landen bei Dosenbier und TK-Pizza.

Wen wundert es, bei diesem Schreckensszenario, dass der Mensch die Trivialität dem Intellektuell-Anspruchsvollen vorzieht. Irgendwann ist das Maß einfach voll und in letzter Zeit scheint es immer voller zu werden: wenn man sich schon in irgendeiner Form anstrengt, dann muss der Rest des Lebens immer leichter werden.

Nicht nur, dass wir uns immer weniger mit den eigenen Füßen fortbewegen, weil wir von öffentlichen bis zu privaten Verkehrsmitteln von A nach B kutschiert werden, nein, wir möchten in ALLEN Lebenslagen Bequemlichkeit. Das daunenflauschigweiche Kissen der Technik macht es möglich - vom Mobiltelefon, dass nicht nur zum Telefonieren, sondern auch zum Fotografieren, ins Internet gehen und neuerdings zu Schönheitsbeurteilung dient, bis hin zum Computer, zur Kaffeemaschine, die jetzt nicht nur Wasser und Pulverkaffee durch einen Filter jagt, nein, es gibt noch die Möglichkeit auszusuchen, welchen Modekaffee man trinken will (das am Besten mit George Clooney, so lange John Malkovich als Petrus nicht stört!) und dazu gibt es dann (schon wieder!) Tiefkühlpizza. Leider wurde bis jetzt noch nichts erfunden, dass es bequem macht, eine Pizza zu backen, die wie selbstgemacht schmeckt. Die Werbung verspricht viel - was sie allerdings hält, steht auf einem anderen Blatt.

Ein ebenfalls treuer Wegbegleiter im selbstgemachten Bett der Bequemlichkeit (und das im Gegensatz zum Internet nicht erst seit vorgestern) ist das Fernsehen. Dieses überschlägt sich inzwischen mit allem, was keinen Zuschauer auch nur im entferntesten dazu bringt, nachzudenken. Man könnte sogar noch weiter gehen: Fernsehen macht heutzutage so dumm, dass der Zuschauer glatt vergessen könnte, was den Denkprozess an sich ausmacht. Wir lassen uns berieseln, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche... und das inzwischen auf hunderten von Kanälen, weil jeder, der etwas auf sich hält, sich inzwischen teures Digitalfernsehen anschafft, auf dessen Sendern sich dann Wiederholungen der Sendungen befinden, die der gemeine Kabelfernsehgucker bereits vor fünf Jahren "genießen" durfte.

Vielleicht ist nur mit Trivialität zu erklären, was sich gerade nicht nur im Fernsehen, sondern auch am Arbeitsplatz, im Internet und auf sämtlichen Straßen abspielt. Alle sprechen nur noch von der einen Sendung, die im Fernsehen vom Privatsender RTL auf die Menschheit mal wieder losgelassen wurde und wir hatten doch schon alle befürchtet, wir dürften sie nie wieder sehen. Seit "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" wieder läuft, ist Deutschland (zumindest laut RTL) ganz gaga auf die C-Prominenz, die sich gerade durch den australischen Dschungel quält (oder war's eher umgekehrt? wer weiß?). Aber kann das wirklich sein, dass die Trivialität derart weit geht? Lassen wir mal die Ekelprüfungen aus dem Spiel, das schlucken von Tiergedärmen oder verfaulten Früchten, ich spreche vom Reiz, sich die Reibereien von Menschen untereinander anzusehen. Dieses Phänomen hatten wir ja schon einige Male, und sie sind eigentlich erklärlich für sämtliche Reality-Formate, die im Programm laufen: seien sie fiktiv oder real, ob DSDS oder der X-Diaries auf RTL II (die übrigens wohl den Titel der "Geschichten aus der Gruft" Deutschlands ergattern dürften), es geht nur ums Streiten, ums sich gegenseitig fertig machen, ums Zerstören oder zerstört werden. Geht unsere Bequemlichkeit so weit, dass wir uns im Fernsehen jetzt ALLES ansehen müssen, dass jegliche Form von Anstrengung bedeutet, selbst reale Intrigen? Seifenopern waren gestern, Realityformate beherrschen den Markt. Was es bringt sei dem Zuschauer überlassen, wahrscheinlich wird man ihn auch nach solch einer Sendung fragen können, worum es ging und es werden sich nur Satzfetzen hervorbringen lassen, wahrscheinlich ist das sogar nur das Maximum.

Aber ist das wirklich eine Straftat? Wenn ja, welche? Mord am eigenen Gehirn? Vielleicht, immerhin gibt es so viele Dinge, die alles bequem machen im Leben, was hat unser Gehirn noch zu tun? In den 80er Jahren gab es wenigstens noch Gameshows, da konnten die Leute mitraten, ein wenig die grauen Zellen anstrengen. Aber heute gilt es nur noch das Motto "Klappe halten und zugucken!", kein Denken, es wird alles schön bunt appetitlich (oder auch weniger beim Dschungelcamp) serviert.
Oder kommt die Straftat von uns selbst? Vielleicht liegt es nicht daran, dass wir diese Sendungen gucken, um uns an ihnen zu ergötzen und uns nicht anzustrengen, vielleicht ist uns einfach zuviel in unserem realen faden Leben abhanden gekommen. Die wahren Gefühle, die Einzigartigkeit jeder einzelnen Emotion. Und da wir die im Erfolgswahn und Ehrgeizdruck verloren haben, sehen wir uns Realityformate an.

Sollen wir es so mal stehen lassen? Als beruhigende Entschuldigung dafür, dass wir unsere Gehirne medial auf Eis gelegt haben? Bitteschön, ich bin gerne bereit, allen zu helfen. Und wenn es nur um schlechte Ausreden geht, sich "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" anzugucken.

In diesem Sinne - bis zum nächsten Mal!

LG Gene :-)

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Frauen und Mobiltelefone - oder "The Wannabe Dick"

Wer meinte, ich würde beim Thema "mobiles Telefonieren überall und an jedem Ort (oder Örtchen)" nur die Männer schelten, der sei sich anhand der Überschrift über Folgendes bewusst: Männer sind schlimm - und Frauen sind noch viel schlimmer!

Aber erst einmal zum Allgemeinbefinden. Wir haben nun die Bundestagswahlen überlebt (ich aus der Ferne, der Rest Deutschlands hautnah), heute wurde Kanzlerin Merkel vereidigt und freudenstrahlend hat sie wiedermal ihre Pflicht übernommen. Wir haben ein neues, halb altes Kabinett, in denen ein paar Kabinettsfiguren ähnlich wie beim Schach einfach umgestellt wurden. Einziger Unterschied: bei diesem Kabinett ändert sich für die Minister gleichzeitig die Zuständigkeit, wenn sie umgestellt werden, beim Schach wird ein Bauer nicht so schnell zum König. Das gibt es nur in der CDU, dass ein Guttenberg vom Wirtschaftsminister zum Verteidigungsminister wird, dafür Verteidigungsminister Jung zum Arbeitsminister wird und Innenminister Schäuble zum Finanzminister. Nun gut, Schäuble, der vorher für Inneres und jetzt für's Geld zuständig war, kann man akzeptieren. Guttenberg wechselt von der Wirtschaft in die Verteidigung? Ja, irgendwo logisch: Waffen kosten Geld, Krieg kostet sehr viel Geld, also wenn er Erfahrung im Geldausgeben gesammelt hat, kann er jetzt auch Waffen kaufen in dem Ressort. Irgendwo auch logisch.
Einzig der Sprung von Jung möchte sich mir nicht wirklich erschließen. Von der Verteidigung zur Arbeit? Gut, es ergeben sich daraus einige Kalauer, die ich hier verwenden könnte, es aber nicht tue. Fakt ist doch, dass das Verteidigungsministerium eher witzhaft gegen die Verantwortung des Arbeitsministeriums gerade in Zeiten von Weltwirtschaftskrise und drohender Massenarbeitslosigkeit ist. Ja, man muss auch gut überlegt in der Verteidigung handeln, nicht nur Schachspieler wissen, wovon ich rede. Aber ein wenig krude wirkt die neue Regierung auf mich dennoch, ein wenig zusammengeschustert, ein wenig "ich wusste nicht wirklich, wie ich es hätte anders machen sollen" (ich kann diesen Satz sogar mit Angela Merkel's Stimme im Kopf widerhallen hören!). Aber vielleicht sollten wir es positiv sehen: schwierige Zeiten erfordern noch schwierigere und kompliziertere Maßnahmen.

Und wo wir beim Thema kompliziert sind, sind wir doch gleich beim Thema "Frauen". Männer meinen ja allgemein hin, die Spezie Frau sei kompliziert. Nun, Fussball verstehen sie, die Männer, American Football und Eishockey, alles kein Problem. Regeln und Ausnahmen der Regel, alles kein Problem für den Mann. Aber wehe, er begegnet einer Frau, die auch noch (Kalauer!) einmal im Monat ihre Regel hat... dann ist alles zu spät und sie reagieren, als käme die Frau von einem anderen Planeten.

Nur wer jetzt denkt, der Kurzschluss käme nur bei dem dreibeinigen Geschlecht zustande, der hat sich wiedermal gewaltig getäuscht. Ich habe in meinem letzten Eintrag beschrieben, wie sehr der Mann durch die Technik und das Mobiltelefon abhängig gemacht wurde. Die Art, wie Er sein Handy behandelt, als wäre es der Ersatzpenis (inzwischen hat das Mobiltelefon sogar dem Auto den Rang abgelaufen!). Nun, wir Frauen ticken eigentlich (und das macht uns dann doch wieder alle menschlich) so ziemlich genau wie die Männer. Wir benutzen das Mobiltelefon wo wir nur können, nichts ist wichtiger, als zu telefonieren. Das war schon zu allen Zeiten so, der Chat mit der Freundin ist wichtiger als Haushaltsführung und Kindererziehung. Und diese Chats sind gewöhnlich laaaaaaaaaaaang, sehr sehr lang. Unter 5 1/2 Stunden geht nichts!
Dank des Mobiltelefons nun haben wir alle Freiheiten der Welt, wenn es ums endlose Reden über Nagellack oder die Krise um unsere Sexualpartner geht. Und jetzt können wir durch das Handy nicht nur auf der eigenen Toilette die Gespräche fortführen, nein - sogar die öffentlichen Toiletten sind nicht mehr sicher. Hat jemand von euch schon erlebt, dass er mal eine dieser Toiletten aufsuchen musste und neben sich plötzlich jemand gehört hat, der mit sich selbst geredet hat? Glaubt mir, es passiert, mitten unter uns! Frauen kennen uns im Chitchat mit ihren Freundinnen und jedem Telefonkontakt keine Grenzen mehr. Wenn Männer ihre Mobiltelefone als Zweitpenisse behandeln, dann behandeln Frauen ihre sicherlich wie Möchtegernpenisse. Nie war eine Frau so stolz auf ein Paar Manolo Blahnik oder manikürte Fingernägel, wie sie es jetzt auf ihr Mobiltelefon ist. Vor allem aber: diese "Liebe" zur mobilen Freiheit zieht sich nicht nur durch alle Altersklassen, sondern auch durch alle sozialen Schichten.

Die moderne Businesslady bis hin zur Hartz IV Rentnerin, wenn alle eins gemeinsam haben (müssen), dann ist es das Telefon, dass sie stolz in ihrer Tasche (die wahlweise von Louis Vuitton oder eben von Karstadt stammt) durch die Gegend tragen und bei der sich kleinstmöglich bietenden GElegenheit hervorzücken.

Aber mal ganz ehrlich, wenn ich wirklich angestrengt so darüber nachdenke: haben wir wirklich überhaupt über das Mobiltelefon etwas zu sagen, was wir uns nicht auch persönlich einige Minuten später erzählen könnten, wenn wir uns wirklich treffen? Muss jeder zweite Anruf in der Bundesrepublik aus Bussen, Autos, Taxis oder Bahnen stattfinden und im Kontext lauten "Ich bin in zwei Minuten da... ich bin in einer Minute da... du, ich glaube, ich bin fast da. Wir sehen uns gleich!" Welche Logik machen solche Gespräche, außer für die Anbieter des Services, die ihr Geld daran verdienen?

Vielleicht fühlen sich die Menschen einfach ungehemmter, wenn sie Dinge nicht Menschen in die Augen sagen müssen, sondern sie einfach irgendwo in ein Telefon hineinflüstern können. Dadurch meiden sie Augenkontakt und damit den direkten Blick in die Seele. Wenn es den Menschen weniger peinlich ist, jemand etwas über das Mobiltelefon im Bus zu erzählen, wo nur zwanzig weitere Menschen zuhören, soll mir das Recht und billig sein. Wirklich logisch ist es allerdings nicht, da finde ich die altmodische Variante weitaus weniger peinlich, wenn man sich begegnet und sich "unter vier Augen" (die der Spiegel zu zwei Seelen sind) unterhält.

In diesem Sinne, wie Franz Müntefering sagen würde, ein heiteres "Glück auf!" an die neue schwarz-gelbe Regierung und ich verabschiede mich bis zum nächsten Mal (dann auch wieder ein wenig ausführlicher!)

LG Gene ;-)

Samstag, 12. September 2009

Männer und Mobiltelefone - oder: "The replacement dick"

Drei Monate und 10 Tage nach dem letzten Eintrag (und zwei gescheiterten Versuchen eines Eintrags) hier der dritte Versuch. Da dreimal ja göttlich ist, hoffen wir auf das Beste in diesem Fall.

Erst einmal war es ein turbulenter und ereignisreicher Sommer - es war oft zu warm (und das nicht nur in Deutschland!), dank des Wahljahres wird hin und herspekuliert, politischer Poker gespielt, bis die Schwarte kracht und dann ... tja, dann war da Michael Jackson. Er WAR, ist nicht mehr. Und nichts war danach mehr so wie vorher. Plötzlich hören wir in sämtlichen Straßencafés "Billy Jean" oder "Thriller" aus den Boxen dröhnen, es gibt Michael Jackson in Posterform, auf T-Shirts gedruckt und in sämtlichen Magazinen und Merchandisingartikeln zu kaufen. Die Menschen reißen sich um seine Platten von der Jackson Five Zeit bis zum Best of Album, das vor einigen Jahren, als es erschienen ist, kaum jemand mehr interessiert hat und jetzt quasi zum Heiligtum der heutigen Zeit wird. Das Leben kann doch verdammt schön traurig gestrickt sein - wir ignorieren jahrelang einen der erfolgreichsten Künstler unserer Zeit, machen uns über seine 10 oder mehr Schönheits-OP's lustig, empfinden ihn als Witzfigur... um ihn erst nach seinem Tod zu lieben und zu ehren, da der Tod ihn von uns geschieden hat. Klingt merkwürdig? Ist aber so! Und es passiert uns auf diese Weise ja nicht zum ersten Mal. Wir würdigen grundsätzlich die Dinge erst, wenn wir sie verloren haben. Elvis ist das beste Vorzeigebeispiel, und wie passend, dass Michael zu Lebzeiten mit Elvis Presley's einziger Tochter verheiratet war! Zuerst war Elvis der Held einer ganzen Generation, sein Hüftschwung legendär, seine Stimme ließ Millionen Frauen dahinschmelzen. Dann kam die Tablettensucht, Elvis nahm zu, Elvis wurde zu extravagant - Elvis war eine Witzfigur. Und nach seinem Tod? Erst durch die Tatsache, dass er nicht mit 80 gestorben ist, wurde er zur Legende. Es scheint, als bräuchten wir die Dramatik in unserem Leben. Sobald ein Künstler auf tragische und unerwartete Weise stirbt, ist er kultverdächtig für uns, dann lieben wir ihn, vergöttern ihn und möchten ihn nie vergessen. Aber lass den gleichen Künstler glücklich mit 85 in seinem Schaukelstuhl an Herzversagen sterben, dann redet keine Eintagsfliege davon. Natürlich gibt es einen Nachruf für den Künstler - aber erreicht er Unsterblichkeit? Wohl kaum...

Heute jährt sich 9/11 zum 8. Mal. Über 3000 Menschen starben, als die Flugzeuge die Twin Tower des World Trade Centers trafen und wie WEihnachten, Ostern und Silvester wurde der 11. September nun zu einem festen Tag, an den so ziemlich jeder Mensch auf diesem Planeten denkt, wenn auch nur kurz. Ich gebe zu, auch ich musste heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit an diesen bedeutungsschwangeren Tag denken. Auf der anderen Seite, so tragisch die Ereignisse auch sind, ein wenig Übertreibung empfinde ich schon, wenn ich mir die alljährliche Show um das Ereignis angucke. Es werden die Namen der Opfer vorgelesen, es gibt große Zeremonien um das Ereignis... aber was hat 9/11 bewirkt? Der Krieg in Afghanistan hat so viele Opfer gefordert, wer liest die Namen dieser Menschen vor? Wer sagt auch nur einmal an diesem Tag die Namen der Opfer des Irak-Kriegs? Ich wundere mich manchmal, ob es selbst nach dem Tod einen VIP Status gibt... der Tod eines Menschen scheint wichtiger zu sein als der eines anderen. Seit über 2 MOnaten wird über den Tod von Michael Jackson diskutiert. Aber wieviele Menschen sind am gleichen Tag gestorben? Oder seitdem gestorben? Was ist mit diesen Menschen? Bestehen die nicht auch aus Fleisch und Blut wie Michael? Okay, ich gebe zu, nicht jeder der anderen Menschen, die zwischenzeitlich verstorben sind, haben Platten aufgenommen und wahrscheinlich war kein zweiter unter ihnen, der ein Album herausgebracht hat, dass so erfolgreich wie "Thriller" war (und für alle, die jetzt klugverdauen wollen: ich weiß selbst, dass die Platte die erfolgreichste aller Zeiten ist, danke schön! ;-))

Nun, ich denke, ich werde zu ernst bei diesem Thema. Tod, der Platz im Himmel, der für jeden von uns reserviert sein soll, aber anscheinend selbst da wird ein Unterschied gemacht. Sonst würden wir Menschen auf Erden uns nicht so benehmen, wie wir es tun. Der Tod von Mensch A ist wichtiger als der Tod von Mensch B... deswegen kommt B ja auch an zweiter Stelle im Alphabet. Nevermind...

Zurück zum eigentlichen Thema (ich gebe zu, ich habe in den letzten drei Monaten ein wenig die Kurve für clevere Cliffhanger verloren!). Inzwischen lebe ich in einer pulsierenden Großstadt, mit Menschen bis zum Bersten überfüllt. Ich benutze öffentliche Verkehrsmittel und dabei bietet sich mir jeden Tag ein Schaubild der erstaunlichen, manchmal auch grausigen Art. Hat eigentlich irgendeiner von uns schonmal bemerkt, wie kontaktarm wir uns eigentlich heutzutage benehmen? Okay, schlechter Anfang für dieses Thema, klingt zu sehr nach dem "Wort zum Sonntag". Dann mal anders: ich wundere mich, wie in der heutigen Zeit Männlein und Weiblein überhaupt noch zueinanderfinden. Wieso? Nun, ich blicke mich um, sehe hinter der Pornofassade des Internets und der Kontaktfreudigkeit der Sozialnetzwerke à la "Facebook" und "Lokalisten.de" Menschen, die entweder in der U-Bahn oder im BUs sitzen und sinnentleert entweder auf ihr Mobiltelefon oder ihren mp3 Player starren. Augenkontakt im Bus? Fehlanzeige! Die Liebe des Lebens in der U-Bahn finden? Gibt's nur in 80er Jahre Hollywood-Komödien. Diese Zeiten sind ein für allemal vorbei. Und wozu ist das "Handy", wie wir Deutschen es so schön bezeichnen, gut? Richtig! Um in Kontakt zu bleiben, Kommunikation zu betreiben. Das Witzige daran ist: wir werden zu Blindgängern ausgebildet und das schon seit über 10 Jahren. Denn wir müssen uns eigentlich nicht mehr sehen, es macht doch auch gar keinen Spaß mehr, sich wirklich zu treffen, obwohl man das am Telefon verabredet hat. Wenn man sich nämlich treffen würde, hieße das, seine Wichtigkeit zu verlieren und einfach normal zu sein, mit seiner besten Freundin im Café zu sitzen und zu reden. Ist das möglich im Zeitalter der digitalen Technik? Wohl kaum! Wenn schon, dann sollten wir uns alle lieber verabreden über das Mobiltelefon, uns nicht zu verabreden. Hauptsache, wir reden darüber am Telefon mitten in der U-Bahn, damit auch jeder Andere mitbekommt, wie wichtig die Person hinter dir, vor dir oder dir gegenüber ist. Das klingt sinnlos? Nicht so ganz, nicht, wenn man wirklich genau die Menschen um sich herum betrachtet.

Womit wir bei den Männern wären. Ich beobachte die Männer ein wenig strenger als die Frauen... Frauen tendieren dazu, die große Brokerin der New Yorker Börse spielen zu wollen oder die übergestresste Modedesignerin mit 4 Kindern zu Hause, die alle versorgt sein wollen. Natürlich geht das nur über das TElefon. Und die Männer? Die machen vom Prinzip her das Gleiche. Nur meiden sie den Augenkontakt mit jedem anderen Menschen, indem wie weniger telefonieren, als in ihr Blackberry oder iPhone zu starren und über die vielen vielen Möglichkeiten zu staunen, die ihnen ihr "Ersatzpenis Mobiltelefon" bieten kann. E-mails lesen war gestern, wir gucken inzwischen auch nach dem Wetter, planen unsere Wochenendtrips mit der Freundin, die wir nicht haben, weil wir eigentlich nur auf das Telefon starren, schreiben unsere Einkaufslisten und vergleichen sie mit den lokalen Supermärkten, obwohl im Ende doch wieder alles auf chinesisches Essen zum MItnehmen hinausläuft. ES gibt Möglichkeiten über MÖglichkeiten, die Welt des MObiltelefons ist so grenzenlos geworden, dass jeder Mensch sich dadurch freiwillig in eine zwei mal zwei Millimeter große gedankliche Gummizelle pressen lässt. Und wenn du denkst, du hättest mehr als vorher, dann guck dich einfach um, wieviel zu vorher hattest und vergleiche. Wahrscheinlich hattest du Freunde, denen du in die Augen gucken konntest, nicht Freunde, mit denen du über Twitter Tweets austauschst und ihnen sagst, wann du zum letzten Mal auf der Toilette warst. Das Witzige an früher war, dass du wusstest, wie deine Freunde in Bewegung aussahen und nicht nur auf dem Profilbild... plus du wusstest, wann deine Freunde das letzte Mal auf der Toilette waren, immerhin mussten sie die KOmmunikation mit dir unterbrechen, aufstehen und sich für zwei Minuten aus dem Raum verabschieden.

Vielleicht hattest du auch früher einmal bemerkt, wenn eine schöne Frau neben dir im Bus gesessen hat. Vielleicht hättest du sogar den Schneid aufgebracht, sie anzuquatschen. Heute guckst du dir über Singlebörsenseiten Profile von Frauen an, schreibst mit ihnen e-mails und SMS für 3,99 Euro pro Stück und wunderst dich im Ende, wenn die Frau auf dem Profilbild gar nicht mit der Internetidentität übereinstimmt.

Vielleicht wäre das Leben einfach anders, wenn nicht sogar besser, ohne dein Handy. Das Problem an der Sache ist nur, so wenig, wie du dir vorstellen kannst, ohne Penis zu leben, so wenig kannst du dir inzwischen vorstellen, ohne dein Handy zu leben. Das Ganze hat nur einen Unterschied: der Penis eines Mannes ist ein von Geburt an vorhandenes und teilweise sogar nützliches Körperteil. Und das Mobiltelefon? Das kam irgendwann dazu und wurde so wichtig, als wäre es von Geburt an dabei gewesen. Vielleicht meint die Biologie das mit dem Unterschied zwischen "angeboren" und "anerlernt". Mal sehen, ob wir nächstes Jahr klüger sind in dieser Beziehung - oder ob die Menschen dann alle glauben werden, wir wären schon mit dem Mobiltelefon auf die Welt gekommen (was übrigens ein sehr lustiger Gedanke wäre!).

Mit diesem etwas skurrilen Bild verabschiede ich mich ins Wochenende und wünsche noch viel Spaß im Spätsommer. Bis zum nächsten Mal.

LG Gene

Montag, 1. Juni 2009

Der Trost kommt scheibchenweise vom Grill

Die letzten Wochen waren wieder einmal ereignisreich - zumindest, wenn man sich die Nachrichten anguckt. Die eigenen Ereignisse erscheinen im Vergleich zu den News im Fernsehen nie so schillernd und vielseitig, dramatisch und gleichzeitig manchmal lächerlich belanglos. Es sind eben die gebündelten Schicksale, die die Nachrichten bunt und damit spannend machen. Wer würde schon die Nachrichten einer Person täglich verfolgen wollen? Was würde schließlich dabei herauskommen? Der tägliche Bericht zur Verdauung der Person? Oder warum es sinnvoller ist, nach links statt nach rechts abzubiegen, um auf dem schnellsten Weg zur Arbeit zu gelangen? Wirklich sinnvoll wäre das nicht! Und es würde auch keinen interessieren. Nicht nur würde es keinen bei einem Otto Normalverbraucher interessieren, es würde auch niemanden interessieren, wenn man solche Updates von einem Prominenten oder Politiker erstellen würde. Jeden Tag wissen, wie oft Frau Merkel oder Mr. Obama die Toilette aufgesucht hat? Eher uninteressant. Zumindest für's Fernsehen...

Denn wenn wir uns im Internet umgucken, wird die Sache doch wesentlich trivialer, belangloser... und eigentlich schon fast peinlich. Es gibt so viele Menschen, die sich berufen fühlen, nicht mit einer guten Meinung oder Philosophie auf sich aufmerksam zu machen, nein! Es geht ihnen darum, der Welt das mitzuteilen, was sie ihren Freunden, ihren Bekannten und auch jedem anderen Fremden im wahren Leben unter keinen Umständen erzählen würden. Und wie funktioniert das? Über Blogs, über Twitter, über Communities - die Trivialität des Internets sprengt Grenzen und führt in unendliche Weiten, von denen man nicht einmal wusste, dass sie hinter den erahnten unendlichen Weiten existieren. Keine Information, die nicht aufgeschrieben, gepostet, per Foto upgeloaded wird etc pp... Die Frage, die beim Fernsehen lauten würde "Was will der Zuschauer sehen?" stellt sich im Net schon lange nicht mehr. Hier stellt sich ständig nur die Frage "Was bin ich bereit zu zeigen, weil ich möchte, dass jemand (und wenn es nur irgendwer ist) es sieht?" Denn das ist im Ende die einzige Grenze: die eigene Zeigefreudigkeit, der eigene Prüderie, wenn es um die vermeintliche "Privatsphäre" geht. Erst da ist mit dem Informationsfluss schluss. Erst dann verschließt sich der Mensch wieder ins Privatleben.

Nur meistens ist es dafür dann bereits zu spät. Das Internet schreibt nämlich so ganz eigene Gesetze, die der Benutzer zwar meint zu kennen und sie auch kontrollieren zu können. Im Ende wird der Benutzer und Informationsverteiler zur Geisel seiner eigenen Zeigefreudigkeit. Das geschriebene Wort hat eine Tücke: es neigt zur Geschwätzigkeit. Wenn wir anfangen zu schreiben, fällt die Schranke, die beim Sprechen immer mal wieder in Kraft tritt: die Hemmung, Dinge nicht zu sagen, die wir nur denken. Wenn wir schreiben, dann denken wir, aber wir sprechen meistens nicht. Und deswegen schreibt der gemeine Blogführer oder User von "Twitter" gerne das auf, was er denkt - ohne die Schranke, Dinge wegzulassen, die eigentlich nicht für die Augen von Millionen von Nutzern bestimmt sind. Natürlich ist die Chance gering, dass der Falsche Informationen lesen könnte, die man irgendwann geschrieben hat. Und sicher ist es fast schon paradox, dass die Informationen im Internet einem Menschen im wahren Leben zum Verhängnis werden könnten.

Doch das Internet ist heutzutage vergleichbar mit der Beichte in der Kirche - man möchte sich jemand anvertrauen, der zuhört und nur selten widerspricht. Eigentlich widerspricht das Internet nie direkt, im Gegensatz zu einem Priester. Der Internetuser schreibt alle seine Sorgen, seine Freuden, seine Trauer, seine Zweifel und seine Sehnsüchte, Lüste und Begierden hinunter und denkt, damit sein Gewissen zu erleichtern. Denn (wir erinnern uns) der Internetuser bringt seine Gedanken virtuell "zu Papier", nicht das, was er sagen würde. Die Scham, solche Dinge auszusprechen, wäre bei den Meisten viel zu groß! Das Dumme an der virtuellen Beichte ist nur (ganz anders als an der Beichte in der Kirche, in der man mit 20 Vater Unser abgestempelt werden würde im Durchschnitt), dass sie bestehen bleibt und jederzeit wie vor Gericht gegen den "Angeklagten" verwertet werden kann.

Fast so ähnlich funktionieren Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung - die Menschen erinnern sich an sie. An jedes kleine Ereignis, sei es noch so trivial... wenn es erstmal auf ein Großereignis trifft, dessen Ecken und Kanten genau auf die des kleinen Ereignisses passen, werden sie zu einem Mosaik zusammengefügt, wieder aus der Versenkung hervorgebracht und ausgeschlachtet bis zum Tod sämtlicher Nachrichten.

Zurück zum Anfang: die letzten Wochen? Wie gesagt, von meiner Seite nur wenig bis gar nichts (selbst wenn, es gibt genug Verrückte, die darüber im Internet öffentlich philosophieren!), von Seiten der Nachrichten doch recht viel: 60 Jahre Grundgesetz, Europawahlen, Opel und Karstadt in der absoluten Krise (dazu unser junger und dynamischer neuer Finanzminister, der für alles eine Lösung sucht). In den USA sieht es auch nicht besser aus: GM meldet nun offiziell Insolvenz an, Obama will Guantanamo schließen (war ja schon vom Wahlprogramm her bekannt), dann darf er es nicht schließen, weil die republikanischen Mehrheiten dagegen sind - und nun hat er beschlossen, doch für den Wähler der Heiland zu sein und sich mit aller Macht durchzusetzen.

Aber eine Nachricht überbietet im Ende doch alles, sämtliche Sorgen um wirtschaftliche Engpässe weltweit oder Arbeitslosigkeit, diese Nachricht besiegt sogar den Tod, den Teufel und die Werbung: der Sommer! Er ist endlich da! Und gerade jetzt, zum Feiertagswochenende hin, sehnen sich die Menschen nach Barbecue und Sonnenschein satt - einfach mal Fleisch auf Holzkohle braun und ein wenig schwarz werden lassen. Nie zuviel schwarz, weil das ja krebserregend wäre und nicht sonderlich gut schmeckt. Aber ein bißchen schwarz (=Röstaroma) ist doch immer erlaubt.

Und der Grillwahnsinn kennt kein Ende: vom Morgenmagazin bis zum Nachtjournal - immer wirrd mindestens einmal das Wort "Grillen" erwähnt. "Grillwetter" "Grillwochenende" "Grillparty" "Grilllaune"... jedes Wort des DUDEN wird demnächst wahrscheinlich in der Grillversion erscheinen. Dann fängt jedes Wort einfach mit "Grill" oder "Grillen" an. Von A wie "Grillaal" bis Z wie "Grillzunder". Okay, es geht nicht wirklich von A-Z - eigentlich geht es ja nur von "Grill" bis "Grillen" - aber irgendwo muss man ja nach dem Alphabet ordnen, also dann immer schön NACH dem Grillzusatz. Es gibt nur einige wenige Wörter, die werden wahrscheinlich nicht mit dem Zusatz Grillen versehen: Krebs, Aterienverkalkung und Brandopfer.

Wo vor Jahren noch viel über das Ungesunde am Grillen an sich debattiert wurde, scheinen diese Bedenken heute einfach weggewischt zu sein. Von welcher Quelle her ist mir nicht wirklich begreiflich, aber es ist so. Die Menschen grillen wieder und das verdammt gerne. Keine Bedenken mehr, auf Elektrogrill oder gar auf Dampfgaren umzusteigen, es muss die ganz harte, schwarzgefärbte Kohlevariante sein: rauchig, stinkend und schön ungesund.

Kann sein, dass das gemeine Volk darin der Politik einfach einen Schritt voraus ist: wir lassen einfach sämtliche Probleme in Rauch aufgehen, die Folgen sind eigentlich vollkommen egal. Egal, ob diese Form des Barbecue vollkommen ungesund nicht nur für uns, sondern für's ganze Klima ist, wir leben ja schließlich im Hier und Jetzt. Was soll also mit Opel und Karstadt geschehen? Richtig - einfach in Rauch aufgehen lassen. Was interessieren uns schließlich die Arbeitsplätze anderer? Wir zählen, wir wollen Fleisch, wir wollen es jetzt - und wir wollen das hart ersparte Geld nicht für irgendwelche Sarnierungen drittklassiger Großkonzerne ausgeben. Was haben wir schließlich davon? Eine Abwendung von der Wirtschaftskrise? Nun frage ich mich persönlich: wenn dauernd davon geredet wird, wir wären schon mittendrin in der Krise, warum noch großartig versuchen, die Titanic vom Eisberg abzuwenden? Es ist doch nach heutiger Analyse erwiesen, die Katastrophe der Titanic wäre nie so schlimm geworden, wäre der Eisberg mit voller Wucht gerammt worden. Erst durch den Versuch, in letzter Sekunde ausweichen zu wollen, hat sich der Riss im Buck der Titanic als verhängnisvoll entwickelt. Und wenn Konzerne wirklich Insolvenz anmelden (so wie Herr von und zu und über und unter Guttenberg das möchte), kann wenigstens nicht unnötig viel Geld des Steuerzahlers verloren gehen. Es gehen "nur" Arbeitsplätze verloren - es lebe der Egoismus des Einzelnen!

Laut Titel dieses Blogeintrags habe ich "Trost" andeutungsweise versprochen. Und wo lag hier der Trost? Vielleicht gibt es im Ende nur den Trost, dass man zwar alles falsch, aber gleichzeitig auch alles richtig machen kann. Das Einzige, was wirklich zählt ist, dass man etwas macht! Nur durch Aktionen kann der Mensch weitergehen und vorangehen. Und wenn das heißt, manchmal die Klappe ein wenig zu weit aufzureißen.

Zum Schluss an dieser Stelle (weil ich finde, dass es passt) von meiner Seite ein herzliches Lob an Roger Willemsen. Er hat das fertiggebracht, was Joop und Lagerfeld schon vor ein paar Wochen gemacht haben, aber er hat wie immer schön treffende, manchmal fiese, aber nie falsche Worte zum Thema "Heidi Klum" gefunden, indem er über sie sagte, er wolle "Sechs Sorten Sch**** aus ihr herausprügeln". Wer es nicht gesehen hat, kann das hier gerne nachholen:

http://www.stern.de/video/:Video-So-Roger-Willemsen-%FCber-Klum/701281.html

Wer jetzt natürlich an der Heidi Klum Fanfront steht und sich echauffiert über solche Äußerungen wie über die von Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop, dem kann ich natürlich auch nicht helfen. Recht haben sie jedoch alle: wer braucht eine Frau, die dauergrinsend Werbung für Fastfood und Gummibärchen macht und auf der anderen Seite nach jeder Schwangerhaft innerhalb von 48 Stunden ihre überflüssigen Pfunde wieder verlieren will? Wer möchte die Verlogenheit einer Frau, die so tut, als könnte man alles konsumieren und dabei schlank bleiben und sich gut fühlen und andererseits junge Frauen im Fernsehen für ihr Gewicht oder die ihrer Meinung nach nicht ausreichende Modelqualität fertig macht? Vielleicht will Deutschland das, denn (so betont sie ja ständig bei Kritik) der "Erfolg gibt ihr Recht". Aber hat ein Mensch (sei es in der Geschichte wie in der Gegenwart) wirklich Recht, weil er Erfolg hat? Da tun sich bei mir fatale Parallelen auf, die ich hier erwähnen könnte und die wenig schmeichelhaft wären von Menschen, die Erfolg hatten, aber dadurch nicht wirklich automatisch Recht.

Und ich persönlich kann nur ein sehr gewagtes Statement machen, bei dem mir wahrscheinlich viele meiner Altersgenossinnen nicht zustimmen würden:

Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen der Attraktivität gepaart mit einer gewissen Hohlköpfigkeit einer Heidi Klum und dem Intellekt eines wahrhaft cosmopoliten Roger Willemsen... würde ich eher nach den Qualitäten von ihm als von ihr streben wollen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Verfasst, gepostet - und festgehalten in den Weiten des www. Zur jederzeiten zukünftigen Verwendung gegen mich. ;-)

Eine schöne neue Woche an alle wünsche ich!

LG Gene

Mittwoch, 6. Mai 2009

Die Bierbauchkrankheit

Deutschland ist das Land, in dem durchschnittlich das meiste Bier getrunken wird. England überrundet uns zwar hie und da, immerhin begeben sich die Briten bevorzugt nicht nur auf Kneipen-, sondern im Urlaub auch gerne mal auf Komasauftour. Nicht, dass wir Deutschen nicht auch dazu imstande wären... im Gegenteil! Das haben uns die Nachrichten mal wieder knallhart vor Augen geführt: Über 20 Prozent der Jugendlichen nehmen mindestens einmal im Monat in erhöhtem Maße Alkohol zu sich (in etwa 5 Gläser hintereinander), jeder Zehnte zwischen 12 und 17 Jahren weist einen gefährlichen und riskanten Alkoholkonsum auf.
Will heißen: die Jugendlichen saufen, bis der Arzt kommt - nur leider kommt er immer öfter zu spät!

Liegt das nun am Unwissen der ugend, nicht zwischen dem, was gut ist und dem, was vermeintlich nur gut tut, unterscheiden zu können? Natürlich, wir leben heutzutage weit über die "Generation X" hinaus. Die damalige Null-Bock-Generation wirkt mit ihrem Faulheits- und Trotzprotest geradezu friedlich gegenüber denen, die heute auf Straßen sich innerhalb von dire Minuten an die 2 Promille-Grenze trinken und zur Maidemo nur Zerstörung im Sinn haben. Wobei: wirklich sinnvoll waren gewalttätige Maidemos noch nie! Der nterschied ist einfach, das die Maidemo mit dem Alter nicht weiser, sondern zunehmends dümmer und sinnloser zu werden scheint. Zerstörte Luxusautos, die dem Fahrzeugbesitzer unfreiwillig die Abwrackprämie ersparen, sind nur ein Phänomen des Ganzen. Wenn das Zerstören der Gegenstände aufgrund einer Massenerscheinung langweilig und monoton wird, schlagen die Menschen eben aufeinander ein. Denn keine Schlagzeile ist immer noch wirkungsvoller als die von Verletzten oder Toten.

Doch zurück zum Thema - Alkohol und Jugendliche. Wie wild wird wieder darüber diskutiert, was zu tun ist, warum die Jugend so verdorben ist und ist die Jugend überhaupt noch zu retten? Wie gesagt, diese Jugend ist so weit, dass sie sogar über die Generation Z hinaus ist. Aber Z ist doch der letzte Buchstabe im Alphabet, was soll da noch kommen? KANN da überhaupt noch etwas kommen? Wenn die Jugendlichen mit 12 Jahren alles durch haben, was selbst viele Erwachsene nicht durchgemacht haben, wenn sie schon Drogen ausprobiert, Alkohol zum lebenswichtigen alltäglichen Lebensmittel und Sex zu ihrer schlechten Angewohnheit gemacht haben, Zigaretten rauchen, als wären sie aus Schokolade statt aus Tabak (und oh ja, ich gebe zu - ich war seinerzeit noch naiv genug, auf Schokoladenzigaretten stolz zu sein!) - was soll dann noch bitte kommen? Wie weit kann die Jugend in ihrer Würde noch sinken, damit wirklich keiner mehr Respekt vor ihnen hat. Die Jugend hat vor den Anderen sowieso keinen Respekt mehr, da brauchen wir uns gar nichts mehr vorzumachen, leider machen die Erwachsenen den Kardinalsfehler, die Jugend noch für voll zu nehmen. Das grenzt wiedermal an eine ganz gewöhnliche Groteske.

In dieser Gesellschaft werden Drogensüchtige und Arbeitsunwillige grundsätzlich nicht ernst genommen. Ihnen wird Demotivation der übelsten Sorte vorgeworfen, sie werden aus dem Kreis der weißen elitären und schrecklich normalen Oberschicht erst erniedrigt, beschimpft und zum guten Schluss nochmal bespuckt. Und die Jugendlichen? Zweifelsohne, gemeckert wird über sie - aber was ist die Konsequenz? Werden die Jugendlichen aus unserem Gesellschaftsbild ausgeschlossen? Mitnichten! Das genaue Gegenteil tritt in diesem Fall ein: sie werden zum Mittelpunkt der Gesellschaft. Auf der einen Seite bestimmen sie, die vor lauter Alkoholkonsum und Sinnlosigkeit nicht mehr vernünftig aus der Wäsche gucken können, was wir tragen sollen, welche Musik wir gut finden sollen, welches Fernsehformate erfolgreich werden... auf der anderen Seite bemühen wir uns nach bestem Wissen und Gewissen, sie wieder auf den rechten Pfad zurückzuführen. Zumindest haben wir das bis jetzt immer versucht. Inzwischen habe ich allerdings das Gefühl, wir haben längst aufgegeben. Komasaufen? Wenn die Jugendlichen sich nicht davon abhalten lassen, wird das Saufen nach Masse einfach salonfähig. Neu ist das nicht - denn vorher sonst, wenn nicht von den Erwachsenen, sollten die Jugendlichen die Idee des maßlosen Trinkens nehmen?

Dort schaltet sich dann wiedermal die gute alte "Vorbildfunktion" ein. Leider sehen die Jugendlichen nicht die Konsequenz, auf die sie sich mit großen Schritten zubewegen. Die "Bierbauchkrankheit" wird in Zukunft wohl noch viel mehr Einzug in unserem Land nehmen. Denn je mehr die Jugendlichen trinken (und das gilt gerade für die Männer!) desto mehr werden sie zur Bierbauchbildung neigen. Nun werden viele sagen "Wenn das nur das größte Problem am Alkoholkonsum ist...!" Aber ja, das ist es! Denn was die meisten Leute wieder vergessen haben: das Bauchfett, dass durch den Bierbauch entsteht, ist maßgeblich für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko mitverantwortlich. Außerdem (und darauf achten die Jugendlichen doch angeblich immer!) ästhetisch schön ist ein Bierbauch noch nie gewesen. Und ich wage zu bezweifeln, dass er in Mode kommt.

Obwohl, schön kaschiert unter einem XXXL-T-Shirt und Hip-Hop Hosen mit Schrittlänge bis zum Knie... vielleicht hat das sogar was. Aber wenn sich der Trend zur hautengen Röhrenjeans bei Männern durchsetzen würde, wären alle Jungs, die zu gerne Alkohol trinken, sehr arm dran. Speziell die Biertrinker, die würden auseinandergehen wie die Hefeklöße. Leider wissen sie ja viel zu wenig über Alkohol und den Kaloriengehalt solcher Getränke.

Im Ende bleibt es wohl den Jugendlichen selbst überlassen, ob sie die Notbremse ziehen (das heißt, ob sie sie überhaupt finden!) und ob sie sie überhaupt ziehen WOLLEN. Denn wie lange werden die heutigen Jugendlichen ihr Verhalten toll finden? Ich weiß aus Erfahrung, in etwa 10 Jahren fängt man schon ein wenig an, sich für sein Verhalten in der Jugend teilweise zu schämen. Will heißen, man würde es in dem Alter nicht mehr unbedingt so machen wie damals. Aber was, wenn man nach 10 Jahren immer noch so sehr unter Alkoholeinfluss steht und sich so sehr daran gewöhnt hat, dass man Recht von Unrecht nicht mehr unterscheiden kann? Wir werden es wohl bald erleben, immerhin scheint sich die jetzige Entwicklung nicht mehr umkehren zu lassen, der süß-bittere Alkohol schmeckt der Jugend einfach zu gut. Vielleicht hat es nur den Vorteil, dass wir für dieses "Experiment" keine Laborratten quälen müssen. Der gesellschaftliche Schaden wird dafür wesentlich gravierender und schmerzhafter für alle Beteiligten, als der Kollateralschaden bei Maidemos oder der Verlust von gezüchteten Laborratten im Pharmalabor.

Eine schöne Restwoche an alle!

LG Gene

PS: Bevor ein falscher Eindruck entsteht (nur als kleine Randnotiz!): ich bin absolut gegen Tierversuche und damit auch gegen den Gebrauch von Laborratten in der Pharma- und Kosmetikindustrie.

Samstag, 2. Mai 2009

Gott ist kein Mexikaner!

Manchmal kommen sie wieder... zwar nicht immer, aber immer öfter. Und wer jetzt noch nicht genug von ausgeleierten Werbesprüchen und Floskeln hat, den darf man herzlich Willkommen heißen zum Geschehen der Woche.

Natürlich, ein Thema geht Keinem mehr aus dem Kopf, wenn man sich umhört (und sei es noch so oberflächlich!): die Schweinegrippe! Ja, die Schweine sind los und sie tragen den Tod in sich. Zwar hätte ich das schon den Meisten, die übermäßig viele Koteletts und Gegrilltes vom Schwein konsumieren, schon vorher sagen können... aber nun ja, die Menschen gehen nicht wirklich davon aus, dass sie von ungesunder Ernährung sterben könnten.

Aber nun - seit einer Woche, hat die Welt endlich wieder eine Seuche, vor der wir uns alle fürchten können. Ich hab schon bei der ersten Meldung, die ich zum Thema gesehen habe, nur gedacht: "Jawohl, wir haben eine neue Vogelgrippe! Nur diesmal kommt sie vom Schwein..."

Ich kann niemandem deutlich machen, wie sehr mir das Gerede um die Vogelgrippe schon auf den Wecker ging - die Leute warfen nur noch mit drei Ausdrücken im Zusammenhang mit der Vogelgrippe um sich: Pandemie, H5N1, und Tamiflu. Denn Tamiflu sollte uns alle im Ernstfall retten. Aber ist der Ernstfall wirklich eingetreten? Es gab ein paar Fälle in China, auch ein paar in Europa, aber wer ist in Deutschland eigentlich an der Vogelgrippe gestorben? Ein Mensch? Zwei? Naja, eine Epidemie von Tausenden von Toten war das ja nicht gerade...

Gut, damals waren die Vorzeichen auch ganz andere. Die Menschen hatten Angst, sie könnten erkranken, denn die Zugvögel bewegten sich (und das ganz ohne unseren Einfluss!) aus dem asiatischen Raum nach Europa zu. Spätestens da hatte jeder Depp kapiert: ja, Viren können fliegen. Und wie weit sie fliegen können. Wirklich passiert ist damals (Gott sei Dank für alle Panikgeplagten!) nichts passiert. Also sind die Vögel zwar ihre Routen geflogen wie jedes Jahr und es wurde auch verdammt viel Geflügel vernichtet, aber hat es uns Menschen getötet? Bei Verkehrsunfällen sind in diesem Jahr immer noch wesentlich mehr Menschen gestorben.

Diesmal sind es halt die Schweine - aber können Schweine fliegen? Die Krankheit ist in Mexiko ausgebrochen in ihrer aggressiven Form, die jetzt die ganze Welt beschäftigt. Alle haben Angst, an der "Fiesta Schweinegrippe" zu sterben. Aber ein Schwein mit Flügeln ist mir noch nicht begegnet. Dafür hat jetzt (endlich!) jeder Angst vor Schweineprodukten. Die Menschen mutieren schonmal vorsichtshalber zum Vegetarier, denn die "Krankheit Vegetarismus" tritt zielsicher immer dann ein, wenn der Mensch Angst bekommt, nicht an Herzgefäßerkrankungen, sondern an Virenerkrankungen oder Nervenkrankheiten zu sterben. Verständlich ist das schon: ein Herzinfarkt geht meistens schön schnell und sauber ab, man ist so schnell im Jenseits, dass man vorher sogar noch vergisst, die Toilettenspülung nach der Sitzung zu betätigen. Also werden die Menschen Vegetarier - wenn BSE die Runde macht, essen die Menschen kein Rind mehr; wenn die Maul- und Klauenseuche um sich greift, wird einfach gar kein Fleisch mehr gegessen, denn sicher ist sicher. Dann wird auch keine Wolle mehr getragen, weil die Krankheit vom Schaf ausgeht und selbst Kleidung kann potenziell gefährlich sein...

Und jetzt ist es neben der Vogelgrippe (zu jener Zeit wollte keiner mehr Geflügel essen!) die Schweinegrippe. Keine Schweinerippchen mehr, kein Kotelett, kein Nackensteak. Die Herzgefäße klatschen sich enthusiastisch in die Hände... nicht ganz! Denn wer sagt, dass saisonale Vegetarier konsequent sind? Da die Vogelgrippe ihren Ursprung in Mexiko hat, brauchen wir einfach nur keine Schweineprodukte mehr aus Mexiko zu verzehren und fertig. Dass wir sowieso nur eine sehr geringe Chance als Deutsche haben, jemals mit Schweineprodukten aus Mexiko in Berührung zu kommen, darauf kommt irgendwie niemand. Aber die Dramaturgie muss ja irgendwo her kommen - und wenn es nur aus Mexiko ist....

Das Land Mexiko, das wir eigentlich nur durch ein wenig Tex Mex Küche und Taco Chips kennen, ein wenig "Fiesta Mexikana" von Rex Guildo und - oh ja, ganz wichtig! - Tequilla! Ansonsten? Wer kennt schon Mexiko? Nun, inzwischen kennt jeder Mexiko, allein schon wegen der Schweinegrippe. Mexiko, die "arme Sau" des Jahres 2009! Obwohl, den Titel hätte sie fast schon im Jahr 2008 und 2007 verdient. Nicht nur die Schweinegrippe plagt die Leute in dem Land, auch ein Erdbeben am vergangenen Sonntag erschütterte einige Regionen. Dann noch der Mafiakrieg in Mexiko, der seit zwei Jahren herrscht und bei dem schon über 5000 Menschen ums Leben kamen. Dagegen ist die Schweinegrippe ein kleiner versteckter Nieser bei einer 5jährigen! Eigentlich hätte allein mit dem Drogenkrieg die Quote für Unglücke bei den Mexikanern erfüllt sein müssen, jetzt kommt noch schlechte Presse durch die Schweinegrippe hinzu. Wie gesagt, arme Sau...

Jetzt haben neben Mexiko (wo gut 120 Menschen ihr Leben durch die Schweinegrippe verloren haben) auch die USA, Canada und langsam aber sicher auch das gute alte Europa mit seinen ganzen Rissen und Falten Angst vor dem Tod durch die Mutation der Influenca. Manchmal habe ich das Gefühl, der Mensch sehnt sich seit der Pest im Mittelalter, wir mögen doch mal wieder eine spannende Krankheit haben, bei der die Menschen alle wie die Fliegen sterben, jeder 3. Verwandte, den wir eh noch nie leiden konnten, die ungeliebten Nachbarn - auf tragische Weise dahingerafft von der Schweinegrippe. Die Vorstellung wäre so schön! Aber die eigene Angst vor der Krankheit bleibt ... und was tut man dagegen? Man schützt sich! Was die Menschen beim Thema AIDS nur selten kapieren, wenn es um die Schweinegrippe geht, haben alle den Überblick.

Das hat man schon gesehen bei der Vogelgrippe - plötzlich beherrschte ein Impfstoff, einem Heiland gleichkommend, die Medien: Tamiflu! Selten hat die Pharmaindustrie so viel Spaß gehabt an kostenloser Werbung als zur Zeit der Vogelgrippe. Nun, Gott sei Dank wurde dieser Impfstoff im Zusammenhang mit der Schweinegrippe nicht erwähnt - NOCH nicht! Denn vielleicht denkt sich die Pharmaindustrie bald "Ein wenig kostenlose Werbung muss auch mal wieder sein!" und bringt genau dieses Mittel wieder auf den Plan. Ich sehe schon die ganzen Krankenkassenpatienten 60 plus in den Wartezimmern bei ihrem Arzt sitzen und auf ihre ganz persönliche Dosis Tamiflu warten. Denn wann sonst ist es wichtig, noch lange und gesund weiterzuleben, als in dem Alter? Keine Beleidigung gegen alte Menschen, aber die Panik vor dem Tod der Menschen, die zwei Drittel ihres Lebens mindestens hinter sich haben, hat sich mir noch nie offenbart.
Vielleicht hilft Tamiflu auch gar nicht gegen die Schweinegrippe. Immerhin mutiert das Virus immer wieder, feiert Feste in seinem Wirt, dem Schwein, kopuliert und erschafft damit eine neue Form des Virus. Fast schon wie bei der menschlichen Fortpflanzung. Und dann? Vielleicht erfinden die Wissenschaftler innerhalb der nächsten drei Wochen auch einen neuen Impfstoff. Der sollte dann aber namentlich eine große Verwandschaft mit Tamiflu haben... vielleicht Tumifla oder Tamufli, immerhin wäre das für den verkalkten panikgeplagten Deutschen leicht zu merken.

Wie es auch wird, ich kann schon jetzt eine Prognose machen zum Thema "Schweinegrippe": die Toten durch H1N1 wird NICHT die Todesfälle durch AIDS übersteigen. Und wenn man sich zwischen dem Gebrauch von Tamiflu (oder wie auch immer der neue Impfschutz heißen mag, der uns alle retten soll!) und Kondomen entscheiden muss, sollte man sich doch immer wieder gerne für's Kondom entscheiden. Glaubt mir: falls ihr die Schweinegrippe bekommt, seid ihr in ein paar Wochen tot. Wenn ihr euch allerdings HIV zuzieht, ist das mit dem "entspannten Abgang in ein paar Wochen" utopische Vorstellung. Auch wenn man bedenkt, dass selbst dieser Virus wesentlich aggressiver geworden ist in den letzten Jahren.

Mit diesem doch sehr belehrenden Appell zum Thema "Schutz vor HIV" (ich gebe es zu, man möge es mir verzeihen!) und dem Schweinekotelett und einem Tequillashot neben mir verabschiede ich mich ins Wochenende ;-)

LG Gene

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